[Außer dem „Grünen Buch“ hat der libysche Revolutionsführer Gaddafi] auch Gedichte und Geschichten veröffentlicht, in denen er sein erstaunliches Wissen über Frauen preisgibt: „Frauenärzte sagen, dass Frauen jeden Monat menstruieren, Männer aber nicht. (…) Wenn eine Frau nicht menstruiert, ist sie schwanger.“
Frauen seien darüber hinaus zarte Geschöpfe, ähnlich wie Blumen, die es zu bestäuben gilt. / shortnews.de
[Allerdings sind die short news ein wenig zu short. Die Aussagen über Frauen stammen nicht aus „Gedichten und Geschichten“, sondern aus dem „Grünen Buch“. Genaueres im Artikel der Süddeutschen Zeitung]
Das Grüne Buch gibts hier Arabisch und hier Englisch (über die Frauen im 3. Teil. Trotz allem Hanebüchenen übrigens auch mit Aussagen, die nicht für jedes arabische Land selbstverständlich sind.)
Montag, 21. März 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Mary Jo Bang: Eskapaden
Kevin Prufer: Wir wollten Amerika finden
Zweisprachige Lesung
Mary Jo Bangs Dichtung ist abenteuerlustig und dynamisch, jedes ihrer Bücher findet eigene Töne, Protagonisten und Atmosphären. Ihre Sprecher und Figuren sind amorphe Kreaturen zwischen Rollen und Perspektiven, sie verkörpern die Ambiguitäten postmoderner Wahrnehmung. Sie schafft Parallelwelten voller Wiederekennungsmomente, denen Assoziationsbögen zwischen Freud, Plato, Cher und Alice im Wunderland aufgeschlagen werden. Die Gedichte Bangs sind facettenreiche Bilder gegenwärtigen Lebens und dessen messerscharfe Sektion.
„Mein Imperium fiel wie ein Blutstropfen ins Gras“ Kevin Prufers Gedichte sind Expeditionsunternehmen in ein zerrissenes, um seine Träume und Selbstbilder gebrachtes Amerika. Er hat das politische Gedicht für die Popmoderne reaktiviert und schafft es dennoch in diesem Waste Land des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts die eigentliche Poesie des Menschseins zu feiern.
Mary Jo Bang wurde 1946 in Waynesville, Missouri geboren. Sie studierte zunächst Soziologie, arbeitete dann einige Jahre als Hilfsärztin, studierte Fotografie in London und Jahre später Creative Writing an der „Columbia University“. Ihr erster Gedichtband erschien 1997 und gewann den Katharine Bakeless Nason Prize. Von 1995 bis 2005 betreute sie gemeinsam mit Timothy Donnelly die Lyriksparte der Boston Review. Zahlreiche Fellowships und Preise, darunter ein Pushcart Prize und ein Guggenheim Fellowship. 2007 gewann sie den bedeutenden National Book Critics Circle Award für ihren Band Elegy, der von der New York Times zu einem der wichtigsten Bücher des Jahres ernannt wurde. Ihre Gedichte wurden vielfach anthologisiert und erscheinen in zahlreichen Zeitschriften wie Poetry, der New York Times und in der jährlich erscheinenden Anthologie The Best American Poetry. Sie lebt und lehrt in St. Louis, Missouri.
Kevin Prufer wurde 1969 in Cleveland, Ohio geboren. Er studierte an den Universitäten Wesleyan, Hollins und Washington. Er hat vier Gedichtbände veröffentlicht. Daneben zählt er zu den wichtigsten Herausgebern zeitgenössischer Lyrikanthologien: New European Poets, The New Young American Poets und Dark Horses: Poets on Overlooked Poems. Er ist Redakteur der einflussreichen Zeitschriften Pleiades und American Book Review und ist zudem Vizepräsident des National Book Critics Circle. Er lebt in Warrensburg, Missouri.
Ein Gastspiel der crazyartists. Die Texte entstanden im Rahmen einer von Jörn Waßmund geleiteten Schreibwerkstatt, an der zwölf begabte Autoren mit der Erfahrung eines psychischen Handicaps teilnahmen.
Mit Verena Bittner, Bernhard Düformantel, Carola Gärtner, Melanie Giesen, Beate Trapp
Regie: Jörn Waßmund
1886 wurde der als Dada- und Laut-Dichter berühmt gewordene Autor im pfälzischen Pirmasens geboren. Mit 25 Veranstaltungen feiert ihn seine Geburtsstadt, wo man in Andreas Meier einen würdigen, ebenfalls sprach- und lautgewandten Ball-Preisträger ehrte.
Bekannt wurde Ball, der mit seiner späteren Frau Emmy Ball-Hennings 1915 in die Schweiz übersiedelte, als Zeitkritiker und Gründer des legendären „Cabaret Voltaire“ in Zürich. Wer Genaueres über ihn erfahren möchte, dem sei der vom Heidelberger Autor und Kritiker Michael Braun herausgegebene Band „Hugo Ball – Der magische Bischof der Avantgarde“ empfohlen. / Mannheimer Morgen 16.3.
(schöner Druckfehler: Primasens!)
Ich hätte die Zeitung beinah weggeworfen. Das Wesentliche (Politik, Geld, Wirtschaft etc.) lesen ohnehin genug von den Wesentlichen – da kann ich mich ruhig auf die Lyrik konzentrieren. Aber in diesem Artikel im Wirtschaftsteil der „Zeit“ kommen die Stichworte Unternehmer | Unternehmensgründung, die man dort erwartet, zusammen mit einem dort eher seltenen vor: Lyrik. Und der ist wieder im Feuilleton des Blattes eher marginal. Kommt also seit neuestem vorwiegend im Politikteil vor, und nun auch hier:
Obwohl es seinen Verlag erst seit drei Jahren gibt, kann man Heidtmann fast einen Verleger alten Schlags nennen, ganz im Dienste der Literatur, wie man bei den großen Ketten kaum mehr einen findet. Der Gründer des Poetenladens hat es sich zur Aufgabe gemacht, neue Stimmen zu entdecken und zu fördern. …
Im Netz hat alles angefangen. Mit der Plattform poetenladen.de schuf Andreas Heidtmann 2005 einen Raum für Autoren, in dem man Gedichte findet und Rezensionen, Neuigkeiten und Gespräche. Jeder kann hier einen Beitrag einschicken; interaktiv ist die Seite jedoch nur bedingt. Die Einsendungen filtert Heidtmann mit seinem Team, und nur die von Qualität stellt er aus. Er ist der Gatekeeper, der es den Autoren erlaubt, sich mit einem Profil zu präsentieren.
Bald tummelten sich auf seiner Plattform vor allem Lyriker. Ihre kurzen Texte hätten wohl besser auf den Bildschirm gepasst als ganze Romankapitel, meint Heidtmann. Bleiben wollten sie aber nicht. Schon fragten die ersten Autoren, ob er ihre Werke nicht drucken könne. Und Heidtmann merkte: Wenn er es nicht täte, kämen andere. Längst hatten auch die Vertreter von Verlagen die Plattform für sich entdeckt und durchsuchten sie nach neuen Talenten wie sonst kleine Lyrikbühnen und Festivals. …
Die großen Publikumsverlage suchen derzeit nach Lösungen, mit der digitalen Herausforderung namens E-Book fertig zu werden. Andreas Heidtmann geht den umgekehrten Weg. Ein Jahr nach dem Aufbau seiner Internetplattform druckte er die ersten Texte aus dem Netz im Poet Nr. 1. Er nennt ihn ein Magazin, doch mit seinem illustrierten Pappcover ähnelt die Sammlung, von der inzwischen die zehnte Ausgabe erschienen ist, bereits einem Buch. …
2008 gründete Heidtmann den Poetenladen-Verlag – für richtige Bücher, von denen er inzwischen etwa zehn im Jahr druckt. / Inge Kutter, Die Zeit 12
Die Gedichte des in Köln und Ankara lebenden Lyrikers Achim Wagner sind von einer Sanftheit, die so tatsächlich nur sehr selten zu finden ist in der jungen modernen Dichtung. Sein neuester Band „flugschau“ eröffnet das Verlagsprogramm des [SIC] Literaturverlags von Daniel Ketteler und Christoph Wenzel, die bereits für die gleichnamige Literaturzeitschrift verantwortlich sind. Wagners Buch setzt die Tradition der beiden Herausgeber fort, die stets auf der Suche sind nach hochwertiger Literatur abseits des Mainstreams – einer Literatur, die experimentierfreudig ist, Traditionen fortsetzt um sie aufzubrechen, und die mit ihrer sprachlichen und inhaltlichen Vielschichtigkeit deutlich heraussticht aus der Masse der oft viel zu austauschbaren Neuerscheinungen.
