44. American Life in Poetry: Column 341

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

 

Here’s a poem of mixed feelings by Don Thompson to help us launch October. Thompson lives in Buttonwillow, California, which sounds like the name of a town in a children’s story, don’t you think?

 

October

 

I used to think the land
had something to say to us,
back when wildflowers
would come right up to your hand
as if they were tame.

 

Sooner or later, I thought,
the wind would begin to make sense
if I listened hard
and took notes religiously.
That was spring.

 

Now I’m not so sure:
the cloudless sky has a flat affect
and the fields plowed down after harvest
seem so expressionless,
keeping their own counsel.

 

This afternoon, nut tree leaves
blow across them
as if autumn had written us a long letter,
changed its mind,
and tore it into little scraps.

 

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Don Thompson, whose most recent book of poetry is Where We Live, Parallel Press, 2009. Reprinted from Plainsongs, Vol. 30, no. 3, Spring 2010, by permission of Don Thompson and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

43. Kai Pohl über »Matthias« BAADER Holst

Im vergangenen Jahr publizierte der Hasenverlag zum 20. Todestag von BAADER die Neuauflage seiner bis dahin veröffentlichten Schriften unter dem Titel hinter mauern lauern wir auf uns. Das Buch, herausgegeben von Tom Riebe, der auch das »Matthias«-BAADER-Holst-Archiv in Jena betreibt, umfaßt 160 der ca. eintausend Texte des BAADERschen Gesamtwerkes, einige Zeichnungen sowie als Beilage eine DVD mit zwei Filmen. BAADER, der »großgewachsene Junge«, war kein »kleiner schmächtiger traumverwalter« , er war ein Traumverweigerer: »wer an etwas glaubte wurde erschossen« . Die Endzeitstimmung in der DDR der zweiten Hälfte der 1980er Jahre war die Brutstätte jener surrealen Untergangsszenarien, für die BAADER den Plot schrieb. Für einen Künstler wie ihn war das Überleben an die Verneinung des Bestehenden gekoppelt. Künstlerische Freiheit gab es nur jenseits der herrschenden Dogmen, und dort war sie naturgemäß schwer zu behaupten. Seine Werke hatten keine Chance, in offiziellen Publikationen gedruckt zu werden. Verbreitung fanden sie in illegalen oder subkulturellen Zeitschriften und Künstlerbüchern (Samisdat). Die einzigen offiziellen Abdrucke von BAADER-Texten zur Zeit der DDR gab es nach dem Mauerfall in den Heften 5/1989 und 1/1990 der Zeitschrift Temperamente.

Im August 2011 ist in dem zweiten Heft der neuen Lyrikreihe Versensporn der Jenaer Edition POESIE SCHMECKT GUT eine Auswahl von BAADERs Gedichten erschienen, darunter zehn bisher unveröffentlichte Texte. / Kai Pohl, Fixpoetry

  • Tom Riebe (Hg.):»Matthias« BAADER Holst: hinter mauern lauern wir auf uns. Drei Textsammlungen und verstreute Texte aus den inoffiziellen und offiziellen Publikationen bis 1990. Hasenverlag Halle/Saale, 2011.
  • VERSENSPORN – Heft für lyrische Reize. Nr. 2: »Matthias« BAADER Holst. Mit einem Umschlagmotiv von »Matthias« BAADER Holst. Edition POESIE SCHMECKT GUT, Jena 2011.
  • Moritz Götze & Peter Lang: »Matthias« BAADER Holst. Materialbuch. Hasenverlag Halle/Saale, 2011.

 

42. Transsub – Video trifft Lyrik

Mittwoch, 12. Oktober · 19:30 – 22:30

Lettrétage – das Literaturhaus in Berlin Kreuzberg

Ein Blick über den medialen Tellerrand: Dieser Abend liefert eine Übersetzungsarbeit zwischen Text und Video.

Hierbei werden die Einflüsse der vorgetragenen Texte offen gelegt, die Subtexte in den Vordergrund gerückt.

