33. Seuls les poètes peuvent sauver le monde

Nur die Dichter können die Welt retten, schreibt Musina bei Agoravox:

Wie ihr möchte auch ich wahrhaft informiert werden, nicht angeödet von dem Strom von Interpretationen, der von allen Seiten kommt und den man uns als „Analysen von Experten, Gedanken von Intellektuellen, Meinungen von Gelehrten oder Essays von Spezialisten“ andreht. Ich schnappe mir lieber einen Stapel Bücher und genieße das kleine Wunder: Bashô, Buson, Issa, die die geschliffensten japanischen Mikrogedichte schrieben, genannt Haiku. Augenblickhafte Wunder der Bildlichkeit, wie frische überfallartige Brisen. Und der große Pablo Neruda, dessen Liebesgedichte einen fast zum Weinen bringen. Oder der erstaunliche und geheimnisvolle Pessoa, der unvermeidliche Baudelaire. Heute aber möchte ich euch Rimbaud anbieten.

Hier eine seiner „Illuminationen“. Lest ihn ohne daß ihr versucht zu verstehen. Laßt euch von den Metaphern forttragen und in die Höhe heben, ihr werdet es erleben:


Métropolitain

Du détroit d’indigo aux mers d’Ossian, sur le sable rose et orange qu’a lavé le ciel vineux viennent de monter et de se croiser des boulevards de cristal habités incontinent par de jeunes familles pauvres qui s’alimentent chez les fruitiers. Rien de riche. — La ville !

 Du désert de bitume fuient droit en déroute avec les nappes de brumes échelonnées en bandes affreuses au ciel qui se recourbe, se recule et descend, formé de la plus sinistre fumée noire que puisse faire l’Océan en deuil, les casques, les roues, les barques, les croupes. — La bataille !

 Lève la tête : ce pont de bois, arqué ; les derniers potagers de Samarie ; ces masques enluminés sous la lanterne fouettée par la nuit froide ; l’ondine niaise à la robe bruyante, au bas de la rivière : les crânes lumineux dans les plans de pois — et les autres fantasmagories — La campagne.

 Des routes bordées de grilles et de murs, contenant à peine leurs bosquets, et les atroces fleurs qu’on appellerait cœurs et sœurs, Damas damnant de longueur, — possessions de féeriques aristocraties ultra-Rhénanes, Japonaises, Guaranies, propres encore à recevoir la musique des anciens — et il y a des auberges qui pour toujours n’ouvrent déjà plus — il y a des princesses, et si tu n’es pas trop accablé, l’étude des astres — Le ciel.

 Le matin où avec Elle, vous vous débattîtes parmi les éclats de neige, les lèvres vertes, les glaces, les drapeaux noirs et les rayons bleus, et les parfums pourpres du soleil des pôles, — ta force.

(Arthur RIMBAUD – Illuminations)

Deutsche Fassungen gibt es reihenweise, zum Beispiel hier:

  • Arthur Rimbaud: Das poetische Werk. München: Matthes & Seitz 1988. (Licht-Spuren)
  • Illuminations. Illuminationen. Französisch und Deutsch, übersetzt von Rainer G. Schmidt. Urs Engeler Editor 2004
  • Illuminations. Farbstiche. Übersetzung Walter Kücher. Reclam Stuttgart 1991

32. Gestorben

Der Schriftsteller Henry Meillant (eigentlicher Name Henri Ravard) starb im Alter von 87 Jahren in Cosne-sur-Loire. Er veröffentlichte Romane und 20 Gedichtbände. 1958 gründete er die Société poétique de France, die später in Société des poètes et artistes de France umbenannt wurde. / Actua Litté

31. Wider die Abschaffung der Schreibschrift

Auch in der Schulpolitik: Leute, die nicht wissen, was sie tun, treffen Entscheidungen mit Folgen, die sie nicht abschätzen können und nicht verantworten werden. In der Welt streiten Sibylle Lewitscharoff, Jan Koneffke und Burkhard Spinnen wider die Abschaffung der Schreibschrift. Koneffke schreibt:

