Der in mehreren Kategorien (Fiktion, Sachbuch, Autobiographie, Kritik, Lyrik) vergebene National Book Critics Circle Award geht in der Kategorie Lyrik an D.A. Powell für den Band “Useless Landscape, or A Guide for Boys“.
Finalisten in der Kategorie Lyrik waren außerdem:
Über den Sieger in der Kategorie Roman, Ben Fountain, schrieb die Los Angeles Times: “Fountain’s novel is not a work of realism; it’s an über-story, defined by irony and metaphor.”
Marianne Boruch erhält den mit $100,000 dotierten Kingsley Tufts Poetry Award für zeitgenössische Lyriker für ihren siebten Gedichtband „The Book of Hours„. Der Preis zeichnet Dichter in der Mitte ihrer Karriere aus.
Den mit $10,000 dotierte Kate Tufts Discovery Award für einen Debütband erhält Heidy Steidlmayer für „Fowling Piece“ (TriQuarterly).
Auf der Shortlist für den Kingslex Tufts Award standen neben Boruch: Edward Haworth Hoeppner, „Blood Prism“ (Ohio State University Press) und Paisley Rekdal, „Animal Eye“ (University of Pittsburgh Press). Für den Debütpreis waren weiter gelistet: Rebecca Morgan Frank, „Little Murders Everywhere“ (Salmon Poetry) und Francine J. Harris, „Allegiance“ (Wayne State University Press).
Für deutsche Leser mag auch interessant sein, daß alle drei Dichter der Shortlist für den Mid-career-Preis an einer amerikanischen Universität lehren.
Die Preise werden am 18.4. in Claremont übergeben.
hat die Bamberger Onlinezeitung auch sonst zu bieten, zB Vítĕzslav Nezval, Gerhard Falkner, Hans-Ulrich Treichel, Sarah Kirsch, William Carlos Williams (mit einer Erinnerung an den Freiburger Übersetzer, Lyriker und Verleger Rainer Maria Gerhardt) und viel mehr.
Bilderreich orakelt Oskar Ansull:
Wer der vor 99 Jahren geborene Autor Arno Schmidt [1914-1979] war, muss gegenwärtig noch nicht in Erinnerung gerufen werden, obwohl ich mir da nicht ganz so sicher bin. Aber, ich gehe mal naiv munter davon aus, dass die Nennung des Namens Arno Schmidt bei durchschnittlichen Hardcorelesern – zumindest ab 50 Lebensjahren – keine größere Irritation auslösen wird. Hingegen dürfte der Name Theodor Däubler [1876-1934] schon ein sichtbares Großfragezeichen in die Luft malen, das sich noch vergrößert, wird nach der Präsenz seines Epos’ „Das Nordlicht“ [1910 und 1921/22 und 2004, kritische Ausgabe] im Werk Arno Schmidts gefragt. Das ist schon sehr abseitig. Verschwindend wenige sind es, die hier durchblicken lassen können, dass diese Frage sie schon immer interessiert habe und sich damit leicht als Zugehörige einer unter Kulturschutz stehenden Spezies outen, die nicht gleich an rot-weiße Leuchttürme denkt oder an TV-Ratespiele, wo Leuchten des deutschen Nordens gekürt werden. Wer aber die merkwürdigen Lichterscheinungen am Nordpol auf der Platte hat und sich unscharf an Arno Schmidt Lektüren erinnern kann, ist schon fast als erleuchtet anzusehen. Kurz: Ulrich Klappsteins Sichtung, dessen Umschlag eine sagenhafte Nordlichtgötterdämmerung Stefan Forsters (Will, Schweiz) ziert, ist die literaturwissenschaftliche Spezialausleuchtung eines bisher noch relativ im Dunkel liegenden Großgebietes der Herz- und Hirnkammer Arno Schmidts. / literaturkritik.de
Ausgabe von 1921 als pdf
Gertrud Kolmar gehört neben Else Lasker-Schüler und Nelly Sachs zu den herausragenden deutsch-jüdischen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. In der Berliner Februaraktion 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert und ermordet. Bis zuletzt hat sie in der Nacht an ihren Dichtungen gearbeitet – Kreativität gegen den Tod.
