Christian Lehnert: Korinthische Brocken. Ein Essay über Paulus. Suhrkamp, Berlin 2013. 283 S., Fr. 34.90.
Veröffentlicht am 9. Juli 2013 von lyrikzeitung
Wir laden Sie herzlich ein zur Ausstellung und zum Erscheinen der neuen Ausgabe von Prolog – Heft für Zeichnung und Text, Thema: struktur(en).
Prolog Nr. 11 erscheint am 9.7.2013 im Institut für Alles Mögliche, Abteilung für alles Andere, Ackerstraße 18, 10115 Berlin / Mitte.
Dienstag, den 9.7. 17 – 21.30 Uhr Eröffnung der Ausstellung und Präsentation des Heftes und der Zeitschrift allgemein,
ab 19 Uhr Lesungen von und mit: Melanie Katz, Mikael Vogel, Anett Lau, Clemens Schittko, Kai Pohl, Silke Galla u.a
Die Ausstellung ist am 10. und 11.7.2013 von 15-21 Uhr geöffnet.
http://prolog-zeichnung-und-text.de/blog/
Das neue Heft enthält Beiträge von: Albrecht Wild, Alessandro Chiodo, Andreas Koletzki, Anett LAu, Anton Schwarzbach, Bernd Mörsberger, Birgit Graschopf, Caca Savic, Christian Meskó, Christoph Janik, Clemens Schittko, Crauss., Daniel Ludwig, Dorit Trebeljahr, Enrico Weinert, Erwin Schumpeter, Felix Baxmann, Hanna Hennenkemper, HEL Toussaint, Henning Hennenkemper, Henrik Jacob, Jochen Schneider, Johannes Regin, Jojo, Kai Pohl, Katalin Pöge, Katja Sehl, Katrin Heinau, Klaus Erich Dietl, Margarete Lindau, Martin Bartels, Matthias Wegehaupt, Matthias Wohlgenannt, Melanie Katz, Mikael Vogel, Mikhail Lezin, Natascha Naffin, Oskar Manigk, Patrick WEH Weiland, Philipp Hager, Rebecca Blöcher, Saskia Buwert, Selina Schuster, Silke Galla, Stefan Malicky, Stefan Riebel, Su Tiquun, Susanne Eules, Tillmann Lange, Todosch Schlopsnies, Uta Koslik, Werner Kernebeck, Yvonne Andreini
Prolog – Heft für Zeichnung und Text ist eine Künstlerzeitschrift aus Berlin und wird vom Berliner Künstler Anton Schwarzbach herausgegeben. Am Prolog Nr. 11 mitgearbeitet haben die Autorinnen Melanie Katz und Katrin Heinau sowie die Künstlerin Dorit Trebeljahr.
Wir freuen uns, Sie begrüßen zu können.
Das Heft ist ab sofort (vor)bestellbar. Es ist 48 Seiten stark und enthält Beiträge von 53 Künstlern und Autoren. Es kostet im Einzelverkauf 10 Euro. Wer bis 9.7. vorbestellt, bekommt es für 8 Euro inkl. Versand (in D).
Veröffentlicht am 8. Juli 2013 von lyrikzeitung
In London wurden die Shortlists für die Forward-Preise veröffentlicht. Die Vorsitzende der Jury, Jeanette Winterson, sprach von einem „starken Jahr für die Lyrik“. Die weiteren Jurymitglieder waren die Lyriker Paul Farley und Sheenagh Pugh, der Schauspieler Samuel West und der Journalist David Mills. 69 Verlage reichten 162 Bände ein.
Die Verkaufszahlen für Lyrik sind im vergangenen Jahr um 15,9 % zurückgegangen. Der gesamte Lyrikmarkt im Vereinigten Königreich belief sich 2012 auf nur noch £6.7 Millionen.
Die Gewinner werden am 1. Oktober bekanntgegeben.
Für den £10,000 schweren Preis für den besten Lyrikband kandidieren:
FELIX DENNIS PRIZE FOR BEST FIRST COLLECTION (£5,000)
THE FORWARD PRIZE FOR BEST SINGLE POEM (£1,000)
/ Guardian
Veröffentlicht am 8. Juli 2013 von lyrikzeitung
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Laura Dimmit is from Joplin, Missouri, and her family survived the fierce tornado of May, 2011. The entire area was strewn with debris, and here’s a poem about just one little piece that fell from the sky.
School photo, found after the Joplin tornado
“Joey, 4th grade, 1992”
He’s been on the fridge since it happened,
sneaking glances from underneath the cat
magnet at our dinners, coffee habits, arguments.
We posted him on the database of items found,
hoping that someone would recognize his messy
hair, Batman t-shirt, blue eyes, but no one
answered the post or claimed him.
Somewhere a childhood photo album is not
quite complete, or a grandmother’s mantelpiece;
an uncle’s wallet. One afternoon I got restless,
flipped through my old yearbooks, trying to find him,
looking to see how he might have aged: did he lose
the chubby cheeks? dye his hair? how long
did he have to wear braces? But he’s too young
to have passed me in the halls, the picture just
a stranger, a small reminder of the whirling aftermath
when Joplin was clutching at scraps: everything displaced,
even this poor kid who doesn’t even know he’s lost.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Laura Dimmit, and reprinted by permission of the poet. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Veröffentlicht am 7. Juli 2013 von lyrikzeitung
In letzter Zeit wird ein Zitat von Robert Walser wiederholt gegen die „akademische“, die „Germanistenlyrik“ in Stellung gebracht. Die irgendwie als Gegenpart der herz- und blutvollen wahren Lyrik erscheint. Als ob Germanisten keine Herzlyrik schrieben. Als ob Walser ihresgleichen sei. Aber dem ist nicht so. Walser, der sein „Blödsein“ gegen die Feinsinnigkeiten Georges oder Rilkes setzt – in diesem Sinne gewiß Avantgarde. (Das ist doch nichts Statuarisches, wie alle Enzensberger nachplappern).
Hier nur aus „Zeit“-Gründen ein sehr kurzes Gedicht, um 1900 entstanden:
Zeit
Ich liege hier, ich hab ja Zeit,
ich sinne hier, ich hab ja Zeit.
Der Tag ist dunkel, er hat Zeit,
mehr Zeit, als ich mir wünsche, Zeit
hab ich zu messen, lange Zeit.
Das Maß wird größer mit der Zeit.
Nur etwas übersteigt die Zeit,
das ist die Sehnsucht, keine Zeit
ist zeitig mit der Sehnsucht Zeit.
Robert Walser: Die Gedichte. Zürich und Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1986, S. 31f.
Veröffentlicht am 7. Juli 2013 von lyrikzeitung
Die deutschsprachige Literatur ist gegenwärtig von drei ästhetischen Tendenzen bestimmt: radikaler Individualismus, Popliteratur und eine dritte, für die unterschiedliche Namen kursieren, „kookbooks-Ästhetik“ oder „Neue Berliner Avantgarde“. Zu den Autoren dieses Kreises, überwiegend Lyriker, gehören Monika Rinck, Uljana Wolf, Ann Cotten, Hendrik Jackson, Daniel Falb. Sie alle publizieren beim Berliner Verlag kookbooks oder sind zumindest eng mit ihm verbunden. Daniela Seel hat den Verlag vor zehn Jahren gegründet (F.A.Z. vom 18. Mai), in dessen Jubiläumsprogramm auch Steffen Popps neuer Lyrikband Platz gefunden hat. (…)
Wenn Steffen Popp „Poesie als Lebensform“ versteht, ernennt er sie zu einer solchen unhintergehbaren Tatsache der Wirklichkeit. Wie ein Integral ist das Poetische allen Lebensbereichen von der Natur über die Ökonomie bis zur Religion eingeschrieben und reicht somit weit über die Literatur hinaus. Diese Auffassung berührt sich mit dem romantischen Vers: „Schläft ein Lied in allen Dingen“. Allerdings hat die Neue Berliner Avantgarde mit Wittgensteins „Lebensform“ auch seine Sprachskepsis übernommen. Popp bezeichnete die Sprache einmal als das „lebensfernste Medium“. In der Folge verbietet es sich, wie bei Eichendorff mit „Wünschelrute“ und „Zauberwort“ durch die Lande zu ziehen, um sie zu poetisieren.
