66. Zwei junge Dichter

Im Herbst 1963 stach der junge Dichter Dmitri Bobyschew dem jungen Dichter Joseph Brodsky [dessen Name, bevor er amerikanisiert wurde, Iossif Brodskij war] die Frau aus. Das war nicht cool. Die beiden waren enge Freunde. Sie traten oft gemeinsam in alphabetischer Folge bei Lesungen im Raum Leningrad (heute Petersburg) auf. Bobyschew war 27 und hatte sich kurz zuvor von seiner Frau getrennt; Brodsky war 23 und lebte von Gelegenheitsjobs. Zusammen mit 2 weiteren vielversprechenden jungen Dichtern nannte ihr Freund und Mentor Anna Achmatowa sie den Zauberchor. Sie war der Meinung, daß sie nach den dunklen Stalinjahren für die Erneuerung der russischen Lyrik stehen. Als sie gefragt wurde, welche der jungen Dichter sie am meisten bewundere, nannte sie die zwei: Bobyschew und Brodsky. …

Brodsky widmete der jungen Frau einige der schönsten Liebesgedichte der russischen Sprache. …

Im November 1963 erschien ein beleidigender Artikel über Brodsky in der lokalen Zeitung, in dem von seinen Hosen, seinem roten Haar, seinen literarischen Ambitionen und seinen Gedichten die Rede war, obwohl 3 der 7 Zitate gar nicht von Brodsky waren, sondern von Bobyschew. Jeder wußte, daß ein solcher Artikel das Vorspiel der Verhaftung war. Brodsky Freunde warnten ihn und beschworen ihn, vorsichtshalber nach Moskau zu fahren und abzuwarten. In Moskau erfuhr er, daß Bobyschew mit seiner Freundin Neujahr auf der Datsche eines Freundes verbracht hatten. Er fuhr nach Leningrad, um sie zur Rede zu stellen, und wurde verhaftet. Der darauffolgende Prozeß wurde zum Gründungsereignis der sowjetischen Menschenrechtsbewegung und machte Brodsky weltberühmt. / Keith Gessen, The New Yorker

65. American Life in Poetry: Column 321

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

For me, the most worthwhile poetry is that which reaches out and connects with a great number of people, and this one, by Joe Mills of North Carolina, does just that. Every parent gets questions like the one at the center of this poem.

How You Know

How do you know if it’s love? she asks,
and I think if you have to ask, it’s not,
but I know this won’t help. I want to say
you’re too young to worry about it,
as if she has questions about Medicare
or social security, but this won’t help either.
“You’ll just know” is a lie, and one truth,
“when you still want to be with them
the next morning,” would involve too
many follow-up questions. The difficulty
with love, I want to say, is sometimes
you only know afterwards that it’s arrived
or left. Love is the elephant and we
are the blind mice unable to understand
the whole. I want to say love is this
desire to help even when I know I can’t,
just as I couldn’t explain electricity, stars,
the color of the sky, baldness, tornadoes,
fingernails, coconuts, or the other things
she has asked about over the years, all
those phenomena whose daily existence
seems miraculous. Instead I shake my head.
I don’t even know how to match my socks.
Go ask your mother. She laughs and says,
I did. Mom told me to come and ask you.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Joe Mills, whose most recent book of poetry is Love and Other Collisions, Press 53, 2010. Poem reprinted from Rattle, Vol. 16, no. 1, Summer 2010, by permission of Joe Mills and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

64. Spanisch-Französisch

Aquitanien ist eine poetische Provinz. Hölderlin grüßte hier die schöne Garonne, und noch viel früher gabs einen Herzog, der hier ein Gedicht über nichts schrieb. Es ist auch die Heimat von François Mauriac, von dem ich keine Gedichte, aber Romane kenne. Die Meldung von aqui.fr (aquí heißt auf Spanisch hier) fand deshalb meine Aufmerksamkeit:

Im Centre François Mauriac in Malagar las der spanische Schriftsteller José Carlos Llop in der Europäischen Nacht der Museen, musikalisch „umrahmt“ von German Diaz mit Drehleiermelodien, „um die ‚r‘ des Autors besser rollen zu lassen, der über seine Worte lächeln mußte, als er sie Französisch hörte“. Und der auf die Frage, warum er schreibt, antwortet: „Weil ich nicht male oder singe“.

