BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
David Hernandez is a Californian who knows how to have a good time with his writing. Here’s a delightful flight of fancy based on a negotiation with a postal clerk.
At the Post Office
The line is long, processional, glacial,
and the attendant a giant stone, cobalt blue
with flecks of white, I’m not so much
looking at a rock but a slab of night.
The stone asks if anything inside the package
is perishable. When I say no the stone
laughs, muted thunderclap, meaning
everything decays, not just fruit
or cut flowers, but paper, ink, the CD
I burned with music, and my friend
waiting to hear the songs, some little joy
after chemo eroded the tumor. I know flesh
is temporary, and memory a tilting barn
the elements dismantle nail by nail.
I know the stone knows a millennia of rain
and wind will even grind away
his ragged face, and all of this slow erasing
is just a prelude to when the swelling
universe burns out, goes dark, holds
nothing but black holes, the bones of stars
and planets, a vast silence. The stone
is stone-faced. The stone asks how soon
I want the package delivered. As fast
as possible, I say, then start counting the days.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2011 by David Hernandez from his most recent book of poems,Hoodwinked, Sarabande Books, 2011. Reprinted by permission of David Hernandez and the publisher. Introduction copyright © 2012 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Und dann gibt es natürlich noch die Aufenthaltsstipendien. Über welche die Salzburgerin Bettina Balakà (Salzburger Lyrikpreis, Theodor-Körner-Preis, Alfred-Gesswein-Literaturpreis) in ihrem jüngsten Roman „Kassiopeia“ ihren Protagonisten, einen Schriftsteller, in durchaus anmutiger Manier schimpfen lässt. Nicht nur würde, so der in memoriam Thomas Bernhard sudernde Protagonist, mit Substandardauszeichnungen in Substandardwohnungen gelockt werden. Nein, die jeweilige Gemeinde erwarte auch noch vielfältige kulturelle Beiträge des Stipendiaten – als Vorleser, als Volksbildner, als Präsentator seiner selbst, als Protokollant des so überschäumend interessanten Lebens in dem jeweiligen überschäumend interessanten Flecken.
All das, um reale Beispiele zu benennen, in Orten wie Bergen-Enkheim, einem gesichtslosen Vorort des gesichtslosen Frankfurts am Main. Oder in Edenkoben im pfälzischen Nirgendwo. Als „Esslinger Bahnwärter“! Als „Burgschreiber zu Beeskow“ (sechs Monate à 750 Euro), lieblich auf halber Strecke zwischen Müllrose und Goyatz im tiefsten Brandenburg gelegen. Als Stadtschreiber in Otterndorf (Einwohnerzahl: 7000) zwischen dem AKW Brunsbüttel und dem desolaten Bremerhaven. Als Krimi-Stadtschreiber im kriminalitätsschütteren Flensburg; oder für drei bis neun (!) Monate auf dem Künstlerhof Schreyahn in Lüchow im Wendland, umgeben von den weltbekannten Orten Lemgow, Lübbow, Waddeweitz und Schnega, der Hof wird analog zur nahen Atommülllagerstätte Gorleben als „Stipendienstätte“ angepriesen. Oder als Dorfschreiber in Villgraten/Osttirol. / Alexander Kluy, Wiener Zeitung
(im Artikel auch über andere Preistypen und Preise an sich)
Pünktlich zum Jahreswechsel bietet der Textem Verlag einen Abreißkalender an, er hat zwar kein Kalendarium, wohl aber 239 Seiten, für jeden Tag des Jahres eine, man muss sie dafür zum Teil mehrere Tage lang betrachten.
Von Weitem tarnt sich dieser handliche Block als Produkt aus dem Hause PONS, ist also unbedingt sinnvoll, um polyglott zu wirken. Die vorherrschende Sprache des Kalenders ist Deutsch, mit rüde umgangssprachlichen und englischen Einflüssen. Auf den einzelnen Seiten befinden sich unterschiedlich lange Listen mit Worten. Hier z. B. eine eher kurze Liste:
fuck
helium
mief
genesung
Entstanden sind alle im Pseudokalender versammelten Listen – man könnte diese aber auch Micro-Opern nennen –, weil sich der SMS-Speicher des Mobiltelefons von Axel Loytved alle Worte merkte, die das T9-Programm nicht kennt. Datumsgenau. Tag für Tag. Sobald Axel Loytved eine SMS schrieb.