„Poesie als Lebensform“ bedeutet vielmmehr, die Wirklichkeit mit Hilfe der Sprache abzutasten und präzise zu erfassen, „inwieweit die für poetisches Sprechen konstitutiven Verfahrensweisen etwas mit denen anderer Lebensbereiche gemein haben, und vor allem …, ob sie nur neben anderen relevant sind oder essenzielle Funktionen bezeichnen“. Popp wendet Eichendorffs Vers formalistisch. Er sucht nicht mehr nach dem schönen Lied, sondern nach den poetischen Verfahren in der „lebendigen Wirklichkeit“. Für dieses Vorhaben wäre die Waldeinsamkeit der falsche Ort. Die heutigen Poeten experimentieren, diskussions- und theorieaffin, kollaborativ und doch jeder für sich auf seine Art. Erst der gemeinsame ästhetische Bezugspunkt ermöglicht die individuellen poetischen Praktiken. (…)
Popp experimentiert mit Klängen, Rhythmen, Metrik und Syntax. Als versierter Morphologe legt er ein besonderes Augenmerk auf die Form des Gedichts. Zu Beginn erprobt er eine Konstruktion aus sechs plus vier respektive vier plus sechs Versen, die er in der zweiten Hälfte des Buches zur Sonettform überführt. Seit zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts der sogenannte „Sonettenkrieg“ durch die deutschen Schreibstuben tobte, gilt das Sonett als programmatisches Gedicht. Wer es verwendet, will sich grundsätzlich über Dichtkunst verständigen. Popps Arbeit am Sonett schließt selbst das anfängliche Vier-plus-sechs-Format ein. Quartett und Sextett entsprechen der geometrischen Grundform des Sonetts. Kompositionsmuster dieser Art durchziehen die Textur des Bandes. Über Jagd, Dickicht, Beute („Kaninchenfell“) mündet die Bewegung des Textes auf Rilkes Spuren im „Jardin des Plantes, Paris“. Der Streifzug durch Natur- und Lebensformen schließt dort, wo die Wildnis gebändigt wird. Popp löscht bei seinem Besuch den schweifenden, unscharfen Blick von Rilkes Panther im gefiederten Gesicht einer Eule aus. Nach dem nervösen Zeitalter bleiben heute „null Augen / die das blicken“. Während eine Eule den Umschlag des Buches ziert, galoppiert zuletzt das alte Wappentier der Dichter aus dem Band. Popp versteht, „wie ein totes Pferd dennoch zu reiten sei – / das lebend nicht mal Pferd war“. / CHRISTIAN METZ, FAZ 27.6. hier
Steffen Popp: „Dickicht mit Reden und Augen“. Gedichte.
kookbooks, Berlin 2013. 87 S., br., 19,90 [Euro].
Veröffentlicht am 7. Juli 2013 von lyrikzeitung
Im Salon Littéraire auf in|ad|ae|qu|at:
Margret Kreidl : 4 Gedichte , übersetzt
4 Urtexte ( aus Laute Paare , 2002 ) , 4 Übertragungen von Rosmarie Waldrop ( aus DICHTEN = No. 10, ed. by Rosmarie Waldrop , 2008 ) und 4 Lesefassungen , gesprochen von John Lowther

Rosmarie Waldrop (ed.)
