open mike
WER LIEST WANN?
1. Tag
1. Block
14:15 – 15:30
15:30 – 16:00 Pause
2. Block
16:00 – 17:15
3. Block
17:45 – 19:20
1. Block, 12:15 – 13:45
Pause von 13:45 – 14:15
2. Block, 14:15 – 15:30
Ab 15:30, Entscheidungsfindung der Jury
ca. 16:45 Preisverleihung
Elena Philipp bloggt über Yevgeniy Breyger:
Yevgeniy Breyger “Gedichte”
Es wassert und wuchert, scheuert und schuppt, früchtet und flickt: Üppig bestückt Yevgeij Breyger seine See- und Angelstücke mit verbalen Bildern.
“ehemals standsicher
eine böschung, kaum vorzustellen: / geflutet, eignet sich vorzüglich / zum sammeln von schwemmgut, / kriecht das aus allen ecken. / ich erforsche täglich die küste, / ein breitgelegenes wirrsal, / gebe etlichem einen begriff. / neulich habe ich eine lilie / zum kompass gefaltet, fortan / trage ich ihn kühn vor mir her.”
Gelegentlich dunkle Bilder tauchen auf, etwa das “gekerbte projektil”*. Angler- und Fischereiwortschatz wellt auf und ab. Die Texte scheinen über den Zyklus hinweg zu korrespondieren: Steht in einem Gedicht eine “obstschale / reif gefüllt”, finden sich im nächsten “früchte allerlei”; “algen” werden als “rhodophyta” botanisch präzisiert. Der Eindruck: genau komponiert.
Über Sascha Kokot:
Kalt ist die Welt dieser Gedichte. Menschen am Rand der Zivilisation: Sie asphaltieren, was die Tektonik über den Winter wieder zerklüften wird, warten auf den Wetterumschwung, zur Untätigkeit verdammt, sprengen tief im Bauch der Berge und wandeln auf Routen, die der Körper noch kennt, deren Sinn und Ziel der Verstand aber nicht mehr begreift. Ein “du” entrümpelt und räumt sich leer, ein anderes oder dasselbe “du” erfährt den Riss zwischen Ich und Welt:
“ irgendwann greift es dir / fest in den eigenen Körper / trennt dich ab / bis du fremd vor dem stehst / was dir lange Rückhalt war / du hilflos darin plündern gehst / aber nicht erkennst wie alles / zusammenzusetzen ist / was dir verschütt ging”
Multiple Kältetode, nur gelegentlich ein Wärmeschub. Atmosphärisch zwischen Roland Emmerich und Derek Walcott (“Things do not explode / They fail, they fade.”). Spröde, vielschichtig, schön.
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Solches „embedded“ Blogging gefällt mir, weil es a) überhaupt Informationen und b) konkretere als feuilletonüblich liefert. Mal sehn was noch kommt.
* ein gekerbtes projektil ist ein projektil mit kerben. wie dunkel es ist, hängt vmtl. vom material ab. m.g.
Widersprechen macht vielleicht mehr Spaß als Loben. Und manchmal ist es Pflicht. Ich pieke noch einen Satz aus dem Zeit-Artikel über Eva Hesses Pound-Übersetzungen heraus, diesmal also widersprechend:
Sie ist die einzige Vermittlerin Pounds in deutscher Sprache.
Nana. Einzigartig, darauf hätten wir uns einigen können. Aber diese Absolutheiten – größt, bedeutendst, wichtigst, einzig(st) pp – sind meist falsch. Manchmal bösartig, oft dumm.
Sehen wir davon ab, daß Verleger, Herausgeber, Essayisten, Wissenschaftler, Lehrer auch Vermittler sind (am Literaturinstitut, als es noch nach Johannes R. Becher hieß, sprach der Dichter Georg Maurer kundig über Pound und vermittelte ihn so an junge Dichter, und Leser – für mich wahrscheinlich die erste Spur, die mich neugierig machte, meine Lehrer, auch an der Uni, haben sich da nicht hervorgetan).
Aber solch ein knallig abschließender Satz gehört abgewatscht, weil er aus Unkenntnis, Fahrlässigkeit, Ignoranz, was weiß ich, einen für Deutschland frühen Vermittler unterschlägt. Verschweigen, Spuren verwischen, eine unselige Bürgertugend. Der Dichter Rainer Maria Gerhardt gab Anfang der 50er Jahre „Fragmente. Blätter für Freunde“ heraus. In den Heften 1, 2 und 6 erschienen Poundübersetzungen von Renate und Rainer M. Gerhardt. Gerhardt übersetzte und publizierte auch „das testament des confucius“ nach Ezra Pounds englischer Fassung. In der viele Jahrzehnte nach Gerhardts Selbstmord 2007 erschienenen Ausgabe des Gesamtwerks (bei Wunderhorn) kann man das und mehr genau nachlesen. Aber wozu lesen wenn man schreiben kann?
