Die dänischen Bürger am rechten Rand haben in Hassans Geschichte endlich den Beleg dafür gefunden, dass alle Ausländer kriminelle Sozialschmarotzer sind und sich gar nicht eingliedern wollen. Das linke Lager sieht in Hassan endlich den Beweis dafür, dass die Dänen selbst mehr gegen Ghettobildung und Ausgrenzung tun müssen. Für seine eigene Community ist Hassan ein neudänischer Verräter. Aufgrund der vielen Morddrohungen lebt er versteckt und zeigt sich nur mit Personenschutz in der Öffentlichkeit. Er versucht sich von keiner Seite vereinnahmen zu lassen. Seine Gedichte passen auch nicht so richtig in eine Schublade. Denn in erster Linie schreibt er um seine eigene Freiheit.
Die Poesie ist sein Fluchtpunkt. In der literarischen Welt ist Hassan ein Jemand, er hat plötzlich eine Stimme. Er lernt über sich, die Welt und das Leben mehr als in der Realität. Durch seine Gedichte habe er gelernt die Verantwortung für sein Leben nicht mehr auf andere abzuwälzen. Er will versuchen die Wut auf seine Eltern, die ihm die Kindheit gestohlen haben, in Kraft zu verwandeln und sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. / Sara Mohn, Yaez
Der Schweizer Dichter Kurt Aebli hat schon immer ein Faible für das Momenthafte. „Unbemannter Augenblick“ heißt etwa ein Stück aus einem früheren Band mit Miniaturen, der nicht von ungefähr den Titel „Ameisenjagd“ trägt. Allerdings wusste Aebli das Gesetz von Ursache und Wirkung oder die Vorstellung eines hübschen Ablaufs, die in der gewöhnlichen Wahrnehmung bestimmend sind, stets in Frage zu stellen, und sei es mit einer „verbeulten Logik des Vergessens“. Nun tastet er dem Augenblick auf eher vertraute Art und Weise nach. „Das Gesehene mir einzuschreiben“, lautet eine der Aufgaben in seinem neuen Buch, oder auch „das beiläufig Registrierte / flüchtig zu fixieren“.
Doch es sind durchwegs paradoxe Unternehmen, die Aebli aufruft. Der Schreibende ist für das Festhalten des Augenblicks immer schon zu schnell und zu sehr gebunden durch die Abstraktionen der Begriffe. Aebli reflektiert diese Fragen in seinen Gedichten – und findet eine Lösung, die selbst wieder paradox anmutet: „Kein Wort fasst / die Fülle / des Augenblicks. // Nur davon / spricht / das Wort. // Nur das Wort, das davon spricht, / hat seine Sprache / gefunden.“
Das ist zwar einleuchtend, aber auch einfach gesagt. Und so gehören jene Gedichte, in denen Aebli über das Schreiben nachdenkt, nicht eben zu den aufregendsten des Bandes. Sein Können entfaltet er indes, wenn er Beschreibungen in metaphorische Wendungen überführt.
Und wenn er sich über all die zuvor fein ausgemachten Widersprüche hinwegsetzt und den Augenblick doch mit seiner Sprache fassen will: „An einem schwülen Tag plötzlich des Teufels / Schneeflocken, schwarzes / Schneetreiben, / surrend und schwirrend, aufgewirbelt / von Pferdeäpfeln am / Waldrand“. / Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung 20.5.
Kurt Aebli: Tropfen. Gedichte. Edition Korrespondenzen, Wien 2014. 118 Seiten, 18 Euro.
Die US-Lyrikerin, Professorin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Das teilte die Wake Forest University in Winston-Salem im US-Staat North Carolina mit. (…)
Einen großen Fernsehauftritt hatte Angelou als Lyrikerin bei Bill Clintons erster Amtseinführung 1993. Damals las sie ihren Text On the Pulse of Morning, der millionenfach verkauft wurde. / Die Zeit
In Kirchenkreisen ist die einfühlsame Lyrik von „Sonne, Segen, Sturm und Schmerz“, in der sich viele Menschen verstanden fühlen, inzwischen ein Begriff. / Dewezet
In Island fand ein einzigartiges politisches Experiment statt: Vier Jahre lang regierten Anarchisten die Hauptstadt Reykjavik. Und diese Amateure haben Erstaunliches vollbracht.
