Dann Haben Beide Auf Die Kakke Gehaun
…Das Hat Wohl Weit Gespritzt Aber
……Es Ist Nichts Dabei Herausgekommen
Aus: Nachricht 19hundert Unferbindlich, in: Bert Papenfuß-Gorek: dreizehntAnz. Berlin und Weimar: Aufbau Verlag 1988, S. 68.
20 Jahre „Das Gedicht“
Internationales Gipfeltreffen der Poesie
1993 gründete Anton G. Leitner die Zeitschrift „Das Gedicht“ – Seitdem hat sich seine Jahresschrift aus Weßling, dem „Hauptdorf der deutschen Poesie“, zu einem zentralen Forum für zeitgenössische Poesie im deutschen Sprachraum entwickelt. Im Oktober 2012 feierte „Das Gedicht“ im Literaturhaus München den 20. Geburtstag. Beim „Internationalen Gipfeltreffen der Poesie“ ließen 60 Dichter aus vier Nationen zwei Lyrikjahrzehnte Revue passieren, darunter namhafte Schriftsteller wie Friedrich Ani, Ulrike Draesner, Helmut Krausser, Franz Xaver Kroetz, Paul Maar, Matthias Politycki, Said, Robert Schindel und viele andere*
*) nicht so namhafte
Mit Anne-Marie Kenessey (Autorin, Zürich), Dagmara Kraus (Autorin, Beaumont-les-Autels), Hans Unstern (Musiker und Autor, Berlin), Levin Westermann (Autor, Biel)
Kurator und Moderator: Christian Metz (Kritiker und Literautrwissenschaftler, Frankfurt/ Main)
Vier der Autoren und Autorinnen, die im letzten Jahr erstmals mit einem eigenen Lyrik-Band an die Öffentlichkeit traten, werden von Christian Metz an diesem Abend vorgestellt. Es sind die wichtigsten Lyrikdebüts des Jahres 2012. Die Dichter sprechen über ihre Arbeit und lesen aus ihren Texten.
Anne-Marie Kenesseys (*1973 Zürich) Debüt »Im Fossil versteckt sich das Seepferd vor dir« erschien in der Edition Klaus Isele. Die NZZ sprach von »virtuosem Wortgestöber« und staunte über die »ungewöhnliche Vielfalt, über den Formwillen« und die »spielerische Attitüde« dieser Gedichte.
»kummerang«, der Erstling von Dagmara Kraus (*1981 Breslau, Polen), 2012 bei kookbooks erschienen, ist »sommerlich heiter und klangsatt« (poetenladen.de). Die Gedichte zeichnen sich aus durch »eine geradezu lexikalische Lust an Sprache« (fixpoetry.com).
Der Musiker und Dichter Hans Unstern (Berlin) debütierte im Merve Verlag mit dem Band »Hanky Panky Know How«. Das Buch enthält, neben den Gedichten, Liedtexte der CD »Kratz Dich Raus«. Der Tagesspiegel spricht im Zusammenhang mit Unstern von der »besseren Lady Gaga«, und Die Zeit nennt ihn den »wohl talentiertesten Skeptiker im deutschen Songwriterpop«.
Levin Westermanns (*1980 Meerbusch) erstes Buch »unbekannt verzogen« erschien bei luxbooks. »Er schreibt Gedichte, in denen sich ein Ich auf sein Verschwinden vorzubereiten scheint.« (Michael Braun); es handle sich um »Protokolle eines imaginären Gangs in die Abgeschiedenheit«. Westermann gewann 2010 den Lyrikpreis des open mike.
Die Auswahl der Autoren für diesen Abend übernahm der Literaturwissenschaftler und Kritiker Christian Metz.
Im Anschluss an die Veranstaltung wird es einen kurzen musikalischen Soloauftritt von Hans Unstern geben.
Mit freundlicher Unterstützung durch Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung.
28.02.2013 20:00 Uhr – Literaturwerkstatt Berlin
Das Reimschema spielt keine Rolle, es muss sich auch gar nicht reimen – Gedicht ist, was gefällt. Punkt.
Lyrik-Wettbewerb „Hautnah“
Das Online-Voting
Wir haben Lyrikerinnen und Lyriker eingeladen, uns ihre Gedichte samt Präsentation auf DVD oder CD vorzustellen. Gesucht war eine Kombinationsleistung aus Text und Darstellung.