Die schönsten Sätze in dieser lobenden Rezension Jochen Kelters zu Thilo Krauses Gedichtband (WoZ vom 8.11.) stammen von Thilo Krause. Gäbe es nicht die verdammten Konventionen, vielleicht wäre es besser, wenn einem nichts Gescheites einfällt, schöne Sätze aus dem zu lobenden Buch für sich selbst sprechen zu lassen. Ich schreibe mal alle Zitate aus der Rezension ab:
„Kühe blicken uns an, unter Wimpern hervor / dicht wie das Dunkel in den Hecken entlang der Weide / dicht wie das Geschwätz der Vögel / zwischen Brombeeren und Farn.“ – „Die ganze Kompanie auf Halt / mit Bierdosen an Plastiktischen / aus der Ferne wie Terracottafiguren / bröckelnde Gestalten, schartig, aufrecht / sind sie diesem Ort hier beigegeben.“ – „Ein fröhlicher Zug Versprengter / mit Worten lose in den Taschen / und Händen klein wie Schlüssel / für die Türen und später fürs Reden.“
Ist doch ne schöne Rezension. Danke, Jochen Kelter!
Thilo Krause
Und das ist alles genug. Gedichte
Reihe Neue Lyrik – Band 3
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Hrsg. von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt und Ralph Lindner
poetenladen Verlag 2012
88 Seiten | Euro 16.80
Neugierige können hierunter Weiterlesen
Sattar Beheshti, der 35jährige iranische Blogger und Facebook-Aktivist, der nach seiner Verhaftung im Polizeigewahrsam starb, ist in seiner Heimatstadt Rabat Karim beigesetzt worden.
Oppositionelle Webseiten hatten berichtet, dass Beheshti im Verhör zu Tode gefoltert wurde.
(…)
Beheshti war am 30. Oktober von der iranischen Cyber-Polizei in seiner Wohnung verhaftet worden. Ihm wurde “Gefährdung der nationalen Sicherheit auf sozialen Netzwerkseiten und Facebook” vorgeworfen.
(…)
Bei dieser von der iranischen Polizei angewandten Form der Folter werden die Gefangenen mit verbundenen Händen wie ein Huhn an der Decke aufgehängt.
“Reporter ohne Grenzen” hat die iranischen Behörden aufgefordert, die genauen Umstände von Beheshtis Tod aufzuklären.
“Die Regierung in Teheran ist ein ungeheuerliches Beispiel für den Triumph der Straflosigkeit”, so die Presseorganisation. “Bislang ist kein einziger Verantwortlicher für die Todesfälle unter Journalisten oder Netizens im Gefängnis vor Gericht gestellt worden.”
Ein schöner Satz über das Studieren in einem Artikel über Pound (es geht um Eva Hesse)
Seine Übersetzerin hatte gerade ihr Literaturstudium abgebrochen, um sich mit der neuesten englischsprachigen Literatur zu beschäftigen.
Der französisch-schweizer Lyriker und Romanautor Michel Waldberg starb am 4.11. im Alter von 74 Jahren. Er begann als Fotograf, in den 70er Jahren wandte er sich der Literatur zu. Sufismus und Hinduismus und das Werk Baudelaires, Bretons und Mallarmés beeinflußten ihn. / Marie Pichereau
Ms. Davis präsentiert in diesem Monat den indischen Klassiker PYAASA (1957) von Guru Dutt, der 39-jährig an einer Überdosis Schlaftabletten starb. In seinem Werk versuchte er, das kommerzielle Bollywood-Kino als sozialkritisches Sprachrohr zu nutzen und gleichzeitig ästhetisch herauszufordern. Im Mittelpunkt des Films steht ein erfolgloser Dichter, der nicht einmal innerhalb der eigenen Familie Anerkennung findet. Aufgrund einer Verwechslung wird er für tot erklärt. „Posthum“ wird sein Werk plötzlich als Erfolg gefeiert, während man ihn unerkannt in eine Nervenheilanstalt einweist. (11.11.) / Arsenal Berlin
Wie erst jetzt bekannt wird, ist der Schriftsteller und Übersetzer Lothar Klünner am 19.10. gestorben. Nur Wikipedia weiß es schon. Eine Pressemeldung habe ich bisher nicht gefunden. Vor kurzem konnten wir ihn noch als streitbaren und gewandten Sonnettisten in der Anthologie Hieb- und stichfest. Streitsonette (Reinecke & Voß, 2012) lesen. Offenbar die letzte Veröffentlichung, die er noch in Händen hielt.