Schreibt der Tagessanzeiger, der vor Jahren anders sprach:
Island ausser Rand und Band
Nach dem Zusammenbruch der Banken, der massiven Verschuldung und einem desaströsen Vulkanausbruch verkommt Islands Politik zum Satire-Projekt.
Was ist geschehen? (Und wofür bezahlen wir eigentlich teure „Öffentlich-Rechtliche“, wenn sie das einzigartige Erstaunliche so gut wie verschweigen?) Hier der Anfang des langen, erstaunlichen Berichts:
Als die Stimmen ausgezählt waren, sagte die Premierministerin von Island, das Ergebnis sei ein «Schock». Den Schock teilten an diesem Abend so gut wie alle. Die bisherigen Parteien, weil sie die Wahl verloren hatten. Und die neue Partei, weil sie die Wahl gewonnen hatte.
Ein solches Resultat hatte es noch nie gegeben, nicht in Island, nicht sonst wo auf der Welt. Dabei war Reykjavik eigentlich eine verlässlich konservativ stimmende Stadt gewesen. Das war nun Vergangenheit. Mit 34,7 Prozent hatte die Stadt eine neue Kraft an die Macht gewählt: die Anarchosurrealisten.
Deren Spitzenkandidat, Jon Gnarr, von Beruf Komiker, betrat bleich den tobenden Saal voller betrunkener Anarchisten. Er hob fast schüchtern die Faust und sagte: «Welcome to the revolution!» Und: «Hurra für alle möglichen Dinge!»
Gnarr war nun Bürgermeister von Reykjavik. Nach dem Premierminister war dies das zweitwichtigste politische Amt auf der Insel: Ein Drittel aller Isländer lebt in der Hauptstadt; ein weiteres Drittel pendelt dorthin. Die Stadt ist Islands grösster Arbeitgeber, ihr Bürgermeister der Chef von 8000 Beamten.
Kein Wunder, schockierte das Wahlresultat. Denn Reykjavik steckte tief in der Krise. Der Bankencrash hatte alles gleichzeitig an den Rand des Bankrotts gebracht: Staat, Stadt, Firmen und Einwohner. Und die anarchosurrealistische Partei, getauft «Die Beste Partei», bestand im Wesentlichen aus Rockstars, fast alle ehemalige Punks. Kein Einziger hatte je in einem politischen Gremium gesessen. Ihr Slogan zur Bewältigung des Crashs hiess: «Mehr Punk, weniger Hölle!»
Was war in die konservativen Wähler von Reykjavik gefahren? Jedenfalls zeigten sie Mut. Sie taten am 27. Mai 2010 etwas, wovon sonst alle immer nur redeten: Sie entzogen den Politikern die Macht. Und übertrugen sie den Amateuren.
Und so begann ein einzigartiges politisches Experiment: Wie würden Nicht-Politiker regieren? Wie Punks? Wie Anarchisten? Mitten in der Krise? (…)
Am vergangenen Wochenende tagte die Hausacher Leselenz-Jury, am Mittwoch wurden die drei neuen Hausacher Stadtschreiber bekannt: Silke Scheuermann aus Offenbach, Thorsten Nesch aus Leverkusen und Marie T. Martin aus Köln werden für drei Monate zu »Wahl-Hausachern«.
»Wenn es eine zärtliche Wortgenauigkeit gibt, dann bei Silke Scheuermann. Sie schöpft dabei fantasievoll Bilder, die scheinbar flüchtig daherkommen und es doch verstehen, den Leser innehalten zu machen und gängige Alltagsklischees aus ihren Angeln heben«, heißt es in der Begründung der Jury. Die Autorin hat sowohl Lyrik als auch Prosa veröffentlicht, wurde vielfach ausgezeichnet und will im Sommer Schwarzwald an ihrem neuen Roman arbeiten.