Dichten = [number ten], 16 new (to American readers) German poets
144 pp. burning deck books. Paper. US $14. ISBN 978-1-886224-92-6
(Besprechung hier)
Auszug aus
ADAM UND EVA
Was tragen Damen? fragt Adam. Eva ist nackt.
Fransenstola Taftfaltenrock? Zu brav! Eva lacht.
Lackstring Lochstrumpfhose transparenter Mini.
Adam kichert. Spitze! High Heels mit Fesselriemchen.
Beine rasieren nicht vergessen! Wachs oder Creme?
Heiß heiß! Adam schreit. Eva leise: Damen leiden.
Adam weint. Eva lächelt. Tränen machen häßlich.
Abdecken pudern Cremerouge. Kußechter Lippenstift.
Adam will schmusen. Denk an deine Frisur! Haare
toupieren Nägel lackieren! Eva zufrieden: Sehr feminin.
Adam trippelt zum Spiegel. Eva ist nackt. Setzen Adam!
(…)
ADAM AND EVE ( translated by Rosmarie Waldrop )
What do ladies wear? asks Adam. Eve is naked.
Fringed scarf? Pleated taffeta skirt? Too proper, laughs Eve.
Patent leather G-string fishnets transparent mini.
Adam giggles, Tops! High heels with ankle straps.
Don’t forget shaving the legs. Wax or cream?
Hot, hot, cries Adam. Eve softly: ladies suffer.
Adam weeps. Eve smiles. Tears make ugly.
Foundation powder rouge. Kissproof lipstick.
Adam wants to smooch. Think of your hairdo. Hair
to tease nails to polish. Eve contented: very feminine.
Adam minces to the mirror. Eve is naked. Sit down Adam.
Veröffentlicht am 7. Juli 2013 von lyrikzeitung
Münchens Lesereihe für neue Lyrik
18.07.13 mit TRAXLER, WESTHEUSER und ROTH
Vor Kurzem hatten wir die Freude, für jetzt.de das ABC der jungen Münchner Literaturszene schreiben zu dürfen („Zum Rauchen in die Bibliothek“, SZ vom 31. 5.). Zwei Punkte schienen uns dabei wichtig: Zum einen stimmt das Vorurteil nicht, dass man junge Literat_innen vornehmlich in Städten wie Berlin, Leipzig und Hildesheim antreffen kann. Auch in München ist die Zahl der jungen Schreibenden groß, viel größer, als man denkt. Zum anderen sind diese aber schlechter vernetzt als in jenen Zentren der jungen Literatur, weniger aktiv und präsent im Kulturleben der Stadt.
Deshalb war es von Anfang an das Anliegen unserer Lesereihe, einen Beitrag dafür zu leisten, dass sich das ändert. Als Lesereihe für junge Lyrik in München geht es uns um die Begegnung mit anderen Szenen: der jungen Kunst-Szene der Stadt und den Lyrik-Szenen im ganzen deutschsprachigen Raum. Dabei stehen wir für ein Verständnis von Kunst, das in Künstler_innen nicht introvertierte, geniale Einzelgänger_innen sieht, sondern Akteure im sozialen Raum. Ihr Vermögen besteht in ihrem je speziellen Zugriff auf diesen Raum, nicht darin, den Zugriff zum eigenen Werk möglichst exklusiv zu gestalten. Als Beschäftigung mit kollektiv interessanten Themen, ist Kunst kollektive Praxis.
Es ist aus dieser Perspektive nicht übertrieben, für unsere Sommerlesung von einem Highlight zu sprechen. Mit Mathias Traxler und Linus Westheuser kommen zwei Lyriker aus Berlin, die jede Lesung in ein Ereignis verwandeln: Nicht nur entsteht ihr Text jeweils erst beim Lesen, sondern geschieht dies auch mit sensibler Berücksichtigung der Lesesituation. Der Münchner Tobias Roth setzt dem ein Langgedicht entgegen, das die Leerstelle nach dem Erdbeben in Mantua literarisch zu füllen sucht. Konfrontiert wird dies mit der Kunst Andreas Peiffers, dessen Installationen für die alten Bierlagerhallen des Einstein geradezu prädestiniert sind.
