Kreis St. Wendel (red). Anlässlich der ersten St. Wendeler Lyriktage 2003 wird ein Lyrikpreis vergeben, für den sich bis zum 15. Januar im Saarland geborene, lebende oder arbeitende Lyriker bewerben können. Getreu dem Motto „Unter meiner Haut“ müssen sich die Texte mit inneren Befindlichkeiten befassen.
Bewerbungen mit Altersangabe an: Lyrikpreis St. Wendel, St. Wendeler Kulturamt, Schlossstraße, 66606 St. Wendel. / Saarbrücker Zeitung 5.12.02
Und Schindel machte noch schneller klar, dass die Bildfülle seiner Lyrik zur Bildüberfülle zu werden droht: Aus seiner neusten, noch nicht veröffentlichen Gedichtsammlung artikulierte Schindel einen Vers nach dem anderen derart nonchalant-rasant in die Köpfe der Zuhörerschaft hinein, dass diese wie gelähmt war. Gelähmt vor Faszination, denn der Wiener Lyriker gehört zu den wenigen, die ihr Selbstgeschriebenes einigermassen spannend vortragen können. So arbeitet Schindel gerne mit der Hand: Geschwind erhebt sie sich, wo der Schalk die Verse beherrscht, bedeutungsschwer sinkt sie nieder, wo des Lyrikers lebhafte, manchmal etwas gar nuschelnde Stimme in verschachtelten Bildern Seinsabgründe beschwört. / Landbote Winterthur 4.12.02
Eines scheint festzustehen: Kaddish ist eine Veröffentlichung, die im Spektrum der deutschen Gegenwartspoesie nicht mehr übersehen werden kann. Innerhalb der Lyrik-Neuerscheinungen dieses Jahres eine Spitzenstellung einnehmend, ist seine kommende Bedeutung noch nicht absehbar. / 3.12.02 Jan Röhnert, Titel -Magazin Nr. 49 über
Paulus Böhmer: Kaddish I – X. Schöffling, 348 S. 25 €.
Hinweis auf eine Gedicht-des-Tages-Liste: DayTips.Com Daily Lists – Poem-a-Day ( http://www.daytips.com) stellte am 2.12.02 – wie immer mit Kommentar – in einer kostenlosen eMail für Abonnenten vor:
Samuel Taylor Coleridge:
Epigram
Sir, I admit your general rule,
That every poet is a fool,
But you yourself may serve to show it,
That every fool is not a poet.
bespricht ANDREAS PUFF-TROJAN in der SZ (2.12.02)
TED HUGHES: Etwas muß bleiben. Gedichte. Englisch und deutsch. Mit einer Gedenkrede von Seamus Heaney. Aus dem Englischen von Jutta und Wolfgang Kaußen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002. 200 Seiten. 14,80 Euro.
TED HUGHES: Prometheus auf seinem Felsen. Gedichte. Englisch und deutsch. Aus dem Englischen von Jutta Kaußen. Mit einem Bilderzyklus von Eva Clemens. Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 2002. 96 Seiten. 13,80 Euro.
Einen Tag zuvor entdeckte die NYT *) eine neue Seite an Ted Hughes. In dieser Ausgabe:
SELECTED POEMS, 1957-1994
By Ted Hughes.
333 pp. New York: Farrar, Straus & Giroux. Cloth, $35. Paper, $15
Empfehlenswert auch die Featured Author -Seite der NYT.
„Poetry readings“ boomen in den Staaten, und das droht noch zuzunehmen nach der Millionenspende für das Poetry magazine. Aber ist das wünschenswert?
But anyone who has sat through the typical poetry reading — the recitation of difficult verse in a strange, singsongy voice; the rambling preamble about the experience that led to the epiphany that led to the idea that led to the poem; the knowing murmurs that accompany the hint of a joke, whatever the punch line — understands why George Orwell, in his essay “Poetry and the Microphone,“ called the live reading a “grisly thing.“ …
Poetry readings don’t have to be grisly. A skillful reader plus a knowledgeable listener can add up to an instructive encounter. The critic Helen Vendler says that when good poets read, “what is transmitted is not only an individual style of thought but an individual intonational style“ that sharpens her sense of how a poet relates to his own work and makes her aware of new inflections. But few of us have read as much poetry as Vendler, and relatively few American poets know how to avoid the pitfalls of reading aloud (British poets tend to be more adept at public presentation). The most common of these is the tendency to lapse into a sort of quivering, nasal incantation, in which the voice trails upward, uncertainly, at the end of a line. This mannerism lends an oracular cast to much modern poetry, as if the poets were delivering dire prognostications or trying to awaken in the masses some sense of religious awe. But this “poetry voice,“ as one poet I know calls it, is actually the result of a technical error. It came into the world with the kind of free verse William Carlos Williams made popular, which, since it features lines broken in unexpected places, leaves the reader unsure where to pause. (Williams himself didn’t read that way until after he’d had a stroke.)
