8. Mario Wirz

Bekannt wurde Mario Wirz durch sein Anfang der 1990er Jahre veröffentlichtes Prosa-Debüt „Es ist spät, ich kann nicht atmen“. In diesem „nächtlichen Bericht“ schrieb er schonungslos offen gegen seine Ohnmacht nach dem positiven Testergebnis an und schuf damit eines der wichtigsten literarischen Werke zum Thema Aids im deutschsprachigen Raum.

Lebensfreude und Tod sind überhaupt die beiden roten Fäden seines Œuvres. Erst vor wenigen Wochen erschien sein Buch „Unwiderruflich glücklich“, in dem er zusammen mit Christoph Klimke „40 heitere Texte über das Glück und den Tod“ veröffentlichte (queer.de berichtete).

In jüngster Zeit schrieb Wirz vornehmlich Gedichte. Sein letzter Lyrikband „Jetzt ist ein ganzes Leben“ wird nun am 17. Juni posthum erscheinen. / queer.de

7. Poetopie

nachts Fenster auf Kipp, Nasenflügel geweitet – im Schlaf atmet die Welt durch deinen Leib ein und aus, aus und ein

Hansjürgen Bulkowski

6. Weißensee 2

Freunde der Kultur!

Vom 7. bis 16. Juni 2013 findet das erste Literaturfestival in Berlin Prenzlauer Berg unter dem Namen WEISSENSEE 2 statt. An vier Orten werden ca. 30 Veranstaltungen von kompetenten, kompromißlosen Kulturschaffenden präsentiert, die größtenteils in Prenzlauer Berg, Pankow und Weißensee zu Hause sind. Mehr als 60 Künstlerinnen und Literaten stellen sich der »freiwilligen Aufgabe«: sie bieten der Gemeinde den Gegenwert für die Aufmerksamkeit, die gegenwärtig in Pankow für 4 Euronen pro Kopf und Jahr zu haben ist. Ihre Spontaneität ist ihre wirksamste Kraft, die Muskulatur einer utopischen Kultur, die bereits heute auf bargeldlosem Zahlungsverkehr beruht:

auf Poesie.

Aus dem Programm:

Freitag, 7. Juni

21 Uhr, Rumbalotte
Elke Erb
Das Hündle kam weiter auf drein
Lesung

Sonntag, 9. Juni
18 Uhr, staatsgalerie
Depesche auf Rädern.
Dichtungen des tschechischen Poetismus 1923–1939.
Eine Vorstellung von Peter Ludewig mit einem poetistischen Spezialgast.

20 Uhr, Rumbalotte
Kohle auf Papier
Ilia Kitup stellt seinen Propeller Verlag vor.

Montag, 10. Juni
19 Uhr, BAIZ
Über die Klebrigkeit von Sprengstoff
Andreas Paul und Denis Faneitis proben den Aufstand mit Gedichten & Slam
Poetry.

19 Uhr, Rumbalotte
Women are hungry
Henryk Gericke, Cornelia Jentzsch, Sarah Marrs, Robert Mießner, Bert Papenfuß
Rückblickende Buchvorstellung von Slam! Poetry (Druckhaus Galrev, 1993)
Illustrationen: Sarah Marrs

21 Uhr, Rumbalotte
Batterie Bolu
Deutsch-serbische Texte von Silke Galla und Zoran Naric plus vaterlandslose
Geräuschmusik von Helko Reschitzki

Dienstag, 11. Juni
19 Uhr, Rumbalotte
Rothahndruck präs.:
Engel- und Türklopfer
Alexander Krohn und Kai Pohl lesen aus dem Siebdruck.
www.distillerypress.de
www.pappelschnee.de

Mittwoch , 12. JUNI

19 Uhr, Rumbalotte
Tone Avenstroup
ineinandersetzung
Lesung, Hintergrundmusik von Krohn/Kenner/Gabriel

WEISSENSEE 2

5. Moon and The Pleiades

Moon and The Pleiades go down.
Midnight and the tryst pass by,
I, though, lie
Alone.

(Aaron Poochigian)

Moon has set
and Pleiades: middle
night, the hour goes by,
alone I lie.

