[Anthony] Madrid spoke first, beginning with a general précis of his argument about the trajectory of rhyme in English verse. I’d heard this before, when Madrid joined Don Share and Lea Graham on a panel on the poetry of Michael Robbins I chaired at the Midwest MLA a year ago, but it’s such an intriguing argument I was happy to hear it rehearsed again. The gist of it is that after the Elizabethan period, whole categories of rhyme are, essentially, decommissioned from English verse, or become far less common (critics of Madrid’s theory love to find exceptions, but a full reading of his doctoral work in The Warrant for Rhyme reveals a strong case for a general trend of the kind he des/ cribes). Rhymes that involve strong semantic links—semantic similarities, or opposites, or rhymes from the same semantic category—greatly diminish over the course of the seventeenth century. So me/thee, mine/thine, he/she, berry/cherry, and the like become far less common. Madrid makes much of this: the link between rhymes becomes less rational, he says, and more a matter of mystery, as if the poet wills the rhyming words to belong together for reasons unknowable to the intellect.
The anti-semantic nature of rhyme becomes a norm in the eighteenth century, and it is only with Thomas Percy’s 19765 Reliques of Ancient English Poetry, an antiquarian’s selection of old ballads and other poems, that the older style of rhyme begins to return for the Romantic era. A Romantic like Byron, when he is serious, as in Childe Harold, rhymes like an eighteenth century poet, but when he’s comic, as in Don Juan or Beppo, he makes rhymes that go out of their way to draw attention to themselves, and appear as stunts (as Butler’s comic rhymes in Hubridas did). The rhyme becomes something deliberately original, frame-breaking and winking. And this sounds the death-knell for rhyme, since over the nineteenth century rhyme becomes less a holistic part of poems and more of an attention-grabbing device, until in the modern era it is all-but abandoned. / samizdatblog
„Und noch etwas wollte Hans Ulrich Obrist wissen. Beim Kuratieren von Kunst sei es ja so, dass man immer neue Formate entwickeln müsse – Performances, Computerinstallationen, Vitrinen – , weil nur die im kulturellen Gedächtnis bleiben würden [sic.]. Wie sich das damit denn in der deutschen Literaturszene verhalten würde?“
(aus: Dirk Knipphals, „Auf der Suche nach dem Hype“, TAZ vom 16.03.2015)
Format: HGL HalliGalliLesung
Erprobt: am 10.01.2015 zum Winterrundgang der Baumwollspinnerei in Leipzig, mit Ulrike Fiebig, Tim Holland und Michael Spyra als Gäste der Pilotenküche in der Halle 14.
Geeignet für: 3 und mehr Lesende/Autoren
Textformen: Lyrik, kurze Prosa und dramatische Texte eigenen sich besonders
Benötigt werden: 1x Rezeptionistenklingel, wahlweise dem namenstiftenden Kartenspiel entnommen.
Aufbau: Die Lesenden setzen sich im möglichst gleichen Abstand um die Klingel. Die Klingel muss jederzeit für jeden erreichbar sein.
Ablauf: Einer beginnt zu lesen und lässt deutlich hörbare Pausen zwischen seinen Leseabschnitten. Werden Anknüpfungspunkte erkannt, dürfen die anderen Lesenden auf die Klingel schlagen. Wer die Klingel zuerst trifft, darf die Lesung fortsetzen. Es wird so lange gelesen, bis einer der anderen auf die Glocke haut!
Anknüpfungspunkte sind hier weitestgehend frei, wenn auch für die Beteiligten nachvollziehbar zu interpretieren. Das können Stimmungen sein, Haltungen, Vokabeln die wiedererkannt werden, Themen, und so weiter.
In einer Variation des Spiels kann sich derjenige, der die Glocke trifft, auch etwas wünschen. Zum Beispiel: „Ich möchte, dass Ulrike den Text noch mal liest!“ oder „Ich würde gern hören, wie Tim sein Schaflied singt.“ Oder anderes.
