62. Der junge Hacks

Jetzt läßt sich folgendes über die Edition der frühen Werke sagen: Wir werden einen sehr dicken Gedichtband kriegen, sind derzeit bei mehr als 400 Gedichten, und es werden noch mehr – etwa durch die, die in Briefe eingestreut sind. Wir haben es weiterhin mit einem Band dramatischer Arbeiten zu tun. Er hat, wie jeder anständige Dichter, wie Goethe und auch Heine, in früher Jugend einen »Belsazar« geschrieben. Den gibt es in zwei Fassungen. … Es geht also um drei bis vier dicke Bände, ein beeindruckendes Frühwerk, und die Zäsur ist eindeutig 1955. / Der Verleger Matthias Oehme im Gespräch mit der Tageszeitung junge Welt vom 16.7.

Vgl. Seltsame Freunde. Peter Hacks und der »falsche Anhang«. Von Heidi Urbahn de Jauregui. junge Welt 1.7.

61. Auszeichnung für Gerhard Falkner

Der Schriftsteller Gerhard Falkner wird mit dem Preis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Nürnberg 2010 ausgezeichnet. Dies beschloss der Stadtrat auf Empfehlung des Kulturausschusses gestern in nichtöffentlicher Sitzung. …

Der 1951 in Schwabach geborene Gerhard Falkner lebt in Berlin und Franken. Der Autor, der auch als Übersetzer von amerikanischen Kriminalromanen arbeitet, hat sich vor allem als Lyriker international einen Namen gemacht. Er gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Vertreter deutschsprachiger Lyrik.

… Zusammen mit dem Komponisten Stefan Hippe hat Falkner die Kammeroper »A Lady DIes« geschrieben, die im Jahr 2000 in der Tafelhalle uraufgeführt worden ist. / Hilpoltsteiner Zeitung

Vgl. Nürnberger Zeitung

60. Feuer und Eis

Die junge Welt beschreibt einen Film mit Gedicht. Darin sitzen zwei junge Leute auf einer Wiese:

Sie, die Wiese, sieht zunächst ganz so aus, als wäre sie dazu geschaffen, es auf ihr zu treiben. Das liegt einfach nahe. Oder sich statt dessen (endlose Sublimierung) lieber Gedichte vorzulesen. Letzteres geschieht. Ein Gedicht vom Ende der Zeiten. Christlich. Ironisch. Allegorisch. Bella/Kristen Stewart rezitiert ihrem Vampir »Fire and Ice« von Robert Frost. Und weil dieses Gedicht so überdeutlich die Handlung allegorisiert, daß es auf eine gute Dosis selbstreflexiver Ironie des Ganzen schließen läßt, sei es hier wiedergegeben. Es ist nicht all zu lang:

»Some say the world will end in fire, / Some say in ice./ From what I’ve tasted of desire/ I hold with those who favor fire./ But if it had to perish twice, / I think I know enough of hate/ To say that for destruction ice/ Is also great/ And would suffice.« (Manche sagen, die Welt endet im Feuer. Andere sagen im Eis. Was ich von der Begierde gekostet habe, genügt mir, es mit denen zu halten, die das Feuer favorisieren. Doch müßte ich zweimal vergehen, dann denk’ ich, den Haß wohl gut genug zu kennen, um zu sagen, daß auch das Eis für die Zerstörung bestens geeignet ist und genügen würde).

Das Gedicht ist in seiner Konzisheit kaum angemessen zu übersetzen. Ich hab es mal so versucht:

Einige sagen, die Welt stirbt durch Feuer.
Andere, durch Eis.
Nach allem, was ich von Begierde weiß,
halt ich’s mit denen, die das Feuer
vorziehn, Sollte sie jedoch zweimal
sterben, weiß ich von dem Ungeheuer
Haß genügend, um zu sagen, Eis
reichte allemal
zur Vernichtung aus.