Performative Lesung der Texte von Luise Boege, Katharina Schultens, Daniela Seel, Tom Bresemann, Richard Duraj, Simon Godard, Alexander Gumz, Stephan Reich, Jan Skudlarek, Asmus Trautsch und Ron Winkler.

Mit Video-Arbeiten von Johannes Bögle.

5 bzw. 3 Euro ermäßigt

41. Etüde

Die Texte spinnen unaufhörlich ihre Geister und verschleiern sie umso mehr. Natürlich ein Rekurs auf den ewigen Dualismus von mimesis und poiesis, und einer, der angenehm unprätentiös vorgeführt wird. Man muss sich nicht auskennen in der Geschichte des Diskurses, der von der Antike bis zum heutigen Tag nie aufgehört hat zu polarisieren. Doch nichtsdestotrotz steht man am Ende mit wenig in der Hand da – und muss einerseits sagen, dass „Geistersehen“ sprachlich durch und durch gelungene, organisch verwachsene Gedichte versammelt, andererseits jedoch zu wenig Anhaltspunkte liefert.  „Geistersehen“ bleibt eine Etüde, die meisterhaft durchexerziert wurde und gerade deswegen unbefriedigend daher kommt: Die Texte verflüchtigen sich schnell wieder, sie setzen kaum etwas in Arbeit, bleiben eine Art ziseliertes Nichts, in schöne Form gegossen und zusätzlich verschleiert. Letztlich führt Poschmann zwei Diskurse zusammen, aber: Ihre Geistersichtungen muten viel eher heimelig als unheimlich an, sie spielt das poetologische Potenzial ihres Materials nicht überzeugend aus. / Kristoffer Cornils, Fixpoetry

Marion Poschmann: Geistersehen. Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2010.

40. „iwahaubbd“

Zu einfach wäre es, Friedrich Achleitner mit seinen frühen Dialektdichtungen aus „hosn rosn baa“ (1959), den experimentellen „konstellationen“ und „montagen“ aus den 1970er-Jahren, dem „quadratroman“ (1973) und der Kurzprosa der letzten Jahre zum Klassiker der zeitgenössischen Literatur zu erklären.

Ungesagt bliebe dabei, dass Achleitner sich nicht nur auf die Tradition der klassischen Moderne bezog, sondern sie selbst auch fortsetzte. Ihn mit Adolf Loos und Ludwig Wittgenstein, Robert Musil oder Anton von Webern in einem Atemzug zu nennen, würde auch jenen gerecht. Kurz: Der Autor Friedrich Achleitner, das ist – non multa, sed multum! Ganz besonders trifft das auf ein ob seiner Popularität unterschätztes Genre zu, die Dialektgedichte.

Die in „iwahaubbd“ versammelten, aus sechs Jahrzehnten stammenden Texte haben dabei mit Mundartdichtung nichts gemein. Achleitners Neuerfindung des Dialektgedichts, das immer auch einen Spiegel austriakischer Befindlichkeit darstellte, setzt, nach dem großen Zivilisationsbruch der Nazis, in den 1950er-Jahren ein, nach der Übersiedlung nach Wien. Die Rückübersetzung des Gedichts in die Muttersprache erfolgte wie alle wirkliche Veränderung von unten. / Erich Klein,  Falter:  Buchbeilage 41/2011

iwahaubbd
Friedrich Achleitner
September 2011 | Zsolnay, Wien
206 Seiten
€ 18,40 

39. Frage

von Norbert Mayer (Die Presse):

Ist Frankfurt am Main mit seiner Buchmesse tatsächlich Hauptstadt der Weltliteratur? Oder nicht doch München mit seiner Liebe zur Lyrik?

38. Schlechtes Gewissen

Die Poesie steht nicht häufig  Ehren. Schuld daran ist die Entfremdung, die zwischen dem dichterischen Werk und dem Tun und Treiben einer von materiellen Interessen beherrschten Gesellschaft anzuwachsen scheint. Eine Kluft, die der Dichter nicht beabsichtigt hat, doch hinnehmen muß, und die für den Gelehrten die gleiche wäre ohne die Nutzanwendungen der Wissenschaft. (…)

Und dem Dichter genügt, das schlechte Gewissen seiner Zeit zu sein.

