8. Generation von 1927

Leserbrief zu Nr. 62/ Juli 2004 – faz-meldung:

»Es fehlte bisher nur einer, und das war Luis Cernuda. Von allen anderen großen Lyrikern aus der spanischen Generation von 1927, einschließlich der Vorläufer Antonio Machado und Juan Ramón Jiménez, lagen Buchveröffentlichungen in deutscher Sprache vor.«

juan ramón und Machado als vorläufer der 27er … klar, auf jeden fall, so wie george und trakl auch irgendwie vorläufer von celan, eich, huchel, bachmann, aichinger & co. sind, irgendwie.

»Von Luis Cernuda gab es nur einzelne Gedichte auf deutsch in Anthologien und ein 1978 in Leipzig erschienenes Auswahlbändchen, vor allem der frühen Gedichte, das außerhalb der DDR kaum bekannt wurde.«

von gerardo diego gab und gibt es bislang nur ein in berlin erschienenes auswahlbändchen

Titel/Stichwort    : Gedichte [span. u. dt.] Versos
Freitext1953/81    : Illustr.: Peter Kuckei. (Übers. v. Bernward Vesper-Triangel.) (Berlin: Studio Neue Literatur 1964). 89 S. 4 (8)(Studio-Bibliothek. 2.)

(aus dem katalog der bayerischen staatsbibliothek)

–, welches wohl weder außer- noch innerhalb der ddr besonders bekannt wurde. diego hatte aber nicht nur als herausgeber der anthologie »Poesía española contemporánea« entscheidenden einfluss auf die konstituierung der 27er, sondern war und ist mit seinen bänden »Manual de espumas« und »Versos humanos« und weiteren einer der großen des silbernen zeitalters (dass er sehr alt wurde und natürlich auch dies und das weniger extrem-aufregende geschrieben hat, ist ein anderer punkt, der aber für viele gilt).

wie gesagt, zur info und als willkommener anlass, Ihnen für Ihre site zu danken.

axel sanjosé

Lieber Axel Sanjosé,

vielen Dank für Ihre Mail! Tatsächlich fehlt dieser Band bisher in meiner Bibliothek. Von Diego, der 1896 in Santander geboren wurde und 1927 zu den Initiatoren der großen Góngoraausstellung in Madrid zählte, finde ich nur ein paar Texte in den Anthologien „das bist du mensch. Kleine Anthologie moderner Weltlyrik“ (Hartfrid Voss Verlag 1963) und „Poetas españoles. La generacion del 27. Spanische Dichter. Die Generation von 1927“ (dtv 1980). Und eine kleine  Spur nach Leipzig und Greifswald: Im Greifswalder Verlag kunstleutekunst erschien der Gedichtband „Chlebnikov am Meer. Gedichte und Gedichtgedichte“ von Bertram Reinecke, der zur Zeit in Leipzig studiert. Darin gibt es eine Diego-Übersetzung – unten das Original und die deutsche Fassung von Reinecke.

Freundlich nächtliche Grüße
Michael Gratz

Gerardo Diego

Insomnio

Tú y tu desnudo sueño. No lo sabes.
Duermes. No. No lo sabes. Yo en desvelo,
y tú, inocente, duermes bajo el cielo.
Tú por tu sueño y por el mar las naves.

En cárceles de espacio, aéreas llaves
te me encierran, recluyen, roban. Hielo
cristal de aire en mil hojas. No. No hay vuelo
que alce hasta ti las alas de mis aves.

Saber que duermes tú, cierta, segura
—cauce fiel de abandono, línea pura—,
tan cerca de mis brazos maniatados.

Qué pavorosa esclavitud de isleño,
yo insomne, loco, en los acantilados,
las naves por el mar, tú por tu sueño.

(De «Alondra de verdad»)

Schlaflos

Nach S. Diego, Insomnio

Du und dein entblößter Schlaf. Du weißt nicht.
Du schläfst. Nein, du weißt  es nicht. Ich zerwache
und du, schuldlos, schläfst den Himmel gering.
Du durch deinen Schlaf und durchs Meer die Schiffe.