Wirkung: Durch den Glocken- oder Klingelton hat der Zuhörer die Möglichkeit seine Konzentration und Aufmerksamkeitsverteilung neu zu arrangieren. Der Wettstreit der Lesenden wird auch zu einem Streit um die Glocke.
Wann hat er das letzte Mal ein Gedicht gelesen? Dem Buchmesse-Besucher Uwe Thielemann entfährt ein „Oh Gott!“. „Das ist schon sehr lange her. Ich bin mehr so der Sachbuch-Fan“, schiebt er hinterher.
So wie Thielemann antworten am Freitag viele Besucher der Leipziger Buchmesse. Sie halten sich für literarisch interessiert – aber Gedichte? Lyrik, so sieht es aus, ist im Land der Dichter und Denker eine vergessene Gattung. / Focus („Für die Informationselite“)
Das stimmt schon. Aber, so sieht es aus, Hauptsache ist doch, den Schwätzern und Richtern fallen noch die richtigen Floskeln ein.
Hier spricht einer, der 1945 die vollständige ideelle und materielle Zerstörung Deutschlands am eigenen Leib er- und überlebt hat. Danach war er wie viele seiner Altersgenossen ausgenüchtert, für immer immun gegen Heilsversprechungen. Wellershoff ist einer der letzten dieser „skeptischen Generation“, die sich von nichts mehr überwältigen lassen will, auch nicht vom Tod. In diesem Sinne sind seine Reflexionen übers Altern und Sterben auch ein großes Generationenporträt. / Claus-Ulrich Bielefeld, Die Welt
Ans Ende kommen. Dieter Wellershoff erzählt übers Altern und Sterben. supposé, Berlin. 1 CD, ca. 18 €.
… heute noch christliche Lyrik schreiben? Christian Lehnert feiert die Schöpfung und begegnet Engeln auf der Autobahn, schreibt Dorothea von Törne in der Welt – sie wird dabei richtig feierlich:
Lehnerts Verse sind dem Dunklen und Rätselhaften gewidmet, das sich rationaler Deutung entzieht. Damit ist er nicht allein. Die lyrische Pilgerschar auf dem Weg zum Geheimnis wird angeführt von Les Murray, einem Kandidaten für den Literaturnobelpreis. Der Australier hisst die poetologische Flagge mit seiner Behauptung: „Religionen sind Gedichte. Sie bringen/ unseren Tages- und Traumgeist in Einklang,/ unsere Gefühle, Instinkte,/ den Atem …“
eine die schreibt, autorisiert von einem der liest – beide allein in Einsamkeit mit allem verbunden
Hansjürgen Bulkowski
Angelika Janz schreibt bei KuNo über Lesungen und andere Aktionsformen, Zitat:
Im kalten Februar 1979 begab ich mich frühmorgens, ausgerüstet mit einer Tüte Kreide, in die Essener Innenstadt und beschrieb auf Knien– die Texte langsam mitsprechend- die Fußgängerzone ab der Bahnhofsrolltreppe bis weit hinter die Kaufhauszone mit z. T. auswendigen eigenen wie auch augenblickshaft entwickelten Texten. An diesem Samstagmorgen sollten die Menschen die Texte mit ihren Schritten davontragen. Trotz von einigen Ladenbesitzern herbeigerufener Polizei, hingeworfenen Bettelgroschen und bald sich einstellender Presse (ein winziges Artikelchen „Schriftstellerin geht auf die Straße“, die – so erklärte es sich der Schreiber, aus Publikationsnot das Pflaster zu beschreiben gezwungen sei) und einer Menge Mitleser, Zuhörer und ideologischer Begleiter hielt ich – mit einigen Diskussionspausen – bis in den Abend durch und genoss in der Dämmerung in klirrender Luft und mit steif gefrorenen Gliedern (und geschwollenen Knien) das wunderbare Bild einer mit Literatur in der ganzen Breite vollgeschriebenen Fußgängerzone, über das die Menschen eilig liefen und so an seinem Verschwinden arbeiteten. Ich hatte diese Aktion am selben Morgen erst entschieden und hatte sie sie in der UBahn auf dem Weg dorthin „Schreiben wie gehen“ genannt.