Saint-John Perse, Nobelpreisrede 1960

37. Meine Anthologie: Beim letzten Verse stech ich

Ballade, welche das Duell betrifft,
das Herr von Bergerac ausfocht mit einem Wicht  

Abseits werf ich meinen Filz
und, damit ich Luft mir schaffe,
auch den Mantel; denn nun gilt’s!
Rüstiger als ein Schlaraffe
greif ich meine blanke Waffe,
und zu meinem Gegner sprech ich:
Sieh dich vor, geputzter Affe!
Denn beim letzten Verse stech ich.

In Ermanglung edlern Wilds
wünsch ich, daß ein Stich dir klaffe
in der Leber oder Milz.
Schau, mein Arm, der kräftig straffe,
strebt nun, daß er dich erraffe.
Mein verhöhntes Antlitz räch ich,
daß es keiner mehr begaffe;
denn beim letzten Verse stech ich.

Wirst du grünlich wie ein Pilz?
Gleich der zitterndern Giraffe?
Muster eines Jammerbilds!
Zeigst du, daß dein Mut erschlaffe,
eh‘ mein Pulver ich verpaffe?
Heut dein warmes Herzblut zech ich
aus kristallener Karaffe;
denn beim letzten Verse stech ich.

Beichte schnell! Wo ist ein Pfaffe?
Deinen Widerstand zerbrech ich:
Finte! Quart! Da hast du’s Laffe!
Denn beim letztenVerse stech ich.

Aus dem Versdrama „Cyrano de Bergerac“ (1897) von Edmond Rostand. Deutsch von Ludwig Fulda

Die Passage unmittelbar vor der „Ballade“ ist ebenfalls interessant. Aus ihr könnten deutsche Lehrer (oder Germanisten) lernen, daß ein Franzose auf die Frage, was eine Ballade ist, etwas anders antworten wird. Ganz korrekt sagt Wikipedia:

In der deutschen Literatur ab dem späten 18. Jahrhundert versteht man unter „Ballade“ ein mehrstrophiges erzählendes Gedicht, das häufig mittelalterlich-märchenhafte, aber auch antike oder zeitgenössisch-rezente Stoffe aufgreift und sich oft durch die Hinführung der Handlung zu einem pointierten Schluss auszeichnet.

Oder sagen wir fast ganz korrekt; denn in der deutschen Literatur gibt es spätestens seit Brecht eine auf die französische Tradition zurückgehende Ballade, die sich vielleicht der Villonrezeption um 1900 verdankt. Hier steht nicht das „Urei“ (so Goethes berühmte Definition) und nicht das Erzählende im Vordergrund, sondern die Versform, die Rostand seinen Bergerac so erzählen läßt:

Valvert. 
Was soll das?

Cyrano. 
Äh, mir kribbelt’s in der Klinge.

Valvert 
(ziehend). 
Gut!

Cyrano. 
Kunstgerecht werd ich Sie nun bedienen.

Valvert 
(verächtlich). 
Poet!

Cyrano. 
Jawohl, Poet   in solchem Grade, 
Daß ich beim Fechten aus dem Stegreif Ihnen 
Eine Ballade dichten will.

Valvert. 
Ballade?

Cyrano. 
Sie denken wohl: Was ist das für ein Tier?

Valvert. 
Ich …

Cyrano 
(schulmäßig hersagend). 
Die Ballade hat drei Strophen von acht Zeilen …

Valvert 
(stampft ungeduldig mit dem Fuße auf). 
Der Mensch …

Cyrano. 
Und eine Zueignung von vier.

Valvert. 
Sie …

Cyrano. 
Reim und Stoß werd ich zugleich erteilen. 
Beim letzten Vers die Abfuhr!

Valvert 
(spöttisch). Oder nicht!

Tatsächlich sind bei Balladen von Brecht oder z.B. Biermann diese Versform samt Geleit oder „Envoi“ gemeint, und diese Form liegt auch der „Gauner- und Ganovenweise“ Paul Celans (aus dem Band „Die Niemandsrose“) zugrunde.