LYRIK
Mathias Traxler, 1973 in Basel geboren, lebt seit 1999 in Berlin. Im gleichen Jahr wurde im Theaterdiscounter Berlin die szenische Lesung »WALLeinsamkeit« mit Gedichten und Texten von ihm aufgeführt. Mathias Traxler hat seither in zahlreichen Leseauftritten und zusammen mit anderen Autor_innen die Möglichkeiten der Improvisation mit eigenen und Texten anderer weiterentwickelt. 2011 erschien sein Debüt „You’re welcome“ bei kookbooks.
Linus Westheuser wurde 1989 in Berlin geboren, wo er nach Aufenthalten in Oldenburg, San Francisco und London heute wieder lebt. Er ist Mitglied des Lyrikkollektivs G13, war Finalist beim 20. open mike und arbeitet derzeit an seinem ersten Gedichtband, der ebenfalls bei kookbooks erscheinen wird.
Tobias Roth, 1985 in München geboren, arbeitet als freier Autor, Übersetzer, Kritiker und Literaturwissenschaftler. Der Münchner gewann nach anderen Auszeichnungen beim diesjährigen Literarischen März in Darmstadt den „Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis“. Sein Debüt „Aus Waben“ erschien im selben Monat beim Verlagshaus J. Frank.
KUNST
Andreas Peiffer, geboren 1982 in Marktheidenfeld, lebt in München. Er studierte Freie Kunst an der Muthesius Kunsthochschule Kiel und absolvierte an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Olaf Metzel. Seine Arbeiten befragen in großformatigen und raumgreifenden Umsetzungen die Dynamiken von Größe, Material und Gewicht, die sich zwischen Objekt, Raum und Betrachter_in entfalten.
Zeit: 20 Uhr
Ort: Einstein Kultur, Einsteinstraße 42 (U 4/5 Max-Weber-Platz)
Eintritt: 4/6 Euro
Moderation: Tillmann Severin und Tristan Marquardt
Veröffentlicht am 6. Juli 2013 von lyrikzeitung
Veröffentlicht am 6. Juli 2013 von lyrikzeitung
Nur eine einzige Handschrift Heines von seiner beliebten „Loreley“ ist erhalten. Das hochempfindliche Papier lagert in einem Depot des Heinrich-Heine-Instituts in Düsseldorf, der Geburtsstadt des spöttischen Dichters (1797-1856). Für drei Wochen ist die Reinschrift des Gedichts bis zum 31. Juli in einer Ausstellung des Instituts zu sehen. Nur alle paar Jahre dürfe die einst für einen französischen Sammler angefertigte Reinschrift aus dem Jahr 1838 dem Licht ausgesetzt und öffentlich präsentiert werden, sagt Kurator Jan-Birger von Holtum. Das Besondere an dem Dokument auf blassblauem Papier sei, dass Heine wohl das einzige Mal auch den Titel „Loreley“ über die Verse geschrieben habe. / Stern

Veröffentlicht am 6. Juli 2013 von lyrikzeitung
Im Wikipedia-Artikel zur aktuellen Gothic-Szene heißt es: “48 % (der Gothics, Anm.d.R.) beschäftigen sich mit Lyrik und Poesie und verfassen eigene Texte und Gedichte“. Doch eins fällt auf: Es sind überwiegend die alten Meister von Edgar Allan Poe über Lovecraft bis hin zu Baudelaires, die in der Szene zu Ruhm kommen. Aktuelle lyrische Ergüsse sind offenbar für viele Szene-Mitglieder nicht geeignet, um sich darin zu verlieren. Oder gibt man aktuellen werken nur keine Chance? Vielleicht sollte man manchmal zweimal hinschauen.
Beispielsweise bei Martin Piekar.
