Gerade ist sein neuer Lyrikband erschienen, der erste seit 25 Jahren. Geschrieben habe er ja eigentlich immer. In der Freizeit, ohne den Vorsatz, das einmal veröffentlichen zu wollen. „Ich hatte keine Lust, mich in diesen Buchmarkt zu mischen. Da herrschen ja zum Teil mafiöse Strukturen.“ Und doch fühlte sich der 55-Jährige, nachdem sich „Unmengen von Material“ angesammelt hatten, in der Pflicht, „das alles mal zu ordnen“.
„Seit ich am Meer bin“ heißt der schmale Band, der nun Balladen und Lieder vereint, lange Gedichte und kurze, poetische Notizen. Sie handeln von der Ferne und wie sie den Wanderer empfängt, vom Loslassen ebenso wie von der Kraft der Liebe, von Sehnsucht und der Angst vor dem Tod. Wenzel erzählt von alldem, wie man es von seinen Liedern kennt: mal heiter-melancholisch, dann wieder mit feinem Sarkasmus, bitter und hart, dann wieder ganz zart und leise. Als die Arbeit am Buch im Endstadium war, hat er sich sogar die Musik versagt, drei Monate lang. „Sie hat manchmal so etwas Versöhnendes, das wollte ich fern halten“, sagt er. Und: „Unser ganzer Alltag ist so stark von Musik geprägt.“ Hin und wieder brauche man da einfach die Kraft eines klar formulierten Wortes.
Mit seinen Versen will er an eine Tradition anschließen, eine „Form von Lyrik“, die seiner Meinung nach immer mehr aus der Öffentlichkeit verschwunden ist. Zum anderen ist das Buch aber auch eine Art Test. „Ich habe ja viele literarische Projekte, sitze zum Beispiel an einem Roman und einem Essayband. Lyrik jedoch ist die antikapitalistischste Form – man kann nie so viel Gewinn herausholen, wie man Arbeit in eine Zeile steckt.“ / STEPHANIE LUBASCH, Märkische Oderzeitung 9.4.2011
„Masken: Wenzel singt Christoph Hein“, mit Hans-Eckardt Wenzel und Christoph Hein, Sonntag, 17 Uhr, Schinkel-Kirche, Neuhardenberg, Kartentel. 033476 600750
Hans-Eckardt Wenzel: „Seit ich am Meer bin“, Gedichte, Matrosenblau Verlag 2011, 104 S., 18 Euro
Daß diese Farbigen einfach nicht politisch korrekt sein können. „Neger bin ich, Neger bleib ich“, sagt der französische Dichter Aimé Césaire, geboren 1913 auf der zu Frankreich gehörenden Insel Martinique. Er erfand gar ein eigenes Konzept dazu: Négritude. Schwarzsein. Negersein. Das war in den 30er Jahren zusammen mit dem Dichter und Politiker Léopold Sédar Senghor, der später erster Präsident des unabhängigen Senegal wurde. Jetzt ehrt der französische Staat den farbigen Dichter aus der Karibik durch Aufnahme ins Pantheon.
Nègre je suis, nègre je resterai
Aimé Césaire, Françoise Vergès
Essai (broché). Erschienen 11/2005
Armes Wien – a never ending story!
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In seinen Performances gurgelt, rappt und schmatzt Valeri Scherstjanoi bekannte und erfundene Laute. Im FIGARO-Lesecafé trifft der Lautpoet auf den Dichter Michael Lentz – ihre Begegnung kann zu einem Fest lyrischer Improvisation werden. Wer Angst vor experimenteller Lyrik hat, dem wird sie von Lentz und Scherstjanoi spielend genommen. / MDR Figaro
Angaben zur Sendung
FIGARO Lesecafé: Lautland – Lyrik in Form mit Michael Lentz und Valeri Scherstjanoi
Sendung:
So, 10.04.2011, 16:05-17:30 Uhr
Ort:
Moritzbastei, Leipzig
Gäste sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei.
