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Veröffentlicht am 18. Dezember 2023 von lyrikzeitung
Aus den Ghaselen des Mewlana Dschelaleddin Rumi. (Übersetzt von Friedrich Rückert)
Die Ghasele oder das Ghasel ist eine kunstvolle Gedichtform, bei der die ersten beiden Zeilen reimen und dieser eine Reim dann über das ganze Gedicht in jeder zweiten Zeile wiederholt wird (Monoreim). In der Regel baut der Dichter am Ende seinen eigenen Namen ein. Dschelaleddin, das ist Rumi. Die Reime sind oft länger als die bei uns üblichen Formen einsilbig (männlich, wie Herz/Schmerz) oder zweisilbig (weiblich, wie Liebe/Triebe). Rückert gelingt ein fünfsilbiger Reim ohne eine einzige Wiederholung: Frage, wo ist er? / Tage, wo ist er…
Nach welchem ich frage, wo ist er?
Den in mir ich trage, wo ist er?
Der ragende Baum der Gedanken,
An den ich nicht rage, wo ist er?
Ich frage die Hüter am Wege:
Der Schönste im Hage, wo ist er?
Ich frage die Wächter des Weinbergs:
Der Schöne der Tage, wo ist er?
Ich streiche durch Wälder und Felder:
Der Hirsch, den ich jage, wo ist er?
Ich frage den Mond und die Sonne:
Beim Sternengelage, wo ist er?
Er ist nicht bei mir; bei den andern,
Wo ist er? ich klage, wo ist er?
Dschelaleddin, wenn du ihn fandest,
Ich such' ihn, o sage, wo ist er?
Mehr bei Projekt Gutenberg

Zwiesprache mit Rumi
Kalligraphie von 1278 (5 Jahr nach Rumis Tod)
Fotos aus dem Rumimuseum und -mausoleum in Konya, Gratz

Kategorie: Afghanistan, Persisch, TürkeiSchlagworte: Friedrich Rückert, Rumi
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