In Rostands Original heißt die Refrainzeile (ein weiteres wichtiges Merkmal der französischen Ballade) nicht „beim letzten Verse“, sondern ganz exakt „Am Ende des Envoi stech ich“.

Aus dem Original:

Cyrano, fermant une seconde les yeux.

Attendez!… Je choisis mes rimes… Là, j’y suis.

Il fait ce qu’il dit, à mesure.

Je jette avec grâce mon feutre,
Je fais lentement l’abandon
Du grand manteau qui me calfeutre,
Et je tire mon espadon;
Élégant comme Céladon,
Agile comme Scaramouche,
Je vous préviens, cher Mirmidon,
Qu’à la fin de l’envoi, je touche!

Premier engagement de fer. 

Vous auriez bien dû rester neutre;
Où vais-je vous larder, dindon?…
Dans le flanc, sous votre maheutre?…
Au coeur, sous votre bleu cordon?…
– Les coquilles tintent, ding-don!
Ma pointe voltige: une mouche!
Décidément… c’est au bedon,
Qu’à la fin de l’envoi, je touche.

Il me manque une rime en eutre…
Vous rompez, plus blanc qu’amidon?
C’est pour me fournir le mot pleutre!
– Tac! je pare la pointe dont
Vous espériez me faire don: –
J’ouvre la ligne, – je la bouche…
Tiens bien ta broche, Laridon!
A la fin de l’envoi, je touche.

Il annonce solennellement:

Envoi

Prince, demande à Dieu pardon!
Je quarte du pied, j’escarmouche,
Je coupe, je feinte…
Se fendant.
000000000000000Hé! Là donc!

Le vicomte chancelle, Cyrano salue.
A la fin de l’envoi, je touche.


			
			

36. H.D.: Denken und Schauen : Fragmente der Sappho

Ganz frisch: roughbook 16, Hilda Doolittle

H.D.: Denken und Schauen : Fragmente der Sappho.
Herausgegeben und übersetzt von Günter Plessow

Der Band zeugt von der intensiven Beschäftigung der Autorin H.D. mit der Gestalt der Sappho, in die sie selbst sich einzuleben begonnen hat und der sie ihr ganzes eigenes Werk zuschreiben wird. Er besteht aus der Notizensammlung Notes on Thought and Vision von 1919, dem Essay The Island. Fragments of Sappho von 1920 und einer Reihe von Gedichten aus der Gedichtsammlung Heliodora and Other Poems von 1924, die unter ein Sapphozitat gestellt sind und sich deutlich und meist antithetisch auf Sapphos Oden beziehen. In ihren Aufzeichnungen versucht H.D. sich klarzumachen, was sie unter künstlerischer Arbeit versteht. Was geht dabei eigentlich in ihrem Kopf – und in ihrem Körper – vor sich? Denken und Schauen: ist es Inspiration oder harte Gehirnarbeit? Ist es eine Weise, eine Kunst des Wahrnehmens? Ist es Liebe? Ist es für Frauen leichter als für Männer? Wo und wie kommt der Körper ins Spiel?

120 Seiten, Euro 9,- / sFr. 11.-, hier bestellen

Urs Engeler | 8. Oktober 2011 at 11:52 | Kategorien: Denken und Schauen : Fragmente der Sappho, roughbook 016 – H.D. | URL: http://wp.me/pTABA-Gn

35. American Life in Poetry: Column 340

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

I like birds, and poems about birds, and several years ago I co-edited an anthology of bird poems called The Poets Guide to the Birds. I wish Judith Harris had written this lovely description of a mockingbird in time for us to include it, but it’s brand new. Harris lives in Washington, D.C.