63. Verboten und verbrannt

„Verbrannt, verboten, verbannt – aber nicht vergessen!“ Unter diesem Motto finden bundesweit Veranstaltungen anlässlich der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 statt. Zum dritten Mal beteiligt sich die Stadtbücherei Aalen mit engagierten Vorleserinnen und Vorlesern, setzt ein Zeichen gegen das Vergessen.

… „Bücherverbrennungen fanden nicht nur in Großstädten statt, auch in Aalen wurden Bücher auf Befehl des Sturmbannführers Fridolin Schmid auf dem MTV-Platz den Flammen übergeben“, berichtet er. …

Die aus dem Iran stammende Farzaneh Fallahian lässt mit ihrem Vortrag die Aktualität des Abends deutlich werden. „Seit der Verankerung der islamischen Regierung leben viele persische Künstler im Exil. Die, die im Iran leben und nicht als regimetreu gelten, werden mit unvorstellbaren Schwierigkeiten konfrontiert. Ihnen ist die öffentliche Ausübung ihrer Kunst verboten“, schildert Fallahian. Stellvertretend für die Vielzahl der verbotenen und ermordeten iranischen Künstler rezitiert sie in ihrer Muttersprache Farsi Gedichte des 1980 verstorbenen Dichters und Malers Sohrab Sepehri und der Schriftstellerin Forough Farrokhzad. Die Gedichte Farrokhzads sind auch heutzutage, unter der islamistischen Regierung verboten. Die Dichterin beschreibt tabulos in ihrem Band „asir“- „die Gefangenen“ das Verlangen einer Frau nach körperlicher Liebe. / Schwäbische Post

62. „Wer abweicht – ist gefährlich“

Gerade mal sieben ihrer 1775 Gedichte sind zu ihren Lebzeiten erschienen, und selbst die nicht in der von ihr vorgesehenen Form. Die einzigen Bücher, die es von ihr gab, waren die von ihr selbst genähten, die sie in die Truhe steckte; der einzige Preis, den sie je bekam, war einer fürs Brotbacken.

Heute füllt die Sekundärliteratur ganze Bibliotheken. Posthum wurden bei ihr Agoraphobie und Epilepsie diagnostiziert, von den einen wurde sie für lesbisch, von den anderen für psychotisch erklärt. Worauf sie selbst die beste Antwort mit einem ihrer Gedichte gab: „Wahnsinn ist oft der höchste Sinn –/Für den, der ihn versteht –/ Und Sinn – der tollste Wahnsinn oft –/Nur die Mehrheit/Entscheidet hier wie überall –/Wer zustimmt – ist gesund –/Wer abweicht – ist gefährlich – und/Braucht Ketten wie ein Hund.“ / Susanne Kippenberger, Tagesspiegel

61. Flussi Diversi

Die Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria lädt zum vierten Dichter-Symposium nach Caorle bei Venedig. Schirmherr der diesjährigen Veranstaltung ist der ungarische Dichter Géza Szöcs.

Flussi Diversi – Poesie in alpen-adriatischer Vielfalt
27-29 Mai 2011
http://flussidiversi.jimdo.com/

Liste der teilnehmenden Dichter:

