„Weiterschreiben“

Die Berner Lyrikerin Andrea Maria Keller erschafft mit wenigen Worten vielschichtige Klangräume. Am Mittwoch erhält sie für ihre Funde ein «Weiterschreiben»-Stipendium.

Die Preisfeier «Weiterschreiben» fand am Mittwochabend um 20 Uhr in der Aula des Progr in Bern statt.

Der Bund schreibt u.a. über die wortschatzkarten der Autorin:

Das Sprachbergwerk der Andrea Maria Keller wartet aber noch mit anderen Funden auf: Ihre listigen Wortneuschöpfungen, die den geistigen Nährwert einer «vorstellungskraftsbrühe» aufweisen und die verspielt-subversive Seite dieser Lyrikerin ins schönste Licht rücken.

«Mich hat damals eine veritable Wortspielsucht ergriffen», sagt die Autorin, «ich sammelte Hunderte von Wörtern und Kombinationen, und konnte gar nicht mehr aufhören.» Sie zwang sich dann zur Beschränkung: Unter dem Titel «tagesdiebesgut» hat sie im vergangenen Jahr eine Box mit 99 «wortschatzkarten» veröffentlicht. Auf jeder Karte steht ein Wort, je eine Zusammensetzung zweier an sich bekannter, unspektakulärer Wörter, die fusioniert mitunter explosive semantische Energien freilegen: Da prallen Kraftfelder aufeinander, neue Bedeutungsebenen werden geschaffen, der Leser verlässt vertrautes Denkterrain und macht sich auf, unbekannte Vorstellungswelten zu erkunden. Da werden Neuschöpfungen in ein anderes Land geschmuggelt, wo sie sich vielleicht langsam in den Köpfen einnisten, allmählich in den Sprachgebrauch übergehen und eines Tages sogar die Wahrnehmung der Wirklichkeit verändern werden – man darf gespannt sein, wann eine Wortkreation von Andrea Maria Keller erstmals im Duden auftauchen wird.

Die «Weiterschreiben«-Stipendien der Literaturkommission der Stadt Bern gehen in diesem Jahr an Dagny Gioulami, Andrea Maria Keller, Reto Finger und an den Verein Buchowski. Mit den Stipendien will die Kommission Autoren ermutigen, ihre Arbeit weiterzuführen.

Sie verleiht die mit je 10’000 Franken dotierten Stipendien aber auch an Literaturvermittler. Der Verein Buchowski ist laut einer Mitteilung der städtischen Präsidialdirektion in den letzten Jahren mit vielen Initiativen zur Leseförderung in Erscheinung getreten und wird deshalb geehrt. / Der Bund

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