4. Weniger Theater

Mehr Film, weniger Theater möchte man den immer wieder Trakl-Verse zitierenden Schauspielern bisweilen zurufen. Die Dialoge sind oft pathetisch. Und die hingebungsvolle Darstellung der an multipler Drogensucht leidenden Familie sorgt für unfreiwillige Komik. Etwa wenn die Mutter beim Zusammentreffen mit den anstrengenden Kindern stets erst zum Laudanum greift! So vorbildlich es sein mag, bezüglich der Einnahme bewusstseinsverändernder Substanzen die Perspektive der Drogenbeauftragten der Bundesregierung einzunehmen, so öde ist es. Tatsächlich bleibt die Frage, ob Trakl jemals eine einzige brauchbare Zeile geschrieben hätte, wenn er nicht so munter Alkohol, Opiate, Koks und Sonstiges genossen hätte.

Und das alles aus Schuldgefühl wegen der inspirierenden Liebe zur Schwester, wie der Film glauben machen will? In seltsamer Ausblendung der historischen Situation kurz vor dem Ersten Weltkrieg wird Georgs Schaffen und Scheitern einzig und allein dem Inzest zugeschrieben.  …

In der Reduzierung auf den Inzest entsteht das Bild eines unsympathischen Egomanen, dessen Selbstmitleid alsbald nervt. Den Wunsch, Georg Trakl zu lesen, spürt man nach „Tabu“ jedenfalls nicht mehr. / Katja Lüthge, FR

Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden Österr./Dtl. 2011. Regie: Christoph Stark; 100 Min., Farbe. FSK ab 16.

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