Schreibt spontis.de über ein Interview mit ebendem. Auszüge:
Die Frage was Lyrik IST, ist wie ein Schlag mitten in die Fresse. Die Frage ist nicht per se falsch, aber der Gefragte (hier ich) ist erstmal in Bedrängnis. Ich denke, Lyrik ist, sie existiert, aber was Lyrik sei? Lyrik kann! – Lyrik kann alles: Es gibt Dichter, die Schreiben nur nach Klang, da ist die Bedeutung des Begriffs unerheblich, es geht nur um die erzeugte Harmonie/ Disharmonie, den Rhythmus, die Klangfarben. Dann gibt es Lyriker, die mit Metaphern aufwartet. Ich meine nicht, dass sie sich so verzweigt, dass sie nicht zu entschlüsseln ist – darum geht es nicht, es geht nie um das Verstehen von Gedichten, es geht darum, wie man mit einem Gedicht umgeht. Es gibt Lyriker die sagen: Weg von der Metapher,- reine coole, ästhetische Beschreibung, es gibt Ironiker, es gibt Alberne, es gibt diejenigen, die keinen Pathos wollen: weg von der Gefühlsduselei. Und andere brauchen Pathos um überhaupt zu schreiben. Die Antwort: Lyrik kann – sie kann politisch, emotional, deskriptiv, kritisch, ironisch, konzeptionell, satirisch, phonetisch, verwirrend sein: Lyrik kann – Kunst ist immer ein Bedürfnis eines Menschen, das nach Außen drängt, viele Dichter sprechen bei Texten von Dringlichkeit, ich eher von Dranghaftigkeit, jedenfalls bei mir. (…)
Mit Lyrik verdien ich kein Geld, nicht genug um Miete zu bezahlen, oder generell etwas, mit diesem Geld kann man nämlich nie rechnen, entweder man bekommt etwas oder nicht, das ist nie sicher. Träume? Einen Verlag zu finden, war mein Traum seit ich 14 bin, jetzt bin ich 22 und das wunderbare Verlagshaus J Frank hat mein Manuskript angenommen. Übrigens bin ich darüber so froh, weil schon Kollegen von mir ganz wunderbare Bände dort veröffentlicht haben, es ist also ein Verlag, den ich auch persönlich gerne lese! Ich habe vertrauen in den Verlag und kenne das Programm, ich stehe hinter dem Motto des Verlages: Poetisiert euch! – und weiter Träume für die Zukunft? Leute, die meine Gedichte lesen, mal schauen, ob sich das erfüllt.
Veröffentlicht am 5. Juli 2013 von lyrikzeitung
Der Apostel Paulus ist ein schwerer Brocken für viele, er lässt sich nicht so einfach schlucken wie die Häppchen moderner Wohlfühlreligiosität. So sind auch Christian Lehnerts «Korinthische Brocken» nicht für den schnellen Verzehr bestimmt, sondern etwas zum Kauen und bedächtigen Verdauen – aber sie lohnen sich. Denn der «Essay über Paulus» ist sprachlich wie gedanklich gute Kost. Der in Dresden geborene Dichter und Theologe schreibt über einen Dichter und wortschöpferischen Theologen, den grössten des Urchristentums, und er versucht ihn zu verstehen – was bekanntlich nicht immer eine leichte Sache ist. Dies in einer dezidiert subjektiven, immer wieder frisch ansetzenden Sprach- und Denkbewegung, die neue Zugänge zu Paulus sucht und findet. / Niklaus Peter, NZZ 2.7.
Christian Lehnert: Korinthische Brocken. Ein Essay über Paulus. Suhrkamp, Berlin 2013. 283 S., Fr. 34.90.