Jetzt sind SIE am Wort
Gedichte von Hermann Niklas, Martin Klaus M. Menzinger, Petra Ganglbauer, Valerie Fritsch, Christoph Szalay, Gudrun Egger, Ludwig Reiter, Julia Trompeter, Xaver Römer, Markus Köhle, Carolina Schutti, Thomas Havlik, Fritz Triendl, Robert Streibel, Heidi Prüger, Angela Flam, Jörg Zemmler, Johann Reißer, Martina Sens u.a.
/ ORF
Gedicht zum Gedicht
Mehr als ein Gedicht
ist beispielsweise: Kein Gedicht,
denn das Nichtgedicht lebt
als sanfte Lauheit der Inspiration:
Umweltgefühl
des Tropfens im Wasser.
Der Leib fühlt sich geborgen.
Das Herz fühlt nichts.
Die Waage ist ausgeglichen.
Das Lot hängt still.
Gedicht ist Zustand,
den das Gedicht zerstört,
indem es
aus sich selber hervortritt.
Günter Kunert: Offener Ausgang. Gedichte. Berlin und Weimar: Aufbau Verlag, 1972 (Edition Neue Texte), S. 76.
Seit 22 Jahren schon stellt Tina Stroheker mit muttersprachlichen Partnern in der Stadtbücherei internationale zeitgenössische Lyrik in Original und Übersetzung vor. Das Gemeinschaftsprojekt von Volkshochschule und Stadtbücherei ist zu einer festen Größe im literarischen Leben Eislingens geworden. Dieses Jahr wird es Dichtung aus Indien sein. Hindi? Bengali? Urdu? Tamil? Lyrik aus Indien „redet in vielen Zungen“. In den indischen Literaturen des gegenwärtigen nachkolonialen Zeitalters – die Akademie der Literatur (Sahitya Akademi) nennt 22 Literatursprachen – wird die Identitätsfrage neu gestellt. (…)
Die zweisprachige Lesung findet am Dienstag, 15. Januar, in der Stadtbücherei im Schloss statt und beginnt um 20 Uhr. / Südwestpresse
„Stadt Land Fluss: Geschichten von der Gegenwart“ heißt das Motto des nächsten forum:autoren, das vom 6. bis 15. November 2013 im Rahmen des Literaturfests München stattfinden wird. Im Zentrum wird die literarische Auseinandersetzung mit Lebenswirklichkeiten stehen: „Wie erfahren wir die Gegenwart? Die Literatur ist eine besondere Auskunftei, sie bietet echte Begegnungen mit Gesellschaften und Landschaften anderer. In den durch sie eröffneten Räumen sind wir nicht als Touristen unterwegs, sondern als Entdecker“, so Dagmar Leupold über ihr Konzept. „Kreuzungspunkte zwischen Zeit und Ort(en) zu erkunden ist die Spielregel des nächsten forum:autoren, dessen Suchbewegungen in alle Himmelsrichtungen führen sollen, in Metropolen, Dörfer und Vorstädte, befriedete und unfriedliche Landstriche, die trotz vieler Ähnlichkeiten in einer globalisierten Welt ganz unterschiedliche Geschichten erzählen. Zum forum:autoren 2013 werden sich Erzähler und Dichter begegnen, die in ihren Büchern Aufschluss geben über ihre Lebensräume, ob in Istanbul oder im Allgäu, in Bogotá oder Galizien. Erweitert werden ihre erzählerischen Bestandsaufnahmen u.a. durch Kulturwissenschaftler, Architekten und Stadtplaner, die über die ‚Einrichtung‘ unserer privaten und öffentlichen Lebensräume nachdenken.“
11-01-2013 (20:30) „Buchhändlerkeller“
Carmerstr.1, 10623 Berlin-Charlottenburg
Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin und des Letterenfonds Amsterdam.
Jaap Blonk (* 1953 in Woerden, Holland) ist Komponist, Dichter, Klangpoet und Performer. Er studierte zunächst Physik, Mathematik und Musikwissenschaft, brach diese Ausbildung später jedoch ab. In den späten 70er Jahren begann er, Saxophon zu spielen und zu komponieren. Wenige Jahre später entdeckte er sein stimmliches Potential, zunächst beim Rezitieren von Gedichten, dann beim Improvisieren und bei der Aufführung eigener Vokalkompositionen. Fast zwanzig Jahre blieb die Stimme sein Hauptmittel beim Entdecken und Erforschen neuer Klänge. Um das Jahr 2000 begann Blonk auch Elektronik in seine Arbeit mit einzubeziehen. Neben Samples seiner Stimme verwendete er zunehmend dabei auch synthetisch erzeugte Klänge. 2006 zog er sich ein Jahr von der Bühne zurück, in dieser Zeit widmete er sich seinem Interesse für die Mathematik, er begann mit der Erforschung der Möglichkeiten algorithmischer Kompositionen für die Schöpfung von Musik, visueller Animation und Poesie.
