35. Teufelsküche

WAWERZINEK: Wir haben uns geeinigt, dass ich der Feingeist bin.

KRAMPITZ: Und ich der Agitator.

Der waren Sie auch, als Sie sich im Vorjahr das Jörg-Haider-Gästebuch aus dem Bergbaumuseum mitgenommen haben. Haben Sie mit diesem Skandal gerechnet?

KRAMPITZ: Nein. Ich hatte den Auftrag für „Volltext“ einen Artikel über Klagenfurt zu schreiben und keine Ahnung. Dann sehe ich das Buch und denke, das ist eine authentische Quelle. Wenn ich frage, ob ich es haben kann, reißen die alle Stellen raus, die ich haben will, und drinnen abschreiben kann ich nicht. Also zack.

Werden Sie Ähnliches tun?

WAWERZINEK: Nein. Das ist nicht zu toppen. Unter uns: Ich hätte so etwas auch gar nicht gemacht. Aber jetzt heißt es, ah, der Stadtschreiber, sobald er da ist. Ich stehe auf und möchte die Hand schütteln und die gehen alle an mir vorbei und schütteln ihm die Hand. Er hat mit diesem Haider-Buch-Klau Sympathien gewonnen.

KRAMPITZ: Für mich ist es eine bittere Erfahrung, mehr Presse zu bekommen, wenn ich ein Buch klaue, als wenn ich eins schreibe.

Was bedeutet Ihnen die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann?

KRAMPITZ: Ich finde ihre Gedichte sehr schön – diese radikal-pazifistischen Gedichte.

WAWERZINEK: Ich halte die Bachmann für weit überschätzt. KRAMPITZ (unterbricht ihn): Du bringst uns beide in Teufelsküche. Also ich kann nicht solche Gedichte schreiben.

WAWERZINEK: Natürlich kannst du das.

/ BETTINA AUER, Kleine Zeitung

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