91. Ohne Absicht

Sie arbeiten an Gedichten?

Jetzt nicht mehr. Ich habe im März damit angefangen, da hat mich mit einem Mal die Gedichtwut gepackt – aber im Oktober ist sie genauso plötzlich wieder erloschen. Ich hatte keinerlei Erfahrungen mit Lyrik – wenn man von ein paar Versuchen als Jugendlicher einmal absieht.

Wie würden Sie Ihre Gedichte beschreiben? Eher wie Celan oder wie Fried? Wobei ich gleich sage: Ich mag beide.

Ich mag beide nicht. Bei Celan habe ich das Gefühl, er weiß, was er will, sagt es mir aber nicht. Bei Fried, er weiß, was er will, und sagt es mir zu deutlich. Bei beiden spüre ich eine Absicht. Und Absichten in der Literatur verstimmen bekanntlich. Mein liebster Lyriker ist William Carlos Williams. Das ist für mich wahre Poesie: Weil sie die Dinge als Dinge anerkennt. Die Lyrik missbraucht ja die Welt gerne als Metapher: Ich borge mir einen Wald aus und meine damit etwas ganz anderes.

/ Michael Köhlmeier im Gespräch mit der Presse, 13.12.

One Comment on “91. Ohne Absicht

  1. E R S T E L E S U N G & PUBLIKATION :

    ERIKA BURKART / MISCHA VETERE
    G E H E I M B U N D
    D E R S T I L L E

    – ein Lyrik-Abtausch aus 15 Jahren
    oder von der poetischen
    Zwiesprache im virtuellen
    Zeitalter

    am donnerstag, 28. januar 2010 um 19 uhr

    in der projektgalerie, werdstrasse 128, zürich-wiedikon
    (S-Bahn, Tram 9 / 14 Haltestelle Bhf-Wiedikon; 2 Gehminuten)

    der auf die Lesung erscheinende, gleichnamige privatdruck kann am abend bezogen und/oder über e-mail-adresse mischa.vetere@gmx.ch reserviert werden (erste auflage 100 exemplare – first come, first serve).

    lang lebe erika!

    & herzlich

    mischa vetere

    ps: als vorgeschmack eine abfolge aus GEHEIMBUND DER STILLE (I-10) * :

    haiku

    das brot ist der laib
    und die krume –
    das ganze als EINHEIT
    und teil

    mischa vetere (1994)
    [in „rimbaud reaming“,
    XII-2008]

    *

    DER HAIKU-SCHREIBER

    Für M.

    Den Blick haben
    für den einen
    Tropfen im Regen:
    Spiegel dem All
    einen Augenblitz kurz,
    eine Erdzeit lang.

    E r i k a B u r k a r t
    [in „Geheimbrief“, II-2009]

    spiegel bild
    (haiku)

    spiegel dem all,
    einen augen
    blick kurz
    erklang unser
    lang, kurz,
    lang.

    mv

    [in
    „post-trauma -versuch
    einer antwort“, V-2009]

    * es fehlt das gedicht ’sputnik (von der läuterung)‘ [XII-08], av anfang der I. von VII strophen mit titel ’schrott‘: „hundert gedichte frieden, / fünfzig schützend die welt um verbesserte / kommunikation im all / nabelschau aus der vogelperspektive / worte verhindern kriege immer wieder / pflanzen bäume in den himmel (…)“

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