Das klassische, auch im deutschsprachigen Raum traditionsstiftende Modell für diese Anverwandlung der geschichtslosen und gleichwohl (oder gerade darum unwiderstehlich) bildmächtigen Figur hatte Paul Verlaines Gedicht «Gaspard Hauser chante» von 1873 geschaffen. Er schrieb das Gedicht, als er nach dem misslungenen Mordanschlag auf seinen Geliebten Rimbaud im Brüsseler Gefängnis eine zweijährige Haftstrafe verbüsste. «Je» am Anfang und «Gaspard» am Ende des Gedichts bilden eine bedeutungsvolle Klammer, die überdies das Ich mit der Kaspar-Figur in eins setzt. «Je suis venu, calme orphelin, / [. . .] / Vers les hommes des grandes villes: / Ils ne m’ont pas trouvé malin.» Sprachlos und verwaist, zurückgewiesen und verstossen von den Frauen, ja selbst vom Tod («La mort n’a pas voulu de moi»), hat sich dieses Ich ganz dem angeblichen Schicksal Kaspar Hausers anverwandelt: «Priez pour le pauvre Gaspard!», so endet Verlaines Gedicht.
1913, im Jahr vor seinem Tod, schrieb Georg Trakl sein Gedicht «Kaspar Hauser Lied», das sich nun einerseits eng an Verlaine anlehnt und doch anderseits Hausers Geschichte weniger egozentrisch und näher an der Überlieferung lyrisch nacherzählt. / Roman Bucheli, NZZ 28.4.
Das ist zwar konkrete Poesie, hats aber doch in sich. Aus gegebenem Anlaß fiel mir ein Anagrammgedicht von Kurt Mautz wieder ein. „germanisten nisten mager“… (Mag auch über alternde Literaten Auskunft geben.)
Was es nicht ist: Es ist kein Lautgedicht. Es ist nicht assoziations- noch referenzfrei. Auch nicht abstrakt. Es ist konkret ein Anagramm auf das Wort im Titel. Es ist für jeden verständlich. Außer vielleicht für verbildete Germanisten.
Germanisten
germanisten
nistenmager
manistgerne
nistgermane
sagterminne
meintersang
sternmagien
stangenreim
rastimengen
arminsegnet
amensingter
geistermann
samegerinnt
imargennest
nagermisten
greinenmast
grastmeinen
magernstein
- Kurt Mautz, aus: Andreas Thalmayr: Das Wasserzeichen der Poesie oder Die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen. Nördlingen 1985 (Die Andere Bibliothek 9)
Die Roboter üben noch. Die Zeitungen werden sie vielleicht zuerst übernehmen. Natürlich werden die sich dabei verändern, wir gewöhnen uns langsam daran. Hat ja auch sein Gutes.
Beim Standard erhält man zB meist gleich das passende Wetter zum Preis. Bienekpreis für Elisabeth Borchers? Das Wetter in München.
Peter Demetz erhält Georg-Dehio-Buchpreis: Das Wetter in Prag.
Romanautoren gehen bei Pulitzer-Preis leer aus: New York.
Tranströmer-Preis für Durs Grünbein: Stockholm.
Dichter Christian Lehnert erhält Hölty-Preis 2012: Gar kein Wetter. [denkt mit!]
Sorbe und Serbe teilen sich Preisgeld: Wetter in Deutschland.
Preis der Literaturhäuser für Feridun Zaimoglu: Wetter in Graz. [aha, die haben auch eins!]
Tuvia Rübner bekommt in Weimar den Adenauer-Literaturpreis: Wetter in Berlin!
Ringelnatz-Preis für Nora Gomringer: Wetter in Polen.
Von Franzobel
Ich gestehe, ich hatte Bedenken gegen diese Laudatio, zu der ich mich breitschlagen ließ, ohne auch nur eine Zeile von Nora Gomringer gelesen zu haben. Ich hatte auch Bammel vor der Lektüre dieser jungen Lyrikerin, weil die alten Herren des Literaturbetriebs in ihrer Gier nach Frische oftmals junge Lyrikerinnen auf den Parnass stemmen, um sie, berauscht vom jungen Blut und den davon aufgewirbelten Fantasien, abzufeiern.