Veröffentlicht am 5. Juli 2013 von lyrikzeitung
Junge deutschsprachige Dichtung
In den vergangenen Jahren ist Bewegung in die deutschsprachige Dichtung gekommen – eine neue Generation erobert die literarische Bühne. Das Projekt „Babelsprech. Junge deutschsprachige Dichtung“, initiiert von der Literaturwerkstatt Berlin und dem Literaturhaus Wien, möchte über drei Jahre eine Diskussion anregen, die zur Selbstverständigung des Dichtens im deutschsprachigen Raum führt. Das Projekt startet mit einem ersten Netzwerktreffen in Lana (Südtirol): Durch das Poesiefestival, den Lyrikpreis und das Literaturstipendium stellt die Stadt einen zentralen Ort lyrischer Begegnung über nationale Grenzen hinweg dar. Das Treffen dient der Selbstverortung einer neuen Generation von Dichtern, der Vernetzung von bislang getrennt agierenden Lyrikszenen der Schweiz, Österreichs und Deutschlands sowie der Vorbereitung eines Webblogs, der als Plattform junger Lyrik dienen soll. Gleichzeitig ist das Treffen der Auftakt der Lesereihe „Babelsprech. Live“, die in vier Durchgängen von 2013 bis 2015 in Wien, Berlin und der Schweiz stattfinden wird. Zum Abschluss der dreijährigen Projektphase führt die Sammlung „Lyrik von Jetzt3“ die wichtigsten neuen Stimmen aus dem deutschsprachigen Raum zusammen. Kuratiert wird „Babelsprech“ von Lyrikern der jungen Generation: Max Czollek (Deutschland), Michael Fehr (Schweiz) und Robert Prosser (Österreich) haben durch ihre eigene Arbeit wichtige Einblicke in die aktuelle Entwicklung der jungen Lyrik in den drei Ländern. Der Verein Literatur Lana, der Veranstalter Kaufleute Zürich, das Robert-Walser-Zentrum sowie der Wallstein Verlag konnten als Kooperationspartner gewonnen werden. Die Pro Helvetia fördert das Projekt in der Schweiz.
Künstlerische Leitung / Kuration: Max Czollek, Michael Fehr (CH), Robert Prosser (AT)
Künstler/innen / Autor/innen: Dagmara Kraus, Martin Fritz (AT), Anja Kampmann, Sophie Reyer (AT), Eva Seck (CH), Reinhard Lechner (AT), Tim Holland, Patrick Savolainen (CH), Yevgeniy Breyger, Michelle Steinbeck (CH), Christiane Heidrich.
Termine:
Symposium Lana, Südtirol: 26. – 29.9.2013;
Literaturwerkstatt Berlin, Literaturhaus Wien, Kaufleuten, Zürich, Robert-Walser-Zentrum, Bern: 1.11.2013 – 14.5.2015
Kontakt:
Literaturwerkstatt Berlin
Knaackstr. 97 (Kulturbrauerei)
10435 Berlin
www.literaturwerkstatt.org
Veröffentlicht am 5. Juli 2013 von lyrikzeitung
In vier Abschnitte ist dieses Handbuch unterteilt, das den Körper als Sprach-Konzept verkörpert. Der erste, „Bewegungen“, liest sich wie ein Kompendium aller möglichen Aufenthalte dieses Körpers im Raum. Stehen, stampfen, humpeln, gehen, tanzen, liegen, hüpfen, stolpern sind nur einige davon, sozusagen die Urbewegungen, die Vektoren aus Gefühl und Affekt; dazu kommen zielgerichtete Handlungen wie „Schnürsenkel binden“, „Treppensteigen“, „den Zeigefinger auf die Lippen legen“, oft mit einer genaueren Orts- oder Zeitangabe verbunden. Ein Gedicht verweist dabei zumeist auf das nächste, wobei dessen Sprachmaterial aufgegriffen wird, so daß sich daraus immer neue Sinnzusammenhänge ergeben. Das Buch selbst ist die Projektionsfläche dieser Bewegungen, und ihre Positionen zueinander stellt der zweite Abschnitt, „Aufgaben“, grafisch dar, verbunden mit Handlungsanweisungen, die sich quasi als Einübung in Selbstbewußtsein und Wahrnehmung verstehen: „Gehe wie unter Finanzriesen“, „Definiere Lebenselixier“, „Pulse in allem, was wabert“. Ein kleines Beibüchlein, Movarium genannt, illustriert dies auf zum Teil ebenso drollige wie hintersinnige Weise.
