77. Warum hat Dante Odysseus in die Hölle versetzt?

Münchner Reden zur Poesie IX

Kurt Flasch:
„Warum hat Dante Odysseus
in die Hölle versetzt?
Überlegungen zu Canto XXVI des Inferno

Eine Reihe des Lyrik Kabinetts
unter der Leitung von: Frieder von Ammon

Am Montag, dem 19. Juli 2010
um 20:00 Uhr

Amalienstrasse 83 / Rückgebäude
(U3/U6 Haltestelle Universität)

Eintritt: €7,00 / €5,00

Mitglieder Lyrik Kabinett: frei

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76. Die Dichterin Nelly Sachs …

gehört zu jenen Schreibenden, deren Worte ins kollektive Gedächtnis übergegangen sind, ohne dass wir sagen könnten, wann das genau geschehen ist.

Leider gehört diese Schriftstellerin, trotz des ihr 1966 gewährten Literaturnobelpreises und ihrem festen Platz im deutschsprachigen Literaturkanon, fast ein wenig zu den vergessenen Stimmen deutscher Sprache.

Ein Widerspruch liegt darin, aber auch ein wichtiger Hinweis – der schwedische Autor und Übersetzer Aris Fioretos hat ihn im Auftrag des Suhrkamp Verlages aufgegriffen und eine längst überfällige Werkausgabe vorgelegt, die nun dankbar von den offenbar über Jahrzehnte hinweg wartenden Lesern wahrgenommen wird. …

Der Suhrkamp Verlag hat mit dieser Werkausgabe eines seiner großen, wertvollen Projekte begonnen und damit vierzig Jahre nach dem Tod von Nelly Sachs ihrer Stimme zum Bleiben verholfen.

/ Marica Bodrozic, ORF 18.7.

Nelly Sachs, „Werke Band 1. Gedichte 1940-1950“ und „Werke Band 2. Gedichte 1951-1970“ Suhrkamp Verlag

75. Explosive Poetin

„San Diegos explosivste Poetin“ schreibt die Voice of San Diego über die Dichterin Rae Armantrout. Für ihren Band „Versed“, der gerade als Taschenbuch erschienen ist, erhielt sie dieses Jahr den Pulitzerpreis für Lyrik. Im Interview mit Randy Dotinga sagt sie der Zeitung über ihre Gedichte:

Ich stelle gern die Dinge, Bilder oder Diskurse auf überraschende Art nebeneinander. Ich mag Gedichte, die sich schnell bewegen – ich hoffe, meine tun es – und mit den Gedanken mithalten.

Ich schreibe darüber, was mir begegnet und wie ich darüber denke. Was meine Gedichte ausmacht, ist die Art, wie ich die Dinge verbinde.

Gedichteschreiben schützt einen irgendwie vor Depressionen. Als ich klein war, las mir meine Mutter Gedichte vor, und der Klang gefiel mir. Fast als ob man vor sich hinsingt.

Wenn ich ein Gedicht schreibe, spreche ich es mir immer wieder vor. Auch wenn ich kaum in Reim und Metrum schreibe, achte ich auf den Klang. Es ist vielleicht eine Art Selbstbeschwichtigung. Musik beruhigt, und auch in freien Versen ist Musik – sollte zumindest.

Die Leute haben Angst vor Poesie, weil sie sie nicht genug kennen. Sie glauben, daß sie sie nicht verstehen, und sie glauben, sie müssen alles verstehen, um den Test zu bestehen. Sie können nicht einfach so drauf reagieren. Das ist ein Fehler, aber wahrscheinlich vom Schulsystem genährt.

Und Leute, die ein wenig mit Lyrik vertraut sind, denken mitunter, daß sie Trost und moralische Erbauung stiftet. Das Leben ist aber interessanter, und auch die Lyrik kann interessanter sein.

Rae Armantrout: „Narrativ“. Ausgewählte Gedichte. Aus dem Amerikanischen von Uda Strätling und Matthias Göritz. Mit einem Nachwort von Marjorie Perloff und Fotografien. Lux Verlag, Wiesbaden 2009.