Auch hatte ich Skrupel, eine Laudatio auf eine Lyrikerin zu halten, da ich der Lyrik zusehends skeptischer gegenüberstehe. …
Auch die Lyrik hat sich mit der klassischen Moderne selbst einen Fuß abgeschnitten und sichergestellt, dass er nicht mehr angenäht werden kann. Seit sie Metrik, Versmaß und Strophenform aufgegeben hat, hatscht sie dahin und kommt kaum noch zu ihrem Publikum. Und dem nicht genug, kam in den 1950er-Jahren auch noch die Konkrete Poesie, deren Hauptvertreter justament der Vater der heute Auszulobenden ist, um mit der Beseitigung des lyrischen Ichs auch noch das verbliebene Standbein abzuhacken. Auch wenn sich daran längst nicht alle Gedichteschreiber halten, ist es, als würde die Lyrik in einem Rollstuhl sitzen und nur noch von ein paar Unentwegten angeschoben werden. Damit das aber keiner sieht, baut der Literaturbetrieb eine hohe Hermeneutikmauer, hinter der dann Ginster, Hortensien, Levkojen und wie das bei Literaturbetriebsdichtern so beliebte Zeug heißt, ungehindert, nämlich ohne durch breittretende Blicke der Masse gestört zu werden, sprießen können. / Mehr in der Art im Standard
Wo? Natürlich in der „Welt„.
Die sagt:
Der Büchnerpreisträger vertritt einen konservativen Katholizismus, setzt sich für die Rückkehr zur tridentinischen Liturgie ein und sieht die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils skeptisch. Er meint: Dass ausgerechnet der Osten Deutschlands, die Heimat der Reformation, immer gottloser werde, „hat seine Logik“.
Aber über den Einfluß der DDR auf das Zweite Vatikanische Konzil sagt er dann nichts weiter. Ja, er entlastet die DDR sogar auf seine Weise. Eigentlich war weniger der Saarländer Honecker als der Mitteldeutsche Luther die Wurzel des Übels. Denn:
Der Sozialismus war zwar sehr eifrig in der strammen atheistischen Erziehung, aber das war er auch in anderen Ländern, in Russland, Polen oder Rumänien. Dort ist die Kirche wieder erstarkt, als der Sozialismus gestürzt war. Moskau hat heute Hunderte von Kirchen. Zur bolschewistischen Zeit gab es dort nur drei Kirchen, in denen noch die Liturgie gefeiert wurde.
Warum ist das in Ostdeutschland anders?
Weil es das Erbe Preußens hat. Es gab in Preußen seit dem 18. Jahrhundert einen die Kirche aushöhlenden Prozess. Friedrich II., dessen religiöse Toleranz in diesem Jahr so gefeiert wurde, war ja nur deswegen so tolerant, weil er die Religion verachtete, sich geradezu vor ihr ekelte.
Aber man muß weiter zurückblicken. Zu Luther natürlich, aber auch das reicht nicht. Denn hinter Luther steht Herrmann der Cherusker, der ein rechter barbarischer gottloser kommunistischer Bazi war:
Deutschland war immer ein geteiltes Land. Schon als es in die Geschichte eintrat, bestand es aus einem römisch beherrschten Teil und einem barbarisch gebliebenen Teil. Tatsächlich laufen unsere heutigen religiösen Grenzen teilweise an den alten römischen Militärgrenzen entlang. Im Osten gab es schon vor der Reformation einen antirömischen Affekt, den Luther dann verstärkte.
So erschließt sich dem wahrhaft Gläubigen auch das Armutsgefälle in Deutschland:
Gegenwärtig ist Religion dort stabiler, wo der wirtschaftliche Erfolg ist, wo es ein etabliertes Bürgertum gibt. Die Erfolgreichen, die mit der modernen Welt Zurechtkommenden sind heute eher auch die Gläubigen. In Ostdeutschland leben immer mehr Atheisten – und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die neuen Bundesländer nicht gerade Horte der Innovation, des Produzierens und der Vitalität sind.
