„Nacht gibt es. Unkaputtbare Menschen / gibt es nicht. Vergebung von Rache / gibt es nicht. Vertrauen gibt es nicht. / Zukunft gibt es nicht. Das Paradies treibt / Schreie aus der Brust, Fliegen zur Wunde.“ Das Gedicht kann daran nichts ändern, aber es übt seine eigene Macht aus, wenn es die richtigen Worte**) gefunden hat. / Hans-Herbert Räkel, SZ 16.2.04, bespricht
JOACHIM SARTORIUS: Ich habe die Nacht. Gedichte. DuMont Verlag, Köln 2003. 86 Seiten, 17,90 Euro.
**) unkaputtbar
Über Leben und Sterben der jungen Dichterin Reetika Vazirani berichtet Paula Span, Washington Post*) 15.2.04
Seven of us.
Six survive.
— from „Quiet Death in a Red Closet“
Über einen lästigen, peinlichen… (troublesome) sowie schottischen Dichter schreibt der Guardian am 14.2.04:
The Revolutionary Art of the Future: Rediscovered Poems by Hugh MacDiarmid, edited by John Manson et al 79pp, Carcanet, £6.95
Probe aus einem während des Weltkriegs geschriebenen Gedicht mit dem Titel The German Bombers:
The leprous swine in London town
And their Anglo-Scots accomplices
Are, as they always have been,
Scotland’s only enemies.
Auch der schottische Kult um Robert Burns**) bekommt sein Fett:
One of Scotland’s most bourgeois inventions, in his view, was the cult of Burns, a writer with whom MacDiarmid was often impatient: „There was Mohammed and Plato and Shakespeare and Dante, / And Spinoza and Hegel – ‚but I’ll tell you flat‘ / Cried J G Smith, wine and spirit merchant of Milngavie / ‚A man’s a man for a‘ that’***).“
**) L&P 04/2003, 01/2004
Bewegende, trauernde Liebesgedichte von Jane Mayhall in Edward Hirsch´s Kolumne Poet´s Choice, Washington Post*) 15.2.04
She is left alone, unguarded and inconsolable. „I am the slave of my ardor, nobody/ knows your quality as I, who/ sprang to your need,“ she recalls in one poem. „Our joy was Eden,“ she concludes in another. „But when you died, it was insane.// And nature didn’t save us.“ The only anodyne is ardent creative work, the solace of making art, of defying time.
So früh wie noch nie startet MDR.DE die offiziellen Seiten zum Lesefest im März, informiert über den Deutschen Bücherpreis, die ARD-Radionacht und die ersten Focus-Hörbuchnächte – präsentiert von MDR FIGARO.
http://www.mdr.de/leipzig-liest/
This is a book, in the end, about aging — not just the aging of the Beats, which Kashner witnessed firsthand, but the aging of the author, too. Kashner is now in his mid-40’s, the same age Corso was when he described himself to the teenage Sam as a “toothless old man.“ In a somewhat mournful coda, out of step with the spirited and generous good humor of the rest of the book, Kashner recounts the deaths of Corso, Burroughs and Ginsberg, and also of his own poetry career. (He now writes magazine articles for GQ and Vanity Fair.) “As a poet you become bitter,“ he writes of his decision to abandon poetry altogether. “I knew no one was reading it, not my poetry at any rate.“ / Paul Tough, NYT 15.2.04
WHEN I WAS COOL
My Life at the Jack Kerouac School:
A Memoir.
By Sam Kashner. Illustrated. 318 pp. New York: HarperCollins Publishers. $25.95.