Achim Wagners „flugschau“ hat nichts martialisches, es ist nicht das militaristische Muskelspiel, das man mit dem Begriff üblicherweise assoziiert – der Titel deutet bereits an, wohin die Reise geht. Wagner spielt mit der Sprache und mit den Erwartungen des Lesers, er legt falsche Fährten, die auf Lichtungen führen, die man nicht erwartet. / Gerrit Wustmann, fixpoetry.com
Achim Wagner: flugschau. Gedichte. [sic] Literaturverlag, Aachen 2011.
Von Axel Kutsch
Zur Nacht
Lieber Bub, gleich ist es Nacht.
Das AKW wird dicht gemacht.
Es strahlte uns so lange an.
Ruh sanft, mein kleiner Strahlemann.
„Nimm nochmals eine Axt, Ibrahim, und schlag damit den alten Göttern auf den Kopf.“ Was klingt wie ein frühislamisches Gemetzel, ist die jüngste Wortmeldung in einem afghanischen Dichterstreit der Gegenwart, bei dem ein paar junge Wilde an der Patina des lyrischen Establishments kratzen. Es sind die ersten Zeilen eines Gedichts, das der junge Poet Suhrab Sirat vor einigen Tagen auf seiner Webseite veröffentlicht hat. Innerhalb von einer Woche haben 62 Internetnutzer den Text kommentiert. Darunter auch Wahab Mujir, ein Schwergewicht der alten Garde, der sich in den 90er Jahren mit klassischen Gedichten einen Namen gemacht hat. Sein Urteil über Sirat fällt wenig schmeichelhaft aus. Nicht nur, dass der Text an Harmonie und Rhythmus vermissen lasse. „Dieses Gedicht verstehen nur 30 Leute in Mazar-i-Scharif. Sowas kannst du in dein Tagebuch schreiben, aber nicht in einen Blog, den die Welt liest. Das ist so, als würde ich im Internet über einen Streit mit meinem Cousin schreiben.” Mit solchen Worten bekriegen sich in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif die Dichter der älteren und neueren Generation. Dabei bedienen sie sich des Genres der Hajwia – einer anerkannten Form der Schmähschrift. / Rohullah Rahimi, Masar-i-Scharif, Afghanistan today 30.11.
Wahrscheinlich muss man nur das Ohr an die Schienen legen wie jener Bahnwärter in Luljeta Lleshanakus Gedichten, um die Schwingungen der Historie wahrzunehmen. … Oft heben die Gedichte wie Erzählungen oder kurze Selbstporträts an. Doch bald schon ändert sich die Richtung, sucht Lleshanaku mit ihren freien Versen jenen «toten Punkt, / von dem aus man ins Innere der Dinge schlüpfen kann». / NZZ 15.3.
