Die „Frankenpost “ (6.12.02) schreibt über die frühvollendete argentinische Lyrikerin Alejandra Pizarnik :
,,Was mache ich mit der Angst“, fragt ja auch eines der Gedichte, die immer wieder um zeichenhafte Begriffe kreisen: Wort und Name, Wind und Stille, Liebe und Tod und Furcht… Vom ,,Misstrauen“ erzählen sie verschlüsselt und davon, dass es in der ,,Kindheit“ schon begann: Alejandra Pizarnik entstammt einer jüdischen Familie, die fast vollständig in deutschen Vernichtungslagern zu Grunde ging. Von der ,,Nacht“ berichtet sie, von der ,,entsetzlichen Sonne“, die darin scheint – Todesmetaphern alles. 1972, erst 36 Jahre alt, nahm sie sich das Leben: ,,Ich will nicht weiter als bis zum Grund gehen.“
Beim Zürcher Ammann-Verlag erschien der erste Band einer Werkausgabe. Zitat aus dem Newsletter des Verlages:
Sie ist eine der wichtigsten Stimmen der lateinamerikanischen Dichtung, Italo Calvino, Octavio Paz und Julio Cortazar gehörten zu ihren Verehrern. Der argentinische Autor und Kritiker Luis Chitarroni sagte über sie:„Alejandra Pizarnik. Es reicht, sie zu nennen, und in der Luft erzittern Poesie und Legende. Äußerste Lyrik und auch Tragödie.“ Im September ist nun der erste Band der Werkausgabe erschienen, was inzwischen auch von der Presse zur Kenntnis genommen wird. Anastasia Telaak hat für die „Jüdische Allgemeine“ ein überaus kenntnisreiches und liebevolles Portrait von Alejandra Pizarnik geschrieben, in der aktuellen Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau widmet sich Jan Wagner den„erschütternden Dokumenten eines lebenslangen Leidens an der Welt“. Gerne schicken wir Ihnen Kopien der Artikel auf Anfrage zu: joachim.leser@ammann.ch . Grimmepreisträgerin Monica Bleibtreu und die Bandoneonistin Helena Rüegg stellen weiterhin mit grossem Erfolg die Autorin und ihre Gedichte vor, ein „atemlos lauschendes Publikum“ sah eine Journalistin der Badischen Zeitung in Offenburg. Weitere Termine sind in Hof , Sulzbach-Rosenberg, Köln, Heidelberg, Osnabrück und Fulda vorgesehen.
Times Literary Supplement (6.12.02) schreibt über Harry Mathews , das einzige amerikanische Mitglied der Gruppe „Oulipo“ (in Deutschland u.a., durch gemeinsame Projekte mit dem deutschen Gruppenmitglied Oskar Pastior bekannt: Die Erfindung der Sprache, Schreibheft 40).
In der Süddeutschen (6.12.02) zwei Gedichte des in München lebenden iranischen (oder iranisch-deutschen) Dichters Said: morgens / der tod .
„ Buch.Preis 2002“ für Ferdinand Schmatz, dessen 1987 mit Franz Josef Czernin verfasster Lyrikband „Die Reise. In 80 Gedichten um die Welt“ für einen kleinen Skandal sorgte, weil er ihn in einem „Gegenband“ („In 80 flachen Hunden in die ganz tiefe Grube“) als bewusste Düpierung des Literaturbetriebs enttarnte. / Neues Volksblatt – Kultur 06.12.02
Le Nouvel Observateur vom 5.12.02 bespricht Francis Ponge :
«Œuvres complètes II», publiées sous la direction de Bernard Beugnot, Bibliothèque de la Pléiade, Gallimard, 1844 pages, 69 euros jusqu’au 31 décembre, 76 euros au-delà.
Francis Ponge (1899-1988), après un détour par le surréalisme, publie en 1942 «le Parti pris des choses», avec lequel il donne «la parole au monde muet». Résistant, ami des peintres, inlassable conférencier, il s’est intitulé «artiste du langage». Il a constamment remis sur le métier ses grands textes, et pendant des périodes fort longues: huit ans pour la crevette, vingt-cinq pour le savon, vingt-six pour le soleil.
Edward Hirsch features poems by Emily Dickinson. / The Washington Post 5.12.02
Über die Limlingeroder „Dichterstätte Sarah Kirsch“ berichtet die Stuttgarter Zeitung am 5.12.02.
Kreis St. Wendel (red). Anlässlich der ersten St. Wendeler Lyriktage 2003 wird ein Lyrikpreis vergeben, für den sich bis zum 15. Januar im Saarland geborene, lebende oder arbeitende Lyriker bewerben können. Getreu dem Motto „Unter meiner Haut“ müssen sich die Texte mit inneren Befindlichkeiten befassen.