– Alles kriegt man nie mit herüber. Das Versmaß hab ich zurückgelassen, obwohl es dem Gedicht keineswegs äußerlich ist. Es sind bis auf die verkürzte zweite Zeile ganz reguläre vierhebige Jamben. Die beiden letzten Zeilen sind nur durch Einfügung des Reims getrennt und ergeben zusammengenommen ebenfalls einen jambischen Vierheber – iambic tetrameter sagen die Briten, die im Unterschied zu uns an einer Fußmetrik festhalten. Das vorliegende Gedicht zeigt, daß es in der englischen Sprache liegende Gründe dafür gibt. Unbarmherzig in oder eben auf vier Füßen schreitet der Vers voran, die Verkürzung im zweiten Vers unterstreicht nur die Unbarmherzigkeit: Some – world – end – fire / some – ice / … think – know – nough – hate … Zack! Zack! Zack! Zack! Wäre man Sportreporter und spielte ein wenig die Chauvikarte, könnte man sagen: Boom-boom-boom-boom-Jambus. Vielleicht hat ja die Einsilbigkeit der meisten Grundwörter im Englischen zu dieser Wirkung beigetragen. Während im Deutschen Klopstock daran zweifelte, daß die griechischen Versfüße den Vers wirklich tragen, und stattdessen mit Wortfüßen experimentierte, fallen Vers- und Wortfuß bei den Briten fast zusammen.

Die Regelhaftigkeit der Frostschen Jamben wird auch durch die Umstellung im ersten und zweiten Vers, SOME say the WORLD will END in FIRE / SOME say in ICE…, keineswegs unterbrochen, sondern gerade unterstrichen. Es handelt sich um die schon den alten Griechen bekannte Form der Anáklasis, eine nicht nur erlaubte, sondern geforderte Abweichung vom jambischen Schema, die darin besteht, daß gelegentlich ein Fuß umgestellt wird. Noch Brecht und Benn lernten das in der Schule und benutzten es selbstverständlich für ihre Verse, die wir weniger gebildeten Neuen für unregelmäßig halten. Lektüretip für Wißbegierige: Leif Ludwig Albertsen – der Däne ist mein Lieblingsmetriker –, Mörikes Metra. Flensburg 1999.

Der Angelsachse Robert Frost ist via Metrik dem Erfinder des Jambus ganz nahe: dem Griechen Archilochos, der etwa 680 bis 630 vor Christus lebte. Von Anfang an hat der drei- und vierfüßige Jambus bei Archilochos diese Wucht, die Griechen sprachen ihm bannende Wirkung zu. (Außer zur Gefahrenabwehr nutzte der Grieche dieses Versmaß auch zum Schmähen seiner Feinde, eine Unterart des Bannens.)

Nachtrag:

Ich korrigiere den Schluß:

……………………..Eis
ist auch ganz gut
und reichte aus.

So hat es vielleicht ein Stück mehr der originalen Bissigkeit und außerdem wenigstens zum Schluß das Originalmetrum.

59. Tuli Kupferberg gestorben

Tuli (Naphthali) Kupferberg, Gründungsmitglied der Undergroundband The Fugs, starb am Montag in New York im Alter von 86 Jahren. Er war Lyriker, politischer Cartoonist und lebenslang Friedensaktivist. Zwei seiner Bücher wurden zu Klassikern der Gegenkultur: ‚1001 Ways to Beat the Draft‘ und ‚1001 Ways to Live Without Working.‘

Kupferberg schrieb den Text für einen der bekanntesten Fugs-Songs, „Kill for Peace“, den die Band bei ihren Konzerten während des Vietnamkrieges in den 60er Jahren spielte.

/ Los Angeles Times

58. Projektionsfläche Ostsee

Die überdies schön gestaltete Sammlung von über 100 zeitgenössischen Ostseegedichten liest sich bei aller Vielfalt – so unterschiedliche lyrische Temperamente wie Jan Wagner und Claudia Gabler, Nico Bleutge und Ulrike Draesner, Volker Braun und Kathrin Schmidt sind vertreten – als stimmiges Ganzes.