Man kann diesem Abreißkalender Seite für Seite anmerken, ob es sich um einen guten oder schlechten Tag handelt. Die Benutzung als Tageshoroskop ist also naheliegend. Die einzelnen Blätter sind aber auch als Einkaufszettel, oder To-do-Liste gut zu verwenden. Sehr sinnvoll könnte auch sein, die Zettel als Kurznachrichten in Nachbarbriefkästen zu verteilen oder unter Scheibenwischer zu klemmen. Sozusagen als Straf- oder Belohnungszettel für besonderes Verhalten.
Axel Loytved:
»what to say«
239 Seiten, perforiert
8,35 Euro
ISBN 978-3-86485-031-8
Textem Verlag, Hamburg 2012
Bestellen unter: versand(at)textem.de
Auslieferung für Buchhändler:
SOVA, Fax: 069 / 41 02
Aktion zur Rettung der deutschsprachigen Lyrik: Dr. Treznok & Jochen Ortmann (Lese-Performance)
Wann: 16.11. – 20:00 Uhr
Wo: Awake Mainz
Steingasse 24
55116 Mainz
Die deutschsprachige Lyrik liegt in den letzten Zügen und gilt als totgeborenes Stiefkind der Literatur. Deshalb sind die beiden Helden der deutschsprachigen Wortverdrehungskunst angetreten, um die Poesie zu retten: Jochen Ortmann & Dr.Treznok Womit können die beiden den Verfall der Poesie noch stoppen? Rainer Maria Rilke? Mascha Kaléko? Heinz Kahlau? Oder doch Jochen Ortmann und Dr.Treznok mit eigenen Gedichten? Retten uns am Ende Hölderlin, Schiller oder der olle Goethe? Werden die beiden lyrischen Helden die Poesie retten oder versagen? Das Publikum darf gespannt sein ? Eine Lese-Performance mit und ohne Gesang, mit und ohne Musik, mit und ohne Bewegung !!! Mehr Infos zu beiden Poeten gibt´s hier. Der Eintritt ist frei. Um einen freiwilligen Kulturbeitrag für die Künstler wird gebeten.
„Zwei Auszüge aus einem Interview mit Hubert Winkels über Literaturpreise*:
1. Bei prominenten Preisen gehen kleinere Verlage oft leer aus, als Reaktion formierte sich der„Hotlist“-Preis. Ein Missverhältnis – oder spiegelt das nur die Kräfteverteilung auf dem Markt wieder? Wenn’s um die Wurst geht, sind die Großen unter sich?
Bei der Beurteilung eines Textes sollte der Verlag keine Rolle spielen. Natürlich sind kleinere Verlage oft mutiger, gehen innovative Wege. Deshalb verdienen sie einen etwas größeren Aufmerksamkeitsschub am Anfang. Im Laufe der Diskussion wächst sich das aus. Dann geht es nur noch um Qualität. Die Guten landen häufig bei größeren Verlagen, man mag es bedauern, aber das ist der Lauf der Dinge. Wie soll ich als Wacker Burghausen den Spieler halten, der bei Bayern spielen soll…
2. Der Einfluss einer Jury auf das, was anschließend im Buchhandel verkauft wird, ist nicht unbeträchtlich. Wie geht man als Juror mit dieser „Macht“ um?
Wenn wir einen Lyrik-Band auszeichnen würden, würden viele lange Gesichter machen**. Man würde auch Schelte bekommen. Bei großen Preisen sollte man keinen exotischen Weg gehen und nach Kleinverlagen mit avantgardistischer Lyrik suchen. Das wäre der falsche Weg. Man adressiert sich an ein großes nationales, ja internationales Publikum. Natürlich freut man sich, ein Buch auszuzeichnen, das anschließend eine große Zahl von Lesern hat. Die halbe Nation liest es – toll! Für mich ist es viel wichtiger, ein Buch herauszuheben, das einen besonderen Akzent setzt. Das eine ästhetische Seite hat, die bemerkenswert, neu – und möglicher Weise sogar attraktiv für andere Autoren ist.
