Veröffentlicht am 22. September 2003 von rekalisch
Zum Berliner Literaturfestival schreibt Susanne Ostwald in der NZZ:
Daher wurden diese Länder [Irak, Algerien, Kuba und Südafrika] hauptsächlich von Exilanten vertreten – beispielsweise von der algerischen Autorin Leïla Marouane, die heute in Paris lebt und mit ihrem Landsmann Boualem Sansal diskutierte, der in der Heimat geblieben ist – als der vielleicht letzte Schriftsteller seines Landes, wie er sagte, weswegen man ihn noch in ein Museum setzen werde. Ihr Gespräch wurde aufmerksam verfolgt vom algerischen Botschafter, der zwar betonte, «ganz privat» zuzuhören, aber dennoch in halboffiziellem Ton anmerkte, er sehe Algerien nur aus der Perspektive linker Intellektueller beschrieben, was er einseitig finde. Sansal stimmte ihm zu, sagte aber: «Leider schreiben die Islamisten nicht – sie ziehen es vor, denen, die es tun, den Kopf abzuschlagen.» Über die Literatur des Iraks und darüber, welche Rolle Intellektuelle beim Wiederaufbau des Landes spielen könnten – und sollten -, sprachen die in Berlin lebende Lyrikerin Amal al- Jubouri und ihr im französischen Exil weilender Schriftstellerkollege Jabbar Yassin Hussin. / NZZ 22.9.03
Veröffentlicht am 22. September 2003 von rekalisch
Auch in titel:
Rüdiger Heins über
Ted Hughes: Prometheus auf seinem Felsen. Zweisprachige Ausgabe. Übertragen von Jutta und Wolfgang Klaußen. Insel 2003. Gebunden. 95 Seiten. 13,80 Euro.
ISBN 3-458-19230-1
Ted Hughes: Etwas muß bleiben. Gedichte Englisch und Deutsch. Übertragen von Jutta und Wolfgang Kaußen. Suhrkamp 2003. Gebunden. 191 Seiten. 14,80 Euro. ISBN 3-518-22352-6
sowie: Das Gilgamesh-Epos. Hörspiel von Raoul Schrott . DHV Der HörVerlag 2001. CD-Rom, Audio-CD. 195 Min. ISBN 3-89584-505-1
/ 22.9.03
Veröffentlicht am 22. September 2003 von rekalisch
Im Großen und Ganzen herrscht eine melancholische, ja fast elegische Grundstimmung in dieser Anthologie, und es scheint, wie Mirko Bonné es formuliert, „Herbst im nervösen Jahrhundert“ zu sein. Neben dem ewigen lyrischen Thema der Liebe wendet sich die jüngste Lyrikergeneration in einem erstaunlichen Maße der Natur und dem archaischen Landleben zu: Da glitzern die Libellenflügel, zwitschern die Vögel, pflügen die Bergbauern den Acker, und bei Sabine Schiffner „grasen Kühe“ und „das stroh liegt schon lange in ballen da im herbstwind“. Kein Spur zeigt sich hier von Rebellion und Aufbruch, vielmehr scheint man der entzauberten (Medien-) Welt den Rücken zu kehren und in der Natur sowie im Natürlichen dem Geheimnis und dem Mythos hinterher zu spüren. …
Auf höchstem Niveau – sowohl im Hinblick auf Form, Rhythmus wie Variationsbreite, Sprachgewalt und (Hinter-) Sinn – präsentiert sich in Lyrik von Jetzt der Hamburger Nicolai Kobus. In „der dichter“ stellt er die Intention des Rilke-Klassikers „Der Panther“ ironisch-philosophisch auf den Kopf: „man wirft dir fleisch tagtäglich durch die stäbe / zu fressen hast du also, und warum / wünscht du dir, dass es keine stäbe gäbe? / die freiheit bringt dich doch nur um.“ / Karsten Herrmann, titel-Magazin, 22.9.03
Björn Kuhligk/Jan Wagner: Lyrik von Jetzt. DuMont 2003. Gebunden. 420 Seiten. 14,90 Euro. ISBN 3-8321-7852-X
Veröffentlicht am 21. September 2003 von rekalisch
Michael Collier (poet laureate in Maryland) kommentiert in The Baltimore Sun vom 21.9.03 das Gedicht „Eternity“ von Hart Crane über einen Hurrikan von 1926. Hier der Anfang des Gedichts:
September – remember!