Antonio Cassuti (Italia)
Augusto Debernardi (Italia)
Conny Stockhausen (Italia)
Diana Rosandić (Croazia)
Egon Günther (Germania)
Enrico Grandesso (Italia)
Eros Olivotto (Italia)
Fabio Franzin (Italia)
Flavio Ermini (Italia)
Gábor Nagy (Ungheria)
Gerhard Altmann (Austria)
Géza Szöcs (Ungheria)
Giacomo Scotti (Italia)
Gianluca Chierici (Italia)
Ida Travi (Italia)
Isabella Panfilo (Italia)
Iztok Osojnik (Slovenia)
Linda Mavian (Italia)
Luciano Cecchinel (Italia)
Marina Moretti (Italia)
Mario Rossetti (Italia)
Marko Kravos (Italia)
Maurizio Mattiuzza (Italia)
Mila Haugová (Slovacchia)
Nikola Kraljic (Croazia)
Patrizia Valduga (Italia)
Renata Visintini Lambertini (Italia)
Roberto Nassi (Italia)
Tiziano Brogliato (Italia)
Tomaso Kemeny (Italia)

60. Lied Andalusiens

In  „Le Chant d’al-Andalus“ (Das Lied Andalusiens), übersetzt und kommentiert von Hoa Hoï Vuong und Patrick Mégarbané, die bereits „Ors & saisons“ et „Le Diwan de Bagdad“ im gleichen Verlag veröffentlicht haben, finden sich 40 Dichter, Männer und Frauen, Leute von Adel und aus dem Volk, Kurtisanen und Weise.

In diesen Gedichten entdeckt der Leser den Gesang eines Volkes auf der Höhe seines Ruhms, das fern von rigiden Dogmen seine Wesensart und Sensibilität bewahrte, in Freiheit aufblühte und mit seinen Qualitäten Ruhm erwarb. / obiwi

„Le Chant d’al-Andalus“ : Une anthologie de la poésie arabe d’Espagne, 
de Patrick Mégarbané et Hoa-Hoï Vuong. 
Edition bilingue arabe-français, Sindbad, Actes Sud, 23 € 

59. Sehbuch

Eva Dranaz denkt an pädagogisches Potenzial: „Wenn das Partypublikum sich über die Visualisierung mit Literatur auseinanderzusetzen beginnt, erschließt das vielleicht neue Leserkreise.“ Da in weiterer Folge angedacht ist, die visualisierten Texte als DVDs auf den Markt zu bringen, steht auch die Nutzung als „Seh-Buch“ für den Privatgebrauch, wie Jochen Fill in Analogie zum Hörbuch sagt, im Raum.

„Ich stelle mir das so vor, dass jemand die DVD in sein Home-Cinema einlegt und den Ton über den Lautsprecher hört wie ein normales Hörbuch; zusätzlich erzeugen die Bilder eine Stimmung im Raum“, zeigt sich Jona Haier visionär. Der ebenfalls beim „Literatur Lab“ mitwirkende Gründer des Mono-Hörbuchverlags, Till Firit, gibt zu bedenken: „Mir scheint, dass da ein anderes, eher kunstaffines Publikum angesprochen wird, weil gerade Hörbuchkonsumenten häufig angeben, dass sie nichts sehen wollen und es sich um eine Frage der Bequemlichkeit in bestimmten Situationen handelt.“

Er sieht besonders Dichtung als geeignet für visuelle Übersetzungen mit Videoclip-Charakter: „Lyrik erzeugt selbst schon starke Bilder, die sich gut zur Arbeit von Visualisten fügen lassen.“  / Daniel Kalt, Die Presse

58. Junge Dichter

Nicht alle chinesischen Kinder wollen bei Klavier- und Pisa-Wettbewerben auftrumpfen. Es gibt auch solche, die sich lieber in die Gefühle eines ausrangierten Blindenhundes hineinversetzen: „Sein Blick fiel auf einen Spiegel, / Dort sah er einen Hund, / Der genauso aussah wie er selbst, / Beim einsamen Herumstreunen.“ Der Hund legt sich bei dem Spiegel nieder und beginnt ihn abzulecken: „Der Blindenhund neben dem Hund im Spiegel / Hörte ein anderes Herz schlagen, / Spürte eine andere Körpertemperatur. / Der Spiegel wurde warm, / Und sie merkten es nicht.“

Als Gao Can diese Zeilen schrieb, war sie elf Jahre alt. Heute ist sie fünfzehn, und bei verschiedenen Verlagen sind mittlerweile neun Bücher von ihr erschienen, fünf Lyrikbände und vier Essay- und Märchensammlungen. Ursprünglich waren sie für andere Kinder gedacht, doch inzwischen werden sie vor allem von Erwachsenen gelesen. / Mark Siemons, FAZ

57. Poetische Konstante

Mit „Über die Liebe und das Meer“ ist nun erstmals eine Auswahl seiner Lyrik auch auf Deutsch erschienen.