Verschloßne,  in nichtige Fernekerker
du mir Geraubte. – Spiegel von Luft, kalt
auf tausend Fluren – Nein. Der meiner Vögel
Schwingen hebt zu dir, es gibt den Flug nicht.

Ich weiß, du schläfst, Unbestimmte, gewiß
– Aufgabe Treuer Abfluß, reine Linie –
so nah dem Mut meiner gebundnen Hand

welch verzagte Knechtschaft des Insulaners
ich irre, schlaflos, bei den Steilhängen
durchs Meer die Schiffe, du durch deinen Schlaf.

25. Das Werk

Angelika Janz:
Das Werk!

Weh, wer sich selber
blüht:
Das hat wie dein Sinn
für das Falten Gestalten
geklungen:
geh, wenns dich selber
flieht.

Hoch das Kinn,
das Veralten ist
nur dem Verwalten
entsprungen!

Wie hat das geklungen,
als Gewinn,
der sich zieht,
durchdrungen von kalten,
geleckten Mustern
der Zungen
hochriß Gelingen,
und was galten dir
Willen, Abschied und Biß?

Versteh, wer bemüht
sich verzieht –
im Stillen – der sieht.

12/96

42. Darstellung von Einzelheiten

In der Leipziger Volkszeitung vom 12.6. erinnert sich der Lyriker Heinz Czechowski an seine Zeit am Leipziger Literaturinstitut:

1955 wurde ich von der Arbeitsgemeinschaft junger Autoren zum Studium an das Literaturinstitut empfohlen. Obwohl ich mich mit Gedichten beworben hatte, versteifte ich mich während eines Aufnahmegesprächs zu der Ansicht, Lyriker hätten als Schriftsteller keine Daseinsberechtigung. Ein heftig Zigarre rauchender Herr im Affenhautpullover war amüsiert. Ich berief mich auf Brechts Theorie vom Gebrauchswert des Gedichts. Ich weiß nicht mehr, wie die Sache ausging, jedenfalls wurde meine Bewerbung akzeptiert und ich zur eigenen Überraschung Student am Institut für Literatur auf der Tauchnitzstraße. Unterschlupf fand ich bei Mutter Selle auf der Eutritzscher Straße. Mutter Selle hatte vor mir schon Karl-Heinz Jakobs beherbergt. Von den Veranstaltungen des Literaturinstitutes sind heute nur noch die Lyrikseminare Georg Maurers, des Herrn im Affenhautpullover, erwähnenswert.

Maurer war es auch, der uns den Zugang zur Moderne öffnete. Seine vergleichende Methode überzeugte nicht durch Überredung, sondern durch die Darstellung von Einzelheiten, welche die Literaturgeschichte von der Sappho bis zu Kurt Schwitters überliefert hatte. Während wir Adepten uns noch in Sicherheit wiegten und mit Diskussionen die Kneipen frequentierten, zog sich über unseren Köpfen ein Gewitter zusammen, dessen Folgen vor allem den begabten, jedoch unglücklichen Werner Bräunig erreichten. Er wurde zum Alkoholiker und starb jung in Halle-Neustadt. In der ausgezeichneten Bibliothek des Institutes, eingerichtet von einem sachkundigen Bibliothekar, der die DDR gerade verlassen hatte, lasen wir viel von dem, was in der DDR unerwünscht war: Joyce, Karl Kraus‘ „Fackel“, Ezra Pound, Broch. Gedichtbände von Enzensberger oder der Bachmann, illegal eingeschmuggelt, machten die Runde. Im berühmten Hörsaal 40 der Uni versammelte Hans Mayer westdeutsche Berühmtheiten. Ernst Bloch sah man im Haus der DSF, wo frühe Filme aufgeführt wurden. Man wurde das Gefühl nicht los, dass es noch ein anderes Leipzig gab.