October – all over.
Barbarian Adage
After it was over, though still gusting balefully,
The old woman and I foraged some drier clothes
And left the house, or what was left of it;
Parts of the roof reached Yucatan, I suppose.
Veröffentlicht am 20. September 2003 von rekalisch
The Habimah National Theater of Israel is visiting the United States for the first time in 40 years, with a four-day run (it ends tomorrow) at Symphony Space. It brings theatrical intelligence and moments of real power to „Kaddish L’Naomi,“ its staging of Allen Ginsberg’s a gorgeous lamentation for his dead, mad mother.
The poem, whose title is the same as that of the Jewish prayer for the dead, begins:
Strange now to think of you, gone without corsets & eyes, while I walk on the sunny pavement of Greenwich Village.
downtown Manhattan, clear winter noon, and I’ve been up all night, talking, talking, reading the Kaddish aloud, listening to Ray Charles blues shout blind on the phonograph
the rhythm the rhythm — and your memory in my head three years after — And read Adonais‘ last triumphant stanzas aloud — wept, realizing how we suffer —
And how Death is that remedy all singers dream of, sing, remember, prophesy as in the Hebrew Anthem, or the Buddhist Book of Answers — and my own imagination of a withered leaf — at dawn —
Dreaming back thru life, Your time — and mine accelerating toward Apocalypse,
the final moment — the flower burning in the Day — and what comes after . . .
There is so much in this 1956 poem: the Bible, Whitman, Blake, the ancient sound of Aramaic (Kaddish is said in Aramaic) and the modern rhythm of bop. / NYT 20.9.03
Veröffentlicht am 20. September 2003 von rekalisch
NZZ füllt am 20.9.03 ein ganzes Dossier zu Korea. Hier Auszüge aus einem Überblick von Ludger Lütkehaus:
Die Lyrik, die sich in Korea eines ganz anderen Zuspruchs als hierzulande erfreut, geht ohnehin andere Wege. Die 1955 in Ulchin geborene Kim Hyesoon(«Die Frau im Wolkenschloss») lässt in ihren so exquisiten wie gesuchten «kühnen» Metaphern die Sterne gerne in den Brunnen des Himmels fallen. Der 1921 in Seoul geborene, 1969 bei einem Autounfall ums Leben gekommene Kim Soo-Young («Der Wächter der Wolke»), der im Korea-Krieg von den nordkoreanischen Truppen zwangsrekrutiert wurde, aber auch dem südkoreanischen Präsidenten «Mister Rhee» ein sarkastisches lyrisches Monument setzen kann, vereinigt ein anarchisches Temperament mit einer zur Not Heidegger-fähigen Intelligenz.
Am zugänglichsten, gleichwohl unverwechselbar die Gedichte des 1941 in Seoul geborenen Germanisten Kim Kwang-Kyu («Die Tiefe der Muschel»), eines Autors, der politisch sein kann, ohne den Witz und die Poesie zu vernachlässigen, in seinen besten Stücken ein koreanischer Heine: «Über die Berge / durch Felder / laufen auch die Azaleen und Forsythien zum Norden über / Im Sommer sind der Kuckucksruf / Und auch das Fröschequaken / überall gleich.»