(Anne Carson: If not, Winter. Fragments of Sappho. New York: Vintage Books, 2003, S. 343)

Thomas Kling

sapphozuschreibun‘. nachtvorgang

……………. ab-
gesackt, hinab, ist schon der mond
und di pleiaden. mitte schon, nacht-
rinne stunde. als eine: muß ich schlafn

(für Ute Langanky)

(morsch, S. 67)

Δέδυκε μὲν ἀ σελάννα
καὶ Πληίαδες· μέσαι δὲ
νύκτες, παρὰ δ᾽ ἔρχετ᾽ ὤρα·
ἔγω δὲ μόνα κατεύδω.

Diehl 94 / Voigt 168b / Cox 48

Siehe auch hier und hier

4. Sommerlied

zum Junianfang, im Gedenken an Johannes, Inge, Uwe, Georg, Wolfgang, Thomas, Michael, Ernst, Sarah und all die anderen

sommerlied

wir sind die menschen auf den wiesen
bald sind wir menschen unter den wiesen
und werden wiesen, und werden wald
das wird ein heiterer landaufenthalt

– Ernst Jandl, dingfest

aus: E. J.: Poetische Werke in 10 Bänden. Hrsg. von Klaus Siblewski. Bd. 5: dingfest & verstreute gedichte 4. Luchterhand Literaturverlag, München 1997

3. Blauwärts

Das Wort «blauwärts» ist ein Neologismus von Hans Magnus Enzensberger; früher sagte man «himmelan». So schwingt sich der Titel des neuen Gedichtbands auf ins Offene einer religiösen Sphäre, die, leichter als Luft, aber sauerstoffsicher, nicht nur das Spätwerk des Lyrikers durchzieht. Wer den gläubigen Enzensberger, den katholischen Agnostiker, sucht, wird ihn bereits in seiner frühen Lyrik finden.

«Blauwärts» ist aber nicht nur ein Gedichtband; das Buch versteht sich als «Ausflug zu dritt». Der Maler Jan Peter Tripp und die Buchgestalterin und Werbegrafikerin Justine Landat begleiten den Lyriker bei seinem Weg zu einem Wohin, das in Novalis‘ blauem Sinn immer ein Weg nach Hause ist. Zurück also in die (Allgäuer) Kindheit, zu den ewigen Rätseln von Alltag und Algebra, zur reizenden Nichtigkeit des Ich. Heim auch zu den Toten, ist doch die christliche Bewegung hin zum Firmament immer verbunden mit Andenken und Besinnung auf die eigene seltsame Endlichkeit. (…)

Ein wenig erinnert diese Inszenierung an Regietheater. Oder an die Parole moderner Zeitungsredaktionen: Layout geht vor Text! «Blauwärts» ist ein bunter, interessanter, handwerklich sehr schön gemachter Katalog zum Anschauen. Zur Versenkung in Verse taugt er nicht. Mit ein wenig Wehmut könnte einem Eichendorffs «waldwärts Hörnerklang» einfallen, ein anderer Aufbruch ins Blau, bei dem das Ich ruft: «Und ich mag mich nicht bewahren!» Dürfen wir uns ein wenig mehr von diesem Glutkern der Kunst wünschen? / Angelika Overath, NZZ 1.6.

Hans Magnus Enzensberger (Gedichte), Jan Peter Tripp (Bilder), Justine Landat (Inszenierung): Blauwärts. Ein Ausflug zu dritt. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2013. 134 S., Fr. 47.90.

2. Mario Wirz ist tot

Eigentlich erzählte er von sich: Aids, die Therapie und die Folgeerkrankungen wurden sein literarischer Antrieb, Hintergrund auch für die Erzählungen „Umarmungen am Ende der Nacht“ und für mehrere Lyrikbände wie „Sturm vor der Stille“ und „Vorübergehend unsterblich“.

