Kategorie: Deutschland

Bruno

Schwieriger Umgang mit dem Abweichler
Es hilft nicht, die Instrumente zu zeigen:
Er hat sie beschrieben
Er beharrt auf seinem feindlichen Standpunkt
Daß sich die Erde bewegt

wieheißtesnochmal

es gibt deutsche
und das deutschsein
es gibt die brd, ddr, die wiedervereinigung
es gibt das wir und es gibt das
wieheißtesnochmal

Auf Rilkes Torso

Toll,
dieses Standbild von dem Gott Apoll!
Ohne Kopf zwar, hat auch keine
Arme oder Beine.
Aber dafür sooo viel Seele

Wo ist mein Leben nun, in dich hineingeliebt, geblieben?

Und immer träum ich doch im Tanzen, tanz in Träumen,
Und blüh im Raume – und verwelk in Räumen.
Meine Augen sind ein Sehn und ein Versehn,
Meine Haare sind ein Wehn und ein Verwehn.

Johann Jakob Dusch (1725-1787)

So äfft ein alter Wahn mit Sätzen und Gestalten,
Die wir für die Natur und für die Wahrheit halten.

Arbeite dich im Schwall der Meinungen empor (…)

Heinz Czechowski (1935-2009)

Erziehungsberechtigt,
Und doch
Ständig erzogen von meinen Erziehern,

Mit gelockerter Zunge
Mündig geworden,
Und doch
Ständig mich anhaltend, den Mund zu halten,

Geh ich
Noch immer im Kreis.

„Dem Dichter kann sie sein Gedicht nicht rauben“

Hat sie uns vieles auch geraubt, die Zeit,
Dem Dichter kann sie sein Gedicht nicht rauben,
Noch dir und mir, woran wir Beide glauben,
Gehn wir nur immer unsern Weg zu zweit.

Vu nemt men a bisele Glik

und der Kapo
im Schatten der Erde.
Die im Winde klirrenden »links«.
Und der Kapo trunken von Küssen:
Vu nemt men a bisele mazl.

Aus den briefen an unbekannte

gerhard, frage ich mich
wie schreibt man ein fettes gedicht
#TillmannSeverin #GerhardFalkner

mer šprahen

šprahen der mušel
šprahen des merbaums
merere šprahen

Kind von Traurigkeit

Ich bin ein Kind von Traurigkeit.
Vor meinen Augen sah Stirn Welt.
Krone trug ich stets um m Hals.
Gut Freund mit der Betonung früh.
Ich bin ein Kind von Traurigkeit.

Kultur

Er ist fünfundvierzig.
Im Schmetterlingsstil
schwimmt er durch seinen
eigenen Mist von klein auf.
Das ganze Zimmer ist voll.

Paul Pörtner 100 (Neue Musik und Neue Poesie)

die stählernen engel der dinge
holen uns ein.

Frederike Frei 80

Wo wohnen die Wörter im
Schlaf in der Stille des
Sturms im ruhig Blut im
unwirschen un in der
Einsilbe Nein, im Nachhall
des Ja, immer im Nimmer, im
Zimmergrau, im Immerblau

Rufe zur Nacht

Ich, der Dichter Jesse Thoor –
dem Zünglein, Zeh und Ohr
und die Seele fror!