144. „Seufzte oft und tief“

Der von ihm vorgetragene Zyklus „Bilder vom Leben am Meer“ mache deutlich, „dass Landschaft ein Kontemplationsthema geblieben ist“, erklärte die Berliner Kritikerin und schwärmte geradezu von der „Sensibilisierung für verschwundene Lebenswelten“ und von einem „Reifezustand, den hier wenige andere Gedichte erreichen“.
Die meisten der übrigen Jurymitglieder stimmten ein in den Bewunderungston, nicht ohne durchblicken zu lassen, wie schön Popp sich seit dem letzten Wettbewerbsauftritt entwickelt habe. „Es kann ja auch sein, dass das Verständnis der Jury sich entwickelt“, sagte Popp später, aber das klang gar nicht böse, denn da hatte er gerade den mit 8000 Euro dotierten Leonce-und-Lena-Preis erhalten. …

Der Literarische März behauptete seine Bedeutung als eines der wichtigsten Nachwuchstreffen, und die meisten der Lesungen bezeugten Talente, die neugierig machen auf die weitere Entwicklung. Da waren zum Beispiel die stilsicher und präzise gesetzten Gedichte, deren Musikalität der Autor Tobias Falberg noch unterstrich, indem er sich mit geschmeidigen Bewegungen der rechten Hand selbst zu dirigieren schien. Da gab es die sprachlich dichten, anrührenden Liebesgedichte von Nadja Küchenmeister, die Kurt Drawert in der Jury-Diskussion mit sympathischer Entschiedenheit verteidigte gegen Vorwürfe wie den von Raoul Schrott, der in ihnen eine „prüde und zwangspoetisierende“ Art entdeckte, mit Körperlichkeit umzugehen.

Es gab Autoren mit starken Performer-Qualitäten wie Walter Fabian Schmid, der das Podium zur Lautbühne für vielstimmige Dramen machte oder den in seiner scharfen Präzision überzeugenden Vortrag, mit dem Ann-Kathrin Ast für ihre erstaunlich sprachökonomischen, mit geringem äußeren Aufwand große Tiefe erreichenden Gedichte warb. …

Nur bei Raoul Schrott fand Rudolph ebensowenig Gnade wie auch die meisten anderen Teilnehmer. Schrott staunte regelmäßig über die weitreichenden Interpretationen seiner Jurykollegen und seufzte oft und tief. Man kennt ihn eigentlich als aufmunternden Fürsprecher der Autoren, aber diesmal sah er wenig Grund dazu, auch nicht beim Hauptpreisträger Steffen Popp. Die Unverständlichkeit allein, spottete Schrott, mache noch kein Gedicht aus. / Darmstädter Echo

143. DIE ESELIN BEI BESAGTEM GLEITSCHIRMFLUG

Dienstag, 29. März 2011, 21 Uhr

Villa Elisabeth, Invalidenstr. 3, Berlin
In der Reihe: Die Liedertafel

Genschel und Schüttler machen ihre Kladden auf. Berweck sitzt u.a. am Klavier.

Das Meisterwerk from Mara Genschel on Vimeo.

Auszug:

– Veronika
– Schiebetür (mechanische)
– Fernlautsprecher
– der Hund (Genie)
– mit Pudelmütze!
– (nach dem sie wohl stirbt, aber das dann wann anders…)
– (k)(l)eine „W(e)rk(e)“
– 1x mit Ton?
– Gadenstätter-Spalt-Problematik
– Abstände ? Material
– transkribieren?
– Quälersymptome
– die Eselin bei besagtem Gleitschirmflug

*

Round Table, ab 22.30 Uhr:

– Verschränkung von Musik und Sprache nicht in der Ausführung von Werken, sondern im Sichtbarmachen von Produktionsprozessen?
– Best Off. Das Kaufhaus als Ausläufer
– Käseplatte
– Träubchen werfen verboten!
– Urkundenverleihung Kanon-Wettbewerb
– Gnadenlos ausgeführt?