Aller Anfang ist Zeremonie oder Fragmente, labile Gleichgewichte

Angelika Janz 

Aller Anfang ist Zeremonie oder
Fragmente, labile Gleichgewichte


Inhalt
Der Text besteht aus 3 römisch numerierten Absätzen. Die „Zwischenüberschriften“ dieser Inhaltsübersicht sind nicht Bestandtteil des Vortragstextes, wie er im „Wiecker Boten“ 19-21/ 1998 abgedruckt ist, sondern sollen der leichteren Übersicht in der Netzfassung dienen.

 

I.

Nach Lage der Dinge gibt es Verschiebungen…
Fragment, Fragmentierung, Aesthetik des Fragments
Am 31. Januar 1922 schrieb R.M. Rilke folgendes Gedicht…

II.

Fragmente, Scherben, Reste, Bruchstücke, Relikte, Spuren…
Das Fragment könnte Aussichtsort einer Haltung sein

III.

Sich über die dunklen Seiten der Vernunft (Fragmenttext)
Diese Wesensbestimmung des Fragmentes als Speicher

Schluß


I. 

Nach Lage der Dinge gibt es Verschiebungen.
Entgegengesetztes trifft sich in Ergänzung.
Verwandtes trennt sich vom Plan,
Parallel-Laufendes wächst zusammen.
Die Täuschung entlarvt, was Fehler benannt haben.
Ein Satz kräuselt sich bildhaft schön, ja,
ein Wort zur Lage ein paarmal gewendet,
ein Trümmer, ein Grund, ein Stück,
darauf baut sich die Regel, das Spiel.

1979

  • Das Fragment – geheime Kontinuität des Offenen, Ankunft und Präsenz allen Kunsttuns, dessen Angebot zum Unterwegsbleiben.  Aller Anfang ist Zeremonie und – Fragment.  Sinn ist überall, ein Sog versprengter Verirrungen, kleinste Reaktionen zertrennter Materie, wenn Stoff von sich selbst getrennt wird.
  • In jedem „gelungenen“ Kunstwerk halten auf fragwürdige Weise die Begriffe „defekt“ und „wiederhergestellt“ – in einem ursprünglichen Sinn, das eine wie immer gestaltete, bewegte, immer bewegte Einheit voraussetzt, einander in Schach.  Den Platz, den diese Einheit, das „Ganze“ einmal eingenommen hat, belegt das Fragment: Das An-und Abgebrochene, das an seinen Bruchstellen auf eine wie immer geartete Totalität verweist, das minutiös fixierte Vor-Läufige auf dem Weg zu seiner Herkunft.
    Meine über 2 Jahrzehnte lange Arbeit an den Grenzzonen vom Literatur und Kunst, Bild und Text, in der das Fragment sich zunehmend als HALTUNG jedem Anfangen anverwandelte, in der die Unterscheidung der Disziplinen Literatur und Kunst zweitrangig wurden, begegnete immer wieder der Spur, ob der eigenen oder fremden oder der eigenen als fremdgewordenen wie der fremden als anverwandelt eigenen als einer Art Dejà-Vu-Relikt:

    Spuren assoziieren ihre Herkunft aus Vergangenem, vor allem aber aus etwas anderem, was sie selber nicht sind.
    Der Mensch, der die Spur in die Erde setzte, ist vorübergegangen, das Foto, das sie festgehalten hat, ist nicht Garantie für Authentizität, jeder „Rest“ ist ein Anlaß für Sehnsucht, der gebunden werden muß an eine Geschichte, ehe er – wieder, neu – markiert.
    Fragment, Fragmentierung, Aesthetik des Fragments:
    Herkunft, Ankunft, Präsenz und Wirksamkeit des Fragmentes akzentuieren, realisieren sich auf dreifache Weise:

    • Fragment ist Fundstück, Bruchstück eines einstigen (immer utopisch bleibenden!) Ganzen.  Hierzu zählt sich auch das Fragment als ein Ergebnis bewußt inszenierter Auflösung oder Zerstörung
    • Das Fragment wird gemacht, hergestellt, ohne, daß ein Ganzes zuvor existiert hätte, jedoch nun, in aller Präsenz, sich als Teil eines Ganzen ausweist.
    • Die Geschichte der Künste, ob Literatur, darstellende, bildende Kunst oder Musik, ist ein offen gehaltener Speicher für diese beiden Gestalten des Fragments.