74. Gestorben

Er veröffentlichte nicht viel – nur fünf Bände und eine Handvoll Pamphlete in 40 Jahren –, aber Pete Morgans Gedichte wurden von Carol Ann Duffy,Ted Hughes, George Mackay Brown und anderen geschätzt für Raffinesse, Humor und Schärfe. Morgan starb im Alter von 71 Jahren. / Miles Salter, Guardian 15.7.

73. Poetische Experimente und Erfahrungsaustausch

Ausschreibung/Aufruf

Eine Veranstaltung des Literaturbüros Ruhr e.V. und der Autorinnenvereinigung e.V.

mit dem Frauenkulturbüro NRW e.V. am 16.Oktober 2010 in der Kulturfabrik Heeder Virchowstrasse 130, 47805 Krefeld

11 – 17 Uhr Werkstätten: Neue Arbeitsgebiete, Chancen und Vermarktungen für Autorinnen

18 – 20 Uhr: Sprachexperimente – auf der Probebühne der „Kulisse“ in der Fabrik Heeder – Gedichte, Musik, Klang, Film (öffentliche Veranstaltung)

Die Veranstaltung „Poetische Experimente und Erfahrungsaustausch“ richtet sich an Autorinnen, die Wege suchen, um

  • neue Programme für öffentliche Auftritte zu entwickeln
  • Genregrenzen zu sprengen
  • Marketingstrategien oder Selbstmarketingideen umzusetzen
  • Projektpartner zu finden
  • von den Erfahrungen der anderen Teilnehmerinnen zu lernen.

Autorinnen sind herzlich eingeladen, sich mit biografischen Angaben und einer Projektskizze mit Textprobe (insgesamt 2 Normseiten) zu bewerben.

Anmeldungen :

Literaturbüro Ruhr
Elisabeth.roters-ullrich@stadt-gladbeck.de
www.literaturbuero-ruhr.de
LiteraturBüro Ruhr e. V.
Friedrich-Ebert-Str. 8
45956 Gladbeck
02043 / 99 – 2646

Das Literaturbüro Ruhr sammelt diese Skizzen und baut sie so in die „Sprachexperimente“  ein, dass jede teilnehmende Autorin sich präsentieren kann (Probebühne) und auf einen „literarischen  Coach“ trifft (Werkstätten).
Die Referentinnen suchen aus den eingegangenen Projektskizzen jene aus, mit denen sie an diesem Tag professionell arbeiten wollen. Der Schwerpunkt der gemeinsamen Arbeit ist aber, die gemeinsame Suche nach Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Beispielsweise wird Manja Präkels zeigen, wie Texte zum Klingen zu bringen sind, was geschieht, wenn Wörter sich mit Klang und Tönen verbinden.  J. Monika Walther wird über die Situation im Hörspiel-, Hörbuch- und Featurebereich referieren. Sie erörtert die Möglichkeiten, sich in diesem Markt zu positionieren und sich mit Studios und Kolleginnen zu vernetzen.

Die Werkstätten finden nacheinander statt, um allen Autorinnen die Teilnahme zu ermöglichen.
Im „Sprachlaboratorium“ – eine öffentliche Veranstaltung – werden im Anschluß verschiedene Projekte vorgestellt.

Außerdem werden die Arbeitsergebnisse auf den Internetseiten von Autorinnenvereinigung und  Literaturbüro Ruhr veröffentlicht. Ein Kostenbeitrag/Eintritt wird nicht erhoben.
Eine Jury aus Literaturbüro Ruhr und Referentinnen wählt die 30 Teilnehmerinnen aus.

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72. Werkedition der Dichterin Else Lasker-Schüler nach Jahrzehnten abgeschlossen

In einer Welt, die ihr zuwider war, versuchte Else Lasker-Schüler sich unsichtbar zu machen. In Deutschland kam man ihr darin entgegen. 1933 floh sie vor Hitler, bis 1939 führte sie ein mühseliges Emigrantendasein in der Schweiz, die Nazis löschten ihren Namen aus – und als sie nach 1945 wieder ins deutsche Bewusstsein zurückkehrte, gab es nichts mehr, woran man sich erinnern konnte.