Das mag auch daran liegen, dass die Ostsee in den meisten Gedichten als Ort der Kontemplation und Reflektion, nicht als wild stürmendes Überwältigungsmeer in Erscheinung tritt. Wie eine leere Projektionsfläche mutet sie zuweilen an, ein blanker Spiegel oder auch ein weißes Blatt Papier. Die paar Fische, Möwen, Schiffe, die sich auf und in ihr herumtreiben, sind eigentlich nicht der Rede wert. Und was die Küste angeht, die die Dichter mitunter auch vom Meer aus beobachten – das polnische Frombork etwa betrachtet Jan Wagner vom Wasser aus – so hat auch die in der Regel nicht viel zu bieten: Ein Kirchlein, etwas Bernstein und das war es dann auch schon:

„Hach, an diesem Ort
hast du multiple Namen, hier flattert deine Hose
irre im Wind, nichts, wirklich rein gar nichts ist
bedeutungsvoll hier, life is a fucking beach.“

So die Diagnose Claudia Gablers. Aber natürlich ist die Ostseeküste auch ein historischer Ort: Hier bauten Nazis Bomben und Erholungsheime, hier schiffte sich die schwedische Flotte ein. Echos dieser Ereignisse klingen in den Gedichten dieses Buches immer wieder an. Besonders gründlich vermag der in Greifswald geborene Steffen Popp die historischen Tiefenschichten lyrisch auszuloten (einem seiner Gedichte ist übrigens auch der Titelvers entnommen).

/ Tobias Lehmkuhl, DLR

Ron Winkler (Hg.): Die Schönheit ein deutliches Rauschen. Ostseegedichte
Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Leipzig 2010
156 Seiten, 15 Euro

57. Polnisches in Schleswig-Holstein

Viel Polnisches im Schleswig-Holstein Musikfestival und im Literatursommer 2010 in Kiel und um Kiel herum. Bereits heute, Dienstag, 13. Juli, startet mit der Präsentation der dreisprachigen Literaturzeitschrift RADAR in der Kunsthalle zu Kiel die Veranstaltungsreihe zum Literatursommer 2010. Tadeusz Dąbrowski lädt mit seinem Übersetzer Andre Rudolph am Sonnabend, 31. Juli, zu einem lyrischen Nachmittag in die Stadtgalerie. Lesungen veranstalten auch die Lyrikerinnen Maria Duszka und Magdalena Forusinska (aus ihrer zweisprachigen Gedichtauswahl „Uwalniam ptaki-sny…/Ich befreie Vogelträume…“), und am 8. September geben Chamisso-Preisträger Artur Becker und die Bremer Band „Les Rabiates“ mit „Ein Kiosk mit elf Millionen Nächten“ eine Lyrik- und Jazzperformance.

Zudem präsentiert der in Zusammenarbeit mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gestaltete Lyrikparcours im Alten Botanischen Garten ab sofort polnische Lyrik des 20. Jahrhunderts. Aber nicht nur in Kiel erwartet Literaturfreunde Wortkunst aus Polen. Bis Anfang September können an insgesamt 32 Orten in ganz Schleswig-Holstein mit Magdalena Tulli, Tadeusz Dąbrowski, Tomasz Różycki, Wojciech Kuczok, Włodzimierz Nowak, Maria Duszka, Magdalena Forusińska und Artur Becker die verschiedenen Facetten der polnischen Prosa und Lyrik entdeckt werden. / Fördeflüsterer.de

56. Petr Halmay

Die Gedichte des Tschechen Petr Halmay wirken auf den ersten Blick einfach. Strandszenen, eine Arbeitspause am Vormittag, die tiefe Stille einer Julinacht: Oft sind es Momentaufnahmen, die in ihrer atmosphärischen Dichte etwas vom Vergehen der Zeit und von der Erinnerung erzählen. Doch je genauer man hinsieht, desto deutlicher werden Risse und kleine Verschiebungen in den Versen sichtbar. / NZZ 8.7.

