53. Ohne Betriebskeule

Aus einem Gespräch der Tageszeitung junge Welt:

Was wären denn Ihre persönlichen Maßstäbe für gelungene Lyrik?

Tristan Marquardt: Ich mag komplizierte und verspielte Gedichte, die mich auf eine lustvolle Weise überfordern. Nicht, weil ich anspruchsvolle und abgefahrene Dinge an sich für etwas besonders Erstrebenswertes halte, sondern weil ich glaube, daß wir permanent mit Erfahrungen konfrontiert sind, die sich mit den bereitgehaltenen Kategorien nicht fassen lassen. Wenn es so etwas wie Verstehen gibt, dann nur innerhalb von vorgeschriebenen Strukturen. Da kann man sich einfügen oder nicht. Der politische Impetus wäre also, das Vorgegebene im Gedicht auf eine neue, andere Weise zu verdichten, die etwas in einem anspricht, ohne daß man das immer schon verstehen muß oder kann.

Wie hat sich Ihr eigenes Schreiben durch die Gruppe verändert?

Ilja Winther: Niemand kam als gemachter Autor zu G13, wir haben uns seitdem alle individuell stark entwickelt. Ich bin durch G13 ernsthaft zur Lyrik gekommen, habe vorher mehr Prosa geschrieben. Die Gruppe hat mir Mut gemacht, andere Dinge auszuprobieren. Sie ist ein Schutzraum, in dem man experimentieren kann, ohne gleich die Betriebskeule auf den Kopf zu bekommen.

52. Alltagslyrik

Wer sich für real existierende Lyrik von Politikern und anderen Laien interessiert, wird hier (Albverein), hier (Kirchgemeinde), hier (Hochwasser) und hier (Baumwunder) fündig.

51. Gestorben

Der tschechische Lyriker, Essayist und Literaturhistoriker Zdenek Rotrekl, den das kommunistische Regime von 1948 – 1989 zum Schweigen verdammte, starb am Sonntag im Alter von 92 Jahren. Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 wurde er in einem manipulierten Prozeß zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde später in lebenslange Haft verwandelt, 13 Jahre verbrachte er im Gefängnis und im Uranbergbau. In den 70er und 80er Jahren engagierte der mit Publikationsverbot belegte Dichter im Widerstand. 1995 wurde er von Václav Havel mit dem Tomas-Masaryk-Orden geehrt. / tv5.org

50. Preis für Klaus Reichert

Der Anglist Klaus Reichert erhält den Wilhelm-Merton-Preis für europäische Übersetzungen. Der langjährige Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, 75 Jahre alt, bekommt die mit 25000 Euro dotierte Auszeichnung am 30.November überreicht, teilte die Stadt Frankfurt am Main mit. Reichert hat unter anderem die deutschen Werkausgaben von James Joyce und Virginia Woolf betreut und Shakespeares Sonette in Prosa übersetzt. Die Gontard & MetallBank Stiftung, die den Preis alle drei Jahre vergibt, würdigte Reichert als ‚universal gebildeten Intellektuellen, dessen Sprachreichtum eine ungemein differenzierte und sensible Auseinandersetzung mit den von ihm übersetzten Texten ermöglicht‘. / Süddeutsche Zeitung 5.6.

49. Gedrosselt

Verlage drosseln Taschenbuch-Produktion radikal

Ein Drittel weniger Neuerscheinungen

Die bereits im bisherigen Jahresverlauf im buchreport-Taschenbuch-Barometer beobachtete Tendenz zur Programm-Verschlankung verfestigt sich. Ein so niedriger Novitätenpegel wie in diesem Juni wurde jedenfalls in den vergangenen 20 Jahren nicht gemessen.

(…)

Wie scharf in jüngster Zeit selektiert wird, zeigt sich besonders in der ansonsten stabilen Gruppe der großen Taschenbuch-Programme aus den Konzernen Random House, Holtzbrinck und Bonnier sowie der „unabhängigen“ Verlage Bastei Lübbe, dtv und Suhrkamp/Insel: Mit der aktuellen Auslieferung haben diese großen Verlage 23% weniger Neuerscheinungen auf den Weg gebracht als im Juni 2012.