Die Literatur war ihm Heilmittel und Droge zugleich, heißt es im Nachruf des Berliner Aufbau-Verlags, der sein Werk seit 1992 betreute, Mario Wirz zitierend: „Solange ich schreiben kann, hat der Tod keine Macht über mich.“ Seine neuesten Gedichte unter dem Titel „Jetzt ist ein ganzes Leben“ kann der Verlag am 17. Juni nur noch posthum veröffentlichen. Am Donnerstag ist Mario Wirz in Berlin im Alter von 56 Jahren gestorben. / FR

Mario Wirz bei Aufbau

1. Mit dem Tode bedroht

Der Verlag Bruno Doucey informiert über mehrere Angriffe auf seinen Autor, den tunesischen Dichter Moncef Ouhaibi. Er ruft zur Unterstützung einer „großen progressiven Stimme Tunesiens“ auf, die von Fundamentalisten bedroht wird.

Und dies in dem Maße, das seine körperliche Unversehrtheit gefährdet.

Der Dichter wurde 1942 bei Kairouan geboren. Er schuf Dokumentarfilme und veröffentlichte Erzähl- und Gedichtbände und ist auch Professor für arabische Sprache und Literatur an einer Universität.

Zu seinen Büchern gehört „Vor den Toren von Kairouan, oder Länder wie ich“, eine Geschichte, die von den Tunesienreisen Paul Klees im Jahr 1914 handelt. Außerdem die Gedichtsammlungen: „Table“ (Tisch/ Tafel), „Manuskript von Timbuktu“ und „Die Affairen der Frau, die zu wachsen vergaß“.

Der Verlag erklärt seine bedingungslose Unterstützung für Moncef Ouhaibi und fordert die tunesischen Behörden auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Schriftsteller zu schützen. / actua litté

115. außer.dem liest & läßt lesen

>> LESUNG BEIM SÄCHSISCHEN  LITERATURFRÜHLING >>

Diversanten in flagranti  

Die Autoren der Münchner Literaturzeitschrift außer.dem schmieden mit
dem Leipziger Dichter und Verleger Bertram Reinecke ein literarisches
Komplott. Die deutsche Einheit – gefordert bereits 1953 – ermöglicht
wilde Dissonanzen. Mit Desirée Leiprecht, Bertram Reinecke, Armin und
Christel Steigenberger.

Am Donnerstag, 6. Juni 2013, 19 Uhr

Stadtbibliothek Leipzig, Wilhelm-Leuschner-Platz 10, 04107 Leipzig

 

Literaturzeitschrift außer.dem präsentiert 4x Poesie

Mit den Autoren Dominik Dombrowski (Bonn), Tristan Marquardt
(München), Bertram Reinecke (Leipzig) und Tobias Roth (Berlin).
Moderation: Christel Steigenberger. 4 ganz unterschiedliche Autoren –
4 ganz unterschiedliche Bücher: Dominik Dombrowski hat seine Wurzeln
bei der amerikanischen Beat Poetry und präsentiert dunkle, urbane
Gedichte aus seinem Debüt „finissage“ (parasitenpresse). G13-Autor
Tristan Marquardt stellt junge Lyrik aus „das amortisiert sich nicht“
(Kookbooks) vor. Der Truderinger Tobias Roth, der in Berlin wohnt,
steht in seinen Gedichten „Aus Waben“ (Johannes Frank Verlag) ganz
(post)modern der italienischen Renaissance nahe. Bertram Reinecke
schreibt sich mit Centos u.a. in die Traditionen des Barock ein und
trägt aus seinem „Sleutel voor de hoogduitsche Spraakkunst“
(roughbooks) zeitgenössische Gedichte vor. Gefördert vom Kulturreferat
der Landeshauptstadt München.

Am Freitag, 28. Juni 2013, 20 Uhr

Lesecafé im Kunst- und Textwerk, Ligsalzstr. 13, 80339 München

 

>> AUßER.DEM 19 >>

114. Poesiefestival Berlin

Veranstaltungsübersicht

Mo 10.06.2013

Di 11.06.2013

Mi 12.06.2013

Do 13.06.2013

Fr 14.06.2013

Sa 15.06.2013

Mehr

113. Tibor Szemzö Tractatus

Thementag Ungarn
Tibor Szemzö Tractatus – Multimedia-Performance

So 09.06.2013 – 22:00 Uhr

»Bildmagier und Klangstürmer« nannte die FAZ den ungarischen Medienkünstler Tibor Szemző. Inspiriert von Ludwig Wittgensteins »Tractatus logico-philosophicus« lässt er seine klangvolle Sprechstimme, verschiedenen Sprachmelodien, Musik und poetische Super-8-Filmaufnahmen von Péter Forgács zu einem einfühlsamen und lebendigen Gesamtkunstwerk werden.