Ebenso groß war die Freude gestern bei Thorsten Nesch: »Ich habe heute ein Dauerlächeln«, freut sich der Vater dreier Kinder auf die drei Monate, in der er die Ruhe und die finanzielle Sicherheit hat, um an seinem neuen Jugendbuch zu arbeiten. Die Idee, für die er gerade recherchiert, »verträgt sich nicht mit einem großstädtischen Umfeld«. Dass damit erstmals auch noch eine Poetik-Dozentur für Kinder- und Jugendliteratur an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe verbunden ist, sei für eine »tolle Sache«. (…)
Marie T. Martin (…) wird nach Odile Kennel und Thomas Rosenlöcher die dritte Gisela-Scherer-Stipendiatin. »Sie weiß um die Hilfs-Konstruktion Zeit, um deren vermeintliches Zeugnis und wundet Vers um Vers die Entblößungen ihres Uhr-Diktates aus«, schreibt José F. A. Oliver, der Lyrik-Experte in der Jury.
Sie schreibe »Gedichte, die nicht so tun als ob, sondern zeigen, was sie wissen: Dass der Kalender nur einen Tag kennt – das, was sich bündelt im Augenblick der Wahrnehmung«. Da Marie T. Martin aus Köln in Freiburg geboren ist, wird sie in etwa wissen, was sie im Schwarzwald erwartet. / Baden online
Beim Südtiroler Nachrichten- und Communityportal Salto ein ausführlicher jury- und preisträgerkritischer Kommentar von Karl Gudauner zum Lyrikpreis Meran. Ich zitiere einige kritische Passagen (nicht ohne abermals auf die „Politik der Lyrikzeitung“ hinzuweisen, daß das Zitieren einer Meinung nicht bedeutet, daß wir diese Meinung teilen oder fördern wollen. Zitieren einer Meinung bedeutet nicht mehr und nicht weniger als dies: an dem und dem Platz gibt es die und die Meinung, die die geschätzten Leser bedenken mögen. Auch diskutieren, wenn sie mögen. bild dir deine Meinung mit kleinem b, s.v.p. Im übrigen, wer ist schon immer seiner Meinung?)
Über Thomas Kunst:
Willkürliche Zeilenumbrüche sollen die Prosa auflösen, vermögen es jedoch nicht, den Texten ein der Gedichtform entsprechendes Erscheinungsbild zu verleihen.
Die Jury hält es nicht für notwendig, dem formalen Gerüst der langen Texte auf die Spur zu kommen. Womöglich fehlt es einfach. Das kann als bewusste Loslösung von altüberlieferten Standards interpretiert werden. Es entspricht dem Individualismus der heutigen Zeit, das unverwechselbare Ego in den Mittelpunkt zu stellen, etwa durch Hineinweben biografischer Konnotationen im Stile von Facebook und die namentliche Nennung einer Muse*. Zugleich ist der Erzählfluss Ausdruck der Mitteilungsbedürftigkeit modernen Solipsismus inmitten unserer Kommunikationsgesellschaft.
Über Jan Volker Röhnert:
Weniger stimmig mutet dagegen das Auftauchen von Laurel und Hardy in solcher Landschaft auf, der Zeitenwechsel zwischen einzelnen Strophen oder die abenteuerliche Streckenführung, der Transkontinentalwaggons von München nach Mailand oder durch den Appenin nach Genua folgen. Einzelne Wortschöpfungen wie „Paradiesbahnhof“**, „Taubenprogramm“ oder „fahrradflitzt“ scheinen aus anderen Sprachkanons hineingerutscht zu sein. Mit der Leichtigkeit des savoir vivre geht schließlich auch ein geringerer Anspruch an Aussagekraft einher.
Über Tom Schulz:
Tom Schulz treibt es weit hinaus in seinen Phantasien, bis ins Uferlose. Kulturpessimismus, No-Future-Szenarien oder ein Weg der Daseinsbewältigung? Der Preis ist ein Ansporn, seinen Weg der Aufarbeitung existentieller Bedrängnis durch experimentelle Lyrik fortzusetzen. Vielleicht findet er formal und von den Sujets her wieder festen Boden.