Wiederholung:
Di, 12.04.2011, 22:00-23:30 Uhr
Moderation:
Michael Hametner
Literaturhinweise
Michael Lentz: Offene Unruh – 100 Liebesgedichte, 192 S.,
S. Fischer Verlag
ISBN-13: 978-3100439260
Valeri Scherstjanoi: Mein Futurismus, 160 S.,
Matthes & Seitz Berlin, Mai 2011,
ISBN 978-3882216189
Alexei Jelissejewitsch Krutschonych „Phonetik des Theaters“
Übersetzt, eingeleitet und kommentiert von Valeri Scherstjanoi.
1. Auflage
ISBN 978-3-9813470-5-0
Paperback: 19×12
10 Euro
Valeri Scherstjanoi: lauter scherben: texte zeichnungen chronik
Books on Demand
EUR 18,80
drei Monate lang wohnhaft auf dem Stadtfriedhof, in direkter Nähe zu Hölderlins Gebeinen: Marion Poschmann
(Schwäbisches Tagblatt) – ganz so schlimm ist es wohl nicht. Offenbar stimmt davon nur, daß
sie Hölderlins Grab auf dem Stadtfriedhof von ihrem Fenster im Stadtschreiberhäuschen aus sehen kann
Für 3 Monate ist sie Stadtschreiber(in) in Tübingen – die Stelle ist seit neuestem der Lyrik vorbehalten. „Alleinstellungsmerkmal“ heißt das in Pol.-Tech-Speak. Wir aber gratulieren und wünschen eine schöne und produktive Zeit!

Die Türkei fordert die Rückgabe einer Sphinx, wurde vor kurzem gemeldet und von manchen Zeitungen kommentiert. Dahinter verbirgt sich eine komplizierte Geschichte, schrieb die Süddeutsche am 30.3. Seit etwa 100 Jahren weiß man, daß es außer ägyptischen und griechischen auch hethitische „Sfingen“ gibt, eine davon kam nach Berlin. Der Prähistoriker Kurt Bittel, der seit 1931 die Grabungen in der hethitischen Hauptstadt Hattuscha leitete, schrieb: „Die Löwen am westlichen, die Sphingen am südlichen und der Gott am östlichen Tor der Oberstadt gehören zu den größten Leistungen, die hethitische Künstler in der Zeit des Großreiches vollbracht haben.“
Über den politischen Hintergrund schreibt SZ-Autor Klaus Kreiser:
„Unbekümmert darum, dass das Hethitische sozusagen eine Tante der jüngeren indoeuropäischen Sprachen ist, erklärte der Gründer der Türkischen Republik die zweifelsohne aus dem Norden eingewanderten Hethiter zu Angehörigen einer ersten türkischen Migrationswelle aus Innerasien nach Anatolien.
Der Brauch und Missbrauch von Archäologie und Anthropologie für den türkischen Nationalismus erhielt so in den dreißiger und vierziger Jahren freie Bahn. Atatürks Ziehtochter Afet war die wichtigste Propagandistin dieses Projekts. Sie erklärte, den Türken sei keine kulturelle Periode fremd. Das Eigentumsrecht an Anatolien reiche in unvordenkliche Zeiten zurück. Gleichzeitig legte Hamit Zübeyir Kosay, ein in Budapest und Berlin als Ethnologe ausgebildeter Wolga-Tatare, die Ruinen von Alacahöyük bei Çorum frei. Seine Überzeugung war, bronzezeitlichen Funde und Befunde seien Beweise dafür, dass ‚die türkische Rasse in der Vorgeschichte nicht weniger aktiv war als in historischen Perioden‘.