Der Lyriker Johannes Kühn erhält den Friedrich-Hölderlin-Literaturpreis der Stadt Bad Homburg 2004. Die Auszeichnung ist mit 12’500 Euro dotiert und wird traditionell am 7. Juni, dem Todestag Hölderlins, in Bad Homburg bei Frankfurt überreicht. / NZZ 13.2.04
Der mit 12 500 Euro dotierte Autorenpreis wird seit 1984 von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz vergeben. Die Auszeichnung ist mit einem einjährigen Wohnrecht im Mainzer Gutenberg-Museum verbunden. Mit 40 Jahren ist Schrott der bisher jüngste Mainzer Stadtschreiber. / News.ch 13.2.04
Über die bevorstehende Neuwahl des Oxford Professor of Poetry berichtet der Independent vom 14.2.04 Amtsinhaber ist Paul Muldoon, dessen Amtszeit ausläuft. Der Titel – das einzige wählbare akademische Amt – gilt als zweitwichtigste Auszeichnung für Poesie in Großbritannien nach dem Poet Laureate (Amtsinhaber Andrew Motion). Übrigens ist das Amt unbezahlt und war bisher stets Männersache.
if there are such things,
dwell in our conviction
that always somewhere
painters will concoct
their colors, poets sing,
and a single oboe
dutifully repeat
its lesson, then repeat
it again, serenely
mounting and descending
the stairway it itself
unfurls before itself.
The beauty here is visual as well as sonic, the poem becoming the staircase it describes, and with its repeated repetitions traversing and retraversing, like the oboe, its self-created space. And yet that second, quietly jarring line is perhaps the passage’s greatest, and certainly its most characteristic, felicity. / William Deresiewicz, NYT 15.2.04
THE SINGING
By C. K. Williams.
72 pp. New York: Farrar, Straus & Giroux. $20.
Denn alljährlich am 14.Februar, dem Namenstag des heiligen Valentin, halten nach mittelalterlicher Vorstellung die Vögel Hochzeit. Und es war just ein englischer Dichter des 14.Jahrhunderts, dessen Werk heute zur Weltliteratur zählt, der diesen Tag für die englisch sprechende Welt wenn auch nicht erfunden, so doch geprägt hat: Geoffrey Chaucer.
Sein Parlament der Vögel, ein herrliches Gedicht in hundert Strophen, das zwischen 1374 und 1380 entstand, ist die »Urschrift« jenes Festes, das früheste literarische Zeugnis dafür, dass der heilige Valentin und die Paarung der Vögel auf geheimnisvolle Weise zusammenhängen. Und da es eine allegorische Dichtung ist, lässt sich leicht folgern, dass hier weniger die Tiere als die Menschen gemeint sind. / Die Zeit Nr. 8/2004
Hier die ersten 7 (von 699) Verse von Chaucers „Parliament of Fowles“:
Here begynyth the Parlement of Foulys
THE PROEM
1 The lyf so short, the craft so long to lerne,
2 Thassay so hard, so sharp the conquering,
3 The dredful Ioy, that alwey slit so yerne,
4 Al this mene I by love, that my feling
5 Astonyeth with his wonderful worching
6 So sore y-wis, that whan I on him thinke,
7 Nat wot I wel wher that I wake or winke.
Am Anfang stand ein Lied von Josef Tal über Else Lasker-Schülers „Blaues Klavier“: Expansiv in Form und Klang, grollendes Dunkel, glitzernde Höhen in immer neuen Kontrastverhältnissen, der Textvortrag voller Wiederholungen, die jedoch eher auf die Verbreiterung der Formteile zielten als auf Verstärkung des Ausdrucks. Mit den folgenden „Fünf Mileva-Liedern“ von Heinz Holliger wurde sogleich eine Differenz markiert, handelt es sich doch um sehr geschlossene, im vertrauten Sinn liedhafte Gebilde. Der Rückgriff in frühere Zeiten der Gattung geht einher mit Texten aus den frühen Zeiten eines Menschen: Die Dichterin Mileva Demenga hat diese Gedichte zwischen ihrem siebten und elften Lebensjahr geschrieben. / Peter Uehling über einen Liederabend an der Berliner UdK, BLZ 13.2.04
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