Auftritte führten und führen Jaap Blonk durch Europa, die USA, Kanada, Indonesien, Japan, Südafrika und Lateinamerika.
Hartmut Andryczuk (* 1957 in Barsinghausen/Deister) ist Künstler, Autor und Verleger.
1993 gründete er den Hybriden Verlag, der sich zu einem internationalen Forum für zeitgenössische Künstlerbücher entwickelt.
Goethes „Werther“? „Hätte sich dieser Lappen nur gleich erschossen, als er angefangen hat, rumzuheulen, wäre mir einiges erspart geblieben. Hemingway hätte den gesamten Inhalt auf einer Seite besser rüberbringen können.“ Oder: „Dieses Buch ist selbst unter dem niedrigen Niveau Goethes. Außerdem besitzt Werther keinerlei Tiefgang, und somit fehlt dem Leser jegliche Identifikationsmöglichkeit, außer er besitzt einen ähnlich miserablen Charakter.“
Kurz fällt das Urteil eines anderen Lesers über Goethe aus: „Er labert.“ Natürlich wird auch jeder Bibelkäufer von Amazon dazu eingeladen, eine Rezension zu schreiben. „Mrs Betty Bowers“ erklärt sich enttäuscht: „Ich weigere mich, die kostbaren Seelen meiner christlichen Kinder mit lasziven Geschichten von Töchtern zu vergiften, die ihren Vater betrunken machen und dann Sex mit ihm haben (Genesis 19:30–38) – oder von Huren, die nach eselsgroßen Penissen gieren (Ezechiel 23:20).“ / Kostproben aus Amazons Leserkritiken in: Die Presse
Weitere Pröbchen:
„Faust I“
„Ich bin kein Goethe-Fan und lese sonst auch eher Krimis, aber der Tragödie erster Teil kann man sich durchaus mal gönnen.“
„Der Plot ist aus heutiger Sicht mittelmäßig; Fausts Midlife-Crisis könnte aus jeder drittklassigen Soap-Opera stammen. Die Mär vom Teufel und der Seele ist für Leser, die weder an das eine noch an das andere glauben, im besten Fall ermüdend. Die textliche Umsetzung des Werkes ist mehr als bescheiden.“
„Romeo und Julia“
„Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich dachte, es wäre normal zum Lesen, doch es ist ein Theaterstück und auch so gegliedert.“
„Hamlet“
„Natürlich wird Willy als der beste Schreiber aller Zeiten bejubelt, aber das kommt nur daher, dass britische Medien den Mann hypen, nach 400 Jahren.“
Caroline Manring aus Skaneateles, N.Y., gewann den National Poetry Review Book Prize 2012 fürihren ersten Band “Manual for Extinction.” Sie unterrichtet „environmental literature, creative writing and birding“ in Geneva, N.Y. Die Zeitung The Post-Standard fragte sie nach dem Geheimnis beim Gedichteschreiben: „Das Geheimnis? Nun, ich glaube das ist kein Geheimnis. Ich spreche lieber von ‚Funken‘, es ist die Musik der Worte. Das hat mit Zuhören zu tun – etwas, worin nicht viele Menschen gut sind. Ich sage nicht daß ich es bin, aber ich versuchs. Man muß auf Silben hinhören, die es in Gang setzen können… der Klang eines Wortes, eine Klanggeste, ein physisch fühlbarer Klang. Das genügt.“
Leiden Sie manchmal an Selbstzweifel, Angst, daß das nie jemand lesen wird?
Natürlich.
Wie gehen Sie damit um?
Nun, ich lese es ja. Und mir machts Spaß. Das ist schon mal da.
Und wenn Leute Sie nach ihrem Beruf fragen, sagen Sie „Ich bin Dichterin“?
Normalerweise sage ich, ich unterrichte. Vom Schreiben spreche ich erst, wenn sie mindestens dreimal fragen. Denn die meisten interessiert es sowieso nicht. Bei Cocktailparties genügt es zu sagen, daß ich lehre.