So könnte man gleich die Probleme des Ruhrgebiets mit lösen. Statt das katholische Geld in den Osten zu pumpen könnte man 25 Millionen Bibeln abwerfen. Da kämen auf jeden Erwachsenen 2 bis 3, und billiger wärs trotzdem noch. Mal bei den Salafisten nachfragen.
Überhaupt ist das mit dem Islam gar nicht so schlimm, wie uns die gottlos-kommunistisch infiltrierten Geheimdienste glauben machen wollen, denn siehe:
Die Sorge vor dem Islam in Deutschland ist weniger eine Sorge von Christen als von Leuten, die sich von der Kirche schon sehr weit entfernt haben. Die empfinden Religion an sich als gefährlich, und im Islam sehen sie eine Rückkehr der Religion.
Ist Ihnen aus christlicher Sicht ein Muslim lieber als ein Atheist?
Was heißt lieber. Er ist mir auf jeden Fall näher. Selbstverständlich.
(Man müßte auch mal die Religiosität des Innenministers prüfen!) Oder die von Bundespräsidenten:
Aber der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ ist eine verantwortungslose und demagogische Äußerung. Was hat der Islam zu unserer politischen und gesellschaftlichen Kultur bisher beigetragen?
(Was sagt Gauck dazu – auch so ein Cherusker). Meinem gottlosen Sinn fällt jedenfalls Goethe ein, und daß der deutsche Kaiser Friedrich II. [bei dem Namen wundert einen garnix], an dessen Hof in Sizilien das Sonett erfunden wurde, Arabisch verstand, und daß die Muslims in Andalusien Wörter wie Alchemie, Algebra oder Alkohol zurückließen. Auch las ich von Untersuchungen zur Rolle der Muselmanen bei der Rezeption der aristotelischen Poetik und im Reim- und Gedankenbau der Comedia Dantes.
Aber auch mit Goethe kennt der Turbokatholik (Perlentaucher) sich aus.
In Goethes „Buch des Parsen“ kam der Zeitgeist zum Ausdruck: „Schwerer Dienste tägliche Bewahrung, sonst bedarf es keiner Offenbarung.“ Das war ein Protestantismus, der die Verbindung zu Sakralität und lebendiger Christus-Beziehung weitgehend verlassen hat.
Ogott – womit hab ich mich da bloß wiedervereinigt?
Aber nun ist mal Schluß mit lustig. Morgen heb ich meinen Anteil am Westosttransfer ab und nehm mir einen Anwalt, der gegen Mosebachs Welt wegen Diskriminierung und Verletzung meiner Menschenwürde Klage einreicht. Noch einmal Mosebach:
Diejenigen, die religiös unmusikalisch sind – wie man das heute so flott formuliert -, sind in ihrer Vollausbildung als Menschen beeinträchtigt.
Herr, wirf Hirn vom Himmel! Aber bitte in Steinguttöpfen und diesen Stammtischkatholen auf den Brägen!
(Fortsetzung: Mosebach erklärt die Lyrik, demnächst hier, inschallah.)
Ein leiser, zäher, mutiger, aufsässiger Mann, den viele, wenn sie ihn sahen, wie er ihnen kahlköpfig und in anspruchsloser Kleidung begegnete, für einen biederen Handwerker halten konnten. Als Poet ein Vertreter der schwäbischen Romantik, geliebt vom Publikum wegen seiner volksliedhaften Verse und populären Balladen, erfolgreicher als Goethe, Schiller oder Börne, geschätzt noch in Paris, achtungsvoll, ja überschwänglich gewürdigt von den Kollegen. Für Hebbel war er der »erste Dichter der Gegenwart« und der einzige, »von dem ich ganz gewiß weiß, daß er auf die Nachwelt kommt«, Heine verlieh ihm 1833 den »Eichenkranz der Bürgertugend«, Chamisso zögerte nicht mit dem Bekenntnis, »daß mich nach Goethe kein Dichter so angeregt hat«, Fouqué hatte ihn »unaussprechlich lieb«, und Varnhagen von Ense bekannte, die »herrlichen, naturkräftigen Lieder« hätten ihm in ungarischer Einsamkeit die Lebensfreude wiedergegeben. Nichts bezeugt das Ansehen dieses Poeten so sehr wie die 47. Auflage seiner Gedichte gleich nach Uhlands Tod 1862. / Klaus Bellin, ND 26.4.