Eine weitere Aktion zu Beginn der 80er Jahre kehrte den Prozess der Literaturproduktion um: Ich stand im Dunkeln auf einer zu einem Boot geformten Folie gefüllt mit blutroter Farbe. Im Hintergrund wechselten in loser Folge große Diaprojektionen von beliebigen Szenen aus Ländern aller Kontinente. „Böse Bilder rächen sich auch später nicht aber spätestens“. Das Gedichtfragment, das auf einer weißen Wand mit schwarzen Anstreicher- Schablonenbuchstaben aufgebracht war, sprang ich mit in der Farbe getauchten Füßen vor den wechselnden Projektionen so lange an, bis es unkenntlich war und an der Wand nur noch ein zerfranster roter Flecken – einer imaginären Landkarte gleich – zu sehen war.
Eine Freundin von mir, eine russische Dichterin, später ermordet von unreinen Mächten (die es in Russland immer gibt), traf einmal in Bayern ein, und als sie vor mir ihren Koffer öffnete, waren, trostlos hin und her schlackernd, zwei, drei Bücher und ein paar Schuhe darin, weil sich in diesem Gepäck eigentlich die Leere des damaligen Lebens in Russland befand. / Bora Ćosić, NZZ
die Verleihung des Buchmessepreises an einen Lyriker:
HerrJ…
gestern 12:48 Uhr
(…) Er war und ist einer der großen Dichter der deutschen Nachkriegsliteratur.
So jedenfalls nennt ihn, den Berliner, der sich immer wieder in sein Dorf Rémuzat im Département Drôme im Südosten Frankreichs zurückgezogen hat, der Herausgeber einer jetzt erschienenen opulenten Gesamtausgabe der Meckelschen Gedichte. Gut 950 Seiten auf feinem Chamois-Dünndruckpapier umfasst die Ausgabe, zu der Wolfgang Matz ein ausführliches Nachwort geschrieben hat. Der Schutzumschlag zeigt ganz unverkennbar eine Grafik von Christoph Meckel, der auch an der Edition dieses gewichtigen Buches beteiligt war: Hier und da hat der Autor ein Gedicht noch einmal überarbeitet, grundsätzlich hat er sich im Zweifel für die jeweils späteste Fassung entschieden und damit den Fortgang des Lebens und der Erfahrungen mit der Entwicklung seines lyrischen Werks koordiniert. Ein solches Verfahren ruft nicht nur Gleichklang zwischen Leben und Werk hervor, sondern auch existenzielle Widersprüche und Dissonanzen. Christoph Meckel hat kurz vor seinem 80. Geburtstag im Juni dieses Jahres die große Chance zu einer „Ausgabe letzter Hand“ genutzt. / Herbert Wiesner, Die Welt
Christoph Meckel: Tarnkappe. Gesammelte Gedichte. Hanser, München. 960 S., 34,90 €.
Ich schreibe in der hebräischen Sprache,
die nicht meine Muttersprache ist,
um auf der Welt verloren zu gehen.
Wer nicht verloren geht,
wird das Ganze nicht finden.
Denn jeder hat die gleichen Zehen an den Füßen,
die er behutsam einen vor den anderen setzt.
Aus „Ich schreibe Hebräisch“ von Salman Masalha
Sikseck, Ayman: Reise nach Jerusalem | Arche | 2012 ISBN: 978-3716026878 | Gebunden | 92 Seiten | 18,00 €
Das Programm Leipzig liest 2015 unter www.leipziger-buchmesse.de/leipzigliest
Liebe Lyriker: bitte jetzt nichts sagen. Liebe Jury: bitte mal in der Satzung nachsehen, ob man auch Leserkommentare auszeichnen kann. Davon gibts nämlich noch mehr als Lyrikbände. Und noch dämli…, ich meine noch-weniger-als-nichts-sagende.