SMS-Lyrik

Der neuen Gattung der SMS-Lyrik stellt sich Detlev Kuhlbrodt in der taz vom 10.2.03

US-Lyriker gegen Krieg

Immer mehr amerikanische Lyriker äussern sich öffentlich gegen den Kurs ihrer Regierung auf einen Irak-Krieg. Auch Poeten, die ansonsten unpolitisch seien, sollten sich mit Protestäusserungen nicht zurückhalten, erklärte Amerikas amtierender Dichterfürst (Poet Laureate), Billy Collins, nach US-Medienberichten vom Donnerstag. Sie könnten sich nicht auf ihre Lyrik zurückziehen, „während dieses Land in einen Krieg getrieben wird“. …

Collins, seine Amtsvorgänger als Poet Laureate Richard Wilbur, Stanley Kunitz und Rita Dove sowie der Nobelpreisträger Derek Walcott und nahezu 40 weitere Lyriker hatten bereits im vergangenen Monat eine Anti-Kriegs-Petition unterzeichnet. Sam Hamill, derzeit einer der prominentesten Poeten der USA, rief dazu auf, Gedichte gegen den Krieg zu schreiben. / Basler Zeitung 8.2.03

Hamill rief dazu auf, den 12. Februar (zu dem die First Lady namhafte Dichter ein- und inzwischen wieder ausgeladen hat) zu einem Tag der Dichtung gegen den Krieg zu machen.

Mehr: http://www.poetsagainstthewar.org/

S.a. Stuttgarter Zeitung 8.2.03 / Kurier 7.2.03 / NZZ 11.2.03

Berichte über die Lesung der ausgeladenen Dichter: SZ 14.2.03 /

Prominent poets gather in Vermont for a reading in protest of war with Iraq. (From the Rutland Herald .)

Deutsche Lyrik gegen Blödheit

Der Fotograf und Lyrik-Autodidakt Ralf Schmerberg erläutert in der Berliner Morgenpost (8.2.03) , wie er zu seinem Film Poem kam

Sein Film „Poem“ erlebt heute in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz seine Uraufführung. Wiederholung: Sonntag, 16 Uhr, Volksbühne (Tickets sind nur für die Wiederholung erhältlich)

Suhrkamp der Araber

Stefan Weidner berichtet über die Kairoer Buchmesse (FAZ 8.2.03):

Der Geheimtip war diesmal der „Kamel-Verlag“ des in Köln lebenden irakischen Dichters Khalid Al-Maaly. Vom Selbstverlag für irakische Avantgarde-Lyrik hat sich „Kamel“ im Lauf seiner zwanzigjährigen Geschichte zum „Suhrkamp der Araber“ gewandelt. Hier erscheint mittlerweile mehr deutsche Literatur als in jedem anderen arabischen Verlag.

The Raven

Edgar Allen Poes Wunsch, lieber das beste Lied einer Nation als dessen bestes Epos verfasst zu haben, ging mit seinem oft vertonten Gedicht „Eldorado“ schon fast in Erfüllung; mit Lou Reeds „The Raven“ aber hat er ein neues, ein zeitgemäßes und völlig überraschendes Denkmal für Edgar Allan Poe, den Songwriter, erhalten. / KARL BRUCKMAIER, SZ 8.2.03

Das Tal der Rituale

Für die FAZ bespricht Harald Hartung, 8.2.03:

Fuad Rifka

„Das Tal der Rituale“
Ausgewählte Gedichte, arabisch-deutsch

Straelener Manuskripte Verlag, Straelen 2002, ISBN 3891070497
Gebunden, 128 Seiten, 26,00 EUR

Gedichte zum Sonnabend

Klaus Merz, NZZ 8.2.03 – – – Stéphane Mallarmé , ebd . – – – Friedrich Schiller, FAZ 8.2.03

Orangenkalzit

In der Textgalerie des Freitag vom 7.2.03 stellt Michael Braun ein Gedicht von Ralf Rothmann vor:

Das schöne Rätsel dieses Gedichts beginnt schon im ersten Vers, mit einem Wunschbild des Dichters. An wen ist es adressiert? Ist es eine Bitte, die hier vorgetragen wird, oder schon ein Gebet? Wer könnte für die Erfüllung des Wunsches nach den Essentialien des Dichterischen, nach »Stimme und Gedichte«, zuständig sein? Die Musen, die einst als göttlicher Hauch verstandene »Inspiration« oder gar eine veritable transzendente Instanz? Das Dichterische wird jedenfalls mit den illuminierenden Energien eines Steins gleichgesetzt. Der Orangenkalzit ist ein Stein von farbintensiver Transparenz, dem man in der esoterischen Heilkunde außerordentliche Wirkungen auf das innere Gleichgewicht und die Stabilisierung des Ich zuschreibt.