„Verschiedenes ist gut“, wusste Hölderlin, und in meiner Erinnerung ist genau dies die Erfahrung, die ich als Kind bei Verwendung von Druck- und Schreibschrift machte. Der Vorzug, beide Schriften erlernt zu haben, bestand nämlich darin, auf spielerische Weise von der einen zur anderen wechseln zu können. Die eine, die Druckschrift, war die offizielle Schrift, die Schrift der Bücher in der elterlichen Bibliothek, der verstreuten Zeitungsseiten auf dem Sofa, der Haltestellen- und Bahnhofsschilder, des weißen Schriftzugs auf grünem Grund: Polizei. In meinen Augen gehörte diese Schrift zur Welt der Erwachsenen. Folglich nutzte ich sie bei „offiziellen“ Anlässen. In Druckschrift trug ich, mit knappen neun Jahren, in meinen Kalender ein: „Hajo Drees als Vorarbeiter abgesetzt“, denn dieser Kalender gehörte „in Wirklichkeit“ einem Baustellenleiter meines Namens (selbstredend betrachtete ich mich als Chef). Zwei Wochen später und wiederum in Druckschrift schrieb ich in den Kalender: „Hajo Drees als Vorarbeiter wieder angesetzt.“ Anscheinend hatte ich mich mit dem Nachbarskind in der Zwischenzeit ausgesöhnt.

Die Schreibschrift hingegen war die individuelle, private Schrift. Sie gehörte unmittelbar zu mir. Ich benutzte sie, wenn ich Briefe an Großeltern oder Tanten schrieb, Wunschzettel oder ein Geburtstagsgedicht für meine Mutter.

In der Frühzeit der Pubertät, in der ich nun beinahe täglich Gedichte schrieb (allerdings an andere weibliche Wesen als die Mutter), entwickelte ich eine Kunstschrift aus der Kombination beider Schriftarten. Diese Kunstschrift sah wahrlich erwachsen aus und war dermaßen krakelig, dass sie nur einem echten Dichter gehören konnte. Gleichzeitig verbarg sie den Inhalt, für den ich mich irgendwie schämte, vor allen fremden Augen. Ihr Nachteil, unleserlich zu sein, wurde so zu ihrem größten Vorzug – ich kannte meine Gedichte ohnehin auswendig.

Nein, ich fürchte die Hamburger Schulpolitik macht es den Kindern keineswegs leichter. Sie verhindert nicht nur den spielerischen Wechsel von einer Schriftart zur anderen, der umso interessanter ist, als beide „weit voneinander“ liegen. Sie verhindert auch die bessere Vorbereitung auf eine Gesellschaft, die komplex und vielgestaltig ist, und ihren Mitgliedern Neugier, Phantasie und intellektuelle Flexibilität abverlangt.

30. Fingerschnippen

Der vierte Gedichtband der Autorin widmet sich in drei Kapiteln – „Luftbrücken“, „Luftwege“ und „Luftspiegelungen“ – der Liebe, den Reisen in fremde Länder und dem Selbstverständnis als Frau und Dichterin. Widersprüche zwischen Tragik und Komik des Liebesalltags bringen sie drastisch oder zart, vor allem aber ironisch zur Sprache; „inniglich tippt sich königlich mit /Worterkennung“. Kürzeste Definitionen etwa zu „Seitensprung“ oder „Kapitulation“ wirken wie ein Fingerschnippen. / Dorothea von Törne, Die Welt

Nora Gomringer: Nachrichten aus der Luft. Voland & Quist, Dresden und Leipzig. 80 S. mit Audio-CD, 15,90 Euro.

29. Menetekel-Dichter

Wenige der großen Menetekel-Dichter haben die Urgründe ihres Schreibens aus dem 20. ins 21. Jahrhundert hinübergerettet. Zu denen, die sich nach wie vor als Zeitzeugen begreifen und ihre Verse dem Erinnern widmen, gehört der 1931 in Darkehmen/Ostpreußen geborene Manfred Peter Hein. …

Auch in „Weltrandhin“ setzt Hein seine Verse gegen Vergessen und Sprachlosigkeit. Er ist der am Abgrund wandelnde „Traumgänger“, der sich selbst ermuntert: „Geh und schreib nieder was / zum Schaufelrad der Kriege / irrlichtert über der Stadt“. Assoziationen zu eigenen Erlebnissen weitet er im Gedicht zum Archetypus. In ihm treffen sich der konkrete historische Augenblick und die Erfahrungen aller Geschundenen. / Dorothea von Törne, Die Welt

Manfred Peter Hein: Weltrandhin. Wallstein, Göttingen. 174 S., 19,90 Euro.