Den Dramaturg, Autor, Literaturwissenschaftler und ehemaligen Rektor der Schauspielschule Ernst Busch Klaus Völker als Rezitator in der Lettrétage zu hören, ist ein Ereignis, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten! Anlass seines Besuchs ist ein Abend der Johannes-Bobrowski-Gesellschaft zu Ehren ihres namensgebenden Autors. Die Gesellschaft, deren Vorsitz Klaus Völker nebenbei innehat, pflegt das Andenken des politisch unkorrumpierten und, was in den 1950er und 1960er Jahren höchst selten war, in Ost wie West gleichermaßen hochgeschätzten Lyrikers und Erzählers.
Auch der Autor Michael Augustin stellt sein Wirken diesmal in den Dienst von Johannes Bobrowski und führt O-Töne des Autors und seiner Zeitgenossen vor.
Auf einen vielseitigen Bobrowski-Abend freut sich und herzlich grüßt Sie, im Namen des Lettrétage-Teams
Ihr Moritz Malsch
Lettrétage / Methfesselstr. 23-25 /10965 Berlin / Tel. 030 – 692 45 38
www.lettretage.de
Natürlich gab es 2011 einige spannende Publikationen: Katharina Schultens »gierstabil« oder Daniela Seels »ich kann diese stelle nicht wiederfinden« haben sich beide mehr erlaubt als Bossongs Band. Von einer Konsensentscheidung kann man trotzdem kaum sprechen. Bossong schafft es, den Bogen zwischen Eingängigkeit und poetischer Substanz zu schlagen. Auch wenn Zeilen wie »Die Täler gefüllt mit Dorffesten./ Oben erhabene Gartenzucht, / Auberginen mittersommerfarben« einen Rosamunde-Pilcher-Charme in die Lyrik bringen: Unter der bildreichen Sprache liegt mehr. »Aus den Steinhängen brechen/ die Heiligensagen: Drüben/ habe Franziskus Viten gefälscht, / Heilandsimitat umgeben von Reben.« fährt das Auftaktgedicht »Hügelgewächs« fort und zeigt, daß Bossongs Texte nicht bei Postkartenmotivik stehenbleiben. Stattdessen wird die Landschaft sondiert, werden die unter den Tableaus brodelnden Konflikte ans Tageslicht befördert. Seien es (religions-)historische Themen, das langsame Aussterben der Traditionen oder die Beschäftigung mit dem Tod – das angenehme Parlando wird subtil von schwerwiegenden Gedanken unterlaufen, ohne an Reiz zu verlieren. Der Verzicht auf sprachliche Experimente fällt dem gegenüber wenig ins Gewicht, die inhaltliche Vielfalt kompensiert einiges. Taugt »Sommer vor den Mauern« also etwas? Definitiv. Der Huchel-Preis ehrt einen ebenso schönen wie intelligenten Gedichtband. Wie könnte man sich daran stoßen? / Kristoffer Cornils, junge Welt 27.4. (hier bei der Zeitung selber, nachgetragen)
Nora Bossong: Sommer vor den Mauern. Carl Hanser Verlag, München 2011, 96 Seiten, 14,90 Euro
Hier wird ein zentraler Text zugänglich gemacht, und einer der schönsten, die mir begegnet sind, zumindest wirkt er in der Gestalt, die Buchmann ihm gegeben hat, schier unermesslich (man verzeihe mir die Superlative, aber an dieser Stelle kann ich nicht anders, als staunen, wie ein Schuljunge). Zentral ist der Text vielleicht nicht hinsichtlich seiner Wirkung auf den Fortgang der Literatur zum Zeitpunkt seiner Entstehung, aber beeindruckend in der Vorwegnahme all dessen, was danach geschah. Beinahe gespenstisch.