Im Dezember 2012, kurz vor ihrem Tod, veröffentlichte sie noch einmal ein Debüt. „Da me je strah?“ – „Ob ich mich fürchte?“ – ist der erste Roman von Marusa Krese. Bei der Lesung in Ljubljana war sie noch als Gast dabei. Am Montag ist sie im Alter von 65 Jahren gestorben, wie der Drava-Verlag mitteilte. Bekannt wurde Marusa Krese als Dichterin und Publizistin. Geboren in Ljubljana, hatte sie Schwierigkeiten, sich eine Slowenin zu nennen. Denn das Land ihrer Kindheit hieß Jugoslawien. / Berliner Zeitung
I have had to handle quite a few crises during my 25 or so years at the helm of Poems on the Underground. Censorship raised its head when we featured a medieval carol, I Have a Gentil Cock, alongside its 15th-century manuscript. A tube manager queried this ancient double entendre, but dropped his objection when a newspaper decided to run it full-page, double entendre and all. / Judith Chernaik, The Guardian 9.1.
Alle Antworten finden sich hier. Wie viele
Knochen im menschlichen Körper? Genug
einen Archäologen glücklich zu machen.
Sandra Trojan: Ohne Titel. In: S.T.: Um uns arm zu machen. Gedichte. Leipzig: Poetenladen 2009, S. 18.
Ich lese gern alte Texte aus den Frühzeiten der Völker. Man findet da mehr Authentizität als in den tausendsten Aufgüssen. Was nicht heißt, daß ich neue Gedichte generell für Aufgüsse halte. Der Spätere hat es schwerer, zugleich authentisch und originell zu sein, weil soviel schon da war. Aber immer wieder versuchen es manche!.
Vorliegendes Buch heißt Middle English Lyrics. A Norton Critical Edition (zuerst 1974). Das Wort Lyrics muß erklärt werden. Sein Gebrauch für diese Texte, sagt das Vorwort, ist unhistorisch. Die früheste vom OED dokumentierte Verwendung dieses Wortes stammt von Philip Sidney (1554-1586) und stammt aus dem Jahr 1581.
Die Gedichte sind in thematischen Gruppen zusammengefaßt. Gruppe V beginnt mit Merkversen über verschiedene Gegenstände: Welcher Monat hat wieviel Tage? Wie unterscheiden sich die vier Charaktertypen? Ich bleibe hängen an diesem, um das Jahr 1470 offenbar für Medizinstudenten geschrieben:
xxxii teeth that bethe full kene,
cc bones and nintene,
ccc vaines sixty and five,
Every man hathe that is alive.
Zwei Wörter werden erläutert: bethe = are, kene = sharp.
Man kann also übersetzen:
xxxii Zähne die voll scharf sind,
cc Knochen und neunzehn,
ccc Venen [und] fünfundsechzig
Hat jeder lebende Mensch.
Die Fragen scheinen beantwortet: 32 Zähne, 219 Knochen, 365 Venen. Aber stimmt das? Bei den Zähnen ja. Aber dann wird es immer schwieriger. Der erwachsene Körper hat 206 Knochen, lese ich in den meisten Quellen, gelegentlich ist von 206-208 Knochen die Rede. Wie kommen die auf 219?
Vom erwachsenen Körper ist die Rede. Kinder haben um 300 Knochen, heißt es. Die wachsen erst später zusammen, so daß sich die Zahl reduziert. 219 ist also schon ziemlich nah an der Zahl beim Erwachsenen.
Wenn man sich vergegenwärtigt, daß Papst Sixtus IV. 1481 in sein Amt kam und während seiner Amtszeit in einem Erlaß erlaubte, die Leichen von hingerichteten Kriminellen und unidentifizierte Leichen zur medizinischen Forschung oder zu anatomischen Studien für Künstler freizugeben, stellt das Gedicht ein Dokument aus der unmittelbaren Frühzeit der Leichensektion dar bzw. knapp davor. Bis dahin konnte man nur Totgeburten sezieren. Die Zahl 219 dokumentiert eine schon ziemlich genaue Annäherung, die gültigen Ergebnisse der medizinischen Forschung.* Damit bekommt das Gedicht den von Brecht eingeforderten Status eines Dokuments. Reallyrik im wahrsten Sinne des Wortes! (Die Zahl der Adern ist auch heute schwerer zu bestimmen, die Zahlen schwanken beträchtlich).