Nun endlich gerät Kolmars Werk intensiv in den Blick internationaler Forschung und wird seinem außerordentlichen künstlerischen Rang angemessen erschlossen und gewürdigt. Es entsteht die Gesamtausgabe des in der NS-Zeit bald verbotenen und allein im Jüdischen Kulturbund noch rezipierten Werkes, das nach Kriegsende nur bruchstückhaft und zum Teil nicht textgerecht publiziert worden war. (…)
Gertrud Kolmar wurde 1894 in eine assimilierte Familie des liberalen Berliner Judentums der wilhelminischen Ära hineingeboren und war sich früh ihrer doppelten kulturellen Verwurzelung in der westeuropäischen und hebräischen Kultur bewusst. Dabei unterlag auch ihr jüdisches Selbstbild tiefgreifenden Wandlungen. Sie löste sich schreibend aus dem eurozentrischen Denken. Außerordentlich sprachbegabt und schon früh polyglott, lernte Kolmar vornehmlich im Selbststudium Hebräisch und beginnt nach 1937 in dieser Sprache zu dichten. Nichts davon ist auf uns gekommen. / Karin Lorenz-Lindemann, literaturkritik.de
Es ist der mittlerweile neunte Lyrikband des Autors und, das wird man sagen dürfen, sein dichtester und schönster, nicht nur der Linolschnitte des Rotterdamer Künstlers Hans Wap wegen, die zusammen mit einer musikalischen Gedichtkomposition zu einem Gedicht Speiers („otter creek“) von Wolfgang Seierl dem vom Aphaia Verlag herausgebrachten – und kundig eingeleiteten – Band ein sehr gediegenes Ansehen verleihen. / Michael Braun, literaturkritik.de
Anmerkung der Redaktion: Der Verfasser des Vorworts, der Heidelberger Literaturkritiker Michael Braun, ist nicht identisch mit dem Autor dieser Rezension.
Michael Speier: Haupt – Stadt – Studio.
Mit einem Vorwort von Michael Braun. Illustriert von Hans Wap. Komponiert von Wolfgang Seierl.
Aphaia-Verlag, Berlin 2012.
82 Seiten, 15,00 EUR.
ISBN-13: 9783926677846
Die anlässlich des 100. Geburtstages 2011 erschienene Edition sämtlicher Gedichte sowie die umfassend informierende, bebilderte Lebenschronik gehen ebenso wie der zwei Jahre vorher erschienene Materialienband aus der von Stephanie Jordans geleiteten Ernst-Meister-Arbeitsstelle an der RWTH Aachen hervor, die der vor allem als Celan-Herausgeber bekannte Axel Gellhaus im Jahr 2000 ins Leben gerufen hatte. Ein großartiges Projekt hat nun vor allem in Gestalt der in jeder Hinsicht überzeugenden textkritischen und reich kommentierten Ausgabe der Gedichte seinen Abschluss gefunden.
Die fünfbändige gedruckte Ausgabe mit den weit über 1.000 Seiten der drei Textbände und den zusammen nochmals über 1.000 Seiten umfassenden ergänzenden Bänden mit editorischem Apparat und ausführlichem Kommentar wird durch die online zugängliche Edition aller hand- und maschinenschriftlichen Textzeugen in Gestalt von Image-Digitalisaten ergänzt. Unter http://ema.germlit.rwth-aachen.de findet der interessierte Leser nicht nur Informationen über das Ernst-Meister-Archiv und das nun abgeschlossene Editionsprojekt, sondern er kann sich zu jedem einzelnen Gedicht einen Einblick in die mitunter langwierige und komplex anmutende Textgenese verschaffen. Die Leser von Meisters Handschrift sind jedenfalls nicht zu beneiden. Am besten benutzt man die Digitalisate zusammen mit dem Apparatband. Vorsorglich sei erwähnt: Zugänglich sind die (passwortgeschützten!) digitalen Materialien nur für diejenigen Interessenten, die die gedruckte Edition zur Hand haben.
Gewiss: der Leser der chronologisch letzten maschinenschriftlichen Textzeugen, mutmaßlich also der Druckvorlagen der Gedichte, bekäme bei open access einen mehr als flüchtigen Eindruck von Meisters Texten – Buchverkäufe wären dennoch kaum gefährdet, da nur spezialisierte wissenschaftliche Nutzer überhaupt auf die Idee kommen dürften, die Digitalisate zu konsultieren. Kurz: die Freischaltung der Materialien für die Öffentlichkeit wäre wünschenswert. Sie ersetzen weder die angesichts ihres Umfangs und ihrer Vorzüge durchaus preiswerte fünfbändige Ausgabe des Wallstein Verlags noch die übrigen derzeit lieferbaren Bände Meisters, die, von einem Suhrkamp-Bändchen abgesehen, nun im Rimbaud Verlag erscheinen. / Jochen Strobel, literaturkritik.de
Karin Herrmann / Stephanie Jordans (Hg.): Ernst Meister – Perspektiven auf Werk, Nachlaß und Textgenese. Ein Materialienbuch.
