Vor und nach dem Islam waren die Araber nie auf einem Gebiet der Kunst kreativ, außer in der Poesie. Alle anderen islamischen Künste wie Musik und Literatur kamen aus Persien, Indien, Ägypten oder Syrien. Und das arabische Gedicht ging fast immer nach dem gleichen Muster: Man beginnt mit dem Weinen auf einer Ruine, wo die unerreichbare Geliebte vorbeizog, bevor sie für immer verschwand, dann fängt man an, die Vorzüge seines Stammes aufzuzählen und mit den Schandtaten seiner Feinde ins Gericht zu gehen. Eigentlich genauso wie das ägyptische Geschichtsbuch für die Sekundarstufe.
/ Hamed Abdel-Samad: Der Untergang der islamischen Welt. Eine Prognose. München: Droemer 2010, S. 156f
Hamed Abdel-Samad wurde 1972 bei Kairo geboren und lebt in Deutschland als Politikwissenschaftler
Vgl. L&Poe 2002 Nov #Nur Hirtenvölker bevorzugen die Poesie
Als der BBC-Kriegskorrespondent Jonathan Charles afghanische Zivilisten einlud, ihm ihre Kriegsgedichte zu schicken, war er auf die Flut, die ihn erreichte, nicht vorbereitet.
Unter den Einsendungen findet sich Zeugenschaft, Wut, Propaganda und Katharsis.
… Am schockierendsten die Erzählung einer Frau, die jetzt in Kanada im Exil lebt. Sie schreibt von einem Ehepaar, das versuchte, zwei seiner Kinder zu verkaufen, um den Rest ihrer Familie zu ernähren.
Es gibt heute nicht nur den Rückgang einer großen Tradition, sondern auch die Explosion einer neuen Lyrik in Afghanistan.
In jedem Staat finden abendliche Lyriklesungen statt.
Wir hören sogar, daß britische Soldaten Menschen zu solchen Lesungen fahren und sie beschützen, während drinnen die Lyriker zornige Verse über die Invasionstruppen vortragen. / BBC
Dort auch:
Jonathan Charles explores poetry from the front line
How poetry became a refuge for Imtiaz Dharker
The enduring appeal of Iran’s Shahnameh
Nach der Etablierung der „Roughbooks“-Reihe waren zwar sofort die Unkenrufer zur Stelle, die das neue Konzept für nicht überlebensfähig hielten und eine sektiererische Einkapselung der Lyrik-Community in einer winzigen Internet-Nische befürchteten. Aber der Untergang fand nicht statt, im Gegenteil. Nach den ersten zwölf „Roughbooks“ verweist Engeler mit berechtigtem Stolz auf die guten Verkaufszahlen und avisiert sein Konzept als zukunftsträchtiges Erfolgsmodell. „Ich sehe aber eine Gefahr für den Buchhandel heraufkommen“, so Engeler nicht ohne Spott, „wenn sich herumspricht, wie gut das Roughbooks-Konzept funktioniert.“
Dabei verweist er auf die starke Resonanz, auf die selbst die Bände der ungestümen jungen Poeten Christian Filips („Heiße Fusionen“) und Konstantin Ames („Alsohäute“) stießen. Die zweihundert gedruckten Exemplare der „Heißen Fusionen“ sind bereits vergriffen und von den erst im Dezember erschienenen Gedichten des sprachverrückten Konstantin Ames ist bereits die Hälfte der Auflage verkauft. Natürlich kann man mit Auflagen von 200 oder 300 Exemplaren keine fühlbaren Renditen erzielen, aber selbst avancierte Suhrkamp-Gedichtbände erreichen in der Regel kaum höhere Verkaufszahlen. Nur in Ausnahmefällen erreicht die verkaufte Auflage eines zeitgenössischen Gedichtbands noch die berühmte „Enzensbergersche Konstante“ von 1354 Lesern.