Damit war der Grundwiderspruch der noch immer aktuellen türkischen Vorstellung von Nationalgeschichte in die Welt gesetzt. Der Anthropologe Suavi Aydin beschreibt ihn mit einem Satz: Man beanspruche einerseits einen Platz in der europäischen Zivilisation, andererseits berufe man sich auf eine türkische Herkunftsgemeinschaft. Plakativen Ausdruck fand dieser Bezug auf Sumerer und Hethiter in der Bezeichnung großer staatlicher Unternehmen in der Textil- und Bergbaubranche (Sümerbank, Etibank).“
Der 1979 in Topeka/Kansas geborene und heute in New York lebende Lyriker Ben Lerner hat mit seinem furiosen Gedichtband „Die Lichtenbergfiguren“ ein Meisterstück moderner Sonettdichtung vorgelegt, in dem der Zusammenprall der ehrwürdigen Gedichtform Sonett mit den profanen Redeweisen und Fachsprachen des 21. Jahrhunderts kunstvoll inszeniert wird. „Ich hatte jede Dogmatik des Denkens, jede Sklerose der Abläufe abschütteln wollen“, heißt es in dem zweiten von insgesamt 52 Sonetten, in denen Lerner die alte Erhabenheitsrhetorik des Sonetts in lässiger Beiläufigkeit profaniert. …
In Deutschland war der junge New Yorker Dichter bis vor kurzem unbekannt, bis ihn die findigen Scouts des Wiesbadener Luxbooks Verlags entdeckten und ihn mit dem Dichter Steffen Popp in Verbindung brachten, der seinerseits zu den begabtesten Köpfen der jungen deutschen Lyrikergeneration gehört. Aus einem umfangreichen Mailwechsel der beiden Autoren und aus zahllosen Videotelefonaten entstand schließlich dieser geistreichste zweisprachige Lyrikband der letzten Jahre, der soeben mit dem renommierten Preis für internationale Poesie der Stadt Münster ausgezeichnet wurde. / Michael Braun, Badische Zeitung
Ben Lerner: Die Lichtenbergfiguren. Gedichte, zweisprachig. Übersetzt von Steffen Popp. Luxbooks Verlag Wiesbaden. 120 Seiten, 18,50 Euro.
Zweisprachige Lesung mit Ben Lerner und Steffen Popp, heute, Freitag, 20 Uhr,
Galerie im Alten Wiehrebahnhof, Urachstraße 40, Freiburg.
Der kanadische Griffin Poetry Prize wird jährlich in Höhe von je $65,000 an einen kanadischen und einen ausländischen Dichter vergeben. Jeweils $10,000 gehen an die übrigen Teilnehmer, die es auf die siebenköpfige Shortlist brachten, so daß keiner leer ausgeht. Insgesamt waren 450 Bücher aus 37 Ländern und aus mehr als 20 Sprachen nominiert.
Auf der Liste für Kanada stehen:
Internationale Liste:
/ Michael Oliveira, The Canadian Press
CHICAGO — The Poetry Foundation is pleased to announce the sixth anniversary of American Life in Poetry, a project that brings free poetry content to newspapers around the country. Founded by former U.S. Poet Laureate Ted Kooser, who selects and introduces the poems featured in the column, American Life in Poetry regularly runs in newspapers across the country, from the Times Union (Albany, NY) to the Lincoln Journal Star(Lincoln, NE), and is published in a range of Internet outlets, reaching more than three million readers each year.
Over the last six years the column has featured more than 300 poets, including National Book Critics Circle Award winner Edward Hirsch, National Book Award finalist Alicia Ostriker, various poets representing large and small regions of the country, and a number of young poets from public school writing programs. The column not only brings contemporary poetry to a wider audience but also restores poetry’s place in newspapers, where the column is well received by regular readers.
“One of the great pleasures is receiving notes from readers who have been following the column in newspapers, and who have been especially touched by a poem they’ve seen. These letters mean so much to us. Touching another person’s heart is what poetry is all about,” said Kooser.
American Life in Poetry is available to newspaper editors, free of charge, for inclusion in either print or online editions.
Register to receive American Life in Poetry, and explore the column archive, at www.americanlifeinpoetry.org.
Sein Vater stand an der Seite von Mao Zedong, als dieser auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1949 die Volksrepublik China ausrief. Ai Qing war der Vorzeigepoet der Kommunistischen Partei, seine Gedichte waren Pflichtlektüre in den Schulen (und Chinas Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao können gewisse noch immer auswendig aufsagen). Das bewahrte ihn nicht davor, Ende der Fünfzigerjahre als Konterrevolutionär gebrandmarkt und in die Wüste Gobi verbannt zu werden.