    • Die dritte Form – das Fragment als Haltung – ist dem künstlerischer Tun selbst zuzuordnen, als Bewegung, Ereignis, ZuFall, Gegenwärtigkeit, GeistesGegenwart, Gestimmtheit und Zusichselberkommen in der Ankunft des künstlerischen Impulses.

    Dieses Fragmentereignis als Haltung ist selber nicht Stoff, Materie, sondern es entfaltet und qualifiziert diese erst im Offenen, fixiert sie in der Spannung des Augenblicks.Sprechen könnte man hier auch von einer Anteilhabe am großen immer utopisch bleibenden Entwurf der Welt, des Daseins, Anteilhabe im Zufallen des künstlerischen Impulses, der Voraussetzung, Bedingung für alle Materialisierung in, und als Kunst.

    Am 31. Januar 1922 schrieb R.M. Rilke folgendes Gedicht, das mich seit den Anfängen meiner Arbeit begleitet, mich in Realisierung und Auslegung meiner Arbeit immer wieder neu motiviert:

    Solang du Selbstgeworfnes fängst, ist alles
    Geschicklichkeit und läßlicher Gewinn -;
    erst wenn du plötzlich Fänger wirst des Balles,
    den eine ewige Mit-Spielerin
    dir zuwarf, deiner Mitte, in genau
    gekonntem Schwung, in einem jener Bögen
    aus Gottes großem Brückenbau:
    erst dann ist Fangen-Können ein Vermögen, –
    nicht deines, einer Welt…….

    Rilke beschreibt hier das Fragment als Ereignis, als Zusichselberkommen von Kunst, wobei der Künstler zum Mit-Spieler und Medium zur Vermittlung wie zum „Empfang“ eines großen Plans gerät – Platon liegt nahe,- die Sprache, Sprache, die auf Wahrhaftigkeit abzielt, spricht sich selber – durch uns.  Wir sind in solcher Haltung – Station, Hindurchgang und wieder Station; Ort der Ankunft wie auch, weitergedacht, des Mangels, des Verlustes – das Fragment strah1t auf eine Vollendung wie auch auf sein Verletztsein, sein Teil-Sein, Angebrochensein hin, wie der Phantomschmerz eines abgetrennten Gliedmaßes.

    Was allen drei Fragmentgestalten gemeinsam ist, das ist ihre Abstrahlung, ihre Aura:

    • Das Fundstück, die Scherbe, das Bruchstück „strahlt“ das Ganze einer einstigen Unverserhtheit aus
    • Das gemachte, hergestellte Fragment strahlt Intention und Sinngestimmtheit seines Schöpfers im Hinblick auf die Bindung des Betrachters/Hörers an eine EinDeutigkeit aus
    • Das Fragment als ZuFall, Ereignis, Anteilhabe verströmt die Aura von Sinn schlechthin, als Einheit von Immanenz und Transzendenz (die immer utopisch bleiben muß), als immer wieder Anfang einer Zeremonie

    Ein Wechselspiel von Vertraut- und Fremdheit, von Authentizität und Erinnerung.  Die Geschichte des Fragmentes in den Künsten ist die offengehaltene Geschichte des Eigenen, die an die Geschichte des Anderen, des Fremden stößt, in immer wieder neuen Anverwandlungsprozessen.

    II.