… Drei Lyrikbände hat der im Sommer gestorbene Saramago in seiner portugiesischen Heimat zwischen 1966 und 1975 veröffentlicht. Teilweise überarbeite er sie später und brachte sie erneut heraus. Er selbst stellte einmal klar, dass Gedichte nicht nur Hobby oder Fingerübungen waren, sondern es eine „poetische Konstante“ in seiner Arbeit gab. In seiner Lyrik fänden sich „erstmals Verbindungen, Themen und Obsessionen festgeschrieben, die zum strukturell unveränderbaren Rückgrat eines literarischen Corpus“ geworden seien. …

Darüber liefert er sich einen – fiktionalen – Streit mit seinem deutschsprachigen Dichterkollegen Rainer Maria Rilke (1875-1926). „Schreiben Sie nicht Liebesgedichte“, zitiert er ihn und antwortet sofort: „Warum nicht, Rainer Maria? Wer hindert / Das Herz am Lieben und wer entscheidet, / Welche Stimmen sich im Vers artikulieren?“  / Christina Horsten, Nordkurier

José Saramago: Über die Liebe und das Meer. Hoffmann und Campe, Hamburg. 101 Seiten, 15 Euro, ISBN 978-3-455-40320-6

56. Stipendium für Christian Rosenau

Der Weimarer Lyriker Christian Rosenau wird mit dem Thüringer Literaturstipendium „Harald Gerlach“ ausgezeichnet. Das mit 12.000 Euro dotierte Stipendium wurde auf Initiative des Thüringer Literaturpreisträgers Ingo Schulze und der Literarischen Gesellschaft Thüringen im Jahr 2009 ins Leben gerufen. Mit der zum dritten Mal vergebenen Förderung erhält der Stipendiat die Möglichkeit, ein Jahr lang intensiv an seinem Lyrikband zu arbeiten. Stipendiaten waren bisher Lutz Seiler und Jan Volker Röhnert. / jenapolis

(Ein Jahr lang von 12.000 Euro? Da kann er ja prassen und intensiv arbeiten, o Mann! Von wieviel leben die, die das Geld (wessen) so großzügig verteilen, und die solche Formulierungen finden? Falsch gerechnet, die vergleichen nicht mit sich, sondern mit den anderen Dichterlingen.)

55. Beiläufigkeit als Stilprinzip

Wulf Segebrecht stammt aus dem protestantischen Preußen (geboren in Neuruppin, Schulen in Königsberg, Kolberg in Pommern, nach 1945 Lübeck), seine Universitätslaufbahn spielte sich überwiegend in katholischen Gegenden ab. Wie dem auch sei, das Protestantische (oder das Wort Protestant) in Gedichten Nora Bossongs sticht ihm sehr ins Auge:

Das Subjekt kommt in diesem Fall aus dem nüchternen Bremen. Daher das „Rolandslied“, daher auch die Bremer Stadtmusikanten, die gleich mehrfach zitiert werden. Ein ganzer Abschnitt des Gedichtbandes ist „Im Protestantenland“ überschrieben. Da, im norddeutschen „Diesigland“ unter magerem Protestantenhimmel, beobachtet und rekapituliert die Dichterin mit fast volkskundlichem Interesse die „Aussterbende Art“ der Rotrockfrauen, die mit knöchernen Protestantenfingern die Bibel durchblättern, führt mit befremdeter Beglückung durch die alten niedersächsischen Klöster und zur Teufelsbrücke im Deister, wobei sogar plattdeutsche Wendungen aus Fritz Thörners einschlägigem Heimat-Gedicht zitiert werden.