An die Stelle der historischen Tatsachen traten Mythen. Zunächst ihre eigenen – sie hatte sich als „Prinz Jussuf“ gesehen, als Joseph, den seine Brüder nach Ägypten verkauften -, und später kamen andere hinzu. Die „größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte“, begeisterte Gottfried Benn sich 1952, als es nicht mehr gefährlich war, und klang dabei so wenig überzeugend wie schon 1933, als er sich den Nazis angebiedert hatte. Im Nachkriegsdeutschland herrschte die Verdrängung und verstellte den historischen Blick. …

Der letzte, jetzt vorliegende Band enthält 680 Briefe, die sie 1941-1945 in Jerusalem geschrieben hat. Zweimal, 1934 und 1937, war sie aus der Schweiz nach Palästina gereist. Als sie 1939 ein drittes Mal fuhr, überraschte sie der Zweite Weltkrieg und verhinderte ihre Rückreise. / Jakob Hessing, Die Welt 17.7.

71. Jewtuschenko-Museum

Jewgeni Jewtuschenko, der* berühmteste lebende Dichter Rußlands, hat sein Haus in Peredelkino und seine bedeutende Kunstsammlung dem Staat für ein Museum geschenkt. Das Museum, das nächste Woche eröffnet wird, zeigt Gemälde von Mark Chagall, Joan Miró, Pablo Picasso und Georges Bracque und Fotos, die Jewtuschenko auf seinen Reisen durch Sibirien, China, Italien und den mittleren Osten aufgenommen hat, außerdem Sammelstücke wie den Spazierstock Mark Twains. / Nouvel Obs 17.7.

*) im Ausland

70. Brot wende in Leid

Wir lieben den Tod

Rot winde den Leib,
Brot wende in Leid,
ende Not, Beil wird
Leben. Wir, dein Tod,
weben dein Lot dir
in Erde. Wildboten,
wir lieben den Tod

Anagramm von Unica Zürn. Bilder und Texte hier

69. Neue Gedichte von Said

Der aus dem Iran stammende Schriftsteller Said lebt seit mehr als vierzig Jahren in Deutschland und schreibt Märchen, Hörspiele sowie – als Exilant, der sowohl dem Persien des Schahs wie dem Gottesstaat der Mullahs den Rücken kehrte – auch politische Texte. Vor allem jedoch ist Said Lyriker. Seine Gedichte sind voll zarter Poesie und (es hilft nichts, das Klischee trifft zu) auch voll orientalisch blühender Phantasie.

schreibt Hans-Dieter Fronz, Badische Zeitung. Dem Leser der Rezension könnten Zweifel an seiner Diagnose kommen, wenn er im nächsten Absatz liest, daß Rez. den Gedichten offenbar weniger Zugeständnisse an eine von „jedweder Vernunft losgelösten Phantasie“ macht als der Prosa:

An jene Übungen in höherer Vorstellungskraft mit ihren wunderlichen Phantasiegeburten fühlt sich der Leser in Saids aktuellem Gedichtband „ruf zurück die vögel“ häufiger erinnert – zumal in den meist kurzen Gedichten des abschließenden, gut die Hälfte des Bandes einnehmenden Kapitels. In den Prosatexten gehörte der Freibrief einer entfesselten, von jedweder Vernunft losgelösten Phantasie sozusagen zur Geschäftsgrundlage. In dem Gedichtband sind die Konditionen andere, und so ist für den Leser mitunter nur schwer zu entscheiden, ob ein Gedicht von unauslotbarem Tiefsinn oder lyrisch einfach nur so dahingesagt ist. „und dann die sieger / mit beteertem antlitz / die gemästete jungfrauen / aufgerüscht und bebend / den besiegten vorwerfen / bevor sie das schlachtfeld verlassen“. (…)

… „auch die fische wollen / den geschmack des wachses gekostet haben (…) / wärest du gärtner geblieben“, lesen wir in „ikarus“. „lenin nannte dich / stechmücke / und noske / zermalmte sie“, heißt es lakonisch in „für rosa l.“

Said: ruf zurück die vögel. Gedichte, C. H. Beck Verlag, München 2010. 109 Seiten, 16,95 Euro.