Berliner Surrealismus ist ein Terminus aus der Kunstszene. Manche wenden ihn auf eine Reihe jüngerer Autoren an, die nach dem Krieg in Berlin surrealistisch inspiriert waren. Nach Johannes Hübner (1921-1977) und Richard Anders (1928-2012) ist nun mit ihm ein weiterer Autor dieser Generation abgetreten.
Wikipedia schreibt:
Lothar Klünner (* 3. April 1922 in Berlin; † 19. Oktober 2012 ebenda, alias Leo Kettler (als Schüttelreimer und als Verfasser anderer Schöpfungen der leichten Muse und seiner journalistischen Arbeiten) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer literarischer Texte aus dem Französischen.
Lothar Klünner studierte Theologie, später Kunstgeschichte in Tübingen und Berlin. Schon in frühster Jugend schrieb er Gedichte. Seit 1946 übersetzte er v.a.René Char, Paul Éluard, Guillaume Apollinaire, Iwan Goll. Viele Übersetzungen entstehen in Zusammenarbeit mit dem Dichter Johannes Hübner.
Von 1948 bis 1949 war er Mitarbeiter an der Kulturzeitschrift „Athena“. Seine ersten Gedichten und Prosastücke wurden in der von K.O. Goetz herausgegebenen Kunst- und Literaturzeitschrift „Meta“ veröffentlicht. Seit 1949 war er als freier Schriftsteller und Übersetzer in Berlin tätig, wo er bis heute lebt. Lothar Klünner arbeitete 1949 bis 1950 an den ersten Berliner Nachkriegskabaretts der „Badewanne“ in der „Femina Bar“ mit („Badewanne“, „Rationsstrich“ und „Quallenpeitsche“). Bei einem Aufenthalt in Frankreich begegnete er 1951 René Char, mit dem er über Jahrzehnte freundschaftlich verbunden blieb. Seit 1955 verdiente er seinen Lebensunterhalt vor allem als Autor für den Rundfunk, vor allem für RIAS Berlin und SFB, für die er etwa 1000 kleine und große Rundfunksendungen produzierte. Nach einem ersten eigenen Gedichtband („Gläserne Ufer“, 1957) folgte die Mitherausgeberschaft des Jahrbuchs „Speichen“ (1968-1971), das in der Öffentlichkeit allerdings kaum wahrgenommen wurde. Nach dem Tod seines Freundes Johannes Hübner gab Klünner den Johannes Hübner-Gedenkband „Im Spiegel“ und mehrere postume Ausgaben der Gedichte Hübners heraus. Die von Johannes Hübner begründete „Jeanne-Mammen-Gesellschaft“[1] verdankt ihren Erfolg auch der Mitarbeit von Lothar Klünner.
Spätere Gedichtveröffentlichungen: „Wagnis und Passion“, Pfullingen: 1960; „Windbrüche“, Berlin: 1976; „Gegenspur“, Berlin: 1977; „Befragte Lichtungen“, Waldbrunn: 1985; „Die Rattenleier“. Schüttelreime, Berlin, Aphaia: 1989.
Lothar Klünner gehörte zu den wenigen deutschsprachigen Autoren, die sich bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs an der Literatur der internationalen Moderne, insbesondere der französischsprachigen Literatur orientierten und die Erfahrungen des Surrealismus verarbeitet haben. Als Nachdichter und Übersetzer hatte er großen Anteil an der Verbreitung der Texte des Surrealismus im deutschsprachigen Raum. Zum „literarischen Establishment“ bewahrte Klünner Distanz.