28. Multi-Identität

Die Distanz der Autorin zum lyrischen Ich wird durch die Anrede eines Du noch vergrößert. Gäbe es den Begriff der Multi-Identität – auf Marica Bodrozic träfe er zu. Die äußeren Bewegungen folgen den inneren und umgekehrt. So sind lyrische Mischformen entstanden: Poeme, deren Herz- und Seelengrund die Erinnerung an die frühe Kindheit beim Großvater in Svib und die dörfliche Gemeinschaft bleibt. Mit großem zeitlichem Abstand findet die seit 1983 in Deutschland beheimatete Lyrikerin eine Sprache für das Grauen. Dennoch ist der Krieg nicht mehr Hauptthema. Stattdessen thematisiert sie das Verdrängen: „an den Mauern saßen die Alten / als sei nichts geschehen / (Löcher in Köpfen und Herzen -; / das waren hier schon immer nur normale Bilder) als habe nie einer geweint.“ / Dorothea von Törne, Die Welt

Marica Bodrozic: Quittenstunden. Otto Müller, Salzburg. 68 S., 18 Euro.

27. Saarländer Vortragskünstler

Gut „gestaltete Vortragskunst gelang auch dem Saarländer Konstantin Honecker, dem Schnösel vom Literaturinstitut.“ So tönt es eulenspiegelhaft aus den dekonstruktivistischen „Gegenstrophen“ des 1979 geborenen Konstantin Ames. Für hauptstädtische Open Mike-Kenner, Lesebühnen-Gemeinden und Leser von einschlägigen Zeitschriften wie „Zwischen den Zeilen“ und „Edit“ ist er längst ein Geheimtipp, erst recht für Internet-Surfer zwischen lyrikline.org und karawa.net. Konstantin Ames ist unter den neuen Experimentellen einer der witzigsten, fröhlichsten und phantasievollsten Sprachakrobaten. …

Was sich unter scheinbar verspielter Oberfläche als Sprach- oder Sprechschluderei mit Dialekt-Elementen tarnt, hält dem gesellschaftlichen Alltag den Spiegel vor, verballhornt Etikettierungen und Werbestrategien. Statt in das übliche Wehklagen über die Brotlosigkeit der Dichtkunst einzustimmen, verziert Ames seine Gedichte mit listigen Überschriften. / Dorothea von Törne, Die Welt

Konstantin Ames: Alsohäute. Roughbook 011, Leipzig. 60 S., 7,50 Euro.

26. Liebesgedichte, Hassgedichte, Mittendrin-Gedichte

Christoph W. Bauer, Hausacher LeseLenz-Stipendiat von Juli bis September 2010, bewältigt in seinem Liederzyklus „mein lieben mein hassen mein mittendrin du“, den er in Hausach fertiggestellt hat, den Spagat zwischen scheinbaren Gegensätzen. Liebesgedichte, Hassgedichte, Mittendrin-Gedichte enthält das Werk mit dem programmatischen Titel, das demnächst veröffentlicht wird. Der Österreicher Christoph W. Bauer behandelt in seinem Zyklus alle Phasen einer Liebe, vom ersten zarten Kennenlernen über die unerbittliche Routine des Alltags bis zum abgrundtiefen Hass bei der Trennung.

Der Clou dabei: Bauer lässt sowohl den Klassiker Catull als auch den Punk in Gestalt der Toten Hosen sprechen. Ein Widerspruch? Nein, denn Catull und die Toten Hosen sind eben nur scheinbare Gegensätze, wie Bauer betont: „In meinem Liederzyklus geht es um verschiedene Stationen der Liebe, und dieses Thema ist in der Literatur immer gleich behandelt worden, ob nun bei einem römischen Klassiker oder bei einer Punkband. Daher sind es nur auf den ersten Blick Gegensätze.“

Catull und die Toten Hosen habe er gewählt, weil diese seine stetigen Wegbegleiter gewesen seien, früher wie heute, erklärt Bauer. So lasse er sie in den Gedichten sprechen: „Beide werden direkt zitiert, die Texte wechseln zwischen hoher Sprache und der Sprache der Punks.“ / Marijana Babic, Schwarzwälder Bote

25. Dichter der Bukowina

„Todesfuge“ kann getrost als das Gedicht des 20. Jahrhunderts gelten, auch wenn Celan selbst das Gedicht als „viel bemüht“ bezeichnete. Zweieinhalb Monate vor seinem Freitod erschienen in der Zeitschrift „Neue Literatur“ die Gedichte „Er“ von Immanuel Weissglas und „Die Blutfuge“ von Moses Rosenkranz. Beide Dichter waren Jugendfreunde Celans. Zu jener Zeit soll Paul Celan, noch tief erschüttert von den Plagiatsvorwürfen der späten 1950er und 1960er Jahre, mit versteinerter Miene durch Paris geirrt sein. Nach seinem Tod fand man auf seinem Schreibtisch einen Gedichtband von Immanuel Weissglas.

