Die Juroren des 18. open mike haben sich entschieden: Die Preise für Prosa gingen an Jan Snela für den Text „Milchgesicht“ und an Janko Marklein für den Text „Wir stellen uns nicht dumm an“. Der in diesem Jahr bereits zum vierten Mal vergebene Lyrikpreis ging an Levin Westermann. Eine lobende Erwähnung ging an Katharina Hartwell für den Text „Göteborg“ Der open mike wird von der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation ausgelobt und ist mit insgesamt 7500,- EURO dotiert.
Der Preis der taz-Publikumsjury ging an Sebastian Polmans für den Text „Über Peanuts, mich und andere Sachen“.
Aus den 700 eingegangenen gültigen Bewerbungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum wählten sechs Lektoren aus renommierten Verlagen die 20 Autoren und Autorinnen aus, die am 13. und 14. November 2010 beim Finale in der Wabe in Berlin ihre Texte vortrugen. Die Juroren Hanns-Josef Ortheil, Ilija Trojanow und Anja Utler kürten die Gewinner.
Der open mike hat sich, seitdem er 1993 zum ersten Mal verliehen wurde, zum wichtigsten deutschsprachigen Literatur-Nachwuchswettbewerb entwickelt und ist Karrieresprungbrett für junge Autoren. Gewonnen haben ihn u.a. Karen Duve, Kathrin Röggla, Jochen Schmidt, Terézia Mora, Tilman Rammstedt, Rabea Edel, Jörg Albrecht und Judith Zander.
Die Gewinner:
Janko Marklein, geboren 1988 in Bremen. Seit Oktober 2008 Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Seit Oktober 2009 Studium der Philosophie an der Universität Leipzig. Längere Aufenthalte in Argentinien, Polen und Chile. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, unter anderem in »manuskripte«, »poetmag« und »BELLA triste«.
Sebastian Polmans, geboren 1982, veröffentlichte zuletzt in »manuskripte«, »Style and the familiy tunes«, »[K]améleon« und »Am Erker«. Geistes- und musikwissenschaftliche Studien an Universitäten in Siegen, Hildesheim und Rom. Er war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift »BELLA triste«.
Jan Snela, geboren 1980 in München, studiert in Tübingen Komparatistik, Allgemeine Rhetorik, Slawistik und am »Studio für Literatur und Theater«. Teilnahme an den Lesungsreihen »Bunter Abend« und »buch & bühne«. 2009 belegte er den zweiten Platz beim Literaturwettbewerb »Cross over« der Schreibwerkstätten baden-württembergischer Universitäten.
Levin Westermann, geboren 1980 in Meerbusch. Studierte Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main. Seit 2009 Studium am Schweizerischen Literaturinstitut Biel / Bienne. Publizierte in diversen Literaturzeitschriften, zuletzt in »entwürfe« (Heft 61 / März 2010) und »manuskripte« (Heft 188 / Juni 2010).
Die Gewinner des open mike gehen direkt im Anschluss auf Lesereise, Termine:
Die Wettbewerbstexte sind als Anthologie im Allitera Verlag erschienen und im Buchhandel oder unter www.allitera.de erhältlich.
Am 21.11.2010 um 0:05 Uhr sendet Deutschlandradio Kultur die Reportage „18. open mike“.
Der open mike ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Zusammenarbeit mit der WABE und dem Allitera Verlag.
Anstelle einer Dankesrede trug die Preisträgerin Gedichte vor: Die Künstlerin Rebecca Horn hat den Hessischen Kulturpreis 2010 am Samstagabend in einer Feierstunde in Wiesbaden erhalten. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) überreichte der international anerkannten Bildhauerin, Aktionskünstlerin und Filmemacherin die mit 45.000 Euro dotierte Auszeichnung. Die „Hessin und Weltbürgerin“ habe mit ihrem vielfältigen Wirken der Kunst neue Wege erschlossen und unverwechselbare Bildwelten geschaffen, sagte Bouffier in seiner Laudatio auf die „Künstlerin von Weltrang“. / FR
Am 27. und 28. November findet in Ariana das 5. nationale Treffen der jungen Dichter Tunesiens statt. Zugleich veranstaltet Professor Béchir Jiljli eine Konferenz aus Anlaß des 100. Geburtstages des großen tunesischen Dichters Mustapha Khraief. / Agence Tunis Afrique Presse
| Paul Celan
Als Paul Celan nach Jerusalem kam
Manchmal, in Jerusalem, Die Worte die er zusammenfügte David Rokeah: Nicht Tag nicht Nacht. Ausgewählte Gedichte. Frankfurt/ Main: Fischer 1986, S. 23. (Übertragen von Erich Fried) |
Erdmöbel: DDR-Deutsch für Sarg (Deutsche Welle)
Hier werden Sie geholfen: BRD-Deutsch für „Hier hilft man Ihnen“ (Michael Gratz)
Ersteres weiß jeder – von den Medien gebriefte – Experte (also Jeder), letzteres vielleicht ich allein. (Frei nach Jandl)
Der junge Wuppertaler Lyrik- und Kurzprosaautor Patrick Salmen ist Gewinner der 14. deutschsprachigen Meisterschaft im Poetry Slam. / kuvi.de
Nein, Mutter, weine nicht.