Mit freundlicher Unterstützung durch: Auswärtiges Amt, Collegium Hungaricum Berlin, Robert Bosch Stiftung, Hannelore und Helmut Greve-Stiftung für Kultur und Wissenschaften Hamburg

Ort: Akademie der Künste
Kleines Parkett
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin

Eintritt: 6/4 EUR

112. Last Call

Matthias Kehles Lyrik-Blog geht am 5. Juni vom Netz.

Danach wird keiner der Beiträge mehr öffentlich zugänglich sein. Also klicken!

Matthias Kehles Lyrikblog

So sieht die Tag-Cloud aus:

Axel Kutsch (23) Baden-Württemberg (5) Bergsteigen (4)Claudia Gabler (26) Der große Conrady (14) Drahtamseln (6) Erotische Gedichte (4) fixpoetry (30)Frühlingsgedicht (8) Fußball (8)Gedicht des Tages (135)Harald Hurst (13) Hellmuth Opitz(15) Herbstgedichte (4) Impressum (1)Jahrbuch der Lyrik (12) José F. A. Oliver (18) Jürgen Nendza (5) Jürgen Peter Stössel (7) Karlsruhe (69)Klöpfer und Meyer (46)Kuriosa (22) Liebesgedichte (2)Literaturtage (35) Literaturtage Nordschwarzwald (8) Lyrikzeitung(24) Nico Bleutge (12) Peter Ettl (14)Poetenladen (29) Poetologisches(17) Rolf Hermann (9) Ron Winkler(16) Scherbenballett (17)Schreibprozess (7) Sex (3) Silke Scheuermann (9) Stan Lafleur(33) Swantje Lichtenstein (16) Tina Stroheker (8) Ulrich Koch (10)Verband deutscher Schriftsteller (29) Vergessene Dichter (7) Volker Demuth (14) VS(28) Walle Sayer (48) Walter Helmut Fritz (29) Werner Dürrson (8) Werner Lutz (5)

111. Der Sprache wegen

Das Leben sei nicht interessant genug, liess er verlauten, um ihm das Vergnügen am Schreiben zu nehmen. «Le Monde» wartete anlässlich der Publikation der Gedichte mit einem Porträt des Schriftstellers auf und stellte die Frage, ob dessen Name zum Adjektiv tauge und «houellebecquianisch» in naher Zukunft zum Synonym von «trivial gegenwärtig» und «ausweglos» zu werden drohe. Vom Rezensenten wurde der Poesieband als eine Summe von «Wortfetzen», als Sammlung bruchstückartiger Bekenntnisfragmente bezeichnet, die zu einer «intellektuellen und geistigen Nähe» mit dem Dichter einlade.

Das mediale Interesse, das das Erscheinen des schmalen Buches ausgelöst hat, zeugt in erster Linie vom öffentlichen Status, den der Autor in Frankreich geniesst. «Configuration du dernier rivage» ist Houellebecqs erste Veröffentlichung, seit sein jüngster Roman, «Karte und Gebiet», vor drei Jahren mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde. Im letzten Dezember, zehn Jahre nach seinem Auszug ins selbstgewählte Exil (und zeitgleich mit Depardieus Steuerflucht), kündigte er zudem die Rückkehr ins Heimatland an; nicht aus politischen Gründen, wie er sich zu erklären beeilte, sondern allein «der Sprache wegen». (…)

Der Lyrikband, in fünf Teile gegliedert, variiert sowohl in der Form als auch im Tonfall. Viele Gedichte bestehen aus klassischen Alexandrinern, einige kippen ins Prosaische, die verstockte Klage – «Ich fürchte mich vor den Anderen. Man liebt mich nicht» – alterniert mit humoristischen Momenten: «Ein Alligator hat irgendwo in Florida drei australische Touristinnen verzehrt» liest man im Eingangsgedicht des letzten, «Plateau» betitelten Zyklus. Manche Verszeilen, etwa im Gedicht «Isolement», sind von bemerkenswerter Einfachheit; deren Beschaffenheit hatte Houellebecq wiederum sehr nüchtern auf seine Atemlosigkeit zurückgeführt, eine Folge seines Kettenrauchens, wie er anlässlich eines «Exklusivinterviews» mit dem Staatssender France Culture kundtat.

Bei genauerem Hinsehen öffnet sich der Band jedoch auch einem Bezugssystem, in dem vor allem die französische Lyrik des 19. Jahrhunderts prominent vertreten ist. Mallarmés «Coup de dés» wird gleich mehrmals evoziert, auch eine Anspielung auf Baudelaires «Poison» (wenig glamourös, in der Reimfolge «Tequila Sunrise» und «moonlight paradise») und eine Variation von Rimbauds berühmter Verszeile über die «bittere Schönheit» sind auszumachen. / Patrick Straumann, NZZ 29.5.

Michel Houellebecq: Configuration du dernier rivage. Flammarion, Paris 2013. 96 S., € 15.-. (eBook-Preis: 11,99 €)

2 Strophen aus dem Gedicht „Isolement“ im Original und zwei englischen Nachdichtungen (mehr hier)

Michel Houellebecq

ISOLEMENT

Oų est-ce que je suis ?
Qui ętes-vous ?
Qu’est-ce que je fais ici ?
Emmenez-moi partout,

Partout mais pas ici,
Faites-moi oublier
Tout ce que j’ai été
Inventez mon passé,
Donnez sens ā la nuit.

Englisch von Clint Margrave:

Isolation

Where am I?
Who are you?
What am I doing here?
Take me anywhere,

Anywhere but here,
Make me forget
All that I was
Invent my past,
Give sense to the night

und von Michael Zeleny:

Isolation

Where is it that I am?
Who is it that you are?
What am I doing here?
Convey me everywhere,

To every place but here,
And cause me to forget
Each thing I’ve ever been
And improvise my past,
Give meaning to the night,

110. American Life in Poetry: Column 422

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

I love writing poems about the most ordinary of things, and was envious, indeed, when I found this one by Michael McFee, who lives in North Carolina. How I wish I’d written it.

Saltine

How well its square
fit my palm, my mouth,
a toasty wafer slipped
onto the sick tongue
or into chicken soup,

each crisp saltine a tile
pierced with 13 holes
in rows of 3 and 2,
its edges perforated
like a postage stamp,

one of a shifting stack
sealed in wax paper
whose noisy opening
always signaled snack,
peanut butter or cheese

thick inside Premiums,
the closest we ever got
to serving hors d’oeuvres:
the redneck’s hardtack,
the cracker’s cracker.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Michael McFee from his most recent book of poems That Was Oasis, Carnegie Mellon Univ. Press, 2012. First printed in Threepenny Review #107, Vol. 27, no. 3, (Fall 2006). Poem reprinted by permission of Michael McFee and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

109. Resumé

Resumé

Bis heute kein einziger Seepapagei in meinen vielen Gedichten
(Stattdessen schon wieder’n Dutzend Fadennudeln im Bart);
Auch dem Sabberlatz nicht das ärmste Denkmal gesetzt in Vers oder Prosa,
So wenig wie der Elbe-Schiffahrt oder der Karpfenernte bei Peitz.

Geschiebemergel dagegen ja!, fast zu häufig die Rede von diesem
(Und meistens mit Fadennudeln im verwahrlosten Bart)!
Nicht vergessen die Gelbhalsmaus, nicht fehlt die sogenannte Naschmarktfassade!
Selbst Sägeblätter, selbst Kühlhaus-Eier weiß ich irgendwo untergebracht.

Indessen nicht der kleinste Seepapagei in meinem Scheiße-Gesamtwerk!
Um ehrlich zu sein: Das Gleiche gilt für den Hüfthalter oder den Kronenverschluß.
Und wie konnte ich fünfzig Jahre lang das Wörtchen „Wadenwickel“ verfehlen?
Es gibt keine ausreichend lichte Erklärung für das und für dies und für das.

„Darf ich dir die Fadennudeln aus dem Bart nehmen?“
(Sagt Georg Maurer.)

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1999

entstanden: 1997

Aus: Der Pudding der Apokalypse. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1999