142. Monnaie u. Scandalvermeidung

Kann die Dichtung das Leben bessern? (Facobook-Fund, kannt ich bisher nur als Text)

Benn an Thea Sternheim am 7. März 1930, einen Tag nach der Sendung: „wollen wir von dem Radioabend bitte nicht weiter sprechen. Verfehlte Sache, blamable Situation. 1) war die Zeit zu kurz für das Thema 2) hatte Herr B., als er 10 Minuten vor Beginn kam, alle Abmachungen verändert, keine Stichworte gebracht, war nicht zu bewegen, bestimmte schärfere Formulierungen zu bringen. Ich wollte fortgehn, blieb aber schliesslich wegen Monnaie u. wegen der Scandalvermeidung. Lohnt ja garnicht. Nächstes Mal besser, aber nicht mehr am Radio, peinliches Milieu!“

Nicht nur der Text, auch die Edition in den Becher- und Benn-Ausgaben wirft interessante Fragen auf.

Obwohl Becher sozusagen der DDR-Staatsdichter zu Ulbrichts Zeiten war, wurde der Text erst nach Bechers Tod und nicht im Osten, sondern im Westen veröffentlicht. In der DDR erschien er offenbar erst in der 18bändigen Werkausgabe im Aufbau-Verlag, Band 15: Publizistik I. 1912-1938. Berlin u.Weimar: Aufbau 1977. Der Text steht in der Nachlese auf S. 593-596 u.d.T. „Rundfunk-Gespräch mit Gottfried Benn“. Aus den Anmerkungen:

Einer „Radio-Vorschau“ der Zeitung „Berlin am Morgen“ vom 1. März 1930 ist zu entnehmen, daß das Gespräch am 6. März 1930 unter dem Titel „Dichtung an sich“ gesendet wurde. Der Text wurde erstmals gedruckt in: Johannes R. Becher, „Lyrik, Prosa, Dokumente“, Wiesbaden 1965. Einige Passagen der Ausführungen Benns entsprechen zum Teil wörtlich seiner Stellungnahme zum Austritt Bechers und Egon Erwin Kischs aus dem Redaktionskomitee der „Neuen Bücherschau“. Der Austritt erfolgte auf eine Rezension Max Hermann-Neißes über „Gottfried Benns Prosa“, in der der „unabhängige und überlegene Weltdichter“ den „literarischen Lieferanten politischer Propagandamaterialien“ gegenübergestellt wurde. (S. 796f)

In der „Literarischen Welt“  6, 1930, Nr. 23 vom 6. Juni 1930 erschien ein Text Benns unter dem Titel „Können Dichter die Welt ändern? Rundfunkdialog“.

Wer die Dialogpartner waren und wann der Dialog gesendet wurde, wurde nicht angegeben. Nach Maßgabe des Erscheinungsdatums der „Literarischen Welt“ ist der Text eine Version des Beitrags von Benn und Johannes R. Becher, der im Rahmen der Berliner „Funkstunde“ gesendet wurde. (…) Benn hat den Dialog in der „Literarischen Welt“ stark verändert wiedergegeben. Übereinstimmungen im Wortlaut zwischen der Bennschen und der Rundfunkfassung gibt es nicht, inhaltliche Parallelen sind aber offensichtlich. (Gottfried Benn, Essays und Reden. In der Fassung der Erstdrucke. Frankfurt/ Main: Fischer 1989, S. 668f)

Von hier gibt es eine kleine Spur zurück zu Facebook, wo kürzlich an anderer Stelle Kleists „Penthesilea“ Gegenstand war. Benn in dem besagten eigenen Text:

… daß vor unseren Augen das Beispiel der nächsten großen deutschen Dichtung nach „Penthesilea“, nämlich „Die kleine Stadt“ von Heinrich Mann, genau so wenig irgendeine Wirkung ausgeübt hat, nicht einmal eine stilistische. Man kann es nicht anders ausdrücken: Kunstwerke sind phänomenal, historisch unwirksam, praktisch folgenlos. Das ist ihre Größe. (a.a.O. S. 99)

141. „Stunde der Wahrheit“

Im Poetenladen ein Bericht von Michael Braun über den Literarischen März. Hier drei recht willkürliche Splitter:

1

Erst wenn die Mikrophone außer Reichweite sind, schlägt in Darmstadt die Stunde der Wahrheit. Was man am Rande erfährt, in den ungeschützten, unbedachten, beiseite gesprochenen Äußerungen, ist oft lehrreicher als die eloquenten und wohl abgewogenen Diskurse auf dem Podium. Da trifft man in einem Café auf die gerade von der Jury arg gerupften Dichter, denen die Enttäuschung noch in den Knochen steckt und die sich, entlastet vom Ausgewogenheitszwang, nicht mehr zu diplomatischen Statements durchringen müssen. Einer versichert durchaus glaubhaft, dass er nur wegen des Preisgelds angereist sei und die mühsam inszenierten Lyrik-Debatten vor Ort für äußerst entbehrlich halte. Was sich beim Literarischen März in Darmstadt als feinsinniges Gespräch über die Möglichkeiten des Gedichts drapiere, sei in Wahrheit nur ein vor Klischeehaftigkeit ächzender Aufguss längst obsoleter Reizwörter.

2

Nadja Küchenmeisters Debütband „Alle Lichter“ wurde vor gar nicht langer Zeit in Darmstadt als „Buch des Monats“ ausgezeichnet. Nun traf sie jedoch das scharfe Verdikt des Jurors Raoul Schrott, der in Küchen­meisters Sehnsuchtspoesie nur einen bleichen „Maoam-Existenzialismus“ erkennen wollte.

Solche polemischen Ausritte wären diskutabel gewesen, wenn in allen Fällen so harsch und unerbittlich geurteilt worden wäre.

3

Viel zu wenig Beachtung fanden in Darmstadt die verschlossenen, in ein namen­loses Dunkel gehenden, sehr einsamen Gedichte Levin Westermanns, in denen sich ein Ich auf das eigene Verschwinden vorzubereiten scheint. Es ist beklemmend, diese verstörenden Protokolle eines Weltverlusts zu lesen, in denen das Subjekt immer mehr erstarrt und am Ende nur noch das Verstummen bleibt: „allein im wilden land aus wind und wasser, wir / erfinden eine neue art von schweigen.“ Ein Ich, das alles aufs Spiel setzt, das vom Weltgefühl der Verlorenheit umzingelt wird und dennoch spricht, am Rande des Schweigens: Für diese existenzielle Zerreißprobe noch Wörter zu finden – das ist Poesie.

140. Darmstädter Jury über die Preisträger

Die Jury in ihrer Wertung des Leonce-und-Lena-Preisträgers: „Definitionen von Abend: Engramm eines Karrens / träumende Fördermaschine am Grund eines Sees / den ich lange durchschwamm. Bedeutung, eine / Unterart von Gerümpel, bildet Strände, Lungen. / Die Körper verschwinden im Zeichen …“: heißt es im letzten Gedicht des Zyklus von Steffen Popp, der den Leonce-und-Lena-Preis 2011 erhält. Diese Beschreibung eines Abends als letztem Baustein des Zyklus mit der Gleichsetzung von Bedeutung und Gerümpel enthält die Poetik der Gedichte.
Der Zyklus stellt die Meereslandschaft nicht ins Zeichen einer Schönheit, die als Ordnung und Sublimierung der an der Meeresküste vorgefundenen Materialien erscheint, sondern der Autor entdeckt und untersucht das stoffliche An-Sich-Sein dieser Materialien und sorgt für Rückführung einst missachteter Dinge wie Gestrüpp, Tang, Steine, Salz und Strandgut in die menschliche Betrachtung.
Unsere Fortschrittsskepsis, das Verschwinden von Lebenswelten hat uns sensibilisiert für den Wert von Dingen, die bei Klassizisten wie Lorrain, Poussin oder Hackert keine Chance gehabt hätten. Damit stellt Steffen Popp das Landschaftsgedicht auf neue Grundlagen.“