Nun droht seinem Sohn ein ähnliches Schicksal und droht China erneut eine wichtige Stimme zu verlieren: Ai Weiwei wurde auf dem Pekinger Flughafen verhaftet, nachdem sein Projekt publik geworden war, in London marmorne Nachbildungen der um sein Atelier postierten Überwachungskameras auszustellen. Mit der Installation hätte er dem Regime einmal mehr den Spiegel vorgehalten, wie es niemand sonst in der Volksrepublik wagt. / Manuela Kessler, Tages-Anzeiger
Die Gedichte von Petra Ganglbauer, so wie sie in diesem Gedichtband versammelt sind, sind strenge Meditationen um ein Weiß, um eine Leere, die es so nicht gibt. Unter keinen Umständen und wie wir es auch drehen gibt. Das ideale Gedicht. Dieses Nicht gibt die Forschungsrichtung, die Perspektive des Lauschens in diesen Versen vor. Sie machen mir den ständigen Abgrund klar, über den ich täglich gehe. Das Unleserliche eines jeden Moments, das Durchschossene, Kontingente. Das sofortige Vergessen des letzten gesagten Wortes in meiner Rede. / Silke Peters, fixpoetry.com
Petra Ganglbauer: Die Überprüfung des Meeres. Gedichte. Edition Art Science, Wien-St.Wolfgang, 2010.
Als Ludvík Kundera (1920-2010) Mitte der 1950er Jahre Schwierigkeiten in Prag und Brünn hatte, half ihm Huchel, so gut er konnte. Als Huchel in den 1960er Jahren verfemt war, unterstützte ihn Kundera.
1958 veröffentlichte Kundera, Vetter des Romanciers Milan Kundera, seine ersten Übersetzungen der Gedichte Huchels, 1964 brachte er „Chausseen Chausseen“ in tschechischer Sprache heraus. 1963 nannte Huchel Ludvík Kundera „den einzigen Freund in schwierigen Jahren“. / Märkische Allgemeine
Peter Huchel und Ludvík Kundera, Gespräch zwischen Eduard Schreiber und Hans Dieter Zimmermann, Lesung von Hans-Jochen Röhrig, 12. April um 20 Uhr im Peter-Huchel-Haus, Hubertusweg 41, Wilhelmshorst.
Zwischen zwei Polen reimt sich Jan Wagners Gedicht-Buch „Australien“ ins Offene, Fremde, Neue. Den einen könnte man mit Joseph von Eichendorff nennen: „Ach, wer da mitreisen könnte!“ Den anderen mit Fernando Pessoa: „Nur äußerster Mangel an Einbildungskraft rechtfertigt, dass man auf Reisen geht; existieren ist reisen genug.“ Romantik à la Eichendorff findet sich in dieser Wagner-Welt-Lyrik durchaus, wenngleich nicht plump-platt. Vielmehr greift der findige Dichter lustvoll intelligent zu den altehrwürdigen Registern, schaltet vielleicht sogar Demutspfeife und Tremulant zu, ergötzt sich an überlieferten Formen, die ihm so nett erscheinen, dass er sie – um formalen Ballast erleichtert – übernimmt in sein Wortwandern. / Rolf-Bernhard Essig, FR 6.4.
Jan Wagner: Australien. Gedichte. Berlin Verlag 2010, 106 Seiten, 18 Euro.
Das Papier wirkt unwirklich, wie eine Reminiszenz an die alte Zeit der Parteiendiktatur. Es ist dünn, ähnlich dem Papier, das man in der Sowjetunion gebrauchte. Es fehlen Stempel, Unterschriften, all die Insignien, die das Papier als ein offizielles Dokument der weißrussischen Bürokratie ausweisen würden. ‚Spisok‘, Liste, steht auf Russisch über den Namen der 57 Musiker, Autoren und Schauspieler. Bekannte weißrussische Bands wie N.R.M., Krambambulja, Lyapis Trubeckoi oder das Theaterprojekt ‚Belarus Free Theatre‘ stehen auf dieser Liste. Auch der Song-Schreiber Zmicier Wajzjukjewytsch, ein enger Freund des Dichters Uladzimier Njakljaeu, der bei den Präsidentschaftswahlen 2010 antrat, dann am finalen Wahlabend von Sicherheitskräften zusammengeschlagen und ins KGB-Gefängnis verschleppt wurde. / SZ 29.3.
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