Wallstein Verlag, Göttingen 2009.
237 Seiten, 29,90 EUR.
ISBN-13: 9783835305670
Axel Gellhaus / Stephanie Jordans / Andreas Lohr (Hg.): Ernst Meister. Gedichte. Textkritische und kommentierte Ausgabe.
Wallstein Verlag, Göttingen 2011.
2436 Seiten, 198,00 EUR.
ISBN-13: 9783835307926
Karin Herrmann / Stephanie Jordans: Ernst Meister. Eine Chronik.
Wallstein Verlag, Göttingen 2011.
182 Seiten, 19,90 EUR.
ISBN-13: 9783835307872
Mangold fotografiert Essenz: Herta Müller, kurz nach ihrer Übersiedlung aus Rumänien in den 1980er Jahren, hatte kurz geschnittene, hell gefärbte Haare und trug eine nicht unbedingt als elegant zu bezeichnende Garderobe. Doch der innere Ausdruck – eine wägende, beobachtende Verschlossenheit – ist geblieben und findet sich auch in Mangoldts Porträt aus dem Jahr 2000 wieder.
Viele Autoren hat Mangoldt immer wieder getroffen. Auch das sieht man den Fotos an: wie sich Persönlichkeiten entwickeln, wie einer anfängt, was Alter und Erfolg mit ihm machen und was dabei auf der Strecke bleibt.
(…) Ein Zwang zum Marketing und zur Pose, wie er heute in der Autorenfotografie vorherrscht, ist in Mangoldts Aufnahmen beglückenderweise nicht zu spüren.
/ Carsten Hueck, DLR
Renate von Mangoldt: Autoren. Fotografien 1963 – 2012
Steidl Verlag, Göttingen 2013, 544 Seiten, 38,00 Euro
StAnza 2013 will take place from: 6 – 10 March, 2013
Location: St Andrews, Fife, Scotland, UK
Hub Venue: The Byre Theatre
Other venues: The Undercroft, Parliament Hall, St Mary’s Hall, The Town Hall – Supper Room & Council Chamber, The Public Library, The Preservation Trust Museum, The Albany Hotel, The Fairmont, The Green Room, Zest, Balmungo House & Fraser East
Themes: Designs on Poetry; Legacy & Place
Online brochure for StAnza 2013 available here
Each festival focuses on two themes which weave around each other to give every StAnza its own unique flavour.
Our themes for StAnza 2013 will be Designs on Poetry; Legacy & Place.
In the first we’ll consider how poems are formed, and also relationships between other aspects of design and poetry.
Our second theme, during the 600th anniversary celebrations at the University of St Andrews and in the year of Natural Scotland, will look both at the impact on poetry of great past writers, men and women of the arts and sciences; and also how poetry addresses a sense of place and the importance of natural and built environment.
Headline Poets include:
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Wir verstehen uns als Kollektiv junger Lyriker_innen aus Berlin. Den Ortsteilpatriotismus, der gelegentliche gefährliche Spannungen erzeugt, überwinden wir durch die Sozialisationsinstanz Fassbrause. Friedrichshain, Neukölln, Schöneberg und Reinickendorf aber auch der Rest des Berliner Umlands ist in unserer Mitgliederstruktur präsent (z.B. Köln, Zürich, Kiel). Wir haben Außenposten in Oldenburg, München und London, die wir über den Blog mit frischen Gedichten versorgen.
Mauersegler verbringen den größten Teil des Lebens in der Luft (hat man je von einem gehört, der nicht schwindelfrei war?). Diesen Himmel, dieses Zeltdach, „ihre Arena“ erobern sie sich hierzulande Anfang Mai. Sielaff, der bereits auf ihre Rückkehr wartet, teilte Chrysostomos e-postalisch mit: „Meistens sind sie pünktlich zum ersten Mai am Himmel zu sehen, frühesten am letzten oder vorletzten Apriltag.“ Himmelschreiend verkünden die Mauerseglerkamikazen, „wenn kreischende Trupps in wilder Jagd um Hausgiebel rasen“ (Peterson / Mountfort / Hollom, Die Vögel Europas, zehnte Auflage, 1973: 199), den Abend, „wenn Fiepen / Einzelner in Gekreisch der Vielen übergeht“ (Sielaff, Selbstporträt, 2012: 89). Zur Brutzeit, heißt es bei Peterson et al., seien sie „sehr laut“, diese Kamikazenmauersegler. Denn da schickten sie, so etwa im dreifachen Forte, ihr schrilles, langgezogenes, durchdringendes „srih“ in den Himmel. In Mauerspalten nisten sie, in Mauerfalten sterben sie (bei Sielaff). (…)
Diese Welt, diese von Volker Sielaff so poetisch wie meisterhaft wie meisterhaft ornithologisch (hierzu auch: „Kranich“, unmittelbar vor den Sichelmondschwingenkamikazennichtschwalbenmauerseglern zu lesen) sie hat, ganz ohne Zweifel, Gewicht.