Veröffentlicht am 20. September 2003 von rekalisch
Matthias Politycki hat sich jüngst sehr geschämt, als er im Fernsehen zappend einen deutschen Dichter traf. Um die Ehre der deutschen Gegenwartslyrik zu retten, machte er sich auf die Suche – und wurde fünffach fündig. Die Ehre der deutschen Lyrik ist männlich, bildungsgesättigt und teilweise heiter. Neben Wolf Wondratschek, Hellmuth Opitz, Steffen Jacobs und Rudolf Bussmann machte er einen Zufallsfund:
Das grüne All. Ein Poem aus dem Regenwald, als dessen Verfasser gar kein genuiner Lyriker zeichnet, sondern ein renommierter Verhaltensforscher, einer, der sich seit Jahren in den verschiedensten Dschungeln herumtreibt … – Volker Sommer, und nun hat er nicht etwa einen Rettet-die-Schönherit-der-Tropen-Gesang angestimmt, sondern einen auf das Grauen, das im Herzen der Finsternis bislang von der Literatur oft beschworen, meiner Kenntnis nach aber noch nie so detailliert beschrieben wurde: „Am rabenschwarzebn Schwanz,/ kopfüber aufgehangen/ im Geäst,/ dreht zwischen flinken tatzen/ die Schleichkatze/ den Mond rund (…)“. … Der kurze Aufschein des Schönen wirkt fast wie ein Hohn, und das Gedicht erweist sich an seinem Ende als ein dunkles, sehr dunkles Gebet… / FR 20.9.03
Volker Sommer: Das grüne All. Ein Poem aus dem Regenwald. Radius Verla
Veröffentlicht am 20. September 2003 von rekalisch
24.8.2003
DeutschlandRadio: WerkStatt
Feature von Marie-Luise Goerke um 0:05 Uhr auf 89,6 UKW: „POETRY SLAM – POESIE IM CLUB“ mit Szene-Zitaten, u.a. auch von Tom de Toys:
„Meiner Meinung nach müssen die Leute selber auf die Bühne: Jeder im Publikum muß eigentlich zum Slampoet werden, jeder im Publikum muß auf die Bühne kommen – dann ist die Welt in Ordnung!“
14.3.2000
DeutschlandRadio: WortSpiel
„WENN LITERATUR ZUM EVENT WIRD“ um 19:05 Uhr auf 89,6 UKW mit Szene-Zitaten, u.a. auch von Tom de Toys:
„Es hat sich dahin entwickelt, daß die Ansprüche an die Texte immer niedriger wurden und das Sich-in-Szene-setzen (-das im negativen Sinne ‚Eventhafte‘-) in den Vordergrund gerückt ist. Auf einmal kriegt jeder die Möglichkeit, auf einer Bühne mal für fünf Minuten der Held zu sein, fünf Minuten der Star zu sein. Und um der Star zu sein, nimmt man jeden Trend in Kauf. Und die Sprache ist Medienrummel, die Sprache ist Spektakel – nicht mehr lyrische Inspiration.“
Toms Kommentar:
AUF JEDENFALL STIMMT BEIDES IRGENDWIE !!
/ 20.9.03
Veröffentlicht am 20. September 2003 von rekalisch
Rolf Schneiders Berliner Anthologie vom 20.9.03: Klabund, In Lichterfelde Ost / 15.9.03: Max Herrmann-Neisse: Herbstlicher Tiergarten
Veröffentlicht am 19. September 2003 von rekalisch
Konzerte repräsentieren das Beste, was Schweden und Deutschland an Bellman-Interpretationen zu bieten haben. Martin Bagge, Andreas Frye, Ulrich Hermann und Dieter Möckel singen fast ausschließlich auf Deutsch, denn das Textverständnis ist für das Vergnügen im Publikum ebenso wichtig wie zu Zeiten des Dichtersängers Bellmann“, blickt Dr. Kai Woellert, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, voraus. / Ostseezeitung 19.9.03
Veröffentlicht am 19. September 2003 von rekalisch
Der Exilkölner und Neuberliner René Hamann, Jahrgang 1971 und Nichtganzpopautor, stellt seinen ersten Gedichtband „Neue Kokons“ (Lyrikedition 2000, München) im Berliner Club der Polnischen Versager vor. Zu Gast ist Ron Winkler, der neue Gedichte lesen wird. / 19.9.03
Sonntag, 5.10.03
Berlin Mitte, Torstraße 66. Eintritt: 2,50 Euro.
Beginn 21.00 Uhr.
„Hamann lässt das Zeichenmaterial der trivialen Kulturen in den Produktionsprozess mit einfließen. Hintergrund ist eine popkulturelle Sozialisation, die die Arbeit in den Umkreis einer wirklichen Popliteratur bringt.“ (Kölner Stadt-Anzeiger)
René Hamann und Ron Winkler sind Mitglieder des FORUMS der 13
(http://www.forum-der-13.de/)
Veröffentlicht am 18. September 2003 von rekalisch
Think of the 16th-century anthology piece „Tichborne’s Elegy,“ which was apparently written by Chidiock Tichborne (c. 1568-1586), an 18-year-old Catholic conspirator against Queen Elizabeth, the night before his execution. The title was supplied by an early publisher.
My prime of youth is but a frost of cares,
My feast of joy is but a dish of pain,
My crop of corn is but a field of tares,
And all my good is but vain hope of gain;
The day is past, and yet I saw no sun,
And now I live, and now my life is done.