Petr Halmay: Schlusslichter. Gedichte. Aus dem Tschechischen von Christa Rothmeier. Edition Korrespondenzen, Wien 2009. 78 S., Fr. 31.50.

55. George als Gesamtkunstwerk

Die George-Konjunktur hält an. Nach Thomas Karlaufs grosser Biografie (2007) und Ulrich Raulffs preisgekrönter Studie zur Wirkungsgeschichte des Kreises (2009) ist nun das dritte George-Buch erschienen, das sich an ein breiteres Publikum wendet. Der Berliner Germanist Ernst Osterkamp bezieht sich eingangs auch gleich auf «die gegenwärtige Wiederentdeckung Georges». Sein Buch will jedoch die zuletzt gebahnten Forschungswege nicht weitergehen. Osterkamp fordert nicht weniger als eine Kehrtwende: weg von der Konzentration auf Georges Wirkung, sein vielumrätseltes «Charisma». Hin zu den Gedichten, die doch der eigentliche Grund für die ungeheure Ausstrahlung des Meisters gewesen sein müssen. «Dass die Wirkungen des Dichters primär auf seiner Poesie beruhen und sich deshalb auch erst aus seiner Poesie erschliessen», ist die leitende Prämisse der Untersuchung.

Das klingt gut in den Ohren von Philologen und Lyrikliebhabern. Das Problem ist nur, dass Osterkamp diese Potenz der Dichtung ausgerechnet an Georges schwächstem Gedichtband aufweisen will. «Das Neue Reich» erschien 1928 und wurde von Georges Anhängern pflichtgemäss als «neue» Offenbarung bejubelt, obwohl alle wussten, dass es sich vor allem um eine Zusammenstellung alter Texte handelte. …

Das Gedicht als autonomes ästhetisches Gebilde hatte ausgedient; spätestens seit dem «Siebten Ring» (1907) waren die Verse des Meisters nur mehr Bestandteil einer umfassenden Inszenierung des Phänomens «George und sein Kreis». Der kürzlich verstorbene Gert Mattenklott hat 1970 in dem wohl originellsten George-Buch der ersten Nachkriegsjahrzehnte die Techniken dieser Inszenierung aufgezeigt. Dazu gehörten die George-Fotografien, die das knochige Dichterhaupt – gewaltige Stirnpartie, muskulöser Kiefer, trotzig vorgeschobenes Kinn – dem Betrachter so vor Augen stellen, dass ihn der bannende Blick des Meisters markerschütternd trifft. Dazu gehörten die weihevollen Lesungen, die Typografie, die Initiationsriten für neue Adepten, überhaupt die ganze Herrschafts- und Unterwerfungsliturgik des Kreises. Der späte George war demnach eher ein Gesamtkunstwerk, ein Ensemble von Verzauberungsmitteln, unter denen das Element Lyrik gewiss eine Rolle spielte, aber wohl nicht einmal die wichtigste. / Manfred Koch, NZZ 10.7.

Ernst Osterkamp: Poesie der leeren Mitte. Stefan Georges Neues Reich. Carl-Hanser-Verlag, München 2010. 292 S., Fr. 34.50.

54. Ubergeeks

Denn das in der Regel seines Umlauts beraubte Wort „über“ hat sich als immer beliebtere Modebezeichnung für „super“, „ultra“ oder „hyper“ in die Alltagssprache eingeschlichen. Als Ersatz leistet „uber“ den längst eingebürgerten Lehnwörtern wie Angst, Blitz, Doppelganger (sic), Kindergarten, Leitmotiv, Realpolitik, Schadenfreude, Urtext, Weltschmerz oder Zeitgeist Gesellschaft. So wird mit ubercheap Preisen geworben oder von ubergeeks gesprochen. Klatschzeitschriften beschäftigen sich mit uberbabes oder uberdivas. / Gina Thomas, FAZ 11.7.

