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Veröffentlicht am 27. Oktober 2018 von lyrikzeitung
Sylvia Plath
( * 27. Oktober 1932 in Jamaica Plain bei Boston, Massachusetts; † 11. Februar 1963 in Primrose Hill, London)
Totgeboren
Diese Gedichte leben nicht: eine traurige Diagnose.
Dabei wuchsen sie gut, ihre Zehen- und Fingertriebe.
Ihre kleinen Stirnen schwollen vor Konzentration.
Wenn sie es nicht schafften herumzulaufen wie Menschen,
Lag’s nicht an einem Mangel an Mutterliebe.
Ach, ich kann nicht verstehn was mit ihnen passiert ist!
Sie sind richtig in Form und Anzahl und allem Drumrum.
Sie sitzen so nett in der salzigen Flüssigkeit!
Sie lächeln und lächeln und lächeln und lächeln mir zu.
Und doch füllen die Lungen sich nicht und das Herz bleibt stumm.
Sie sind keine Schweine, sie sind noch nicht einmal Fische,
Obwohl sie ein schweiniges, fischiges Wesen haben—
Es wär besser, wären sie lebendig, und das ist’s‚ was sie waren.
Doch sie sind tot, und die Mutter fast tot vor Verzweiflung,
Und sie starren blöde und wollen nichts von ihr sagen.
Aus: Sylvia Plath: Übers Wasser. Nachgelassene Gedichte zweisprachig. Aus dem Amerikanischen von Judith Zander. Wiesbaden: Luxbooks, 2013, S. 61
Kategorie: Englisch, USASchlagworte: Judith Zander, Sylvia Plath
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so eine großartige dichterin!
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