Metamorphosen des Ovid

Martin Bauer bemüht Ovid aus aktuellem Anlaß:

Auch in die kleinste Auswahl der Grundbücher der abendländischen Zivilisation gehören die „Metamorphosen“ des Ovid. Annähernd 20 000 lateinische Verse handeln von einer Götter- und Menschenwelt, die von ständigem Wandel beherrscht wird. Es sind diese Verwandlungen, aus denen sich Konflikte ergeben. Zugleich führen die Verwandlungen aber auch zur Lösung der Konflikte. Die Aufgabe, vor die Ovid sein Publikum stellt, besteht also darin, in der Ursache von Konflikten die Instrumente ihrer Bewältigung zu erkennen. Man kann Ovids Vertrauen in die zivilisierende Macht der Metamorphose belächeln, als die Marotte eines Intellektuellen abtun, der sich so über das Elend seiner Verbannung hinwegtrösten wollte. Aber der Mythos hat immer Recht. / Berliner Zeitung 5.2.03

Gegen „Surenpingpong“,

das Herauslösen einzelner Zitate aus dem Koran durch Freund und Feind, schreibt Navid Kermani, SZ 4.2.03:

„Der Koran ist eine Schrift zwischen zwei Buchdeckeln, die nicht spricht; es sind die Menschen, die mit ihm sprechen“, sagt Imam Ali. Die Offenbarung bedarf der Interpretation, und erst mit Blick auf ihre realpolitische Wirkung lässt sich über den Islam sprechen. Dass sein Bild in der Gegenwart erschreckend aggressive Züge aufweist, darüber darf nicht geschwiegen werden und es sollte muslimische Denker mehr beunruhigen als westliche Klischees; wer jedoch in der Intoleranz einen Wesenskern speziell des Islams zu erkennen meint, leugnet die gewalttätigere Geschichte des Christentums.

(Ihm antwortete der Orientalist Rainer Brunner am 17.2.03 SZ)

Nationalbibliothek?

Kreativ-Schreiber, stille Poeten und – sollte es sie noch geben – Genies will die Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes mit einem Wettbewerb entdecken. Zum sechsten Mal schreibt sie einen Gedichtwettbewerb aus. Es gibt Geld- und Sachpreise in Höhe von insgesamt 6000 Euro zu gewinnen. Zudem erhält jeder Teilnehmer ein Gutachten seines Werkes durch die Fachjury. Bei einem Lyrik-Festival werden die Siegergedichte öffentlich vorgetragen.

Wer darf mitmachen?

Jeder, der ein selbst verfasstes Gedicht in deutscher Sprache einsendet, nimmt am Gedichtwettbewerb 2003 der NATIONALBIBLIOTHEK DES DEUTSCHSPRACHIGEN GEDICHTES teil. Der Wettbewerb ist also wieder für jedermann offen, die Teilnahme ist kostenlos. Aufgefordert mitzumachen sind insbesondere auch solche Autoren, die bisher noch nie veröffentlicht haben. / 4.2.03

www.nationalbibliothek.de

Je rêve tellement fort de toi.

Das kritzelte der französische Journalist und Schriftsteller Robert Desnos (1900–1945) auf einen Zettel, nachdem er, von den Russen aus Theresienstadt befreit, in einem Krankenhaus im Sterben lag. Die Worte galten seiner Frau und Witwe Youki Desnos in Paris. Wie so viele junge Begabungen hatte auch er anfangs mit dem von Paul Claudel 1925 als Klub von Pädophilen denunzierten Kreis der Surrealisten um André Breton kokettiert; wie so viele zerstritt auch Desnos sich nur wenig später mit Bréton. Als die Deutschen Paris besetzten, brachen die verschiedenen Vorkriegsfraktionen Pariser Intellektueller, es kam zu wechselnden Bündnissen und abrupten Feindschaften. /

HANS JAKOB MEIER, SZ 4.2.03 über

PAUL SÉRANT: Dictionnaire des Ecrivains francais sous l’Occupation. Editions Grancher, Paris 2002. 348 Seiten, 22 Euro.

Mein Armloch

Im titel -magazin bespricht Klaus Hübner, 4.2.03

Rosa von Praunheim: Mein Armloch. Martin Schmitz Verlag. 2002. Broschur. 120 Seiten. € 14,50. ISBN 3-927795-36-4

Antilopenmond

NZZ lobt eine neue Anthologie afrikanischer Liebeslyrik

Und mit glücklicher Erschütterung spürt man dann plötzlich die Kraft und die Wut eines Syl Cheney-Coker (aus Sierra Leone) oder den Zynismus der grossartigen Ingrid Jonker aus Südafrika (* 1933), die sich 32-jährig das Leben nahm: «Ich steh zur Seite denen / die den Sex missbrauchen».

und verweist auf einen gewichtigen Mangel des Buchs:

Versammelt sind nur Gedichte, die in Englisch, Französisch oder Portugiesisch geschrieben wurden, in den Welt- und Kolonialsprachen. Bis auf Ausnahmen ausgespart blieben – weil nur schwer übertragbar – Verse aus afrikanischen Sprachen. Was aber wäre Afrikas Lyrik ohne ihre oralen Traditionen?

Uwe Stolzmann, NZZ 4.2.03

Peter Ripken und Véronique Tadjo (Hg.): Antilopenmond. Liebesgedichte aus Afrika. Mit Illustrationen von Juliane Steinbach. Aus dem Englischen von Thomas Brückner. Aus dem Französischen von Sigrid Gross. Aus dem Portugiesischen von Inés Koebel. Peter-Hammer-Verlag, Wuppertal 2002. 188 S., Fr. 30.80.

Außerdem: Genoveva Dieterich über die 1989 auf Spanisch erschienenen Erinnerungen der jüngsten Schwester des spanischen Dichters Federico Garcia Lorca , der 1936 von den Franquisten ermordet wurde.

Nachruf auf Annemarie Schimmel

Ms. Schimmel taught generations of students in a breathtaking style that included lecturing with her eyes closed and reciting long passages of mystical poetry from memory. She spoke Arabic, Farsi, Turkish, Urdu and Punjabi. / NYT 2.2.03

Mehr Nachrufe auf Annemarie Schimmel siehe Ausgabe Januar 2003.