*) Wie sich der große Hubert die Dinge denkt, so sind sie auch. Dies wäre falsch, jenes ist richtig, zack zack. Und natürlich nicht mit avantgardistischer Lyrik, wie sie sich der kleine Moritz denkt – das nun gar nicht. „Vielfalt der Genres und Textsorten“, aber nicht übertreiben.
**) Wie wäre es dann mit einer Sparte Lyrik, wie es sie etwa bei Preisen in den USA und Kanada gibt??
Wenn man Ihren Roman liest, meint man, die Lyrikerin herauszuhören, als die Sie angefangen haben. Sehen Sie das auch so?
Marjana GAPONENKO: Für mich ist ein Roman ein sehr langes, großes Gedicht. Ich komme aus der Lyrik und ich weiß, dass ich am Gesang, am Lied klebenbleibe. Ich komme aus einem Kulturkreis, wo sehr viel gesungen wird. Auch einfach so auf der Straße. Da zeigt auch keiner mit dem Finger: Schau, ein Betrunkener, der singt. Man singt, weil man überwältigt ist von irgendwelchen Gefühlen, weil man sich freut. Damit bin ich aufgewachsen, dass man frei singen kann. Ich kann nicht singen, aber ich bin gerne in einer Gesellschaft, wo plötzlich eine Gitarre auftaucht und „Caprifischer“ gesungen wird. „Wer ist Martha?“ ist eigentlich mit dem Gedanken geschrieben, dass der Leser das Gefühl hat, in einem tollen Konzert zu sitzen, von einer Sinfonie durchdrungen zu werden. Das wäre für mich das größte Kompliment. / Neue Westfälische
Das Online-Magazin GlobKult – Magazin für Politik, Gesellschaft, Kultur, Geschichte –, das vor einigen Jahren von Peter Brandt übernommen wurde, hat seine literarischen Anteile, die die Lyrik nicht aussparen. Zu den Beiträgern, die regelmäßig publizieren, gehören Ulrich Schoedlbauer, Günter Grass oder Wolf Biermann. Aber auch weniger prominente Autoren erscheinen zuweilen mit Beiträgen. So setzte etwa Laura Solbach der Diskussion um die Grass-Gedichte jenem „Was gesagt werden muss“ ein „Was gesagt werden kann“ hinzu: http://www.globkult.de/kultur/l-iteratur/716-was-gesagt-werden-kann-
„Dying is an art like everything else / I do it exceptionally well“, schrieb Sylvia Plath in ihrem Gedicht „Lady Lazarus“. Es ist der Ausgangspunkt für ein neue Projekt in der Opera stabile. Am Samstag, den 24. November 2012, startet mit „I am your opus“ die Reihe Black Box 20_21. Die Studiobühne der Staatsoper wird zum Experimentierfeld für eine innovative Form des Musiktheaters, in der Kompositionen und Texte aus dem 20. und 21. Jahrhundert einander gegenüber gestellt werden. Szenisch umgesetzt soll eine neue interpretative Richtung entstehen. / Hamburg Magazin
“Lassen sich poetische und gedanklich fordernde Beziehungen zwischen Ökologie und Literatur herstellen?” Mit dieser Frage Anja Utlers nahm eine poetische, eine poetologische Annäherung an die Thematik und Strömung “Ecopoetics” für uns ihren Ausgang, die zu weiteren führte: Wo beginnt ökologische Dichtung, und wo steht Lyrik, die sich nur motivisch der Natur bedient? Was passiert bei den “substanziellen und produktiven Reibungen” zwischen Ökologie und Kultur? Unter internationialer Beteiligung – von Kanada bis Slowakei – spürt das Lyrikdossier der EDIT #60 dem nach, zeigt Texte, die in diesem Spannungsfeld entstehen und stellt sie hier – in Kooperation mit lyrikkritik.de – zur Diskussion.
Die Hamburger Förderpreise für Literatur und literarische Übersetzungen werden seit 1983 vergeben. Sie gelten als eines der traditionsreichsten und bestdotierten Autorenförderprogramme im deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr haben sich etwa 200 Schriftstellerinnen und Schriftsteller am Wettbewerb beteiligt.