(In ihren Gedichten, stellt er aber fest, spielen Päpste eine größere Rolle). Auch sonst ist er beeindruckt, gewiß zu Recht:

Wer sich auf Nora Bossongs Gedichte einlässt, kann sich auf manche Entdeckungen dieser Art gefasst machen. Die Lyrikerin hat sich die scheinbare Beiläufigkeit zum Stilprinzip erkoren und erweist sich gerade durch den frappanten Beziehungsreichtum des Unspektakulären als eine der größten Begabungen der jungen Literaturszene.

„Sommer vor den Mauern“ ist nach „Reglose Jagd“ (2007) der zweite Gedichtband der 1982 geborenen Autorin, die inzwischen auch mit zwei Romanen hervorgetreten ist, zuletzt mit „Webers Protokoll“, einem belletristischen Pendant und Vorläufer zur öffentlichen Diskussion um das „Amt“.

/ FAZ

Nora Bossong: „Sommer vor den Mauern“. Gedichte. Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, München. 96 S., geb., 14,90 Euro.

54. Prix Camoes für portugiesischen Dichter

Der Prix Camoes, wichtigster Literaturpreis der portugiesischen Sprache, geht dieses Jahr an den Portugiesen Manuel Antonio Pina. Der Autor wurde 1943 in Sabugal geboren und hat zahlreiche Gedichtbände und auch Kinderbücher veröffentlicht. Der Preis, der mit 100.000 Euro dotiert ist, wurde 1989 von Portugal und Brasilien gestiftet und würdigt die lusophonen Autoren, die sich um die portugiesische Sprache verdient gemacht haben. Bisher haben ihn u.a. die Brasilianer Jorge Amado (1994) und Ferreira Gullar (2010), die Portugiesen Antonio Lobo Antunes (2007) und José Saramago (1995) und der Angolaner Pepetela (1997) erhalten. / rtl (Belg.)

53. Ostap Slyvynsky in Wien

Wien. Am 17. Mai um 19 Uhr 30 liest der Writer-in-Residence des quartier21 Ostap Slyvynsky im Raum D / quartier21. Der ukrainische Autor und Übersetzer schreibt Lyrik und Essays und ist Co-Herausgeber der polnisch-deutsch-ukrainischen Literaturzeitschrift „RADAR“. Ostap Slyvynsky wurde 2009 mit dem Hubert-Burda-Preis für junge Lyrik ausgezeichnet. Zuletzt erschien der Gedichtband „The Running Fire“. In seiner Lesung am 17. Mai liest Slyvynsky Gedichte in ukrainischer Sprache, die deutsche Übersetzung von Claudia Dathe trägt Prof. Alois Woldan vom Institut für Slawistik der Universität Wien vor.

52. ‚Ode an einen Stern‘

In einem Anfall hemmungsloser Liebe griff ich nach einem himmlischen Stern.‘ Wer sonst als der chilenische Dichter Pablo Neruda könnte seinen Leserinnen und Lesern einen Stern vom Himmel holen? In zahlreichen seiner Gedichte spielen das Universum und dessen Himmelskörper eine zentrale Rolle, dienen als Metaphern oder gar Sinnbild der Liebe. Die Ode an einen Stern ist eines von Nerudas poetischen Glanzlichtern, das in wenigen Strophen zentrale Konstellationen des menschlichen Daseins und Zusammenlebens offenlegt. Der Text erzählt von der Liebe, ihren Schatten- und Sonnenseiten, von Verlustängsten, Schuldgefühlen und der Größe, die sich hinter dem selbstlosen Verzicht verbirgt. / MARLENE ZÖHRER, SZ 6.5.

PABLO NERUDA: Ode an einen Stern. Aus dem Spanischen von Fritz Rudolf Fries. Illustrationen von Elena Odriozola. Bajazzo 2011. 32 Seiten, 14,90 Euro.  (ab 5 Jahre und für Erwachsene)