(Ists auch nicht Lyrik)
Was die Vermittlung von Neuer Musik angeht, konnten wir Gymnasiasten der 60-er Jahre überhaupt nichts erwarten. Entweder fiel der Unterricht fast die ganzen Jahre weg oder, wenn wir dann zwischendurch einmal Musikunterricht bekommen hatten, haben wir Lehrer vorgesetzt bekommen, die im Dritten Reich ausgebildet wurden und, was die avancierte Musik des 20. Jahr-hunderts angeht, von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten. Meine schulischen Erlebnisse waren hauptsächlich geprägt von Singen, z. B. ‚Wenn die bunten Fahnen wehen‘ oder weiterer einschlägiger ‚Volkslieder‘, oder von ‚biographischen‘ Geschichten wie die des „armen verwilderten und verdreckten Beethoven, der einfach keine Frau finden konnte“ (so der Originalton unseres Musiklehrers, einem ehemaligen Kompositionsschüler von Hans Pfitzner und verkrachtem Genie, dessen Werkliste sich damals bereits schon in den Achttausendern bewegte [… und Simon Sechter lässt grüßen!]). Später in den 70ern habe ich dann einen Schulmusiker kennen gelernt, der, wenn er den Dux einer Fuge meinte, immerfort vom „Duce“ gesprochen hat. Ich stellte ihn zur Rede, woraufhin er treuherzig fragte: „Ist das so schlimm?“- und ganze Schülergenerationen haben’s so von ihm gelernt! / Der Komponist Walther Erbacher
Im Alter von 37 Jahren, in der Mitte des Lebens, wird Friedrich Hölderlin 1807 als unheilbar geisteskrank aus einem Tübinger Klinikum entlassen und in die Obhut eines ortsansässigen Tischlermeisters gegeben. / mehr
Die Saarbrücker Zeitung sprach mit Nora Gomringer:
Gute Romane reflektieren gesellschaftliche Umstände auf sehr direkte Weise. Vielleicht sind sie daher beliebter als Lyrik. Was kann ein Gedicht bewirken, was andere literarische Formen nicht können?
Gomringer: Sich kurz fassen. Ehrlich, ich lese nicht gerne Romane. Wie die Malerei von der Fotografie „überholt“ wurde, muss sich die prosaische Literatur ständig vom Film überholen lassen. Noch warte ich auf „neue“ Romane, wie längst „neue“ Bilder gefunden wurden. Ich wundere mich, dass gute, formal interessante, innovative Romane so selten sind.
Gibt es Sie denn?*
Gomringer: Haruki Murakami und Roberto Bolaño können das. Stark ist, dass sie eigentlich an uralte Romantraditionen oder besser Langgedichtversionen anschließen. Ein Gedicht ist eine Erfindung, die aus Erfindungen besteht. Der Roman ist eine Selbstfindung. Das interessiert mich nicht so sehr.
(…)
Ich bin – wie Sie – 1980 geboren. Nach meinem Eindruck gehören wir einer sehr verunsicherten Generation an, die mit der Kapitalisierung aller Facetten des Lebens zu kämpfen hat. Wie gehen Sie als Dichterin damit um?
Gomringer: Ich kapitalisiere mit. Irgendwie. Ich finde es fast schelmisch reizvoll zu sehen, wie weit ich aus der Lyrik und von ihr leben kann. Aber es stimmt natürlich. Verunsichert sind wir und auch irgendwie zu vorsichtig dadurch. Es hat mir geholfen, in den USA gelebt zu haben, wo einem das ein bisschen beigebracht wird: etwas darstellen und spielen.
*) Interessante Frage. Blieb leider ohne Antwort.
Bloggen über Literatur – das macht hierzulande fast nur die Britin Katy Derbyshire, und das auch noch in englischer Sprache. Dabei haben Blogs das Potenzial, den literarischen Diskurs entscheidend zu bereichern. Nun soll die Szene beim Open-Mike-Wettlesen belebt werden.
Lesen wir im Tagesspiegel. Das ist ja gut, daß sich jetzt jemand Kompetentes dem Bloggen annimmt. Bzw. des Bloggens. Auf denn; vorwärts immer!
„In Großbritannien gibt es eine sehr diskussionsfreudige Szene, die gerade das, was für explizite Hochliteratur gehalten wird, sehr pflegt.“ In Deutschland dagegen seien es vor allem die Fans minderklassiger Genreliteratur, die einander im Netz Inhaltsangaben und Kaufempfehlungen schrieben, vor allem aus den Bereichen Fantasy oder „Frauenliteratur“. „Chick Lit“, wie Derbyshire das nennt. „Die Nische, in der ich mich hier bewege, ist sehr klein.“
Das mag sein; aber vielleicht lesen sie auch nur die falschen Blogs? Wahrscheinlich meinen sie „richtige“ und „Hochliteratur“ und nicht Lyrik und so. Kennen sie die Dschungel. Anderswelt? Oder das litblogs.net? Und was man mehr fragen und anmerken könnte.
Seite 2 des Webbeitrags hab ich nicht geklickt. Der Text zum Link nämlich lautet:
Sorry, die benutzen die Sprache als wüßten sie nicht was sie tun. Was dann wohl der Fall ist. „Embedded journalism“ ist ein hochproblematischer Begriff, weil eine Erfindung der Kriegspropaganda in den jüngsten US-Kriegen. Es bedeutet, daß Journalisten das berichten, was ihnen die PR-Abteilung der Stäbe zeigen oder geben. Wikipedia weiß mehr:
Embedded Journalist (von englisch „to embed“ – einbetten, integrieren, deutsch „Eingebetteter Journalist“) bezeichnet einen kontrollierten und zivilen Kriegsberichterstatter, der im Krieg einer kämpfenden Militäreinheit zugewiesen wurde. Geprägt wurde der Begriff zu Beginn des Irakkrieges im Jahre 2003, seitens der Streitkräfte der Vereinigten Staaten.