Die unabhängige Jury hat nun ihre Auswahl aus den anonymisierten Texten getroffen. Je einen Förderpreis über 6000.- Euro werden erhalten: Jo Berlien, Friederike Gräff, Herbert Hindringer, Benjamin Maack, Magdalena Saiger, Judith Sombray. Je einen Förderpreis für literarische Übersetzungen über 2500.- Euro* werden erhalten: Michael Kellner, Andreas Löhrer, Inka Marter.
Kultursenatorin Frau Prof. Barbara Kisseler wird die Preise am Montag, dem 3. Dezember 2012, um 19.30 Uhr, im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung im Literaturhaus Hamburg überreichen. Anschließend begründet die Jury ihre Wahl, und die Preisträger präsentieren ihre Arbeiten. / Mehr
*) Und weil Übersetzen irgendwie die halbe Arbeit ist, genauer 41,67 %, wird es um den entsprecenden Prozentsatz niedriger gefördert, logisch.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
It’s a good thing to have a poem about voting in the week of the election, and here’s a fine one by Judith Harris, who lives in Washington, D.C.
My Mother Goes to Vote
We walked five blocks
to the elementary school,
my mother’s high heels
crunching through playground gravel.
We entered through a side door.
Down the long corridor,
decorated with Halloween masks,
health department safety posters—
we followed the arrows
to the third grade classroom.
My mother stepped alone
into the booth, pulling the curtain behind her.
I could see only the backs of her
calves in crinkled nylons.
A partial vanishing, then reappearing
pocketbook crooked on her elbow,
our mayor’s button pinned to her lapel.
Even then I could see—to choose
is to follow what has already
been decided.
We marched back out
finding a new way back down streets
named for flowers
and accomplished men.
I said their names out loud, as we found
our way home, to the cramped house,
the devoted porch light left on,
the customary meatloaf.
I remember, in the classroom converted
into a voting place—
there were two mothers, conversing,
squeezed into the children’s desk chairs.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Judith Harris, whose most recent book of poems, Night Garden, is forthcoming from Tiger Bark Press, spring 2013. Poem reprinted by permission of Judith Harris and the publisher. Introduction copyright © 2012 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Kann man nach Auschwitz noch Gedichte schreiben? Kann man nach dem Holocaust Opern komponieren? Kann man Musiktheater über die Schoah aufführen? Wer sich literarisch oder szenisch mit der Vernichtungsmaschinerie der Nazis auseinandersetzt, steht unweigerlich vor solchen Fragen im Anschluss an Theodor W. Adornos Verdikt: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“
Magret Wolf stellt sich mit ihrer „musikalisch-szenischen Aktion“ mit dem Titel „Refidim Junction“ bewusst außerhalb des Genres Oper. Sie erzählt darin nicht, sondern ordnet historisch-dokumentarisches Material an, verknüpft es mit einer Musik, die komplexe Strukturen aufweist. (…)
Ein weiteres Dokument, die Namen der 202 Würzburger Juden, die 1941 deportiert und zumeist in den Vernichtungslagern umkamen (so auch Marianne Dora Rein), wird im Laufe des Stücks vom siebenköpfigen Chor in die „Aktion“ hinein gesungen und gesprochen.
Schließlich mischt die Komponistin Gedichte – „Ein Jude aus dem Ghetto bin ich“ von Rywka Kwiatkowski und „Niobe“ von Marianne Dora Rein – in das Textgewebe. / Jürgen Strein, Fränkische Nachrichten
Der mit 8000 Euro dotierte Georg-Trakl-Preis für Lyrik des Landes Salzburg geht heuer an die deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin Elke Erb. Den parallel dazu ausgeschriebenen Georg Trakl-Förderungspreis 2012 erhält der in Salzburg lebende Autor Christian Lorenz Müller. Das gab am Dienstagnachmittag Kulturreferent LHStv. David Brenner (SPÖ) bekannt. Die Verleihung erfolgt am 30. November im Rahmen des „Dialoge“-Festivals der Stiftung Mozarteum.
Bisherige Preisträger waren unter anderem Ernst Jandl (1974), Friederike Mayröcker (1974), Ilse Aichinger (1979), Julian Schutting (1989), Franz Josef Czernin (2007) oder zuletzt Michael Donhauser (2009).
Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Dr. Uta Degner (Universität Salzburg), Dr. Fabjan Hafner (Universität Klagenfurt) und Dr. Thomas Wohlfahrt (Literaturwerkstatt, Berlin), begründete ihre Entscheidung für Elke Erb folgendermaßen:
„Elke Erbs lyrisches Werk zeichnet sich durch eine einzigartige Stimme aus, in der sich hohe ästhetische Sensibilität, souveräne Autonomie von ästhetischen Konventionen, Experimentierfreude, Gesprächslust und poetologische Reflektiertheit verbinden. In ungewöhnlicher Weise gelingt es Erbs Gedichten, sich als ‚Werdende‘ sichtbar zu machen, sie treten nicht mit der Autorität festgefügter Endgültigkeit auf, sondern als lebendige, noch in Bewegung befindliche, und besitzen gleichsam offene Möglichkeits-Horizonte. Erbs Texte lassen ihre Leser(innen) teilhaben an einem vieldimensionalen, unabgeschlossenen Prozess von Denken und Dichten, sie besitzen eine beeindruckende gedankliche Versabilität, die auch nicht davor zurück scheut, eigene Publikationen erneut zur Disposition zu stellen. Immer orientiert am Konkreten, halten sie sich vollkommen frei von Ideologie und verweigern sich trotz ihrer Einladung zur Partizipation jeglicher Vereinnahmung.
Die Haltung unprätentiöser, neugieriger Wachheit sowohl gegenüber dem Vorhandenen, als auch gegenüber den darin enthaltenen, unendlichen Möglichkeiten von Welt und Sprache verleihen den Dichtungen einen abenteuerlichen Geist und eine Intensität, die weit über das hinausreichen, was die einzelnen Texte jeweils sprachlich machen. Mindestens ebenso zentral ist, was sie jenseits ihrer selbst möglich machen: Sie wirken nämlich auf gänzlich unpathetische Weise befreiend: sie schenken ihren Leser(inne)n eine ästhetische Erlebnisfähigkeit, die deren Leben, Lesen – und vielleicht auch Schreiben – um die Dynamik des Offenen bereichert.“ / Land Salzburg
Der Wettbewerb Open Mike
Unter den 586 Prosa-Einreichungen, so konstatierte denn auch Daniel Beskos stellvertretend für die Lektoren, habe es nur „wenig Experimentelles“ gegeben.
Anders im Bereich Lyrik: Unter den Gedicht-Beiträgen stachen neben denen Piekars auch die des Berliners Arne Vogelgesang (Jahrgang 1977) heraus. Vogelsang, ein stilsicherer Wortakrobat mit erfrischenden Bildern, hätte eindeutig auch einen Preis verdient. Auch wenn Christoph Buchwald, zuständig für die Lyrik-Auswahl, beklagte, dass unter den 48 Lyrik-Einreichungen keine gewesen sei, die sich mit Utopien beschäftigt habe.
Was allen Finalisten meisterlich gelang, war die Vortragsweise: klares, fehlerfreies, betontes Sprechen ohne theatralische Übertreibung. / Angelo Algieri, Saarbrücker Zeitung
«Tools», nach «Loops» und «Pools» der dritte Gedichtband des 1969 in Hamburg geborenen Matthias Göritz, versammelt, sehr modern und ganz altmodisch, Verse, die noch einmal nach der Conditio humana fragen. Und die schöne Antworten geben können, Momente von irisierender Intensität: «Es ist das / Hin und Her, was uns fasziniert. Das nicht / Festgelegte.» An Realitätspartikeln steigen vergangene Welten auf und öffnen sich nun zu surrealen Räumen, fliessenden Collagen: «Ein Rätsel klopft an, // das von Grossmutters Schrank. Mit dem / Radio. Den beleuchteten Skalen. / Sie klingen wie Schiebetüren. Damals // glitten sie die Strassen entlang. Meine / Eltern. Es waren Spontanzeugungen in // Gedanken.» Viele Texte reflektieren die Genese ihrer Bilder. Wie die Übergänge vom Wachen zum Schlafen sind auch die Passagen vom geteilten Alltag hin zum Unabsehbaren erinnerter Intimität nicht genau zu bezeichnen. Ihre Realität im Gedicht bleibt beweglich. / Angelika Overath, NZZ
Matthias Göritz: Tools. Gedichte. Berlin-Verlag, Berlin 2012. 113 S., Fr. 29.90.
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