Und über den „Vermittlungsauftrag“ der Jury:
Zahlreiche Oberschüler/innen haben den Pavillon des Fleurs als passives Publikum der Beratungen der Jury gefüllt. Ob mit Interaktionen oder der Bewusstmachung des Vermittlungsauftrags gegenüber der Jury: Dieser Event sollte genutzt werden, um eine Lernerfahrung zu ermöglichen, die über die Klassenräume hinausgeht. So oder so nehmen die jungen Leute eine Botschaft mit. Diesmal kommt sie ihnen gelegen: Wer überrascht, gewinnt. So stellen sie sich das Leben vor.
*) Aber nicht mit Goethe verwechseln.
**) Paradiesbahnhof gibts übrigens wirklich: in Jena.
Aus einem Übersetzungsspiel, das mit Hölderlin und Tobias Roth zu tun hat. Mehr bei Textkette Spielweise.
Toi aussi tu visais haut, mais l’amour nous courbe
Tous de force, nous plie tous la douleur plus forte,
Et pourtant notre arc ne revient pas
A son point de départ en vain.
Sie will hoch hinaus, aber wir lieben Kurve
Alle Kraft, gefaltet wir alle die stärkste Schmerzen,
Und doch unsere Bogen nicht zurück
An seinem Ausgangspunkt vergebens.
Sie hier, aber wir mögen Kurve
Alle Macht, gefaltet wir umso mehr starke Schmerzen.
Und doch unsere CRA wird nicht zurückkehren
Umsonst zu seinem Ausgangspunkt.
Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt
..All uns nieder, das Laid beuget gewaltiger,
….Und es kehret umsonst nicht
……Unser Bogen, woher er kommt.
Rosen pflegen im Park; nachgeben; dann um ein
Jota sterben.
……..
……..……..Der Rauchring hat sich aufgelöst.
Das beliebteste Gedicht jener Zeit, an der Front und in der Etappe, stammte von einem heute völlig vergessenen Dichter. Es ist Ernst Lissauers „Hassgesang gegen England“. Im September 1914 wurde es veröffentlicht.
Über die Wirkung des „Hassgesangs“ schrieb Stefan Zweig ein Vierteljahrhundert später in seinen Memoiren: „Das Gedicht fiel wie eine Bombe in ein Munitionsdepot. Nie vielleicht hat ein Gedicht in Deutschland, selbst die ‚Wacht am Rhein‘ nicht, so rasch die Runde gemacht … Der Kaiser war begeistert und verlieh Lissauer den Roten Adlerorden, man druckte das Gedicht in allen Zeitungen nach, die Lehrer lasen es den Kindern vor, die Offiziere traten vor die Front und rezitierten es den Soldaten … Unter den siebzig Millionen Deutschen gab es bald keinen einzigen Menschen mehr, der den ‚Hassgesang gegen England‘ nicht von der ersten bis zur letzten Zeile kannte …“ Und doch sind Gedicht und Autor heute aus dem Bewusstsein der Deutschen ausgelöscht. / Alan Posener, Die Welt 25.5.
Beim monatlichen Vortrag in der Ferring-Stiftung befasst sich am Sonntag, 1. Juni, um 10 Uhr der Sprachwissenschaftler Temmo Bosse von der Universität Flensburg mit „Königsgedichten“. So werden eine Reihe von Gedichten in nordfriesischer Sprache bezeichnet, die aus dem 18. und 19. Jahrhundert überliefert und jeweils einer Herrscherpersönlichkeit gewidmet sind.
Ein nicht unerheblicher Anteil dieser Werke stammt von den Nordfriesischen Inseln, von Verfassern wie Jap Peter Hansen und Christian Peter Hansen von Sylt, Lorenz Friedrich Mechlenburg von Amrum und Stine Andresen von Föhr.