Zu Jan Volker Röhnert schreibt die Jury: „In Jan Volker Röhnerts Fernsprechwesen der Poesie vergisst sich die Schrift und wird Bild, sprechen wir nie nur mit uns allein, werden uns Leihscheine auf die Welt ausgestellt, zeigt sich uns die Spur der Dinge auf einem Radarschirm, kehren uns die Gedichte ihr Innerstes zu, stehen wir mitten im Tag, haben er, die Zeit und die Bäume eine Logik. Dafür erhält Jan Volker Röhnert einen der beiden Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise 2011.“

„Andre Rudolph hat in seinem Zyklus „die spinne, die liebe, der tod“ ein überzeugendes poetisches Referenzsystem dafür geschaffen, wie Sprache im Akt des Sprechens ihren Sinn verändern und zu einer ebenso komischen wie tragischen Verkettung von Verständnissen führen kann. Damit befindet er sich auf der Höhe moderner Kommunikationstheorien mit der grandiosen Überlegenheit, sie nicht nur behauptet, sondern literarisch dargestellt zu haben. Dafür wird ihm der Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis 2011 zuerkannt“, heißt es in der Würdigung der Jury für Andre Rudolph.

139. Meine Anthologie 72: Wafa´ al-Amrani, Der achte Tag (Auszüge)

Der achte Tag (Auszüge)

„Er sagte zu mir: Der Todestag ist der Hochzeitstag und der Tag des Alleinseins ist der Tag der Geselligkeit.

An-Niffari*

1 Wurzel
Ich bin aus dem Gefühl geboren. Das ist nicht wie die Liebe
nicht wie der Haß, sondern ähnelt sehr dem Hochmut.
Sie wollten mich nicht, doch ich kam, kam dennoch hervor als ich es wollte.
Schon vor allem Anfang war ich eine Rebellin.
Ich brachte zum Ausdruck, daß ich und das Zeitalter am Rand der Fremde zweierlei Dinge sind
daß ich und die Zeit stets zweierlei sind.

2 Schöpfung
In innerer Betrachtung
beginn‘ ich mit meiner Schöpfung.
Ich lege mich in etwas noch Engeres als ein Nadelöhr.
In meinen Innersten kleide ich mich in ein Drängen.
Der Wind aus der Senke
ist weder maghrebinisch noch syrisch.
So gehe ich fort
ohne daß mich das Fortgehen wegschleppt
auch ohne daß mir die Durchquerung entgeht
oder daß mich die Ankunft verschüttet.

3 Körper
Wenn die Stimme des Körpers ausschweift
reift die Weiblichkeit der Weisheit
und deckt sich an manchen Stellen mit Blumen
zu Stellen, die träumen aus Scham
Dann sattele ich das Schreiten zur Begierde.

4 Liebe
Ich habe mein junges, freies Herz
an den höchsten Gipfel des Atlasgebirges gehängt
weil die stinkenden Hyänen
sich bergab zu bewegen pflegen.
Die Höhe verursacht ihnen gewöhnlich
Schwindel und Übelkeit.

Mein Herz ist eine duftverminte Blume
doch der Pflückende ist ein chronischer Schnupfen.

[…]

7 Eintönigkeit
Gäbe es doch einen Sinn
gäbe es doch eine Farbe
gäbe es doch einen Tag außer der Post am Montag
der Eisenbahn am Dienstag
dem Wäschewaschen am Mittwoch
der Versammlung am Donnerstag
dem Ekel vor dem Freitag
der Einsamkeit des Samstags
der Last des Sonntags!

Oh, der Sonntagmittag!
Gäbe es doch ein Gesicht anstelle eines Gesichts
gäbe es doch eine Nummer anstelle einer Nummer
gäbe es doch ein Alter anstelle dieses Alters
gäbe es doch eine Zeit anstelle dieser Zeit
gäbe es doch eine Sonne anstelle der Sonne
gäbe es doch eine Erde anstelle der Erde
gäbe es doch tatsächlich Luft wie die Luft…

Was um mich herum ist, ödet mich an,
manches von mir, ich selbst und ich ganz.
Es ödet mich an, die Muse der Dichter zu sein
es ödet die Erde mich an, die mich nicht an die Zügel
zu nehmen vermag, und auch der Himmel.
Es ödet mich mein Kollege an, der übel über mich redet
die Straße, die mir lästig ist, und mein Bruder, der mich ausfragt, doch nicht über mich.
Es öden mich an meine Wohnung und meine Zeit.
Es öden mich an die Langeweile und ich selbst.
Ich leugne all diese Zustände ab. Auch das Ableugnen ödet mich an.
Gäbe es doch einen Tag
gäbe es doch eine Farbe
gäbe es doch einen Sinn