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48. Einmalig

Das Konzept, Lyrik mit den Eindrücken der Umgebung, der untergehenden Sonne und dem aufziehenden Sternenhimmel zu vermengen, ist laut Veranstalter deutschlandweit einmalig. Auf dem Programm stehen Werke von Friedrich von Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse, Joseph von Eichendorff und Ludwig Fulda. Die Veranstaltungen richteten sich an Jugendliche, Erwachsene und Familien und enden am 18. August.

(…) Herget will bei jeder Wetterlage rezitieren. Der Eintritt ist frei. Bestuhlung und Bewirtung gibt es nicht, die Literatur-Freunde müssen sich selbst versorgen. (dpa/lhe) / FR

47. Preis für Kathrin Schmidt

Die in Berlin lebende Lyrikerin und Prosa-Autorin Kathrin Schmidt wird mit dem Thüringer Literaturpreis 2013 ausgezeichnet.

Sie erhalte die Ehrung für ihr mehr als 30-jähriges literarisches Schaffen, teilte das Thüringer Kulturministerium in Erfurt mit. Schmidt sei eine der wichtigsten und originellsten literarischen Stimmen ihrer Generation, erklärte Kulturminister Christoph Matschie (SPD).

„Mit ihrer Fantasie, ihrer Freude an Wortspielen und einer kraftvollen sinnlichen Sprache hat sie ihrer Literatur einen hohen künstlerischen Wert verliehen.“ Der mit 12.000 Euro dotierte Thüringer Literaturpreis wird alle zwei Jahre vergeben. / RBB

Kathrin Schmidt. Blinde Bienen heißt der Band von 2010. Ich würde niemals behaupten zu verstehen, was Kathrin Schmidt schreibt, aber ich liebe es. Bei diesen Gedichten setzt das Verstehensbedürfnis auch aus bei mir. Es ist fast so, als wenn es bei der Lektüre viel mehr auf mich und meine Gedanken dazu ankäme, als auf das, was da steht; DAS aber kann nicht unwichtig sein, denn es setzt das Ganze erst in Gang. / Martin Piekar, schmerzwach

46. Alle Dichter

Man kann nicht behaupten, dass die Autorin, die seit 1991 in Deutschland lebt, ihre Zuhörer und Leser nicht vorgewarnt hätte. Sie zitierte gleich zu Beginn das Motto ihres Buch: „Sie haben wahrscheinlich bemerkt, dass alle Dichter etwas seltsam sind, sie sind ein bisschen wie nicht ganz bei Sinnen, sogar die schlechten Dichter.“ / Sabine Scheltwort, Rhein-Neckar-Zeitung

Olga Martynova: „Mörikes Schlüsselbein“. Roman
Droschl Verlag, Graz/Wien 2013
ISBN 9783854208419
Gebunden, 320 Seiten, 22,00 EUR

45. Open Mike

Am 10. Juli 2013 ist Einsendeschluss für den 21. open mike – Internationaler Wettbewerb junger deutschsprachiger Prosa und Lyrik. Der open mike wird ausgeschrieben von der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation und mit insgesamt 7.500 EUR dotiert.

Teilnehmen können deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht älter als 35 Jahre sind und noch keine eigene Buchpublikation vorzuweisen haben. Berücksichtigung finden kurze Prosa, ein in sich geschlossener Auszug aus einem längeren Text ODER Lyrik.
Lektoren aus renommierten Verlagen wählen die Teilnehmer aus, die am 9. und 10. November 2013 zum öffentlichen Finale nach Berlin eingeladen werden. Die Autoren-Jury vergibt einen Preis für Lyrik und zwei Preise für Prosa.

Kurzbeschreibung der Teilnahmebedingungen:
Der Umfang der eingereichten Texte muss in etwa einer 15-minütigen Lesezeit entsprechen. Formatvorgabe: A 4-Format, einseitig bedruckt, Schriftgröße 12, Zeilenabstand 1,5. Die Manuskripte müssen in zweifacher Ausfertigung als lose Blätter (ohne Heftung) eingesandt werden. Auf den Manuskriptseiten darf weder der Name des Absenders noch ein Zahlencode, Kennwort  o. ä. erscheinen. Eine kurze Biographie mit Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse ist beizulegen. Eine Rücksendung der Manuskripte kann leider nicht erfolgen.