In dem Vortrag soll der Frage nachgegangen werden, welchen Herrschern insbesondere diese Inselfriesen ihre Gedichte widmeten und zu welchen Anlässen die Texte geschrieben wurden. Von besonderem Interesse ist dabei nicht nur das dort dargestellte Verhältnis zu den Königen, sondern auch das Selbstverständnis der Friesen im Allgemeinen und der Insulaner im Speziellen. / Insel-Bote
freu‘ dich an dem mächtigen Findling, den du im Jagen 117 gefunden hast – du kannst ihn behalten
Hansjürgen Bulkowski
Drei junge Deutschtürken aus Augsburg haben genug von pathetischer Lyrik. Sie gründen ihr eigenes Sprechtheater O-Poesie und bringen Verse so auf die Bühne, wie sie sie hören möchten. Ein Projekt fernab von langweiligem Auswendiglernen.
Freitagvormittag in Augsburg. Aus den Schullautsprechern des Bayernkollegs ertönt Ungewöhnliches: Gedichte. Vorgetragen von den Schülern vor jeder Schulstunde. Mal auf Kroatisch, mal auf Türkisch, Spanisch oder Griechisch.
Die Idee zu diesem lyrischen Schultag kommt von Serkan Erol, Burhan Kacar und Eren Mert. Die drei Studenten haben sich vor zwei Jahren zum interkulturellen Sprechtheaterensemble O-Poesie zusammengeschlossen. Seitdem besuchen sie regelmäßig Schulklassen, um Kindern und Jugendlichen den Kontakt zur Lyrik schmackhaft zu machen.
Der 27-jährige Serkan Erol hatte genug von den Lyrik-Klischees. Poesie ist für ihn und seine zwei Freunde ein fester Bestandteil ihres Lebens. Das war nicht immer so: Geboren und aufgewachsen in Bobingen als Kinder türkischer Gastarbeiter, haben die drei sich im örtlichen Fußballverein kennengelernt. Die deutsche Sprache mussten sie sich erst hart erarbeiten, sagt Burhan Kacar: „Ich war zum Beispiel nicht im Kindergarten und zu Hause wurde nur Türkisch gesprochen.“ / BR
Ausnahme ist der Sonntag. An allen anderen Tagen schreibt er, meist in seinem Stammgasthaus, jeweils drei Gedichte: Johannes Kühn, der saarländische Autor, der im Februar 80 wurde. „Ich brauche nicht über mein Leben zu sprechen, weil ja alles in den Gedichten steht“, bekannte er. Kühn, der mit dem im Münchner Hanser Verlag erschienenen Band „Ich Winkelgast“ von 1989 endgültig in die literarische Öffentlichkeit trat, zählt gegenwärtig zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern.
Jetzt liegt ein neuer Gedichtband vor, auch er herausgegeben von Kühns Freunden Irmgard und Benno Rech: „Und hab am Gras mein Leben gemessen“. Wort- und bildmächtige Texte, die nicht zuletzt dem Alter gelten. Entstanden primär seit 2010. Durchaus mit Selbstironie hält hier ein Autor Rückschau. Er kultiviert das Bild des Grases für die Endlichkeit aller Kreatur – da denkt man unweigerlich an die Bibel und die Vertonung in Brahms’ Deutschem Requiem.
(…)
Unter anderem der Saar-Landsmann Ludwig Harig und Reiner Kunze setzten sich für Kühn ein. In seiner Lyrik schließt er an Hölderlin und Trakl an. Der romantische Topos des Wanderers ist da. In den freien Rhythmen seiner Gedichte, dem „Kühn-Sound“ (Peter Rühmkorf), erzählt er Geschichten. Nie sind Sprache und Bilder so komprimiert, dass Verrätselung oder Unzugänglichkeit das Resultat wären. Dieser Schöpfer einer modernen und oft musikalischen Lyrik, die des Reimes nicht bedarf, möchte verstanden werden. / Johannes Adam, Badische Zeitung
Der Schriftsteller Sascha Kokot bekommt den Georg-Kaiser-Förderpreis des Landes Sachsen-Anhalt. Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) überreiche ihm die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung am 11. September, teilte das Kultusministerium Sachsen-Anhalt am Freitag mit. Die Jury lobte Kokots intensive und zielgerichtete Text-Arbeit sowie seine eigene unverkennbare Sprache. Kokot wurde 1982 in Osterburg (Altmark) geboren und wuchs dort auf. Inzwischen lebt er in Leipzig. / Freie Presse
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