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Veröffentlicht am 20. Juli 2012 von lyrikzeitung
Kristoffer Patrick Cornils über Michael Fiedler, junge Welt 18.7. (hier auf seiner Seite):
Infinitive und Substantive werden aneinandergereiht, wiederholt und zu neuen Bedeutungskontexten zusammengebastelt. Dabei tun sich überraschende, schöne Bilder auf: »Wildfarben, / Blenden, / Abdampfschlag, / Grundrisse in Blütenstaub«. Doch im abgesteckten Rahmen der konventionellen Formen fangen die aufgefundenen Fremdkörper nicht an zu interagieren, haben etwas Listenhaftes, dem nur mit viel Phantasie poetische Momente abgerungen werden können. Den »Ausflüge[n] in unser kollektives Bewußtsein, das sich im Internet offenbaren kann«, wie Fiedler im Nachwort Jan Kuhlbrodts zitiert wird, kommt er nicht bei. Die Sprache verliert ihre Agilität, wird zu Textsäulen eingefroren.
»Geometrie und Fertigteile« lockt mit einer Idee, die mehr Radikalität vermuten läßt, als sie in sich trägt. Nicht, weil der Band es nicht schaffen würde, die genannte Schlinge zu knüpfen, sondern weil das Format des Buchs sie eingrenzt. Vielleicht hätte Fiedler seine Texte als interaktive Grafik oder rhizomatische Tagwolke arrangieren, mit Hyperlinks versehen und als erschlagende Vielfalt auftreten lassen sollen. Das Nebeneinander, das er hier und da zuläßt, zeugt vom Versuch, den Input zu reduzieren, statt die Assoziationen wuchern zu lassen. Die Sprache wird festgenagelt.
Michael Fiedler: Geometrie und Fertigteile – Gedichte. Poetenladen, Leipzig 2012, 64 Seiten, 16,80 Euro
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Kristoffer Patrick Cornils, Michael Fiedler
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