Die Lesung will die Texte von Weissglas, Rosenkranz und anderen nebeneinander stellen, nicht aber den längst hinfälligen Vorwurf aufgreifen, Celan habe abgeschrieben. Weissglas sprach von einer Art Wettstreit, in welchem sich Celan und andere zur Czernowitzer Zeit befunden hätten. Der Celan-Biograph John Felstiner wies darauf hin, dass Celan in jeder Zeile von Todesfuge „Wortmaterial aus der zerbrochenen Welt, von der das Gedicht Zeugnis ablegt“, verarbeite. / idw

24. Liao Yiwu in Deutschland

Er war vier Jahre inhaftiert, wurde schikaniert – jetzt hat sich der chinesische Autor Liao Yiwu nach Deutschland abgesetzt. Kurz nach seiner Ankunft in Berlin sprach SPIEGEL ONLINE mit dem Dissidenten über seine furchtbaren Erfahrungen im Gefängnis und die China-Politik Angela Merkels.

Liao: Ich habe vor meiner Ausreise den Behörden zusagen müssen, mein Buch „Für ein Lied und hundert Lieder“ nicht im Ausland zu publizieren. Der Fischer Verlag hat den Erscheinungstermin dreimal verschoben – auch meiner persönlichen Sicherheit wegen. Ich bin aber nicht mehr bereit, mich in China wie eine Geisel halten zu lassen. Meine Zusage hatte ich nur gegeben, damit ich ausreisen darf. Natürlich ist eine derartige Abmachung eine unfassbare Beleidigung für einen Schriftsteller. / Spiegel

23. Marsch nach Paris

Der rumänische Dichter Laurian Stanchescu begann am 4. Juli einen Marsch nach Paris, wo er von Nicolas Sarkozy die Rückgabe der sterblichern Überreste des Bildhauers Constantin Brancusi an seinen Heimatort verlangen will. Brancusi starb 1957 und ist auf dem Friedhof Montparnasse begraben. / artclair.com

22. Alexander Gumz und Katharina Schultens

Es scheinen gute Zeiten für Lyrik zu sein. Zumindest kann man allenthalben von einer blühenden jungen Szene lesen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung widmete der „Boombranche“ kürzlich einen großen Artikel, in dem von der Lebendigkeit und Vielseitigkeit der zeitgenössischen lyrischen Stimmen geschwärmt wurde, ohne dabei die ökonomische Belanglosigkeit des Genres im Literaturbetrieb außer Acht zu lassen. Auch im Börsenblatt wurde begeistert von der „Sturm- und Drang-Phase“ der deutschsprachigen Dichtung berichtet, wie Michael Braun und Hans Thill die momentane Aufbruchsstimmung in ihrer Anthologie Lied aus reinem Nichts treffend benannt haben. …

Zu ihnen gehört der 1974 in Berlin geborene Alexander Gumz, ein Autor, der seit Jahren in verschiedensten Zusammenhängen mitmischt, ob als Veranstalter oder Herausgeber, auch immer wieder mit eigenen Texten in Anthologien vertreten war, aber erst in diesem Frühjahr seinen ersten eigenständigen Gedichtband veröffentlicht hat. ausrücken mit modellen ist in Daniela Seels kookbooks  Verlag erschienen und enthält 60 in sieben Kapitel unterteilte Gedichte. …

Oft gelangt er mit einer Strophe an jenen Punkt, fängt jene Sekunde ein, in der sich Aktualität verwandelt ins Nicht-mehr-Fassbare, wo eine Kehrseite des Wahrnehmbaren aufscheint und Zeitlosigkeit entstehen kann: „in blendender bewegung eingefroren: ein loop der eigenen erfolge, der spiegelbilder, die wir nicht gewesen sind.“ Die einzelnen Strophen bestehen meist nur aus zwei Zeilen, und jede einzelne trägt den Kern des ganzen Gedichts oft schon in sich. In jedem in seiner Nüchternheit oft geheimnisvoll wirkenden Bilder ist das Gesamte aufgehoben, und das kommt einem nie wie ein forcierter Akt der Zersplitterung vor, sondern mehr wie eine natürliche Konzentration auf das Wesen des Gedichts. „unsere sorgen sind bekloppte interieurs“, heißt es in Kühle Entwicklungen, und viel genauer lässt sich die Befindlichkeit der heute 30- bis 40-Jährigen kaum fassen. …