    Die Geschichte der Überlieferung beginnt vielleicht da, wo ein zur Genüge erforschter Planet einen anderen streift, der fremdes Leben nicht kennt.  Die Erschütterung hinterläßt Jahrtausende später jenes Echo, das der Nervöse als die Vibration seiner Nervenenden, der Romantiker als das Schlagen seines Herzens wiedererkennt.  Immer aber deckt das fremde Leben nur Partien und Passagen eines großen Zusammenhangs ein, und auf anderen Sternen kennt man vielleicht gar kein Anderes.
    1986

    Fragmente, Scherben, Reste, Bruchstücke, Relikte, Spuren – sie sind nicht Versprechen auf die Wiederherstellung jener einstigen Ganzheit, an der sie – historisch gesehen – noch teilhaben.  Die Umrisse, Frakturen ihres Bruchs bleiben, sind unreparabel, sind Bruchstellen der neuen Identität eines möglichen Ganzen, eine Art Imperativ für die OffenGehaltenheit künstlerischen Tuns (ausgenommen die digitale Kunst: hier scheinen die Bruchstellen ausgelöscht, wenn sie nicht ausdrücklich zu dokumentarischen Zwecken gespeichert werden –

    das Fragmentarische hat seine Spuren nur noch in den Hirnzellen seines Korrektors abgelegt) .

    Anders: Das Fragmentgewordene zeigt seine Wunden, konzentriert um seine Verletzungen alle Energien, die aus seinem KERN schießen, um neue Haut bilden zu können.  Es wird neue Brüche, Frakturen geben, Spuren: ihre Herkunft assoziierend aus dem Anderen, Fremdgewordenen.  Und doch wird das Neue sich in seiner Wirkung im Idealbild gelungener Kunst wiederfinden wollen, dem es nichts hinzuzufügen, nichts abzuziehen gilt.
    Mich interessieren die Nahtstellen und Grenzen korrespondierend-fragmentarischen Arbeitens in Bild- und Wortsprache, jenseits gegenseitiger illustratorischer Deckungen.  Das Zugeordnetsein, das scheinbar Aneinandergenähtsein von Bild und Text, ob gegenständlich oder konkret – immer findet eine gegenseitige Erweiterung formaler und inhaltlicher Wirkungen statt, es entsteht etwas „Drittes“, ein Mehrwert gerade, weil jedes Fragment eine Aura von Spekulativem abstrahlt, Phantasien entzündet, die nach einem „Zusammenstimmen“ fahnden, das nicht mit dem Bild des Schöpfers identisch sein muß.  Größte Nähe – weiteste Entfernung, lautet die regellose Regel, und auch hier kann die Arbeit mit dem Fragment an äußerste Grenzen stoßen, die das Material so verfremden, umwandeln, daß es sein Medium wechseln muß, so, wenn Text zum Bild, Sprachmaterial zu Bildmaterial wird in neu entwickelten Formen von Typografien (denken wir an Lissitzky oder Schwitters) oder umgekehrt : Wenn Bildhaftes zur Textur wird, wenn Bild-Material jenseits zu transportierender Inhalte die Funktion von Sprache übernimmt.In Bild-Text-Sequenzen.wird aus Bild-und Textfragmenten eine Geschichte vorangetrieben; man kann es bis zum Äußersten treiben und nur Fremdmaterial verwenden: Bilder, Fotos, aus Lexiken herausfotografiert, Fremdtexte aus Katalogen, Broschüren – ein jedes Bild ist mit einer solchen Fülle von Informationen und Assoziationen geladen, ein jeder Text schickt ein eidetisches Denken und Vorstellen auf zeitlos dauernde Reise, schon die Verknüpfungen mit der eigenen Geschichte gehen gegen Unendlich, – und nun geschieht etwas Eigenartiges: die mutmaßliche Beliebigkeit der Bild-und Textzuordnungen fügt sich in Sinnfälligkeit, Sinngehalt, Metaphorik und Symbolik erfinden ein je neues System, ohne sich in endgültiger Erklärbarkeit zu verschließen und somit aus der Sphäre der Kunst herauszulösen, die Offenheit des Fragmentarischen hat ihr vorläufiges BewegungsFeld gefunden.  Fragmente, labile Gleichgewichte, Depots für die konjunktivische Ganzheit von Welt.  Das Fremde ist so nah, daß es das Eigene auf Distanz hält: ein Akt der Anverwandlung des Anderen schlechthin oder, wie es Jean-Luc Nancy formulierte:“Das Fragment (die Kunst)…- es ist nichts anderes, als die multiple, diskrete, diskontinuierliche und heterogene Berührung des Seins“.
    Das Fragment könnte Aussichtsort einer Haltung sein, von der aus die Welt beobachtbar ist.
    Ist das Fragment, das Fragmentarische, eine Haltung, so wird es jede EinDeutigkeit zurückweisen.  Es besitzt Spielarten, verschwimmende oder festumrissene Erscheinungsformen durchaus, wie den Rest als das Zurückgebliebene, wie das Undefinierbare, Indifferente, Stückwerk, Splitter, es nimmt Zeugnis-und Symbolcharakter im Relikt, in der Reliquie an, sinnt auf Deckungsgleichheit, Identifizierung im Spiegel- oder Schattenbild.  Zwangsläufig bewegt sich diese Reihe auf ein Ende zu: den Tod.  Im Tod scheint alles Fragmentarische zusammengefunden.  Für die Lebenden ist der Tod – das einzige, was ein Leben wirklich abschließen kann – wieder Fragment.  Wir sprechen von der „sterblichen Hülle“, von Erinnerungen.