Unbefleckte Himmelskönigin,
steh mir allzeit bei.
„Zdrowaś Mario“.
Dieses vierzeilige Gedicht trägt die Unterschrift „Helena Wanda Błazusikówna, 18 Jahre alt, in Haft seit dem 25. September 1944“. Man fand es an der Wand einer Zelle im Gestapo-Hauptquartier in Zakopane. Henryk Mikołaj Górecki wählte diesen Text für den zweiten Satz seiner „Sinfonie der Klagelieder“, die sicher das bekannteste Werk von Górecki ist. / Elisabeth Richter, Nachruf auf den polnischen Komponisten Henryk Górecki, DLR 12.11.
„Bausoldat OP“ heißt ein Gedicht, das ein Streiflicht auf Oskar Pastior in Jugendjahren wirft: lakonisch und mit ironischer Distanz. Im dritten Lyrikband Wichners ist von Kriegs- und Lagerspuren und Überbleibseln von Gefangenentransporten die Rede. Die skizzierten konkreten Dinge sprechen für sich: die fest um den Griff einer Handgranate geschlossenen Fingerknochen, die Kennmarke aus Aluminium im fünfunddreißig Meter weit entfernten Fischteich. Das Entsetzen ist im Sirren eines Drahtes neben Gleisanlagen allgegenwärtig.
… Wichner thematisiert mit der Liebe zugleich das eigene Schreiben und die Sprache selbst. Positionen und Formen literarischer Vorgänger, zu denen vor allem Petrarca gehört, werden binnenreimend sacht verschoben. Das Gedicht „Die Maden“ übertrifft mit seiner grotesken Optik Baudelaires Epochengedicht „Une Charogne“*. Es triumphiert das Grauen. / Dorothea von Törne, Die Welt 12.11.
„bin ganz wie aufgesperrt“.
Von Ernest Wichner. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg. 48 S., 13,50 Euro.
Außerdem in der Sammelrezension:
Findelgesichter.
Von Christine Langer. Klöpfer & Meyer, Tübingen. 116 S., 16 Euro.
Nimm den langen Weg nach Haus.
Von Dirk von Petersdorff. C.H. Beck, München. 101 S., 16,95 Euro.
(Rezensentin lobt alles)
*) hier dt.
Vom „erdkern“ ist in „nachtfahrt“ die Rede, von „erdachse“ in „hypnotische moderne“. Seilers Verse stehen nicht im Banne dieser Moderne, entwickeln aber deren Metaphern weiter. Literarische Assoziationen zu Mark Twain, Stefan George und Ezra Pound sind präsent. Vor allem aber nimmt der Lyriker sensibel Bezug auf Oskar Loerke, Johannes Bobrowski, Erich Arendt und Peter Huchel. Deren gestalterische Muster greift der seit 1997 als Leiter des Peter-Huchel-Hauses in Wilhelmshorst amtierende Lutz Seiler vielfältig und innovativ auf. Die der „naturmagischen Schule“ zugeschriebene Zeichenhaftigkeit von Natur und das Auftreten sowohl archaischer als auch zeitkritischer lyrischer Figuren in historisch geprägten Landschaften strukturiert Seilers Poesie. Durch die Zwischenböden scheint mitunter der Mond, als hätte er sich geradewegs aus der Romantik in diese neuen Gedichte gestohlen. / Dorothea von Törne, Die Welt
im felderlatein.
Von Lutz Seiler. Suhrkamp, Berlin. 100 S., 14,90 Euro.