Der dritte Abschnitt stellt eine poetologische Reflektion in Prosa dar, lyrisch, luzide, analytisch. Einige Stichworte des Handbuchs werden dabei aufgegriffen und in andere, neue Zusammenhänge gebracht. Hier wird deutlich, wie das Konzept des Kunstwerks in die Realität des Schreibenden eingreift: „Wenn aus dem Schreiben eine Haltung wird und man konserviert das, was man geschrieben hat, aber die Haltung nicht, was dann? Wie man sich in eine Haltung hineinschreibt, so kommt man aus ihr nicht heraus. […] Aus der Haltung könnte eine Bewegung werden, deren passivster Teil ich bin.“ Aus dem Wechselspiel von Haltung und Bewegung (beide Begriffe offenbar sehr bewußt doppeldeutig gebraucht) entsteht wiederum eine Kaskade von Gedanken und Ideen: „Die Bedeutungen wechseln so schnell die Bewegung, dass es aussieht, als renne das Zimmer.“ (…)
Wer etwas ohne Prisma des lyrischen Ichs erfahren möchte, bei dem wird sich Enttäuschung einstellen, erscheint doch jene Mit- und Außenwelt nicht im Bemühen um objektive Darstellung, sondern überwiegend als Reflex der Sprache und des Wahrnehmungsprozesses. Doch wer eine erhitzte, übermütige, aufmüpfige Sprache zu schätzen weiß, der muß diesen Band unbedingt innig lieben und die konsequenten Kapriolen — mit: Chapeau! — bewundern. / Jürgen Brôcan, Fixpoetry
Martina Hefter: Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch. Gedichte. ISBN: 978-3-937445-55-7. 19.90 Euro. kookbooks, Berlin 2013.
Veröffentlicht am 5. Juli 2013 von lyrikzeitung
Japans Kaiserin Michiko ist nicht nur selber Dichterin, sondern übersetzt auch japanische Gedichte ins Englische. Im vorigen Monat erschien eine zweibändige, zweisprachige Ausgabe von Gedichten von Michio Mado, der in Japan als Autor vonKinderreimen bekannt ist. Mado ist 103 Jahre alt. / Japan Times
Veröffentlicht am 4. Juli 2013 von lyrikzeitung
Die Lyriker Gény Cointre, Davis Erauss, Marie Louison, Henry Maurinier und Didyer Mannette nehmen am Konvwa a bèl pawòl am Freitag in der Stadt Petit-Canal auf der französischen Antilleninsel Guadeloupe teil, einer von Didyer Mannette in Zusammenarbeit mit dem sozialen Zentrum von Petit-Canal organisierten Veranstaltung, die „die schönen Worte der Poesie und des Slam zum Leben erwecken“ will. Die vorgetragenen Texte beziehen sich auf die Themen Liebe und Aufruhr. Konvwa a Bèl Pawòl wird in der Ferienzeit jeden Freitag in einer anderen Stadt mit anderen Gästen stattfinden.
Guadeloupe, in antillischem Kreolisch Gwadloup, auch Gwada genannt, ist ein französisches Überseedépartement in den Französischen Antillen. Sie gehört zur EU und zur Eurozone, aber nicht zum Schengen-Abkommen. Amtssprache ist Französisch, aber viele der 400.000 Einwohner sprechen Antillisches oder Guadeloupisches Kreolisch (Créole Guadeloupéen). 5 % der Bevölkerung sind Weiße, die in Grands-Blancs, Groß-Weiße, Nachfahren der Kolonialherren, und Petits-Blancs, Klein-Weiße, verarmte weißer Siedler, zerfallen.

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