53. Meine Anthologie 53: Carl Michael Bellman, Epistel 82

Epistel Nr. 82
oder
unerwarteter Abschied von ULLA WINBLAD, mitgeteilt auf einem sommerlichen Frühstück im Grünen

Liebste, an dieser Quelle
ist unser Frühstück gleich zur Stelle.
Rotwein mit Pimpinelle
und Schnepfen sind der erste Gang …
ULLA, komm, laß uns trinken!
In unserm Korb die Flaschen winken.
Leer sie im Moos versinken
an diesem dufterfüllten Hang.
Dein Zaubertrank
macht uns auf alle Fälle
die Augen blank.
Liebste, an dieser Stelle
hör jetzt des Waldhorns süßen Klang/
des Waldhorns süßen Klang.

Lieblich wie auf Idyllen
im Grund der Wiese: Roß und Füllen.
Bald hört den Stier man brüllen,
bald einen Hund im Dorf wauwaun.
Gockel stelzt auf den Stiegen,
und alle Hühner möchten fliegen.
Schwalben ihr Köpfchen wiegen,
und eine Elster schwätzt im Zaun.
Stern aller Fraun! den Kessel komm nun füllen
und Kaffee braun…
Lieblich wie auf Idyllen
ist diese Szene anzuschaun/
die Szene anzuschaun.

Herrlich, schau in die Runde!
wie jetzt das Grün vom Wiesengrunde
eben, um diese Stunde,
steht vor der dunklen Tannenwand;
wie in der Bäume Schatten
gleich Laubengängen, dämmrig satten,
Wege durch helle Matten
sich winden in das Hügelland! …
Füll bis zum Rand
dies Glas und führ’s zum Munde,
mein Herzenspfand!
Herrlich, schau in die Runde!
umschlingt uns FLORAS buntes Band/
uns FLORAS buntes Band.

Sehet sich ULLA rühren,
beginnt das große Schnabulieren!
Keine kann so servieren
Olive und gekochtes Ei.
Seht sie den Löffel schwingen,
uns Rahm und Mandeltorte bringen;
sehet – vor allen Dingen -:
Ihr Busen hüpft so schön dabei!
Ein Huhn – zwei, drei –
es so geschickt tranchieren,
kann kein Lakei.
Sehet sich ULLA rühren
und schwitzen für die Schlemmerei/
für unsre Schlemmerei!

Blast jetzt, ihr Musikanten!
tobt wie die Windsbraut in den Wanten!
Tut eure Pflicht, Bacchanten,
laßt alte Tanten schrein und spein!
ULLA, prost! auf dein Feuer …
Die Hälfte, leider! schluckt die Steuer.
Kellner, der Spaß wird teuer
-schreib an und sack heut abend ein…
Dies Glas: uns zwein!
Und dies den Adoranten
der Wonnen dein!
Schmettert, ihr Musikanten,
ein Prost dem Ewig-durstig-sein/
dem Ewig-durstig-sein!

ULLA, hier unter Föhren,
mit Instrumenten und mit Chören,
sollst du es von mir hören:
Fahrwell! zum allerletzten Mal.
FREDMAN, dem rinnt die Zähre,
als wenn sein Tod beschlossen wäre.
Schon schnipselt KLOTHOS Schere
ihm einen Knopf vom Futteral …
Mein Herzgemahl,
laß kränzen dich in Ehren
zum Bacchanal!
ULLA, sei unter Föhren
Geliebte nun zum letzten Mal/
zum allerletzten Mal!
Deutsch von Fritz Graßhoff in: Bellman auf Deutsch. Fredmans Episteln. Potsdam: Verlag für Berlin-Brandenburg 1995, S. 245-247.

