Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 25. Juli 2018 von lyrikzeitung
Felix Philipp Ingold
Fortschritt (1) Als Betonkeiler schießt an jedem Ende ein "Wir sind!" empor, mit tollem Pathos und in blödem Einerlei nimmt das vereinte "Wir!", bevor "Ich bin!" zum letztenmal das Sagen hat, feist überhand und ist schon da und hält die Luft besetzt. Zu fragen, was "Ich bin!" dem "Wir sind!" noch an Da- sein ist, ist weit gefehlt, solang das Massenschwein, was schön und Frei- heit sei, allein bestimmt. "Wir sind!" meint Hang nach vorn, ist Stoß- und Saugwut, heißt dabei auch "Bin!", doch ohne Personalpronomen. "Sind wir?" (Striktes Tierverbot.) "NO MEN!"
Aus: Felix Philipp Ingold, Unzeit. Gedichte. Stuttgart: Klett-Cotta, 1981, S. 16
Kategorie: Deutsch, SchweizSchlagworte: Felix Philipp Ingold, L&Poe-Anthologie
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare