5 antiklassische Epigramme

Friedrich Hölderlin schreibt sich frei vom einengenden Einfluß der Klassiker, vor allem des verehrten Friedrich Schiller. Vermutlich Mitte Oktober 1797 entstehen fünf Epigramme, die hier in der Fassung der jeweils ersten Niederschrift wiedergegeben werden.

Guter Rath.

Hast du Verstand und ein Herz, so zeige nur eines von beiden,
   Beides verdammen sie dir, zeigest du beides zugleich.
Advocatus Diaboli.

Tief ist im Herzen verhaßt mir die Rotte der Herren und Pfaffen,
   Aber noch mehr das Genie, macht es gemein sich damit.
Lieben Brüder! versucht es nur nicht, was Groß[es] zu finden,
   Ehrt das Schicksal und tragts, Stümper auf Erden zu seyn;
Denn ist einmal der Kopf voran, so folget der Schweif auch
   Und die klassische Zeit deutscher Poëten ist aus.
Die beschreibende Poësie.  

Ist ein Zeitungsschreiber Apoll?
Fürchtet das Alter nicht, ihr Dichter

Wißt! Apoll ist der Gott der Zeitungsschreiber geworden 
   Und sein Mann ist, wer ihm treulich das Faktum erzählt.
Falsche Popularität.

O der Menschenkenner! er macht stellt sich kindisch mit Kindern
   Aber der Baum und das Kind suchet, was über ihm ist.

Nach: Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke. Kritische Textausgabe. Band 6: Elegien und Epigramme. Hrsg. D.E. Sattler. Darmstadt u. Neuwied: Luchterhand, 1979, S. 44f

One Comment on “5 antiklassische Epigramme

  1. Als early morning Gruss, ertrag ich sogleich, Stümperin des Schlafes zu sein. Die Krähen schreien, schwirren aber leider nicht flugs zur Stadt, sondern nisten- hoffentlich nicht in meinem Haupte. Mit jedem Krächzlaut schwingt der Buchenast unter dem schwarzen Vogel rhythmisch, schön zu schauen. Habs heute rundum warm und harmonisch, p.

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