Gespenstisch aber auch, dass ich von Autor und Buch vorher nie etwas gehört hatte. Gut, ich bin kein Romanist, aber ich meine zumindest, die bedeutenderen Autoren des Nachbarlandes zu kennen, nicht die gegenwärtigen vielleicht, aber die klassischen. Auch wenn ich nicht von allen etwas gelesen habe, so hatte ich doch schon einmal die Namen gehört.
Nicht aber von diesem: Wir sprechen hier von dem Buch „Gaspard de la Nuit“ von Aloysius Bertrand.
Bertrand lebte von 1807 bis 1841. Ein Romantiker, könnte man meinen, wenn er nicht die ganze Romantik so weit hinter sich ließe. Und wenn er seinem Text den Untertitel „Phantasien in der Manier Rembrandts und Callots“ gibt, ist das keine rückwärtsgewandte Ästhetisierung, sondern weist auf kommende Transmedialität hin, wie sie die Moderne und Postmoderne teilweise zelebriert. / Jan Kuhlbrodt, fixpoetry
Aloysius Bertrand: Gaspard de la Nuit. Phantasien in der Manier Callots und Rembrandts. Aus dem Französischen übertragen von Jürgen Buchmann mit einem Nachwort des Übersetzers. Verlag Reinecke & Voß, Leipzig 2012
Die Dichterin Elisabeth Borchers bekommt in diesem Jahr den mit 10 000 Euro dotierten Horst-Bienek-Preis für Lyrik. Das lyrische Werk der 86-Jährigen habe sich dem Gedächtnis der deutschen Literatur unverwechselbar eingeprägt, teilte die Bayerische Akademie der Schönen Künste mit….
Literatur: Lyrik-Preis für Elisabeth Borchers – weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/kultur/buecher/literatur-lyrik-preis-fuer-elisabeth-borchers_aid_743602.html
Heinz Rudolf Kunze, Professor Deutschrock
titelt der BR:
Kunze dreht an der Sprache der Dichter und Denker, und da kommen dann diese Zeilen raus: „Wie war das, Mond, wie wird man so? Warum scheust du die Sonne? Schielst du vielleicht zur Venus hin, der spröden bleichen Nonne?“ „HRK“ hat mal vor vielen Jahren Deutsch fürs Lehramt an Gymnasien studiert.
Der Dokumentarfilm „Kann ein Dichter sterben?“ („Un poète peut-il mourir ?“), eine Würdigung des Schriftstellers und Journalisten Tahar Djaout, der 1993 ermordet wurde, nimmt am 7. Internationalen Festival des Orientalischen Films (Festival International du Film Oriental de Genève, FIFOG) in Genf teil. Das Festival findet vom 28.4.-6.5. statt. Der Film ist der einzige algerische Beitrag in der Kategorie Dokumentarfilm. Regisseur ist Abderrazak Larbi Cherif.