Wie sich das anfühlt, in eine Zukunft hineinzuwachsen, die aus verlorenen Sehnsüchten besteht, und in einer Gegenwart zu leben, in der man Wünsche erst einmal formulieren können müsste, davon weiß auch Katharina Schultens zu erzählen. Die 1980 geborene Lyrikerin legt mit gierstabil bereits ihren zweiten Gedichtband vor – nach Aufbrüche (2004) ein radikaler Neuanfang. Schon der Titel deutet auf eines der fundamentalen Motive hin: Gierstabilität bezeichnet den Umstand, in dem sich ein Fahrzeug ohne weitere Einflussnahme geradeaus bewegt, zumindest tendenziell. / Ulrich Rüdenauer, Die Zeit

21. Dichtertänzer

Wer ist Lightsey Darst? Sie arbeitet als Tanzkritikerin, ist „faculty member“ am MCAD and North Hennepin Community College, Gastgeberin eines Schreibsalons und sie gewann den Minnesota Book Award in Poetry für ihren Band Find the Girl (erschienen bei Coffee House Press).

Im Gespräch mit COURTNEY ALGEO, sagt sie über Lyrik und Tanz:

Die Kombination ist häufiger als man denkt. Ich kenne viele Dichter-Tänzer. Ich glaube, Louise Glück sagte, wenn sie nicht Dichterin geworden wäre, wollte sie Tänzerin oder Malerin oder so etwas sein. Ich weiß nicht, wie das funktioniert, aber wenn du das Verlangen hast, etwas zu produzieren, hältst du Ausschau nach dem passenden Medium. Und ich glaube, Tanz und Lyrik ziehen ähnliche Persönlichkeiten an. Ich selber bin mit Sicherheit besser als Dichterin denn als Tänzerin. Als Dichterin fühle ich mich mehr als Künstler.*

*) Und hierin hat die FAZ recht, die gegenderten Formen im Deutschen verkleinern den Gegenstand eher als sie ihn würdigen. Im Englischen gehts um artist, dancer, poet gleich welchen Geschlechts, bei uns immer um Dichter/Innen. M.G.

20. American Life in Poetry: Column 328

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

How I love poems in which there is evidence of a poet paying close attention to the world about him. Here Angelo Giambra, who lives in Florida, has been keeping an eye on the bees.

The Water Carriers

On hot days we would see them
leaving the hive in swarms. June and I
would watch them weave their way
through the sugarberry trees toward the pond
where they would stop to take a drink,
then buzz their way back, plump and full of water,
to drop it on the backs of the fanning bees.
If you listened you could hear them, their tiny wings
beating in unison as they cooled down the hive.
My brother caught one once, its bulbous body
bursting with water, beating itself against
the smooth glass wall of the canning jar.
He lit a match, dropped it in, but nothing
happened. The match went out and the bee
swam through the mix of sulfur and smoke
until my brother let it out. It flew straight
back to the hive. Later, we skinny-dipped
in the pond, the three of us, the August sun
melting the world around us as if it were
wax. In the cool of the evening, we walked
home, pond water still dripping from our skin,
glistening and twinkling like starlight.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Angelo Giambra, whose most recent book of poetry is Oranges and Eggs, Finishing Line Press, 2010. Poem reprinted from the South Dakota Review, Vol. 47, no. 4, Winter 2009, by permission of Angelo Giambra and publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

19. Berauscht

Mit seinen sehr treffenden – nebenbei nicht mit pragmatischem Rat geizenden – Studien der Selbsterfahrung von Haschisch und Opium publizierte Charles Baudelaire 1860 unter dem visionären Titel den Band «Die künstlichen Paradiese». … Das Prosagedicht «Enivrez-vous» gibt hier das Motto an. Just dies in «Le Spleen de Paris» erschienene und in seinem Aufforderungscharakter unübersetzbare Poem durchzieht als musikalisches Leitmotiv die liebevolle Inszenierung von Teilen des «Haschisch»-Textes, welche Kai Grehn für den Bremer Rundfunk eingerichtet hat. / NZZ 1.7.