Die beiden jüngsten „Roughbooks“ repräsentieren die gegensätzlichen Pole des Engeler-Programms. Der Leipziger Konstantin Ames (Jahrgang 1979) favorisiert ein assoziationswütiges, zergliederndes Schreiben, das auf die „Ironiefähigkeit“ der lyrischen Rede vertraut. Als Roughbook 0012 ist zudem eine kollektive poetische Annäherung an die mittelalterliche Mystikerin Mechthild von Magdeburg erschienen. Fünf Dichter, darunter literarische Schwergewichte wie Franz Josef Czernin und Oswald Egger, vergewissern sich einer sympathetischen Nähe zu den religiösen Visionen Mechthilds. Es handelt sich letztlich um Wiederbelebungen sakralisierender Poetiken, in denen viel von „Vision“, „Ergriffenheit“, „Offenbarung“ und „Geheimnis“ die Rede ist: Die Poesie ist also wieder legitimiert, an der Wiederverzauberung der Welt arbeiten. / Michael Braun, Badische Zeitung
SergeD. ist der Internetname des Landshuter Theaterwissenschaftlers und Germanisten Dr. Andreas Eglseder, den er als Verfassername beibehält. …
Die mit Abstand meistverwendete Gedichtform in den „Weggabelungen“ ist das Sonett. Reim und Rhythmus, Musikalität der Verse attestieren SergeD. romantisch-naive Uncoolness – oder den bayrischen Dickschädel, denn sie werden von den meisten heutigen Lyrikern ja vermieden.* / wochenblatt.de
*) Na, wenn das kein Klischee ist!
Rand
Die Frau ist vollendet.
Ihr toter
Körper trägt das Lächeln des Erreichten.
Der Anschein einer griechischen Notwendigkeit
Fließt in den Schnörkeln ihrer Toga,
Ihre bloßen
Füße scheinen zu sagen: Wir kamen bis
Hierher, es ist vorbei. (…)
Das radikale und bestechend schöne Gedicht „Rand“ stammt von der amerikanischen Lyrikerin Sylvia Plath; sie schrieb es im Winter 1963, wenige Tage bevor sie sich umbrachte, indem sie den Kopf in den Backofen steckte. Ihre Biografie ist bekannt, ein Mythos: Von ihrem Mann, dem berühmten Ted Hughes, verlassen, mit zwei kleinen Kindern auf sich gestellt, als Schriftstellerin bei weitem nicht so erfolgreich, wie sie es sich erhofft hatte, fühlte sie sich in ihren ehrgeizigen Träumen derart massiv gescheitert, dass sie ihrem Leben ein Ende setzte. Ihre Tagebücher und Briefe beweisen, wie sehr ihr daran lag, nicht nur eine berühmte Schriftstellerin zu sein, sondern auch eine perfekte Mutter und Ehefrau. Diese Ziele hat sie sich selbst gesteckt; sie fantasiert in ihren Aufzeichnungen davon. Das Gedicht, eines meiner liebsten, schildert eine auf makabre Weise positiv besetzten Vollkommenheit. Die Frau hat keinen Makel. Nur – sie ist tot. / Silke Scheuermann, Die Welt
Hier der Originaltext von Plaths Gedicht
Assoziation, dies hätte ich dem Radioautor gerne zugeflüstert, folgt anderen Gesetzen als die Erzählkausalität des Films – und sei sie, wie es manchmal überrascht, tatsächlich polykausal. Eine mehrstimmige Komposition achtet auch auf das, was an den Grenzen des unmittelbar Hörbaren geschieht. Ober-, Unter- und Zwischenmembrane bilden n-dimensionale Gestalten. Ja: Wer so eine Pfeife zu spielen verstünde, der wäre Meister. Ich jedoch bedarf noch der vielen Öffnungen einer Flöte, der Widerständigkeit der Späne und der tastbaren Kaffeeflecken, all der rhetorischen Mittel und Formen. In meiner Anfängerkunst spüre ich die Schwingung nur, wo sie unrein ist. Ich unterwerfe mich dem Reiz, doch der unmittelbaren Reaktion vertraue ich nur eingeschränkt. Wischtücher gibt es im Erdgeschoss, in der Abteilung für berührungsloses Erwarten. Bitte bedienen Sie sich dort für den Alltagsgebrauch. Wenn Sie meinen Namen nennen, erhalten Sie Mengenrabatt.
jo richter, 2011 (mehr)
Der zweite Teil ist den literarischen Zeugnissen über die Biene gewidmet. Man begegnet schönen Zitaten und Vorstellungen (nach einem ägyptischen Mythos soll die Biene beispielsweise aus den Tränen des Sonnengottes Re entstanden sein) von der Antike bis in die deutsche Gegenwartslyrik, in der «das Bienenfieber ausgebrochen» sei. / NZZ
Ralph Dutli: Bienentänze. Mit Illustrationen von Katrin Laskowski. Schriftenreihe der Vontobel-Stiftung, Nr. 1970, 94 S. (unentgeltlich zu beziehen unter www.vontobel-stiftung.ch oder bei Vontobel-Stiftung, Schriftenreihe, Tödistrasse 17, 8002 Zürich).