NB: Nun ist es ja zu der im Titel angekündigten Lobrede, auf Ashbery übersetzt bei Hanser und, soeben, bei Luxbooks, gar nicht gekommen. Das holen wir nach! Wo wird denn sonst gute Lyrik publiziert. / Chrysostomos, Bamberger Onlinezeitung
Die beiden Poeten aus Aachen und Vaals sind im vergangenen Jahr mit bedeutenden Lyrikpreisen ausgezeichnet worden.
Mittwochabend ab 20 Uhr lesen sie im Couven-Museum, Hühnermarkt 17, aus ihren aktuellen Gedichtbänden. Es werden Texte aus Wenzels „weg vom fenster“ sowie aus Mauritz‘ „rumor der frösche auf den dünnen flächen der physik“ präsentiert. Wenzel erhielt 2012 den GWK-Literaturpreis, die Jury bezeichnete ihn als „einen poetischen Archäologen der westfälischen Landschaft“. Wenzel wuchs im Ruhrgebiet auf. Für seinen Zyklus „das schwarzbuch die farbfotos“ wurde Wenzel beim Lyrikpreis Meran prämiert. Er bekam dafür den Alfred-Gruber-Preis.
Hartwig Mauritz setzt sich in neuen Gedichten mit Naturwissenschaftlern und Erfindern auseinander, deren seltsame Gewohnheiten und wunderliche Neigungen er in seinen Texten thematisiert. Auch er war 2012 zum Finale des Lyrikpreises Meran eingeladen – das zweite Mal seit 2006. Im November 2012 nahm Mauritz zudem am Finale um den wichtigen Dresdner Lyrikpreis teil.
Christoph Wenzel und Hartwig Mauriz sind nur zwei Poeten aus dem Aachener Raum, die sich in den vergangenen Jahren einen Namen machten. Spätestens als der inzwischen vielfach übersetzte und ausgezeichnete Lyriker Jürgen Nendza 1998 den renommierten Lyrikpreis Meran erhielt, wurde der Literaturbetrieb auf die hiesigen Autoren aufmerksam. Inzwischen gibt es – unter anderem mit Reinhard Kiefer, Klára Hurková, Julia Weiteder-Varga, Heike Smets und Suleman Taufiq – eine ganze Reihe erfolgreicher Dichter unterschiedlichster Provenienzen und Stilformen.
2012 dürfte aber das bislang erfolgreichste Lyrikjahr in der Region gewesen sein. / Aachener Nacrichten
„Wenn der Leser nicht zaubern kann…“ –
Magus-Preisfrage 2013 ausgeschrieben
2013 schreibt die GWK-Gesellschaft für Westfälische Kulturarbeit im Kontext der Magus Tage Münster einen literarisch-akademischen Wettbewerb aus. Die Preisfrage lautet:
„Wenn der Leser nicht zaubern kann… Worin besteht der Reiz und worin liegt der Sinn, schwierige literarische Texte verstehen zu wollen?“
„Der Buchstabe mag immerhin gedruckt sein, der Verstand und Sinn lässt sich nicht drucken“, hat Johann Georg Hamann (1730 Königsberg – 1788 Münster) einmal angemerkt und damit das Verstehen eines Textes als grundsätzlich problematisch erkannt. Zudem beklagt der „Magus in Norden“, dessen Texte lange als dunkel und unverständlich galten, die mangelnde Bereitschaft seiner Zeitgenossen, sich auf einen schwierigen Text einzulassen: „Blindheit und Trägheit des Herzens ist die Seuche, an welcher die meisten Leser schmachten.“
Bis zum 12. Juli 2013 werden literarische oder wissenschaftliche Texte von maximal 30.000 Zeichen gesucht, die auf Deutsch geschrieben und noch nicht publiziert sind. Am Wettbewerb teilnehmen können SchriftstellerInnen, WissenschaftlerInnen, PublizistInnen oder Studierende, die schon veröffentlicht haben. Eine Fachjury wählt die beste Antwort auf die Magus-Preisfrage aus. Der Preis ist mit 4.000 Euro dotiert und wird bei den Magus Tagen Münster 2013 (18.-20.10.2013) überreicht.