    Fragment ist Ankunft, hatte ich eingangs gesagt.
    Wer ankommt, weiß in der Regel, wohin er gefahren ist: Er ist im ganz Anderen angekommen.  Zuallererst sucht er nach einem Plan der neuen Gegend.  Ihm graut vor jedem überflüssigen Schritt, den er dennoch jetzt unentschieden unternimmt, solange er auf seine Gastgeber, die ihn abholen wollten, warten muß.  Oder er wird nicht abgeholt, seine Ankunft ist unvorbereitet.  Er versucht sich zu erinnern, an die Abfahrt, den allmählichen Verlust an Nähe, den Zugewinn an Ferne, der nicht ferner werden konnte, bis das Eigene an das Fremde stieß, das jetzt so nah ist, daß nur noch Exil nach innen möglich ist.

    tEXt
    bILd

    III.

    Das Fragment ist der Speicher für alle nur möglichen Anfänge.  Die Erinnerung, der Traum, jede Art schöpferischen Tuns nährt sich am Fragmentarischen.  Nicht Speicher im Sinn der Genforschung, in der jedes Fragment unseres Körpers, jede Zelle die gesamte Information unserer leiblichen und seelischen Persönlichkeit enthält – eine gefährliche Sicht des Fragmentarischen, dessen entschlüsselbarer Code in die Verführung zur Reproduzierbarkeit des Menschen mündet.  Und auch nicht Speicher im digitalen Verständnis als berechenbarer, quantifizierbarer, jederzeit verfüg- und veränderbarer Funktionswert.
    Das Fragment als Speicher ist ein offenes Gelaß, das uns im Augenblick des Betretens mit allein nur uns erreichbaren,bewegenden und beweglichen Anlässen empfängt.  Sobald wir uns für einen Anlaß entscheiden, werden wir ihn ergreifen und „auf die Spitze treiben“, sprich: Wir werden von ihm zu seiner augenblicklich besten Realisierbarkeit geführt.  Wir erinnern uns an Platon, Rilke: Die Sprache, ob die der bildhaften oder Wortkunst spricht sich selber, „Fangenkönnen ist ein Vermögen, nicht deines, einer Welt“.  Nachdem ich „Speicher“ und „Spitze“ mit meinen Überlegungen zum Fragment verbunden hatte, schlug ich die etymologische Wurzel von Speicher eher pflichtgemäß nach: ich fand seine lateinische Wurzel in „spica, Ähre, eigentlich -Spitze-„.