Edouard Glissant war Schüler Aimé Césaires, des Dichters und Mitbegründers der Négritude-Bewegung; doch er vollzog in seinem Œuvre eine entschiedene Abkehr von deren Diskurs, indem er nicht mehr den Bezug zu Afrika als identitätsstiftend hervorhob, sondern auf der Besonderheit der antillischen Situation insistierte, die auch von der Präsenz der indischen und libanesischen Kultur geprägt ist. Glissant plädierte letztlich mit seiner Formulierung eines discours antillais für einen Abschied von monolithischen Identitätskonzepten, an deren Stelle er den Begriff der Kreolisierung setzt: «Kreolisierung nenne ich die Begegnung, die Wechselwirkung, das Aufeinanderprallen, die Harmonien und Disharmonien zwischen Kulturen in der bewusst gewordenen Totalität unserer Welt-Erde.» …
In seinen lyrischen Texten präsentiert Glissant sowohl poetische Grossformen wie etwa das sechs Gesänge («chants») umfassende Gedicht «Les Indes» (1955) als auch minimalistische Vierzeiler, wie sie im Zyklus «Fastes» (1991) versammelt sind. Die lyrischen Texte erweisen sich als veritable Ver-Dichtungen der Prosatexte, in denen die Sprache als der utopische Ort aufscheint, an dem das «Nicht-sein, das endlich in Aktion ist», im neu geschaffenen Raum des Textes erfahrbar wird. Im «Traité du Tout-monde» (1997), der seit 1999 in deutscher Übersetzung vorliegt («Traktat über die Welt»), reflektiert Glissant über sein Selbstverständnis als Dichter in einer Situation, in der die Wörter «von der engen Gewissheit der Sprache» abgedankt haben. «Was kann das für dich bedeuten, der ohne Stütze oder Abgrund vorangeht, an die du dich halten könntest, ohne allmächtiges Erbe oder Gedenken, in diesem Funkensprühen aller neu geborenen Dinge?» / Claudia Ortner-Buchberger, NZZ 4.2.
Der Debütband von Edith Ottschofski, die bisher in verschiedenen Zeitschriften und in der Tagespresse Beiträge veröffentlicht hat, ist in Hermannstadt gedruckt worden. Die gebürtige Temeswarerin ist den Lesern der Siebenbürgischen Zeitung vor allem durch ihre Besprechungen bekannt. Im Nachwort nennt Matthias Biskupek sie „die Sprachenmischerin“ und weist darauf hin, dass sie auch Sprachexperimente in der Art von Oskar Pastior vorgenommen hat. Dazu habe sie zahlreiche technische Varianten ausprobiert. …
Der Sammelband enthält sechs Abteilungen („halaripual“, „lübisch“, „amélie“, „tagaus tagein“, „exercitium“, „stille“), die nur graphisch strikt getrennt sind und Überschneidungen nie ausschließen. Die beiden ersten Teile sind Gelegenheitstexte, die Ortswechsel, Reisen und zufällige Aufenthalte summieren und den wechselnden Thematiken Wort- und Satzlabyrinthe zuweisen, deren Vielfalt ein Vergnügen an sich ist. Es sind Stimmungsreportagen ungewohnter Zusammen-Setzungen in Berlin im „Schwarzsauer“ („technogewummer – ein hauch von paris/ halbrund und abgewetzt der tresen…es röchelt die maschine/früh/ im schwarzsauer“, S. 10), am Müritzsee (riedlied: „ockerried/ wiegt sich/im winterwind/müritz der see/ unterm schnee/ sand/ weites wasser/ quietschendes vogeleis/schnatterndes klirren/ flirrendes weiß/ überm eis“, S. 17); in Lübeck („liebe lübische liebelei/ herzsprung am puppentor/diese grüblerische litanei/ klughafen an der trave…, S. 38) / Horst Fassel, Siebenbürgische Zeitung
Edith Ottschofski: der schaum der wörter. Gedichte. Bamberg: Johannis Reeg Verlag 2010, 91 Seiten, ISBN 978-3-937320-17-5, 10,00 Euro.
Eine unglaubliche ostalgische Entgleisung des Pastior-Experten (?) Biskupek kritisiert Fassel zurückhaltend als Irrtum:
Selbstverständlich gehört zu den „Heimaten“ auch Temeswar und das Banat, wo – so meint Biskupek irrtümlich – „1990 eine multikulturelle Zeit endgültig zu Ende“ ging (S. 90).