Ausführliche Informationen zur Preisfrage, den Bewerbungsmodalitäten und zu den Magus Tagen 2013 finden Sie unter www.magus-tage.de

zu Streifzügen durch die zeitgenössische Poesie. In der zweiten Ausgabe von Lyrik³ geben wir Einblicke in die US-amerikanische Lyrikszene und stellen drei sehr unterschiedliche amerikanische Autoren vor: einen unverzichtbaren modernen Klassiker, einen der erstaunlichsten Debütanten und die verdiente Pulitzerpreisträgerin von 2012. Außerdem sprechen wir über George Oppens und Jeffrey Yangs lyrischen Objektivismus, folgen Tracy K. Smith und David Bowie ins Weltall und fragen uns, was Kosmonauten und Seepferdchen in Sachen Lyrik gemeinsam haben.
12. 3. 2013 / 20 Uhr
„Befleckt von Schwerkraft“
Amerikanisches Terzett. Mit neuen Übersetzungen von George Oppen („Die Rohstoffe“, luxbooks), Tracy K. Smith („Leben auf dem Mars“, Pulitzerpreis 2012, Wunderhorn) und Jeffrey Yang („Ein Aquarium“, Berenberg). Mit den Übersetzern Beatrice Faßbender, Astrid Kaminski und Norbert Lange.
→ Eintritt: 4 €,
Moderation: Shane Anderson
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Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr, Samstag von 10.00 Uhr bis 14.00 Uhr
Sollte es wirklich, wie Enzensberger suggeriert, am Ende mehr Verfasser als Leser von Gedichten geben? Allerdings fallen einem schon Lyrikbände ein, die sich auf Anhieb und nicht erst im Lauf eines Jahrhunderts sehr viel besser verkauften als 1.354 Mal. Wolf Wondratscheks im Selbstverlag erschienene Gedichtsammlung „Chuck’s Zimmer“ von 1974 soll binnen kurzem eine sechsstellige Auflagenhöhe erreicht haben. Lawrence Ferlinghettis „A Coney island of the mind“ ist angeblich in einem Jahr eine Million Mal verkauft worden. Aber das sind natürlich Ausnahmen. Gerade die Klassiker der Moderne erreichten nur ein viel kleineres Publikum. Selbst Charles Baudelaires „Fleurs du mal“, ein Paradebeispiel für großen, aber späten Erfolg, erschien in einer ersten Auflage von gerade 1.100 Exemplaren. Die zweite, vier Jahre später, betrug immerhin schon 1500. Stephane Mallarmés „L’apres-midi d’un faune“ kam zuerst in einer Auflage von 195 Exemplaren auf den Markt – wenn man da von einem Markt reden kann. Rimbauds „Une saison en enfer“ wurde 500 Mal gedruckt und war nach 40 Jahren noch nicht vergriffen. (…)
Sobald man das Radio einschaltet, hört man dagegen unentwegt, unterbrochen nur von Verkehrsmeldungen oder Nachrichten und kurzen, durchaus überflüssigen Überleitungen: Lyrik. Sie heißt allerdings anders: nämlich Schlager, Song, Chanson, auch Lied. Kurt Tucholsky hat sie, nicht ganz freundlich, „Lyrik der Antennen“ genannt. Möglicherweise ist diese Art von Gedichten gleichfalls ein Anachronismus, aber das hat noch keiner gemerkt. Man verlangt nach ihr, und nicht nur in dieser Hinsicht ist sie auf der Höhe der Zeit. Gar nicht so selten ist sie auch auf der Höhe des Geschmacks. Längst haben sich Chansonniers, Songwriters und Liedermacher einen Ruf als Dichter verdient. Und zwar zu Recht. Die Namen kennt jeder.
Die erste Verbindung, die das Gedicht einging, war die mit der Musik. Es ist bis heute ihre erfolgreichste. Wieviele auch immer solchen Lyrikdarbietungen im Fernsehen oder im Radio zuhören mögen: Es sind durchweg weit mehr als 1354. Das ist allenfalls die Verkaufszahl sehr erfolgloser Alben, die aber auch nicht im Radio gespielt werden. Ansonsten muss man ständig mit einem Vielfachen von 1354 rechnen, das allerdings nicht genau zu ermitteln ist. Insofern ist der Schluss erlaubt, dass die Zahl der Lyrikleser und -hörer sehr veränderlich ist, wechselnd von Medium zu Medium, vielleicht sogar von Autor zu Autor – eben eine Variable. Und jetzt hat sie auch einen Namen.
/ Dieter Lamping, literaturkritik.de
Lampings Literaturhinweise
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