Genaue Teilnahmebedingungen für den 21. open mike im Internet unter www.literaturwerkstatt.org

Einsendeschluss der Texte: 10. Juli 2013 (Datum des Poststempels)

Einsendungen unter dem Kennwort „open mike“ an:
Literaturwerkstatt Berlin
Knaackstraße 97 (Kulturbrauerei)
10435 Berlin

44. Eis in die Hose

Fernsehen und Lyrik passen doch zusammen. Google bringt uns

Eis in die Hose
Derwesten.de
Unheimlich lustig muss das für Gerard Butler gewesen sein, mit Eiswürfeln in der Hose Gedichte zu rezitieren – bei der Mallorca-Ausgabe von „Wetten, dass..?“Foto: dpa. Essen. Vor der Sommerausgabe von „Wetten, dass…?“ regnete es Promi-Absagen für 

43. Celans Kastanie

Hier, an der Hausnummer fünf, hängt die Tafel zu Ehren des Dichters Paul Celan, der am 23. November 1920 in Czernowitz zur Welt kam. Wie es der Irrtum will, hängt die Gedenktafel an der falschen Stelle; über die Gründe indes kann nur spekuliert werden. Linker Hand, in jenem eher maroden Wohnhaus mit der Hausnummer drei, an dessen Aussenwänden der Putz abbröckelt, wuchs er tatsächlich auf. Durch das Gartentor, das an diesem sommerlich warmen Maitag offen steht, gelangt man in den Hof. Im ersten Stock soll er gewohnt haben. Eine Mansarde habe damals noch existiert. Mitten im Hof soll ein Kastanienbaum gestanden haben, der Kastanienbaum Celans, der damals noch Paul Anczel hiess.

Aus einem Text von Tom Schulz, der im Mai und Juni Stipendiat der Residenz Meridian in Czernowitz ist.

/ NZZ 10.6.

42. Gedichtkonferenz

10.6. Montag
19.00
LQ
Alte Schmiede, Wien

GEDICHTKONFERENZ – Poetische Spiele, dichterische Kühnheiten und volksverbundene Archaik

HANS HAID (Ötztal/Tirol) liest aus 74 ÖTZTALER GEDICHTE (Kyrene Verlag, 2012) • REINHOLD AUMAIER (Mühlviertel/Oberösterreich) liest aus GSCHEID SCHTAD. Gedichte in Mühlviertler Mundart (Edition Geschichte der Heimat, 2012) • STEPHAN EIBEL ERZBERG (Steiermark – Wien) liest aus seinem Gedichtband LICHT AUS. Texte und Typografie (Styria Verlag, 2012) • Einleitungen und Moderation:
MICHAEL HAMMERSCHMID und Kurt Neumann

Hans Haid ist einer der Pioniere der neuen österreichischen Dialektdichtung, die nicht nur auf eine Fixierung mündlicher Traditionen bedacht ist, sondern sich den Errungenschaften der literarischen Moderne öffnet. In seinen archaisch klingenden Ötztaler Gedichten scheinen Beschwörung, Anklage, Litanei nicht nur den realen Verhältnissen, sondern auch dem Klang der Sprache verdankt zu sein.

Im Mühlviertler Dialekt sinniert Reinhold Aumaier in seinen Gedichten über das Gute und das Schlechte im Leben, über die Liebe, das Älterwerden und seine Lebenserfahrung. Die kurzen Texte folgen einfachen Reimformen, aus denen sie in der Kombination mit der mundartlichen Ausdrucksweise leichtfüßige Witzigkeit beziehen.

In räsonierendem, umgangssprachlichem Gestus erzählt Stephan Eibel Erzberg in Gedichten und Bonmots heiter aus einer Welt voller Triebe, Absurditäten und Abgründigkeiten, in der jedoch ab und zu ein Funken Schönheit aufblitzt.