/ Judith Shulevitz, NYT *) 1.12.02
Die NYT *) (1.12.02) bespricht die Geschichte des durch Geldsegen in die Schlagzeilen geratenen Poetry magazine (vgl. Lyrikzeitung 11/2002). Eine Zeitschrift, die noch in ihren Absagen Erfolg hat – hat sie doch nicht nur die jetzige Großspenderin abgelehnt, sondern auch die ersten Einsendungen von William Carlos Williams, John Ashbery oder Elizabeth Bishop. Die Gründerin Harriet Monroe an Ezra Pound:
“It is true that a lot of our versifiers think they must talk in Tennysonian or Elizabethan, but if you could see the letters we write them you will realize that we are trying to train them out of that.“
Vokale mit Farben zu verbinden, war, wie John Gage gezeigt hat, seit dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts im Kontext der «audition colorée» beziehungsweise des «Farbenhörens» ein Phänomen, das zunächst Psychologen und dann auch bildende Künstler nachhaltig interessierte; für die Letzteren ging ein wesentlicher Stimulus seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts von Arthur Rimbauds Gedicht «Voyelles» aus. Klee kannte das Werk des französischen Dichters. Zu Weihnachten 1913 hatte er eine deutsche Ausgabe der Dichtungen von Rimbaud seiner Frau persönlich gewidmet. Im ersten Vers des Gedichtes «Vokale» schreibt Rimbaud den fünf Vokalen folgende Farben zu: «A schwarz, E weiss, I rot, U grün, O blau». Klees Auflistung im «Skizzenbuch Bürgi» liest sich wie eine kritische Adaption von Rimbauds Erfindung. Klee ging von den gleichen Farben wie der Dichter aus, ergänzte allein den Farbton «lichter Ocker», ordnete diesen dem Vokal a zu, und in der Folge übertrug er die von Rimbaud gewählten Farben in der gleichen Reihenfolge auf die folgenden vier Vokale, vertauschte dabei allerdings o mit u. In zwei Fällen verkehrte er durch seine Verschiebung die Zuordnung von Rimbaud direkt ins Gegenteil: Er assoziierte e mit Schwarz statt Weiss und o mit Rot statt dem komplementären Farbton Grün. / NZZ 30.11.02
/ 30.11.02
Anna de Noailles (1876-1933) Der Frieden (NZZ 30.11.02) – – – Anna Achmatowa: Letzter Tag in Rom. (ebd.) – – – Vittorio Sereni: Anni Dopo (ebd.)
Als Lyriker ist Nabokov bisher kaum wahrgenommen worden, vielleicht deshalb, weil er sich der Moderne konsequent verweigert und eher bei klassischen Vorbildern angeknüpft hat, die er mit bisweilen pedantisch wirkendem Eifer, wenn auch mit höchstem Kunstverstand nachahmte.
/ Felix Philipp Ingold über den Band «Stichotvorenija», Sankt Petersburg 2002, der nebst exakt 597 Gedichten rund 100 Seiten Kommentar sowie, als eigenständigen Forschungsbeitrag, ein umfangreiches Vorwort enthält. NZZ 30.11.02
Der da spricht, ist ein Querstromschwimmer:
Gewagt das Überqueren gewagt meine Stimme der breite Strom
Der sensible Beobachter geht ein in die Flusslandschaft:
Da ein Ufer dort ein anderes auch nicht meines mit weicher Kreide gezeichnet Lastkähne Rebzeilen badisches Land Herbstgerüche wagen sich über Grenze und Wasser und setzen sich zu mir nah zu mir als seien wir seit langem befreundet
/ Irène Bourquin, Landbote 30.11.02 über den Maler und Lyriker Werner Lutz (Basel).
Werner Lutz: «Schattenhangschreiten», Gedichte, Verlag Im Waldgut, Frauenfeld 2002, 87 Seiten
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