*) mittelalterlicher arabischer Mystiker

Aus dem Arabischen von Suleman Taufiq

Aus: Khalid al-Maaly (Hrsg.): Zwischen Zauber und Zeichen. Moderne arabische Lyrik von 1945 bis heute. Berlin: Verlag Das Arabische Buch 2000, S. 448-451

Wafa‘ al-Amrani (Marokko) wurde 1960 geboren

138. Politisch Lied

Der grüne Spitzenmann Winfried Kretschmann ist ein besonnen-feinsinniger Seelenverwandter des früheren CDU-Ministerpräsidenten Erwin Teufel.

Auf Teufel hat einst der Schriftsteller Martin Walser ein Gedicht geschrieben, das wie folgt beginnt: „Seine Schürze ist grün, und das ist keine politische Farbe / er ist der Gärtner, der erste des Landes, er kennt den Boden und pflegt ihn auf Gedeih und gegen Verderb.“ Das Walser-Gedicht passt nicht auf Stefan Mappus von der CDU, es passt aber auf Winfried Kretschmann; bei ihm ist nicht nur die Schürze grün. / Süddeutsche

Hallo Clemens Schittko: Teufel heißt jetzt Kretschmann, Rot-Grün heißt jetzt Grün-Rot

137. Das Lyrik Kabinett präsentiert: Die Preisträger des Literarischen März 2011

28.03. – 20:00 Uhr

Wo: Lyrik Kabinett

Amalienstr. 83
80799 München

Einführungen und Moderation: Christian Döring

In Zusammenarbeit mit dem Literarischen März Darmstadt

Seit 1979 wird in Darmstadt alle zwei Jahre der wichtigste deutsche Preis für junge Lyrik vergeben: der Leonce-und-Lena-Preis. 1997 kam der Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis hinzu.  Am Samstag, den 26. März, wurden die Preisträger gekürt. Als Kooperation zwischen dem Literarischen März und dem Lyrik Kabinett werden sie – wie schon 2009 – nach München eingeladen: zu einer Lesung im Lyrik Kabinett.

Leonce-und-Lena-Preis Steffen Popp – Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise Jan Volker Röhnert und Andre Rudolph

136. Sachsen

ist doch nicht so schlecht. Sowieso und die Freie Presse speziell auch. Wie zu erfahren ist, existiert das „Gedicht der Woche“ seit Mai 2010 und publiziert jüngere Autoren aus der Region sowie verstorbene und lebende Dichter aus dem deutschsprachigen Raum. Die letzteren bisher in der Mehrzahl, darunter bespielsweise Bartsch, Kunst, Küchenmeister, Koch, Pietraß u.a.

Das vorgestern entdeckte „Gedicht des Monats“ stammt offenbar aus einer Lokalausgabe, die sich dem Trend anschließen will. Chapeau!

135. floppy myriapoda-Aufstand

Dienstag, 29. März, 21 Uhr, Rumbalotte continua:

Release Heft 17 (April 2011, 6. Jahrgang, S. 436-463)

mit Beiträgen von (i. d. R. i. A.) Julia Sohn-Nekrasov, Hamid Skif, Scheiffele, Jes Petersen, Brigitte Struzyk, Matthias Hering, einem Organ der LKO, Alexander Brener & Barbara Schurz, Kamil Majchrzak, Gerald Fiebig, Christian Krumbel, Christine Sohn, Egon Günther, Floarea Tutuianu, Bernd Volkert, Dan Coman, HEL Toussaint, Kai Pohl, Wolfgang Junginger, Henning Rabe, Hadayatullah Hübsch, Jochen Knoblauch, Eberhard Loosch, Lothar Feix, Joachim Wendel, Benedikt Kramer, Reinhard Johannes, Alexander Heinich, Knofo und Helmut Höge. Redaktion und Autoren lassen die Verhältnisse tanzen.

Eintritt frei!

 

Anarchie!

Im Januar ist das erste offizielle fm-Bootleg erschienen.

Mit einem Beitrag von Andreas Paul und Zitaten von Thomas Bernhard, Markus Wolf, Fritz J. Raddatz, Klaus Mann, Clemens Kuhnert, George Orwell, Christa Wolf, Jean-Paul Sartre, Heiner Müller und Stefan Ret.

Redaktion: Alexander Krohn

floppy myriapoda, Heft 16
Berlin, Januar 2011
S. 426-435, 120 Expl.

 

 

 

 

134. Untenrum

Ein dradio-Bericht von der lit.cologne kombiniert Donna Leon und Untenrumlyrik. Erstere sagt Interessantes über die Phonetik des Italienischen und den Musikgeschmack von Deutschen und Engländern. Letztere klingt in einer milderen Variante so:

„Ein Elefant poppt alles auf der Welt,
weil ihm das Poppen so gefällt.
Am liebsten poppt er Spatzen,
weil sie am Schluss so lustig platzen.“

133. Welt-Lyrik

Ach ihr Armen:

Das Buch richtet sich an echte Einsteiger und erläutert so simple Dinge wie: Was ist eine Börse, was eine Aktie und was eine Spekulationsblase? Dabei rutscht die Sprache leider manchmal in „Sendung mit der Maus“-Lyrik ab. / Die Welt

Geistige Gummibärchen ist eine gelegentliche Kolumne zur Poesie des Medienspeak

Im Übrigen bin ich der Meinung, daß „Die Zeit“ zu loben ist.

132. Meine Anthologie 71: Elke Erb, Mitteilen

Elke Erb

Mitteilen

Schneide ich etwa Feenfleisch aus
und lege es auf die Teller?

Und wird es von Feenfüchsen
im hindernislosen Mondlicht

(die auf die Stühle springen
am runden Tisch, bei Messer und Gabel
aufs weiße Tischtuch die vorderen
Füße aufstützen)

beschnuppert, bevor
Meinesgleichen dran kaut?

Elke Erb: Sachverstand. Basel u.a.: Urs Engeler Editor 2000, S. 24.

131. Meine Anthologie 70: Adonis, Die Verirrung

Adonis

Die Verirrung

Einmal verirrte ich mich zwischen deinen Händen.
Meine Lippe war eine Zitadelle, sehnte sich nach einer ungewöhnlichen Eroberung.
sie liebte die Umzingelung.
Du schrittest voran,
deine Hüfte eine Majestät,
deine Augen Versteck und Freund.
Wir vereinigten uns. Wir verirrten uns. Wir betraten
den Wald des Feuers – Ich machte den ersten Schritt,
du eröffnetest den Weg…

(Teil 3 des Gedichts/ Gedichtzyklus „Spiegel für Khaleda“)

Adonis: Der Baum des Orients. Gedichte. (Der orientalische Diwan 4). Aus dem Arabischen von Suleman Taufiq. Berlin: Edition Orient 1989, S. 45.

Hinweis: Numerierte Beiträge meiner Anthologie gehören zur ersten Staffel, die ich 2000/2001 vor und außerhalb der Lyrikzeitung begann und die ich sukzessive hier einarbeite.

130. An jenem Tag

Als Max Böhm – jahrzehntelang als der „Maxi der Nation“ vielbejubelt und belacht, Blödler und Witzemacher vom Dienst, Komiker und Conférencier, Pionier der Rundfunkunterhaltung, nachmals Fernsehliebling, anno 1950 „beliebtester Österreicher“ (weit vor dem damaligen Regierungschef Leopold Figl, einem noch heutigen Inbegriff der Popularität) – als dieser Max Böhm im September 1982, knapp vier Monate vor seinem Tod, in einer Revue der Wiener „Kammerspiele“ unvermittelt ein langes Gedicht über seinen eigenen Tod vortrug („An jenem Tag“), schwieg das Publikum betroffen, applaudierte dann artig und wusste im übrigen nicht, wie ihm geschah. / Ö1

Hier das Gedicht