Günter Saalmann (Chemnitz) & Angelika Janz (Essen)* treten in Tampere und Helsinki auf, lese ich. Wir werden ein Auge drauf halten.
*) Es könnte auch heißen: Günter Saalmann (Waldbröl) & Angelika Janz (Aschersleben). Oder: Die westdeutschen (wahlweise: ostdeutschen) Künstler Saalmann und Janz. Kennenlernen konnte ich beide in Greifswald. Tampere wiederum konnte ich durch eine Schweriner Bekannte kennenlernen oder durch einen Mannheimer Bekannten oder beide. Beides freilich nur durch Vermittlung eines Mauerfalls. Der war in Jerichow – der pommersche Mecklenburger Uwe Johnson hat darüber berichtet. Die beiden wiederum habe ich in Greifswald kennengelernt. Die Welt in Greifswald. Geographie ist ganz schön schwer.
Wuppertal. Am Dienstag, 15. März, kommt der aus Nicaragua stammende Dichter Ernesto Cardenal in die Immanuelskirche an der Sternstraße 73. Der 86-Jährige trägt ab 20 Uhr Lieder und Gedichte über Liebe, Revolution, Gott und die Welt vor. Der Wuppertaler Schriftsteller Hermann Schulz, ein Freund Cardenals, trägt die deutschen Übersetzungen bei. / Westdeutsche Zeitung
Wahid Nader, 1955 im syrischen Bmanneh geboren und seit Mitte der achtziger Jahre in Magdeburg beheimatet, zieht aus dem Umstand seiner Diaspora reizvolle Bilder, gewissermaßen vermischen sich auf einer steten Reise zwischen Orient und Okzident die Bezüge. Leipzig wird so zur Schwesterstadt von Damaskus, der geträumte Harem wird an den mitteldeutschen Flüssen errichtet; die Liebe in den kalten Landstrichen, meint man, auch sie hat etwas vom Basargeruch Vorderasiens; die Haut der Geliebten ist Marzipan, hier wie da.
Nader, der in Syrien mehrere Bücher veröffentlicht und sich unter anderem als Übersetzer von Herta Müller einen Namen gemacht hat, ist so zum Mittler zwischen der rauhen Schönheit der Börde und der Sehnsucht nach dem Ankommen, sei es in der Heimat oder endlich bei sich selbst, geworden. …
Im Übrigen sind selten solch schöne und zärtliche Gedichte über die allzu oft verkannte Landschaft zwischen Elbe und Harz geschrieben worden: „Nachts vor dem Rathaus / steht die Magd / vom Wappenstein auf. / Scheherezade, meine Liebste.“ Oder: „An der Kreuzung am Mägdesprung / mit meiner Zunge auf deiner / sagst du / Habibi.“ / André Schinkel, Mitteldeutsche Zeitung
Förderpreise für Olga Martynova und Nicol Ljubić
Jean Krier erhält den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis 2011. Mit dem Chamisso-Preis ehrt die Robert Bosch Stiftung seit 1985 herausragende literarische Leistungen in deutscher Sprache, verfasst von Autoren, deren Muttersprache oder kulturelle Herkunft nicht die deutsche ist. Damit ist dieser im literarischen Leben des deutschsprachigen Raums etablierte Preis der einzige seiner Art in Deutschland. Der luxemburgische Dichter Krier überzeugte mit seinem jüngsten Band „Herzens Lust Spiele“, mit dem er laut der Jury auf originelle und beeindruckende Weise die deutschsprachige Lyrik bereichert. Die diesjährigen Förderpreise in Höhe von jeweils 7.000 Euro gehen an Olga Martynova und Nicol Ljubić. Die Preise werden am 16. März 2011 in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz verliehen.
Jean Krier wurde 1949 in Luxemburg geboren, wo er heute lebt. Neben Beiträgen in Literaturzeitschriften wie „Akzente“ und „manuskripte“ veröffentlichte er mehrere weithin beachtete Gedichtbände. Jean Krier wird mit dem Chamisso-Preis 2011 für die freirhythmischen Elegien seines jüngsten Bandes „Herzens Lust Spiele“ (poetenladen 2010) geehrt. Seine deutschsprachigen Wortteppiche, die er subtil mit französischen Einsprengseln spickt, speisen sich aus Erfahrungsmomenten und Lektüreerlebnissen. Die scheinbar prosanahen Texte nehmen die europäische Tradition der literarischen Moderne des 20. Jahrhunderts auf und erweitern deren thematisches und sprachliches Spektrum. Mit seinem Gesamtwerk bereichere der Luxemburger Dichter die deutschsprachige Lyrik und leiste auf originelle Weise einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der ihn prägenden Kulturen, so die Jury des Chamisso-Preises.