Luljeta Lleshanaku: Kinder der Natur. Aus dem Albanischen von Andrea Grill. Edition Korrespondenzen, Wien 2010. 172 S., Fr. 24.50.
Wer Mario Luzi (1914–2005) in seinen späten Jahren noch erlebt hat, wird sich an seine hagere Gestalt erinnern, an das markante Profil, die lebhaften Augen und daran, wie er mit leiser, manchmal brüchiger Stimme seine Gedichte vortrug. Oft stieg die Spannung von Vers zu Vers. «Innen, in den Äderungen. / Eingedrungen / ihnen entlang, / eingetreten / in die Risse / und in die Spalten / ganz drin, explodiert / dort, im Felsen, / in der Substanz – / so waren sie Worte», so beginnt ein Text in der Übersetzung von Guido Schmidlin aus dem Band «Themen und Motive eines heiligen Gesangs» von 1990. Diese Worte, parole, heisst es weiter, wurden zu Sprachen, zu Nationen, sickerten dann in die Wurzeln und Wurzelfasern «bis zum unbestimmten Schlamm / zum noch nicht ausgesprochenen, / stummen Fatum – vor, / vor dem Wort». / Maike Albath, NZZ 9.3.
Mario Luzi: Auf unsichtbarem Grunde. Gedichte. Aus dem Italienischen von Guido Schmidlin. Hanser-Verlag, München 2010. 328 S., Fr. 29.90.
Bei den Nationalfeiertagsfeiern in Ungarn sind offenbar Verse des Nationaldichters Sandor Petöfi (1823-1849), die die Pressefreiheit rühmen, bei einer öffentlichen Rezitation gestrichen worden. Bei der Regierungsfeier zum ungarischen Nationalfeiertag trug ein Schauspieler Petöfis Gedicht „15. März 1848“ („15-dik marcius, 1848“) vor, doch fehlten darin sechs Verse, die unter anderem die Pressefreiheit thematisieren. … In den gestrichenen Versen des romantischen Gedichts wird „die Jugend“ aufgerufen, die Presse zu befreien, die von „gottlosen Händen“ „in Fesseln gelegt“ wurde. / Der Standard
Gedichte von Petöfi auf Deutsch
1 E I N L A D U N G
————————-
Stadiumrock
oder mal wieder die alten lieder singen
christian petersen
21. märz 2011 20.30h
in der reihe
montagsdemonstrationen
perspektive literatur berlin e.V.
körtestr. 19-21 10967 berlin
2 V O R A N K Ü N D I G U N G
————————-
Weil es zu gut ist.
Litaneien.
clemens schittko
04. april 2011 20.30h
in der reihe
montagsdemonstrationen
perspektive literatur berlin e.V.
körtestr. 19-21 10967 berlin
————————-
perspektive out of area
Wer wie ich erwartungsfroh die „Zeit“ auf Seite 3 aufschlägt, um „die neuen Gedichte“ zu lesen (wie man im 19. Jahrhundert in französischen Kleinstädten auf die nächste Folge des Fortsetzungsromans wartete), erlebt eine linde Entäuschung. Nichts, dort gibt es Wichtigeres, wie auf allen anderen 95 Seiten. Soviel Buchstaben und große Bilder, aber kein Gedicht?
Doch – auf Seite 8 wenigstens eins, das sich die Seite zu gleichen Teilen mit einem Werbeauto teilt. Hendrik Rost schrieb eine „Notiz an das Neugeborene“, die so endet:
Tsunamis brechen durchs Wohnzimmer.
Tumulte in Massen. Wir wissen genau,
was uns einst stürzen lassen wird.
Sei dabei. Es geht vorüber. Verzeih.
(Was wir schon vorige Woche bei Jan Wagners Text ahnten: es gibt es noch, das „Warn-„, das „Mahngedicht“, das seine Hochzeit in den 50er/60er Jahren hatte. Das ist eine Feststellung ganz ohne pejorativen Beigeschmack.)
Neueste Kommentare