Die United States Army begegnete mit der Praxis des „eingebetteten Journalismus“ dem Druck amerikanischer Massenmedien, denen der Zugang zum Kriegsgeschehen während des Zweiten Golfkrieges 1991 und des Krieges in Afghanistan 2001 nicht ausgereicht hatte.
Das US-Militär verlangte von den embedded journalists, kurz auch als embeds bezeichnet, dass sie vorher eine Zeit lang ein Spezialtraining absolvierten, das dem Boot Camp (kurzes, aber intensives militärisches Training in den USA) ähnelt, bevor sie in die Kampfzonen durften. Außerdem mussten sich die Reporter und deren Arbeitgeber verpflichten einem speziellen Regelkatalog, den sogenannten Ground Rules, die genaue Auflagen enthielten, zuzustimmen.
Das englische Wikipedia ist noch etwas deutlicher:
When asked why the military decided to embed journalists with the troops, Lt. Col. Rick Long of the U.S. Marine Corps replied, „Frankly, our job is to win the war. Part of that is information warfare. So we are going to attempt to dominate the information environment.“
Wer zu welchem Zweck das Bloggen kontrolliert, wurde mir nicht ganz klar. Die Todesrate der embedded journalists war höher als die der Kriegsteilnehmer. Zumindest das ist bei den embedded bloggers vermutlich anders. Nun denn! – empfehle mich mit den Worten des Dichters Paul Wiens: Glück auf, Glück ab, und – Götz von Berlichingen!
Dieser Text provoziert zunächst durch seine Drastik. Die rohe Benennung des weiblichen Geschlechtsorgans gleich in der ersten Zeile scheint eine pornografische Pointe vorzubereiten. Die Anrufung des Geschlechts wird aber appliziert auf eine Institution des Rechts. Bei dieser kalkulierten Irritation bleibt es nicht. Romantik und Vulgarität, lyrische Feierlichkeit und harte Zote stoßen in der ersten Strophe mehrfach zusammen. Auf die paradox erscheinende Kombination der „Fotze“ mit dem „Landgericht“ folgt zunächst ein fast begütigend-melancholischer Vers, in dem sich das Ich wie in den Gedichten Else Lasker-Schülers oder Emmy Ball-Hennings als „ein blasser Traum“ imaginiert. Darauf lässt Ann Cotten aber sofort wieder eine kämpferische und radikal exhibitionistische Zeile folgen, die einen unorthodoxen Feminismus lanciert: „Frau ist alles, was ich kotze.“ / Michael Braun, Poetenladen, über das Gedicht „Rosa Meinung“ von Ann Cotten
Daß ich die Anerkennung meiner Zeitgenossen nicht fand und mich statt dessen mit Zukunftsträumen tröstete, daß vom geschäftlichen Standpunkt betrachtet die „Grashalme“ schlimmer als ein Fehlschlag waren, daß die öffentliche Kritik noch immer mehr Ärger und Verachtung als sonst etwas zeigt („wohin ich komme, eine geschlossene feindliche Linie gegen Sie“, so schreibt mir ein Freund 1884), ja, daß infolge der Herausgabe mir etliche sehr bedenkliche offizielle Püffe ausgeteilt wurden** — das alles war ja am Ende nicht mehr als ich erwarten durfte. Von Anfang an hatte ich die Wahl, und habe weder um sanftes Lob noch Einnahmen gebuhlt, noch um die Genehmigung festeingebürgerter Schulen oder althergebrachter Regeln.
Walt Whitman, Ein Rückblick auf betretene Wege*, aus: Grashalme. In Auswahl übertragen und mit einer Einleitung von Wilhelm Schölermann. Leipzig: E. Diederichs, 1904, S. 168.
*) Aus dem Nachwort und Selbstbekenntnis, das Whitman im Jahre 1889 seiner autographierten Ausgabe der „Grashalme“ beigab, ursprünglich in dem Abschnitt „November Boughs“ (1888) enthalten. Anmkg. d. Übers.
**) Whitman verlor infolge der Veröffentlichung des Buches seine Anstellung bei der Regierung in Washington, und sein Verleger geriet in Schwierigkeiten mit der amerikanischen Staatsanwaltschaft. Anmkg. d. Übers.
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