Olga Martynova wurde 1962 bei Krasnojarsk in Sibirien geboren. Sie wuchs in Leningrad auf und zog 1991 mit ihrem Mann Oleg Jurjew nach Deutschland. Heute lebt Olga Martynova in Frankfurt am Main und schreibt Gedichte auf russisch, Essays und Prosa auf deutsch. Sie erhält den Chamisso-Förderpreis für ihren Roman „Sogar Papageien überleben uns“ (Literaturverlag Droschl 2010), der deutlich macht, dass die Gegenwart Europas in Wahrheit aus zahlreichen kleinen Vergangenheiten besteht. Die Jury sieht in Olga Martynovas Roman zauberhafte poetische Capriccios, die Erinnerungsaugenblicke festhalten und sich zu einer herben Komödie über die Zeit verbinden, in der die Grausamkeiten und Absurditäten der europäischen, insbesondere der russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht verschwiegen werden. Über die Missverständnisse und Anziehungskräfte zwischen Russen und Deutschen lasse sich aus ihrem Text, der auch ein Liebesroman ist, vieles lernen, so die Jury.
Nicol Ljubić wurde 1971 in Zagreb geboren und ist in Schweden, Griechenland, Russland und Deutschland aufgewachsen. Heute lebt er in Berlin, arbeitet als Autor und Journalist. Für seine Reportagen wurde er mehrfach ausgezeichnet. Den Chamisso-Förderpreis erhält Nicol Ljubić für seinen Roman „Meeresstille“ (Hoffmann und Campe), dessen souveräne Komposition aus Realitätspartikeln und fiktionalen Passagen die Schuldfrage des Balkankrieges der 1990er Jahre explizit offen lässt. Die Liebe zur serbischen Studentin Ana, deren Vater eines grausamen Kriegsverbrechens angeklagt ist, führt Robert, einen Berliner Doktoranden der Geschichte, zu den Wurzeln seiner eigenen, aus Kroatien stammenden Familie. Nach Überzeugung der Jury wird im Roman in ergreifender Weise die fundamentale Frage verhandelt, ob nach dem Krieg mit seinen grausamen Verbrechen und den zurückbleibenden Traumata wechselseitiges Vertrauen möglich ist oder ob das Geschehene jeglicher Liebe dauerhaft im Wege steht.
Die Juroren des Adelbert-von-Chamisso-Preises 2011 sind: Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Zsuzsanna Gahse (Autorin und Chamisso-Preisträgerin 2006), Clemens-Peter Haase (Goethe-Institut), Ina Hartwig (Literaturkritikerin) und Dorothea Westphal (Deutschlandradio Kultur).
Jean Krier in L&Poe
Als Versemacher bezeichnete sich Heinz Kahlau einmal selbst und in seinem Gedicht „Bitte um Nachsicht“ heißt es: „Ich kann nur ganz einfache Sachen sagen“. Eitelkeit liegt Heinz Kahlau, einem der meist gelesenen deutschen Dichter, fern. An diesem Sonntag feiert Kahlau, der heute auf Usedom lebt, seinen 80. Geburtstag. In Millionen von Haushalten, vor allem in Ostdeutschland, wurden und werden seine Gedichte gelesen, die mittlerweile 20 Bände füllen. Zuletzt gab der Aufbau Verlag 2005 eine Gesamtausgabe unter dem Titel „Sämtliche Gedichte und andere Werke“ heraus. / Märkische Oderzeitung
Auf vier Millionen Exemplare beläuft sich die Gesamtauflage seiner Lyrikbände: Damit rangiert Heinz Kahlau weit vor anderen deutschen Erfolgsdichtern wie Peter Rühmkorf oder Hans Magnus Enzensberger. Seine Verssammlungen, unter denen „Der Fluss der Dinge“ und „Du“ herausragen, stießen von Anfang an auf große Resonanz. Wenn er zu DDR-Zeiten Signierstunden abhielt, bildeten sich Schlangen. Das ist vorbei. Aber er dichtet noch – am 6. Februar wird er 80. / Märkische Allgemeine
Mehr: ND / Freie Presse /
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