MP3-Datei dieses Liedes, gesungen von Dieter Süverkrüp, aus: Süverkrüp singt Graßhoffs Bellman. (gibts nicht mehr, 2010!) Südwestfunk. Conträr Musik Lübeck 1996 (Conträr fünf 4305-2) (5:50´, ca 5 MB)
Bestellmöglichkeit und Realplayer-Kostprobe auf der Seite von Conträr

(In den 70er Jahren als Studenten in Rostock hörten wir Bellman gesungen von Manfred Krug. Zitate daraus, wie: „Prost, Ulla!“ [Prost, Ulla!] oder „Ausgenippet, umgekippet“ , wurden uns sprichwörtliche Redensarten. Die zugehörige Buchausgabe: Carl Michael Bellman, Fredmans Episteln an diese und jene, aber hauptsächlich an Ulla Winblad. Leipzig: Reclam 1978.  (Kein Taschenbuch, sondern ein bibliophiler Band, ausgestattet von Werner Klemke). Die Übersetzungen stammten von Hartmut Lange, Heinz Kahlau, Peter Hacks und Hubert Witt. Dieses, die berühmte Epistel Nr. 82, von Hacks. „Epistel 82“, das ist sogutwie „Sonett 66“ – Kenner wissen, was ich meine.

Die zweite Strophe heißt bei Hacks:

Lustig ist anzuschauen
Der alte Eber bei den Sauen,
Hör nur die Katz miauen
Und wie vergnügt der Hofhund bellt.
Gockelhahn will mit Schreien
Uns schönen Abend prophezeihen,
Rings tiriliert in Reihen
Die allerliebste Vogelwelt.
00Wenns dir gefällt,
Jetzt den Kaffee zu brauen,
00Topf aufgestellt!
Lustig sind anzuschauen
Die Tierlein all in Wald und Feld,
Die Tierlein in Wald und Feld.

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52. American Life in Poetry: Column 277

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Here’s hoping that very few of our readers have to go through cardiac rehab, which Thomas Reiter of New Jersey captures in this poem, but if they do, here’s hoping that they come through it feeling wildly alive and singing at the tops of their lungs.

Rehab

We wear harnesses like crossing guards.
In a pouch over the heart,
over stent and bypass, a black
box with leads pressed onto metal
nipples. We pedal and tread and row
while our signals are picked up
by antennas on the ceiling, X’s
like the eyes cartoonists give the dead.

Angels of telemetry with vials of nitro
watch over us. We beam to their monitors
now a barn dance, now a moonwalk.
They cuff us and pump and we keep on
so tomorrow will live off today. Nurse,
we won’t forget the animated
video of our cholesterol highway
where LDL, black-hatted scowling
donut holes on wheels, blocked traffic.

But with muscles like gutta-percha,
can we leave time’s gurney in the dust?
By now only the dead know more about
gravity than we do. In reply, a tape
of Little Richard or Jerry Lee comes on
and we’re singing, aloud or not, all
pale infarcted pedalers, rowers, treadmillers,
and our hearts are rising in the east.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Thomas Reiter, whose most recent book of poems is Catchment, Louisiana State University Press, 2009. Poem reprinted from The Hudson Review, Vol. LXII, no. 2, 2009, by permission of Thomas Reiter and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

51. Kimerioni

Neue Webseite «Kimerioni» über georgische Literatur geht online. Dort werden Artikel und Übersetzungen über vorgestellt, ebenso Gedichte von Dimitri Kimeridze in Original und deren Übersetzungen.