Mockingbird

I can hear him,
now, even in darkness,
a trickster under the moon,
bristling his feathers,
sounding as merry
as a man whistling in a straw hat,
or a squeaky gate
to the playground, left ajar
or the jingling of a star,
having wandered too far
from the pasture.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright © 2010 by Judith Harris, whose most recent book of poetry is The Bad Secret, Louisiana State University Press, 2006. Poem reprinted from Narrative, Summer, 2011, by permission of Judith Harris. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

34. Islands Adel

Die Isländer finden in rauer Welt im Wiederholen ihrer Dichtung kontemplativen Frieden. Und immer gilt, ein Dichter ist ein Dichter, auch wenn er sein Glück „im Hering“ suchen muss, wie der Ich-Erzähler im Roman „Islands Adel“ von Thórbergur Thórdarson. Ein Gedicht von diesem Thórbergur kommt auf die Titelseite eines Reykjavíker Magazins, und schon gehört er zum Adel. Denn bei Anbruch der modernen Zeit am Weltrand, der Roman spielt 1912, zeigt sich „Islands Adel“ als vagabundierender Literatenhof. Das unwirtliche Land hat zu dieser Zeit kaum hunderttausend Einwohner, aber eine dichtende Boheme, aufsässig wie die Künstlermilieus im fernen Europa, selbstgewiss bei jedem Wetter. Bei Geldmangel geht man klaglos zur Heringsverarbeitung, lebt von einer Saison zur anderen. Der Hering bleibt die Antithese zur Literatur, aber alle leben von ihm. … Die Bohemiens flanieren „in lyrischer Verzücktheit“ durch den nordisländischen Heringsort Akureyri, deklamieren mit „tränenerstickter Stimme“, um bald wieder aus „elysischen Höhen in die stinkende Wirklichkeit“ zu fallen. / Jürgen Verdofsky, Badische Zeitung 8.10.

33. Falbs Hybridstil

Es ist wohl einfach so, dass sich die wahren und entscheidenden Gründe für die Wirkung dieses Gedichts (und manch anderer) nicht ordentlich analytisch erfassen, beschreiben, benennen lassen, ein Sachverhalt, den Gerhard Falkner (im Nachwort zu Falbs Band „die räumung dieser parks“, 2003) sehr klar formuliert hat: Es ist „diese Klippe auf das Unverständliche hinaus, (der) echte Poesie ihre seltsam berauschende Wirkung verdankt“.

Natürlich stehen die Falbschen Biotope nicht völlig isoliert in der lyrischen Landschaft. In mancher Hinsicht ähnliche Gedichte schreibt der US-amerikanische Lyriker Ben Lerner (*1979, „The Lichtenberg Figures“, deutsche Ausgabe 2011). „Mein Hybridstil hat sich zu einem eigenen Genre entwickelt“, heißt es in einem seiner Gedichte- Das trifft zu, aber lange vor Lerner und Falb hat Gottfried Benn in seinem Buch „Doppelleben“ (1950) den „Stil der Zukunft“ als „Montagekunst“ bezeichnet  und beschrieben: „Nichts wird stofflich-psychologisch mehr verflochten, alles angeschlagen, nichts durchgeführt. Alles bleibt offen … Wenn der Mann danach ist, kann der erste Vers aus dem Kursbuch sein und der zweite eine Gesangbuchstrophe und der dritte ein Mikoschwitz und das Ganze ist doch ein Gedicht …“

Man sollte nicht argwöhnen, dass Gedichte, wie sie Benn vorausgesehen hat, Falb, Lerner und andere in unseren Tagen geschrieben haben, frei sind von jeglichem Ernst, jeder Aussage. Ernst und Aussage sind „disguised“ in diesen Gedichten, auf hinterhältige Art. „Ich wünschte, alle schwierigen Gedichte wären tief. / Hupen Sie, wenn Sie wünschten, alle schwierigen Gedichte wären tief“ (Ben Lerner). / Maximilian Zander über ein Gedicht von Daniel Falb, Fixpoetry

32. Klickkonzert

Wenn der Nobelpreisträger bekanntgegeben wird, müssen allerorten schnell Artikel her. Google wird befragt, und da es ein Lyriker ist, leitet Google an Lyrikseiten weiter. Die Aufrufzahlen verdoppelten, verdreifachten sich gestern gegenüber dem Durchschnitt auf über 1.800 und scheinen heute noch anzusteigen. (Na wenn’s der Wahrheitsfindung dient…).