    Diese Wesensbestimmung des Fragmentes als Speicher für alle nur möglichen, auf die Spitze zustrebenden Anlässe liegt jedem künstlerischen Prozeß zugrunde.
    Das Beispiel aus meiner eigenen Arbeit ist die Entstehung, Erarbeitung von „Fragmenttexten“. Vermittelbar sind sie als ausgestellte in künstlerischen und publizierte in literarischen Zusammenhängen seit 1979.
    Ich verwende den Begriff „Fragmenttext“ auch dann noch,wenn die „Komplettierung“ des fremden Textkerns, Texttorsos, an seinen beschnittenen Rändern durch eigene, hinzugefügte Wortfragmente be-grenzt, jetzt Sinnfälligkeit signalisiert. Im Rahmen eines Proseminars der Universität Greifswald zur Experimentellen Literatur/Kunst / Learning by doing wurde den Studenten ein Textfragment aus dem Programm der SED zur „Bearbeitung“ vorgelegt – die verschiedenen „Komplettierungen“ dokumentieren die „Speichertheorie“.
    Das den verletzten Zeilenrändern hinzugefügte Sprachmaterial besitzt ebenso den Status eines Fragmentes wie sein Anlaß, einen Text-Heraus-schnitt, beliebig, aus beliebigen Druckwerken.
    Das Zusammenfinden beider Textfragmente führt zu einer Lesart, die im literarischen Sinne „Sinn macht“, im künstlerischen Kontext, oft rücksichtslos nach formalen Aspekten be-schnitten und handschriftlich bearbeitet, eine“Aestetik des Fragments“ postuliert.
    Das eigensprachlich Fragmentarische, ob handschriftlich, per Reiseschreibmaschine,Stempel oder Letraset, entbehrt nicht – isoliert ent-ziffert – einer Beliebigkeit, und doch konnte es nur zustande kommen, weil das Fremdtext-Fragment, als Gegenstand der augenblicklichen Gestimmtheit und Erwartung, gefunden war. Dieser Texttorso, seinem einstigen Zusammenhang ent-schnitten, entfremdet, hat sein MILIEU gewechselt; einem fremden Text entwendet, anonymisiert, reduziert bis zur Unkenntlichkeit, Unrecherchierbarkeit, reduziert auf seine buchstäbliche Materialität, hat seine Urheberschaft eingebüßt: Seine Sinnträgerschaft in Zugehörigkeit zu einem einstmals Ganzen, einer wie immer formulierten, geladenen Botschaft, wurde fragmentiert, verletzt, ja, mißachtet. Das bedeutet:
    Einer möglichen neuen Lesbarkeit, die wiederum eine Botschaft entziffern läßt, geht der Akt der Versehrung, Verunkenntlichung voraus, die Fragmente werden Reklameblättern, Handzetteln, Werbebroschüren, Verpackungen, seltener Kulturartikeln oder literarischen Quellen ent-schnitten, deren potentielle „Wiederherstellung“ nicht nur unberücksichtigt bleibt, sondern vermieden werden muß – hier liegt Material vor, das neu anverwandelt wird so lange, bis das Fremdgesetzte einer Eigengesetzlichkeit gehorcht.  Die Auslotung der Wertigkeit von Ursprungs- und Neutext spielt keine Rolle mehr.

    Diese respektlose Art, die Vogelfreiheit des gedruckten Wortes bis zur buchstäblichen Vereinzelung auszuspielen, signalisiert die Elastizität des respektabel Gedruckten, ist Ausdruck zeitgeistiger Verfügbarkeib über Lebendiges, Lebloses, Bewegliches und Unbewegliche Aufforderung zur Weiterverarbeitung inbegriffen. Über diesen Umweg gerät der digitale Umgang mit Sprache, Sprachformen – und Wirklichkeiten doch noch einmal in den Blick: unvermeidbar für heutige Praktiken in, mit und für das Finden von Fassung der Wirklichkeit an der Jahrtausendgrenze, unvermeidbar auch für alle Formen von Kritik daran, vermeidbar jedoch mit allem Nachdruck in der Bearbeitung von Fremdtext nach der „Fragmenttextmethode“.

