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Veröffentlicht am 30. April 2016 von lyrikzeitung
„Beyoglu Blues“, „Istanbul Bootleg“ und „Taksim Tango“ heißen die drei Gedichtbände, aus denen der 1982 in Köln geborene Lyriker Gerrit Wustmann am Mittwochabend in der Buchhandlung Akzente in Offenburg las. Mit dem Lyrik-Abend, der vom Hausacher Lyriker José F. A. Oliver schon traditionsgemäß kuratiert und moderiert wird, endete die Wortspielreihe 2016.
Der Abend war im eigentlichen Sinn keine Lesung, sondern ein Gespräch unter Istanbul-Kennern und -liebhabern, haben doch Wustmann und Oliver Schreibaufenthalte in der türkischen Metropole literarisch verarbeitet. Beide Autoren schreiben vor allem freie Rhythmen ohne Reim, beide verwenden eine sehr bildhafte Sprache, beide verstehen sich als politisch, ohne aber ihre Gedichte zu Agitation zu nutzen. Wustmann widerlegt das – oft allzu wohlfeil geäußerte – Diktum der Weltferne von Lyrik und des politischen Desinteresses junger Autoren, indem er auf Olivers Anstoß, mehr über die Gedichte als über die Türkei zu reden, erwidert, dass er das genau umgekehrt sieht. „Die Gedichte kann man vortragen, aber reden muss man über die Inhalte“, findet er. Und obwohl diese Inhalte eine Liebeserklärung an die Bosporus-Metropole sind, an „Katzen, Möwen, Müll, Taschendiebe, Wasserverkäufer und Schuhputzer“, an das vormals weltoffene und entspannte Miteinander von Bekenntnissen und Lebensweisen, steckt viel aktuelle politische Kritik darin. / Juliana Eiland-Jung, Badische Zeitung
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Gerrit Wustmann, Istanbul, José F.A. Oliver, Juliana Eiland-Jung, Offenburg
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