46. Maria Luise Weissmann

An die Lyrikerin Maria Luise Weissmann (1899–1929) erinnert ein aktueller Eintrag im Autorenlexikon des Literaturblogs Bayern.

Weg im Nebel

Nun wird die Spur der Füße langsam ungetan,
Und aus der Tiefe, aus der tiefen Tiefe steigt
Das Trübe, schwadengrauer Nebel himmelan.

Nun wird der Augen-Aufblick langsam leer,
Und aus der Höhe, aus der hohen Höhe neigt
Die Wolke sich, sinkt Nebel erdwärts schwer.

Nun drängt zu dem verwandten Un-Gesicht
Das Wesenlose aus den fahlen Gründen
Und hebt sich sehnend ins versäumte Licht.

Nun flieht, was war: es fliehen Busch und Baum,
Flieh’n Berg und Tal, die sich zur Flucht verbünden,
Es fliehst du, Herz. Es floh’n die Zeit, der Raum.

Land wurde Meer. Meer wurde schwälend Schaum.
Ihn schlürft, sich fröstelnd zu entzünden,
Das ungelebte Leben und der ungeträumte Traum.

(zitiert nach http://www.wortblume.de/dichterinnen/)

3 Comments on “46. Maria Luise Weissmann

  1. Gedichte von Weissmann sind auch in der von mir editierten Anthologie „Fremde Fahnen – Vergessene Dichter der Moderne“, die 2012 im Verlagshaus J. Frank erschienen wird.

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