My tale was heard and yet it was not told,
My fruit is fallen and yet my leaves are green,
My youth is spent and yet I am not old,
I saw the world and yet I was not seen…
/ Edward Hirsch, Poet´s Choice, The Washington Post 18.9.03 – – –
Hier ein Gedichtzyklus von Hirsch,
„Two Suitcases of Children’s Drawings
from Terezin, 1942-1944„
by Edward Hirsch
The American Poetry Review
Volume 31, Number 5
September/October 2002
Veröffentlicht am 18. September 2003 von rekalisch
[Makarios alias Holger Oley] stellte sein frisch erschienenes Werk, den „Pratajev-Almanach“ Band 1, vor. Pratajev war Lyriker, Karussellführer, Hilfszahnarzt, Verkoster und vieles mehr. Holger Oley erforschte dessen Lebensumstände und ist sehr daran interessiert, den ohnehin schon großen Kreis der Pratajevkenner zu erweitern.
So konnte der geneigte Hörer skurrilen Arztregeln, prägnanten Tagebucheinträgen oder einfach abstrakten Begebenheiten aus dem Leben und Schaffen des trinkfesten Russen beiwohnen. Makarios schaffte es immer, wieder den Raum mit einem Lachen zu füllen, indem er uns den sympathischen Russen und seinen etwas gewöhnungsbedürftigen Humor näher brachte. / Sächsische Zeitung 18.9.03
Veröffentlicht am 18. September 2003 von rekalisch
Der Schweizer Dichter und Schriftsteller Grytzko Mascioni ist am vergangenen Freitag im Alter von 66 Jahren nach langer Krankheit verstorben. Sein Tod wurde gestern im „Corriere della Sera“ mit einer vom Autor selbst verfassten Todesanzeige bekannt gegeben. / Wiener Zeitung 18.9.03
Veröffentlicht am 18. September 2003 von rekalisch
Michael Braun bespricht für die BaZ vom 18.9.03 neue Zeitschriften. Zwei Auszüge:
Weit näher an die poetischen Einzelheiten tastet sich in Heft 159 der «manuskripte» ein famoser Essay des Schriftstellers Martin Mosebach heran. Seine Exegese entziffert die Czernin’ schen Sonette als romantischen Idealfall der Poesie, in dem «Begriffe und Anschauungen einander die Augen aufschlagen». Mosebach geht so weit, in der Czernin’schen Elementenkunde den wunderbaren Vollzug einer «katholischen Verkörperungs- oder Inkarnationsregel» erkennen zu wollen. …
Derweil nimmt Leopold Federmair in der neuen Doppelnummer von «Kolik» (Nr. 22/23) einen zweiten Anlauf, um seine massiven Zweifel an der poetischen Dignität von Czernins Sonetten argumentativ zu untermauern. Auf die Belehrungen des «bedeutenden Dichters» und seines «Wachmanns für Ordnung» reagiert Federmair dabei mit einer etwas zu ostentativ ausgestellten Ironie, die auf der angeblichen «Überladenheit» und «historizistischen» Verbissenheit der Czernin’schen Gedichte beharrt. Bislang verwenden die Diskutanten noch zu viel Energie auf gegenseitige Kränkungen anstatt den Blick über die eigenen Begrenztheiten hinaus zu richten. Ein solch vergleichender Blick könnte zum Beispiel in den Texten des aus Dresden stammenden Lyrikers Christian Lehnert den interessanten Gegenentwurf einer religiös inspirierten Dichtung entdecken, die sich von den strengen formalistischen Exerzitien eines Czernins wegbewegt hin zu einer offeneren Poetik. In einem umfangreichen Gespräch mit der Zeitschrift «neue deutsche literatur» (ndl, 5/2003), die endlich mal wieder ein interessantes Heft vorlegt, beschreibt Lehnert das Erlernen des Hebräischen und des Arabischen als Initialzündung seiner Poesie. Wer sich mit den Wurzeln der arabischen Dichtung vertraut macht, dem öffnen sich, so Lehnert, auch «die Tore in die Tiefe der Mystik und eine Sprache, die an Musik grenzt». Der Grundfigur der arabischen Dichtung, der Suche nach der unerreichbaren Geliebten, entspreche die Sehnsucht der islamischen Mystik nach dem unsagbaren Gott. Die Wahlverwandtschaft von Gedicht und Gebet – sie erfüllt sich sowohl in den «Transsubstantiationssonetten» Franz Josef Czernins wie auch in den mystischen Schöpfungsgedichten eines Christian Lehnerts.
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