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Veröffentlicht am 3. November 2025 von lyrikzeitung
177 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Dieter Wellershoff
(* 3. November 1925 in Neuss; † 15. Juni 2018 in Köln)
Momente. So geschehen die Dinge.
Hinter deinem Rücken wird es Herbst.
Plötzlich tritt Blut aus einer Wunde
und du weißt wieder
unter der Haut
ist dieses pumpende Adernetz.
Immer herein Herrschaften!
Schauen Sie die Wunder der Welt!
Diesmal ist es eine Frau
in einem langen grünen Kleid.
Bist du sicher daß du sie gesehen hast?
Wie die Dinge abhanden kommen
als seien sie nicht zugelassen.
Dies Glas ist ausgetrunken
die eisernen Rüstungen in den Vitrinen
sind leer.
Nichts scheint einfacher als
diese Vorstellung zu verlassen.
1973
Aus: Dieter Wellershoff, Doppelt belichtetes Seestück und andere Texte. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1974, S. 265
Dieter Wellershoff (1925–2018) war ein deutscher Erzähler, Lyriker und Essayist. Nach dem Krieg studierte er Germanistik, Psychologie und Kunstgeschichte in Bonn und arbeitete später als Lektor bei Kiepenheuer & Witsch. Als Mitbegründer der „Kölner Schule des Neuen Realismus“ prägte er die deutsche Nachkriegsliteratur mit einem sachlich-analytischen Stil, der die menschliche Wahrnehmung und Existenz in einer zunehmend entfremdeten Welt erkundet.
Neben Romanen und Essays verfasste Wellershoff auch Gedichte, in denen sich klare Sprache und poetische Nüchternheit verbinden.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: deutsche Lyrik, deutsche Moderne, Dieter Wellershoff, Doppelt belichtetes Seestück, Existentialismus, Gegenwartslyrik, Kölner Schule, Kiepenheuer & Witsch, Lyrikzeitung, Momente So geschehen die Dinge, Neuer Realismus, Poesie der 1970er, Vergänglichkeit, Wahrnehmung, Wellershoff 100
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