Hans Haid, *1938 in Längenfeld im Ötztal, Studium der Volkskunde in Wien. Seit 1967 zahlreiche literarische Veröffentlichungen und Sachbücher über Brauchtum, Dialekt und Kultur im alpinen Raum. Zuletzt: Aufbruch in die Einsamkeit. 5000 Jahre Überleben in den Alpen (1992); Von Schneekanonen & Transitlawinen (1993); Alpenbräuche. Riten und Traditionen in den Alpen (1994); Stadel, Alm & Gaudi. Neue Texte von Hans Haid (1997); Mythos Gletscher in den Alpen (2004); töet vöer dr töet keemen ischt. Gedichte im Ötztaler Dialekt mit schriftsprachlichen Übertragungen (2006).
Reinhold Aumaier, *1953 in Linz, Studium der Germanistik und Musik in Wien. Seit 1976 freischaffend künstlerisch tätig: Lyrik, Prosa, Zeichnung, Kompositionen (für E-Bass und Stimme, Klavier solo), Improvisationen, Ausstellungen. Regelmäßige Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften. Jüngste Einzelpublikationen: Lusthäusl & Lottabäng. gedichta, büdln & a gschicht (2005); wIenGREDIENZIEN (2006); Rutschbonbon. Prosa (2007); hundsdreg & dschogladbabia. weana gmiadboesie (2008); Zwischentraum. Romanfantasie (2009); Beischlafpulver. 99 Sekunden-Romane (2011).
Stephan Eibel Erzberg, *1953 in Eisenerz, Kaufmännische Lehre, Lohnverrechner.
Im zweiten Bildungsweg Studium der Soziologie, Pädagogik und Philosophie. Er schreibt Lyrik, Prosa, Theaterstücke, Hörspiele, Filmdrehbücher. Buchveröffentlichungen zuletzt: Luxusgedichte (1995); Gräber raus aus den Friedhöfen. Briefroman (1996); Tschechow. 77 mal 7 Zeilen plus ein Gedicht (1998); Bei den Fischers. Bei den anderen Fischers (2000); gedichte zum nachbeten (2007); Sofort verhaften! Romanzo anarchico (2008).

41. Benedikt Dyrlich

Seit Jahrzehnten dichtet Benedikt Dyrlich in zwei Sprachen: “Ich versuche, das Gedicht von einem Ufer auf ein anderes herüberzutragen. Die Ufer gleichen sich nicht. Dazwischen liegt ein Strom, der treibt. Man kann nicht übersetzen: einfach mit dem Kahn herüberfahren.”

Wer beide Ufer entdecken will, kann es am Samstag beim Lyrikfest tun. Der Lyriker Dyrlich liest ab 16.45 Uhr aus seinem Buch “Der Tiger im Pyjama / Tiger w nócnej košli”. Virtuos und punktgenau bewegt sich der Poet in zwei Sprachwelten und spielt hintersinnig mit der Vielfalt der Liebe. Unüberhörbar ist der Ruf nach Überschreitung, mal übermütig und lustbetont, dann wieder elegisch und mit einem kräftigen Schuss Ironie. / Wolfgang Wache, Niederlausitz aktuell

40. Fluxus

TAGUNG. Fluxus und/als Literatur. Zum Werk Jürgen Beckers
13. – 16.06.2013

Auf diesem Bild sehen Sie eine Urszene der 1960er Jahre-Literatur: Wolf Vostell, Heinrich Maria Ledig-Rowohlt und Jürgen Becker verkaufen den Fluxus-Band „Happenings“. Das Symposium geht der Frage nach, inwiefern diese Zusammenarbeit zwischen dem Fluxus-Künstler Vostell und dem Schriftsteller Becker grundlegend für die experimentelle Prosa der 1960er Jahre gewesen ist. Sind von Vostell entwickelte Verfahren wie etwa die Dé-Collage, das Environment oder die Verwischung in Beckers einflussreichem Werk zu Literatur geworden? Dies werden wir sowohl im FLUXUS+ Museum in Potsdam als auch an der Freien Universität Berlin gemeinsam mit dem Autor Becker zu klären versuchen.

Quelle

39. Gestorben

Am vergangenen Montag starb starb der französische Lyriker Gaston Puel. In der Jugend war er mit André Breton und René Char befreundet. 1961 gründete er den Verlag La Fenêtre Ardente, in dem zahlreiche Dichter publiziert wurden, darunter Joë Bousquet und René Char, und edierte Künstlerbücher u.a. zu Ernst, Miro, Dubuffet. / L’Indépendant 7.6.