68. Auswahl

Wie für Siegfried Pitschmann, so war auch für Harald Gerlach die erste prägende Erfahrung der Verlust der Heimat. Mit seiner Familie flüchtete der 1940 in Bunzlau (Niederschlesien) geborene Gerlach 1945 nach Thüringen. Diese Landschaft war eines seiner großen Themen. Das spiegelt sich natürlich auch in der von Bettina Olbrich vorgenommenen Auswahl wider. In vielen Gedichten hat er seine thüringische Landschaft besungen. „Ach, Thuringia, mein zusammen- / gewürfelter Landstrich in wechselnder / Weite“, heißt es im Gedicht „Gejaide“. …

Ingo Schulze konnte für ein Vorwort gewonnen werden. In diesem betont er, dass er Harald Gerlach zwar lange schon als Lyriker schätzt, den Essayisten und Erzähler aber erst mit dem vorliegenden Band entdeckt habe. Schulzes Prolog ist gleichsam eine späte Verneigung vor einem bedeutenden, aber fast vergessenen Autor aus seiner literarischen Väter-Generation. / Kai Agthe, Mitteldeutsche Zeitung

So ist alles gesagt : ausgewählte Texte aus den Jahren 1972 – 2000 / Harald Gerlach. Hrsg. von Bettina Olbrich. Mit einem Vorw. von Ingo Schulze. Berlin : NoRa 2010. EUR 15,00

67. Gesamtausgabe

Schon in seiner Kindheit träumte er vom weiten Erdenrund und davon, sich darauf zu bewegen, aber nicht hoch in den Lüften, sondern hautnah, authentisch, den Elementen ausgesetzt, den Aufregungen und Wellengängen des Menschenlebens. Am liebsten zur See: „Nachts / beim Lampenschein las ich den Atlas / Und befuhr den Globus. So, schon / Damals kannte ich / St. Amaliens Hafen, Kuba und die / Antillen.“ …

Auf keinem Schiff blieb er lange, „die Kapitäne sahen es nicht gerne“, schrieb er später, „wenn ich meinen Mund aufmachte. Das war das einzige, was wirklich groß an mir war, der Mund, sonst war ich eher klein geraten.“ Noch größer als der Mund müssen die Augen gewesen sein, mit denen der junge Seefahrer Tausende Bilder, Details, Stimmungen, Farben in sich aufnahm. Als er irgendwann in seinen Zwanzigern zu einer relativen Ruhe fand und zu schreiben begann, stürzten die Metaphern und Gleichnisse aus ihm heraus, bildeten klare Kaskaden von Worten, füllten die Seiten seiner Gedichtbände.

Johannes Schenk schrieb am liebsten lange, bilderreich ausschweifende, von keinem Kargheitsgebot behinderte Poeme. Der Schreibvorgang hatte in seinem Fall etwas Eruptives: für ein langes Gedicht, manchmal mehrere Buchseiten lang, brauchte er „oft nur eine Stunde“. Sein längstes Poem, „Galionsgesicht“, umfasst in der neuen Gesamtausgabe des Wallstein Verlags 111 Seiten. …

Johannes Schenks Gedichte verdienen es, auf diese Weise verewigt zu werden, wie der seltsam scheue, weltgewandte, dabei einsam arbeitende Mann, der dahintersteht. / Chaim Noll, Die Welt

Johannes Schenk: Die Gedichte 1964-2006. Wallstein, Göttingen. 3 Bde., 1386 S., 59,90 Euro.

66. „ich häftlingin du“

Gut gelaunt und heiter führt „effendi im effektenfieber“ das artistische Arsenal vor, über das die Dichterin auch bei ernsten, gar todtraurigen Versanlässen gebietet, etwa beim lyrischen Nachruf auf den an Lungenkrebs gestorbenen Dichterkollegen Thomas Kling: „bronchiale stunts“ lautet der aus Verzweiflung herbe Titel. Fast alle Gedichte werden von einem lyrischen Ich im Gang gehalten, das sich im Selbstgespräch als mal vertraute, mal sehr fremde, immer jedoch als andere, zweite Person wahrnimmt – „ich häftlingin du“. Unter den erkennbar autobiographisch grundierten Poemen leuchtet ebenfalls ein Nachruf hervor, dieses Mal einer zu Lebzeiten und auf jenen „zerbrochenen bruder“, der bei der Stasi war und doch im „schädelfach“ der Schwester ein ganz Naher, ein Nächster bleibt.