Bewerbungen mit Altersangabe an: Lyrikpreis St. Wendel, St. Wendeler Kulturamt, Schlossstraße, 66606 St. Wendel. / Saarbrücker Zeitung 5.12.02
Und Schindel machte noch schneller klar, dass die Bildfülle seiner Lyrik zur Bildüberfülle zu werden droht: Aus seiner neusten, noch nicht veröffentlichen Gedichtsammlung artikulierte Schindel einen Vers nach dem anderen derart nonchalant-rasant in die Köpfe der Zuhörerschaft hinein, dass diese wie gelähmt war. Gelähmt vor Faszination, denn der Wiener Lyriker gehört zu den wenigen, die ihr Selbstgeschriebenes einigermassen spannend vortragen können. So arbeitet Schindel gerne mit der Hand: Geschwind erhebt sie sich, wo der Schalk die Verse beherrscht, bedeutungsschwer sinkt sie nieder, wo des Lyrikers lebhafte, manchmal etwas gar nuschelnde Stimme in verschachtelten Bildern Seinsabgründe beschwört. / Landbote Winterthur 4.12.02
Eines scheint festzustehen: Kaddish ist eine Veröffentlichung, die im Spektrum der deutschen Gegenwartspoesie nicht mehr übersehen werden kann. Innerhalb der Lyrik-Neuerscheinungen dieses Jahres eine Spitzenstellung einnehmend, ist seine kommende Bedeutung noch nicht absehbar. / 3.12.02 Jan Röhnert, Titel -Magazin Nr. 49 über
Paulus Böhmer: Kaddish I – X. Schöffling, 348 S. 25 €.
Hinweis auf eine Gedicht-des-Tages-Liste: DayTips.Com Daily Lists – Poem-a-Day ( http://www.daytips.com) stellte am 2.12.02 – wie immer mit Kommentar – in einer kostenlosen eMail für Abonnenten vor:
Samuel Taylor Coleridge:
Epigram
Sir, I admit your general rule,
That every poet is a fool,
But you yourself may serve to show it,
That every fool is not a poet.
bespricht ANDREAS PUFF-TROJAN in der SZ (2.12.02)
TED HUGHES: Etwas muß bleiben. Gedichte. Englisch und deutsch. Mit einer Gedenkrede von Seamus Heaney. Aus dem Englischen von Jutta und Wolfgang Kaußen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002. 200 Seiten. 14,80 Euro.
TED HUGHES: Prometheus auf seinem Felsen. Gedichte. Englisch und deutsch. Aus dem Englischen von Jutta Kaußen. Mit einem Bilderzyklus von Eva Clemens. Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 2002. 96 Seiten. 13,80 Euro.
Einen Tag zuvor entdeckte die NYT *) eine neue Seite an Ted Hughes. In dieser Ausgabe:
SELECTED POEMS, 1957-1994
By Ted Hughes.
333 pp. New York: Farrar, Straus & Giroux. Cloth, $35. Paper, $15
Empfehlenswert auch die Featured Author -Seite der NYT.
„Poetry readings“ boomen in den Staaten, und das droht noch zuzunehmen nach der Millionenspende für das Poetry magazine. Aber ist das wünschenswert?
But anyone who has sat through the typical poetry reading — the recitation of difficult verse in a strange, singsongy voice; the rambling preamble about the experience that led to the epiphany that led to the idea that led to the poem; the knowing murmurs that accompany the hint of a joke, whatever the punch line — understands why George Orwell, in his essay “Poetry and the Microphone,“ called the live reading a “grisly thing.“ …
Poetry readings don’t have to be grisly. A skillful reader plus a knowledgeable listener can add up to an instructive encounter. The critic Helen Vendler says that when good poets read, “what is transmitted is not only an individual style of thought but an individual intonational style“ that sharpens her sense of how a poet relates to his own work and makes her aware of new inflections. But few of us have read as much poetry as Vendler, and relatively few American poets know how to avoid the pitfalls of reading aloud (British poets tend to be more adept at public presentation). The most common of these is the tendency to lapse into a sort of quivering, nasal incantation, in which the voice trails upward, uncertainly, at the end of a line. This mannerism lends an oracular cast to much modern poetry, as if the poets were delivering dire prognostications or trying to awaken in the masses some sense of religious awe. But this “poetry voice,“ as one poet I know calls it, is actually the result of a technical error. It came into the world with the kind of free verse William Carlos Williams made popular, which, since it features lines broken in unexpected places, leaves the reader unsure where to pause. (Williams himself didn’t read that way until after he’d had a stroke.)
/ Judith Shulevitz, NYT *) 1.12.02
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