31. bis der boden brot kotzt*

Mittwoch, 12.10.2011, 21 Uhr, Rumbalotte continua**:
floppy myriapoda – Subkommando für die freie Assoziation
Release Heft 18 zum Thema „Kinder, Küche, Knast“

Programm:
+ SARAHROTH will keine Kinder.
+ Kamil Majchrzak zerstört die Familie.
+ Clemens Schittko sagt „JA!“ zum Nein.
+ Tom de Toys stiftet an zur Massenhysterie.
+ Bertram Reinecke toppt die Lebensmittelindutrie.
+ Die lebende Repetiermaschine Rex Joswig intoniert ein Gedicht von Kai Pohl.
+ Emmanuel Eni und Silvia Koerbl entdecken die Kochkünste des schwarzen Mannes in Europa.

Anschließend: Gepflegter Hangout mit DJ Caruso.

Eintritt frei.

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Heft 18 mit Beiträgen von (i. d. R. i. A.) Johann Heinrich, Tom Nisse, Kai Pohl, Anna Hoffmann, Rex Joswig, Scheiffele, Jonathan Pohl, Paul Günter Krohn, Emmanuel Eni, Julia Sohn-Nekrasov, Ann Cotten, Ernst Fuhrmann, Johannes Witek, SARAHROTH, Petra Coronato, Ernst-Jürgen Dreyer, Helmut Höge, Eberhard Loosch, Ronald Galenza, Anette Lang, Joachim Wendel, Clemens Schittko, Schwartz, HEL Toussaint, Ni Gudix, Martin Dakovic, Bernd Volkert, Andreas Paul, Kamil Majchrzak, Maria Zalinska, Niccolò Agnoli, Ralf S. Werder, Alex Galper, Andreas Hansen, Hans Horn, Jörg Burkhard, Siegfried Strauch, Arne Rautenberg, Robert Bosshard, Matthias Reichelt.

Sonderbeilage »lauter heiland« mit Beiträgen von (i. d. R. i. A.) Knobi, Alexander Krohn, Dagmar Schnürer, Capo D. Aster, Benedikt Maria Kramer, Ralf S. Werder, Alexander Heinich, Jörn Sack, Thomas Steiner, Otfried Rautenbach, Bernadette Grubner, »Matthias« BAADER Holst, Tom de Toys.

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* »bis der boden brot kotzt« ist eine Zeile aus dem Gedicht Heimat von Anna Hoffmann.

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** Rumbalotte continua, Metzer Str. 9, 10405 Berlin, www.rumbalotte-continua.de

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Den Flyer gibt es hier: http://www.floppymyriapoda.de

30. Reaktionen auf die Nobelpreisvergabe

Zitat des Tages bei der New York Times:

„He is to Sweden what Robert Frost was to America.“

JOHN FREEMAN, the editor of the literary magazine Granta, on Tomas Transtromer, who won the Nobel Prize in Literature.

FAZ / Harald Hartung meinen:

„Nah der Realität, doch nicht von dieser Welt“

Etwas überraschend titelt der Spiegel:

„Überraschende Auszeichnung“

(Die Wettbüros wissen es seit vielen Jahren besser, und das müßte auch schon im Spiegel gestanden haben)

Weitere Würdigungen: NZZ (Hans Jürgen Balmes) / Märkische Allgemeine (Karim Saab) / Die Presse /

Peinlich:

Riesenpanne im serbischen Staatsfernsehen: Der Sender RTS hat den Literaturnobelpreis zeitweise fälschlich Dobrica Cosic, dem serbischen Nationaldichter und jugoslawischen Ex-Präsidenten zuerkannt. RTS entschuldigte sich am Nachmittag bei seinen Zuschauern und auch bei dem 89-Jährigen, dass dieser als diesjähriger Preisträger genannt wurde. …

Auch die Website des britischen „Guardian“ war zunächst auf die Täuschung hereingefallen, hatte sich aber wenige Minuten später korrigiert. / Spiegel

Hier ein Brief in Nordamerika lebender Bosnier an das Nobelpreiskomitee vom Februar diesen Jahres, in dem es aufgefordert wird, den Preis nicht an Cosic zu vergeben, da er mitverantwortlich für serbische Kriegsverbrechen sei.