Ob es sich dabei um Lyrik handelt? Gehören lyrics, Songtexte, zur Lyrik? Manche Puristen lehnen das ab, aber who cares? Oskar Pastior, in seinen Frankfurter Vorlesungen, sprach den Satz „Ich weiß nicht was Lyrik ist“ und unmittelbar darauf ein Gedicht, das man für zu seinem „Krimgotischen Fächer“ gehörig halten mag, wenn er es nicht anschließend erläuterte:
Ich weiß nicht was Lyrik ist.
… Beli Boku
Stisa Flune
Namagalsi Phoschwehklar
Kakazkati – Wackermann: Feconi!
Cuzygalgen! Assel! Brotcryp! …
Es handelt sich um „die formelhafte Schlüsselstelle – oder Eselsbrücke – aus einem ganz frühen Gedicht (April 1955) mit dem Titel „Das periodische System“, der Elemente natürlich. Das mir – private Weltbeschwörung, durch die Fugen eben einer Eselsbrücke – den Absprung von der Hermannstädter Baufirma ins Bukarester Universitätsgedümpel plausibel machen wie erscheinen lassen sollte.“
Oskar Pastior: Das Unding an sich. Frankfurter Vorlesungen. Suhrkamp 1994, S. 14f.
Das Gedicht mit Nutzwert („Poesie als Sachbuch“, schreibt Pastior), die Reihenfolge der Elemente – Beryllium, Lithium, Bor, Kupfer, Beli Boku, Stickstoff, Sauerstoff, Stisa und so weiter – und zugleich private Weltbeschwörung. Oskar Pastior schrieb und publizierte damals auch ganz andere Gedichte: „Als der neue Hochofen fertig war, wurde er angeblasen, und nun liefert er / Roheisen, Charge um Charge. / Nichts ist verwunderlich dran, aber alles ist / wunderbar, denn seit jenem, unserem glühenden August / vollziehen die Menschen in unserem Land / selber die Wunder der Ordnung (…)“. (In: „… sage, du habest es rauschen gehört“. Werkausgabe Bd. 1. München Wien: Hanser 2006, S. 39). Aber in dem privaten Memoriervers – so etwas in Rumänien zu veröffentlichen wäre völlig unmöglich gewesen – erfand er sich als der Dichter, der er wurde. Die Frage, ob das Lyrik ist, ist irrelevant und in die Irre führend. Vielleicht war es in den Frühzeiten des 15. Jahrhunderts anders, und man mußte nur aufschreiben und es war immer gleich Poesie. (Ovids Liebeskunst war ja auch ein Sachbuch!). Jetzt, Schiller hat es beschrieben, kann man sich nur aus der Distanz definieren – oder sich neu erfinden. Die soz-realistischen Gedichte waren bloße Reproduktion erwünschter Weltmodelle, im Spiel des Memorierverses ersteht Poesie. Und für mich kobolzen die Verbindungen, wenn ich den namenlosen alten Engländer lese und grad bei Sandra Trojan Spuren aus einem Buch von Bertram Reinecke aufsuchte (sein Gedicht, von dem ich mich auf die Spur setzen ließ, heißt „Für Archäologen“). Lyrik, das ist, wenn Verbindungen hergestellt werden.
Für Leute, die glauben, in einer wissenschaftlichen, kritischen Textausgabe bekämen sie zu lesen, was der Dichter wirklich aufgeschrieben hat, setze ich unter den Strich den Text und die Beschreibung aus DIMEV, dem Digital Index of Medieval Verse, zur Verdeutlichung noch einmal den edierten Text dazu.
Jan Egge Sedelies ist Organisator des hannoverschen Poetry Slams. Sein Gedichtband „Niemals so ganz“ wurde in den Medien hoch gelobt. Costa Carlos Alexander ist DJ und Produzent von elektronischer Musik. (…) Gemeinsam sind sie die „Beatpoeten“ und Sonnabend, 12. Januar, ab 21 Uhr in der „Lauschbar“ zu Gast.
Sie kombinieren Dichtung und Techno, um deutsche Lyrik weiterzuentwickeln, ihr eine moderne Form zu geben, sie tanzbar zu machen. Dabei sehen sie sich in der Tradition der amerikanischen Beatpoeten der fünfziger Jahre, die ihre Gedichte und Kurzgeschichten mit zeitgenössischem Jazz und Bebop vermischten, genauso wie die ersten Rapper, die in den Siebzigern Spoken-Word-Lyrik zu Funk und Soul brachten. / shz.de
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