Sieht man von einigen zu üppig, damit wohlfeil gesetzten Genitivmetaphern wie dem „pfahl des verzeihens“ oder der „sprachenbrache des erinnerns“ einmal ab, herrscht in Kathrin Schmidts „blinden bienen“ allenthalben die reine Kunstfertigkeit. Sie zu bewundern ist legitim, auf die Dauer, es sei zugegeben, aber auch etwas anstrengend. Diese Dichterin verlangt stets nach dem erkennenden Leser. Ihn ohne intellektuellen Umweg unmittelbar zu rühren käme ihr nie in den Sinn. / Jochen Hieber, FAZ 16.7.*)

Kathrin Schmidt: „blinde bienen“. Gedichte. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010. 90 S., geb., 16,95 Euro.

*) Im WWW ist das Datum nicht immer als gegeben anzusehen. Jedem Gedicht mag sein Datum eingeschrieben sein, aber beileibe nicht jedem Artikel. „16. Juli 2010“ steht vor dem ersten Wort der Besprechung. Im Druck war es da freilich noch nicht erschienen. Grundsätzlich kann man sich auf Datierungen von Zeitungsartikeln im Netz so wenig verlassen wie auf den Wortlaut, der manchmal ebenso abweicht wie die Bebilderung. Jede Zeitung geht anders damit um, nur wenige, wie die Frankfurter Rundschau, explizieren Veröffentlichungs- und Erscheinungsdatum. „FAZ.net“ wäre denn auch korrekter. Im Zweifel muß man immer suchen, wenn man einen Artikel in der Zeitung aufsuchen will. Entweder einen Tag später, oder ein paar Tage früher oder manchmal auch Jahre früher… oder nie erschien der Text im Druck.

65. Fundgrube

Der »Anthologist« ist ein literarischer Zwitter, Essay und Roman vermischen sich. Die lyrischen Reflexionen des Erzählers kreisen vor allem um den Reim, den er nicht müde wird zu verteidigen, obwohl er selbst reimlose Gedichte schreibt. Für Freunde der angloamerikanischen Lyrik mag der »Anthologist« eine Fundgrube sein, aber die »Weltsprache der Poesie«, wie sie Enzensberger in seiner Sammlung »Museum der modernen Poesie« präsentierte, sucht man vergebens. / Fitzgerald Kusz, Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung 15.7.

Nicholson Baker: Der Anthologist. Roman. Übersetzt von M. Göritz und U. Strätling. C.H. Beck Verlag, 256 Seiten, 19,95 Euro.


64. Nachbarschaft

„Nachbarschaft“ war Bobrowskis Lebensthema, es ging ihm um den mythischen Raum „Sarmatien“, die nordosteuropäische, sich weit nach Russland hineinstreckende Landschaft aus Wäldern, Senken, Seen und Flüssen und das Völkergemisch, das dort vor der Eroberung durch die Nazis zusammenlebte. …

Bobrowski passte Anfang der 60er Jahre weder in die sprachzerlegende Spätmoderne der „abstrakten Fliesenleger“ noch zu den „Nüssebewisperern“ der Naturlyrik: Er stand einzigartig da, unbedingt zeitgenössisch und doch unverkennbar in der Tradition verankert.

/ Helmut Böttiger, DLR 15.7.

Johannes Bobrowski: Nachbarschaft
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2010
77 Seiten, 8 Euro

63. Urteil

„Seine Theaterstücke und Gedichte sind nichts wert.“

Heinrich Böll über Marcel Reich-Ranicki, Die Welt 16.7.

Vgl. Ernst Jandl: Urteil („Die Gedichte dieses Mannes sind unbrauchbar“, 1956. In. E.J.: dingfest. gedichte)