Der 80minütige Film verfolgt die Entwicklung des ersten Intellektuellen, der in Algerien Opfer des Terrorismus wurde. Die Sprache ist Tamazight mit französischen Untertiteln. / Dépêche de Kabylie
Aufgrund seiner Unterstützung des Säkularismus und seiner ablehnenden Haltung dem Fanatismus gegenüber verübte die Groupe Islamique Armé am 26. Mai 1993 ein Attentat auf Djaout, dem er, im Alter von 39 Jahren, eine Woche später erlag. / wiki
Die Verfasser des Briefs schreiben: »Die Grundrechte der Urheber bzw. der von ihnen beauftragten Rechteinhaber aber werden … marginalisiert.« Die Crux liegt bei den »von ihnen beauftragten Rechteinhaber«. Denn wer sind die? Natürlich die Sender. „Die von ihnen beauftragen Rechteinhaber“ ist eine ungemein schönfärberische, genaugenommen verlogene Formulierung. Das reine „newspeak“. Denn die gemeinten Rechteinhaber sind ja keineswegs von den Autoren „beauftragt“. Die Formulierung des Briefes suggeriert, hier hätte man in freier Entscheidung einen Auftrag vergeben, womöglich unter verschiedenen Bewerbern. Einen Auftrag, den man auch hätte nicht vergeben können. Liebe Drehbuchautoren – geht’s noch? Geht’s noch dümmer? Macht Euch doch nicht zu Affen und uns zu Vollidioten. Wir wissen doch alle, dass ihr sauschlecht bezahlt werdet. Von den Sendern. Dass die Sender Euch eure Drehbücher zerpflücken und zerstückeln und sie umschreiben lassen, ohne Euch für zusätzliche Arbeit irgendein ein Geld zu bezahlen. Dass ihr schon vorher kein angemessenes Geld bekommt. Was soll also diese Formulierung? Die Autoren des Briefes haben nicht verstanden, wer sie bezahlt, und wer sie beraubt. Sie stellen diejenigen als Räuber hin, ohne die sie gar keine Arbeit hätten. Um denen zu gefallen, die sie wie Sklavenbesitzer halten, gerade so über dem Existenzminimum. Die sie in verschiedenster Weise demütigen und ihre kreative Leistung gering schätzen. Andersrum gefragt: Was hindert die Sender eigentlich, ihre Autoren ausreichend zu bezahlen, und dafür sämtliche Verwertungsrechte zu erwerben. Dann wären die Kreativen schon mal aus dem Schneider.
Wovon die Verfasser völlig schweigen, ist, dass sie von ihren Auftraggebern ausgebeutet und entrechtet werden, nicht von den Zuschauern. Ihnen fehlt der Mut, irgendetwas gegen die Sender, gegen die Produzenten, gegen Förderer und Politiker zu sagen. Da sind sie zu feige und zu uneinig. Nur zur Politikerschelte langt es, und zur Userschelte, das heißt zur Schelte genau derjenigen, von denen die Unterzeichner noch irgendetwas Gutes zu erwarten hätten. Aber es langt noch nicht mal zu einem vernünftigen Gegenvorschlag der zur Urheberrechtsdebatte, die nicht »kommen wird«, sondern da ist, etwas Substantielles, Neues beizutragen hätte. Sie bringen auch seit Jahren keinen Streik auf die Reihe, wie die Drehbuchautoren in den USA. Das macht den Brief der Autoren so mickrig.
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Wovon auch nie die Rede ist, ist eine weitere Lebenslüge: Die User, auch Zuschauer, oder, je nach Bedarf, die Bürger genannt, haben den »Tatort« längst bezahlt, auch wenn sie ihn nicht mal angeguckt haben. Und zwar doppelt und dreifach: Über TV-Gebühren, über Filmförderung, über Steuergelder.
/ Rüdiger Suchsland, artechock
Die Stiftung Lyrik Kabinett, München, hat als Band 12 ihrer Blauen Reihe den Gedichtband „Diskurs über die Zeit“ des israelischen Autors Anton Pincas in der Übersetzung von Tuvia Rübner herausgegeben.
Anton Pincas wurde 1935 in Sofia, Bulgarien, geboren und kam 1944 mit seiner Mutter nach Tel Aviv. Er ist im deutschen Sprachraum annähernd unbekannt, bisher sind nur einzelne Gedichte von ihm verstreut erschienen. In Israel wurden acht Gedichtbände veröffentlicht und 2005 erhielt er den angesehenen Israel-Preis für Dichtung. / kultur-port.de
Die Solistin Yuka Oishi und der Gruppentänzer Orkan Dann bedienen sich für ihr Gemeinschaftswerk „Renku“ einer poetischen Form in der japanischen Lyrik, bei der ein Gedicht von zwei oder mehreren Autoren geschrieben wird. „Jemand schreibt einen Satz und eine anderer setzt das Geschriebene fort“, erklärt Orkan Dann. „Beim Choreografieren weiß man also nicht, wie der andere die Geschichte fortsetzt.“ Für ihn ein faszinierender Prozess. / Klaus Witzeling, Hamburger Abendblatt
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