Der „renommierte“ [aber mit 3.800 Euro mäßig dotierte, MG] Prix Mallarmé geht in diesem Jahr an Robert Marteau für seinen Band Le Temps ordinaire (éd. Champ Vallon, 2009). / Magazine Littéraire 10.11.
Über Ravensbrück gibt es inzwischen eine umfangreiche Memoirenliteratur und zahlreiche Sachbücher. Die Überlebenden des Frauenkonzentrationslagers haben 1000 Berichte hinterlassen, 1200 Gedichte und viele Zeichnungen sind gefunden worden. Barbara Degen, Juristin und Mitbegründerin des Feministischen Rechtsinstituts, hat nun Zitate, Texte, Gedichte, Fotos und Bilder zusammengestellt, die die eigenständige Gedenkkultur von Frauen in Bezug auf die Geschichte des Naziregimes von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis heute verdeutlichen. Versammelt sind Texte und Gedichte unter anderem von Rosa Jochmann, Gertrud Luckner, Anja Lundholm, Rita Sprenger, Germaine Tillion und Charlotte Delbo, von Anna Seghers, Hilde Domin, Rose Ausländer, Nelly Sachs, Hannah Arendt, Ricarda Huch, Sylvia Plath und Ilse Aichinger. / Florence Hervé, junge Welt
Barbara Degen: »Das Herz schlägt in Ravensbrück« – Die Gedenkkultur der Frauen. Verlag Barbara Budrich, Opladen & Farmington Hills 2010, 378 Seiten, 26,90 Euro
1901 in dem damals österreichischen Czernowitz in der Bukowina geboren, verfasste sie bis zu ihrem Tod 1988 in Düsseldorf rund 2500 Gedichte und blieb doch der Mehrheit unbekannt. Obwohl Fachkreise besonders ihrem Spätwerk große Meisterschaft zusprechen. / Trierischer Volksfreund
»I have learned so much« ist ein Gedicht von Daniel Ladinsky, das er unter dem Namen Hafiz veröffentlicht hat. / junge Welt 12.11.
Vgl.L&Poe 2005 Aug: Betrug mit Hafis-”Übersetzungen“
(Saftloses esoterisches Zeug, das ich nie gekauft hätte, wäre ich nicht auf neue Hafisübersetzungen ausgewesen. Keine Spur Hafis darin. Ein deutscher Verlag hat das aber aus dem Englischen als vermeintlichen Hafis übersetzt. Arme Leser, die das konsumieren und denken, sie lesen Hafis. Aber andererseits wirds schon genug geben, die sich sowas reinziehen. Recht geschieht ihnen, aber auch nur ihnen!)
Hafis aber ist groß. Es gilt die Bernsteinregel: wenn Sie einen Stein finden und denken, es ist Bernstein, werfen Sie ihn weg. Wenn Sie echten Bernstein finden, wissen Sie, daß es welcher ist.
Für die Spontanen unter Euch:
Heute Abend 23.11 gratis Abendbrot
„Die Stullenperformance“
in der MALENA BAR
REUTERSTR. 85
in Altkölln zu Neukölln
Für die Träumer mit Hatz 4 Bezug:
gratis Abendbrot nur unter Vorlage
eines amtlichen Personalausweises
und eines Bezugscheines
über die aller gütigste
Transferleistung
Auskunft erteilt,
die Uns unsere
Regierungen
seit 1981
unter den aller größten
Bemühungen
vorläufig
zu erteilen
gedenkt.
Wenn ich dann drei Kilo Brot beschmiert habe,
sauf ich mir dann einen auf Euer Wohl.
Ich hätt jetzt noch einen Witz zum Thema onanieren
und dem Bundeskanzleramt,
den verrat ich aber nicht, weil ich Feminist bin.
11.11.2010
„Hallo … ein Gespräch, in dem ich vom Oktoberedikt aus dem Jahr 1807 erzählte, darin heißt es: „Nach dem Martini-Tage 1810 gibt es nur freie Leute“. … also genau 200 Jahre seit der Abschaffung der Leibeigenschaft in Preußen. Aber das war wohl nur ein frommer Wunsch und das Thema ist leider heute noch von großer Aktualität.“ Martin Regenbrecht
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Rainer Wieczorek (Künstler/Soziologe/DADAsoph) www.rainerwieczorek.de
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