«Kimerioni» steht in Verbindung mit Kunst und Literatur. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Tbilissi ein Künstler-Café. Dieses wurde auf Initiative der bekannten Dichter-Gruppe «Blauhörner» eröffnet. Dort fanden literarische Veranstaltungen statt, auf denen Dichter und Schriftsteller ihre neuen Werke vorstellten, ebenso Sänger und Tänzer auftraten. Das war der Höhepunkt des literarischen und künstlerischen Lebens in Tbilissi. / georgien-nachrichten.de

50. Hebel der Alemanne

Bei lalsace.fr schreibt Jean-Christophe Meyer über eine neu erschienene zweisprachige Ausgabe der Alemannischen Gedichte von Johann Peter Hebel (Alemannisch-Französisch). In dreijähriger Arbeit hat der Straßburger Professor Raymond Matzen die Gedichte übersetzt. Alemannisch wird im Dreiländereck Baden, Schweiz und Elsaß gesprochen.


LIRE Alemannische Gedichte. Für Freunde ländlicher Natur und Sitten. Poésies alémaniques. Pour les amis de la nature et des mœurs rurales. Édition bilingue. Traduction de l’alémanique par Raymond Matzen. Morstadt Verlag Kehl.

« Die Wiese »
Anfang der Idylle « Die Wiese »

[51] Wo der Denglegeist in mitternächtige Stunde
uffeme silberne Gschir si goldeni Sägese denglet,
(Todtnau’s Chnabe wüsse ’s wohl) am waldige Feldberg,
wo mit liebligem Gsicht us tief verborgene Chlüfte
d’Wiese luegt, und check go Todtnau aben ins Tal springt,
schwebt mi muntere Blick, und schwebe mini Gidanke.
Feldbergs liebligi Tochter, o Wiese, bis mer Gottwilche!
Los, i will di jez mit mine Liederen ehre,
und mit Gsang bigleiten uf dine freudige Wege!
Im verschwiegene Schoß der Felse heimli gibore,
an de Wulke gsäugt, mit Duft und himmlischem Rege,
schlofsch e Bütschelichind in dim verborgene Stübli
heimli, wohlverwahrt. No nie hen menschligi Auge
güggele dörfen und seh, wie schön mi Meiddeli do lit
im christalene Ghalt und in der silberne Wagle,
und ’s het no kei menschlig Ohr si Otmen erlustert,
oder si Stimmli ghört, si heimli Lächlen und Briegge.
Numme stilli Geister, sie göhn uf verborgene Pfade
us und i, sie ziehn di uf, und lehre di laufe,
gen der e freudige Sinn, und zeige der nützligi Sache,
und ’s isch au kei Wort verlore, was sie der sage.

49. Walkman

Hier eine Aufnahme der Uraufführung von „Walkman“ von Mathias Monrad Møller nach einem Text von Bertram Reinecke am 5.7.  an der Musikhochschule Frankfurt

Text des Gedichts mit einer Anmerkung beim Poetenladen

(Vgl. L&Poe 2010 Jul #12. Musikalische Poetik)

48. Stella Rotenberg

Als der „Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil“ im Jahr 2001 erstmals verliehen wurde, ging er an die in England lebende Lyrikerin Stella Rotenberg. In diesem Jahr feiert die Autorin ihren 95. Geburtstag.

Sie wurde 1915 in Wien geboren; 1938 musste sie wegen ihrer jüdischen Herkunft ihr Medizinstudium an der Universität Wien abbrechen und über die Niederlande nach Großbritannien flüchten. Im Exil begann sie 1940 Gedichte zu schreiben, später auch Prosa, die sie in den Bänden „Gedichte“ (Tel Aviv 1972), „Die wir übrig sind“ (Darmstadt 1978), „Scherben sind endlicher Hort“ (Wien 1991), „Ungewissen Ursprungs“ (Wien 1997) veröffentlichte.

Obwohl ihre Gedichte in ihrer Auseinandersetzung mit der Shoah und ihren Folgen von höchster Aktualität sind, blieb sie in ihrem Herkunftsland Österreich lange Zeit weitgehend unbeachtet. / ORF

In L&Poe:

2001 Apr # Theodor-Kramer-Preis an Stella Rotenberg