    An den typografischen Grenzen von Fremd-und Eigentext scheiden sich die Geister.  Unter Zuhilfenahme eines Computers geriete diese Methode zu kunstgewerblerischem Besserwissen, zur Attrappe jenes künstlerischen Ankunftsprozesses, an dessen Rändern und Grenzen noch Wildnis aufscheint,isolierte Wildnis sicherlich, die ihren Rückzug bereits angetreten hat in die geistigen Exile eines unerschütterlichen Glaubenwollens an glückliche Fügungen in einem grenzenlos offen ausgespannten Ganzen der Welt.

    Das Zusammenlesen beider aneinandergenähter Fragmente – es ist ein unnachsichtiger Spiegel, in den ich hineinschaue, ein Aufblitzen von Sinn während immer vorläufig bleibender Fahndung nach einer Erfüllung von Sprache entlang scheinbar unvereinbarer Grenzen, während alles auf die Mitte zustrebt, die sich ständig verschiebt.  Beharrlichkeit des Abstandes zu aller Eindeutigkeit.  Das Unmittelbare.  Dem Zwiespalt das Zwie entzogen wie die Strahlen der Mitte.  Könnte ich Punkte setzen,von nichts aus, von mir nicht, wo bin ich dann?
    Copyright (1998) Angelika Janz
    Erschienen in Wiecker Bote 19-21 / 1998

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    77. Meraner Lyrikpreis

    In einem anderen Fall traute die Jury ihrem Lob für Matthias Göritz nicht, der es als einziger Autor gewagt hatte, aus der mitunter ängstlichen Traditionsergebenheit seiner Kollegen herauszutreten und eine Poetik der Offenheit und des fragmentarischen Subjektivität zu realisieren. Göritz´ Mut, sich wie sein Vorbild, der radikale Formzertrümmerer Rolf Dieter Brinkmann (1940-1975), auf poetisch noch unvermessenes Gelände zu wagen, „aus der (lyrischen) Sprache und den Festlegungen raus“, wurde nicht honoriert – denn die Preise gingen an die Favoriten. Die Dichterin Silke Scheuermann, die seit ihrem 2001 veröffentlichten Debütband „Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen“ einen phänomenalen Siegeszug durch die Lyrik-Szene angetreten hat,  erhielt etwas überraschend „nur“ den kleinen Förderpreis der Kurverwaltung Meran (2100 Euro). Eine „ausserordentliche Imaginationsbegabung“ (Juror Kurt Drawert), eine verblüffende Raffinesse bei der Anverwandlung mythologischer Figuren (Medusa, Arachne, usf,) hat man Silke Scheuermann zwar zugestanden – aber das Balancieren ihrer Figuren zwischen „Wunderland“ und existenziellem Abgrund stösst seit ihren Erfolgen auf zunehmendes Misstrauen. Der zweite Förderpreisträger Jan Wagner (Alfred-Gruber-Preis, 3100 Euro) betreibt ganz subtil die Revitalisierung einer ästhetizistischen Poetik. Da werden fast demonstrativ „fin de siècle“-Motive aufgerufen – aber dann folgt eine ernüchternde Wendung in die Gegenwart und unter dem Idyll lugt das Grauen hervor. An den zyklisch verwobenen Gedichten des Hauptpreisträgers Michael Donhauser (Meraner Lyrikpreis, 8000 Euro) faszinierte die Inständigkeit,  mit der in einer herbstlichen Landschaft die „Schönheit“ und Vergänglichkeit der Dinge aufgerufen werden. Donhauers lyrische Protagonisten waren schon immer Fussreisende, die im Gleichmass des Gehens durch die Landschaft ihr Versmass zu finden hofften. Mit grosser Emphase näherten sich auch seine preisgekrönten Gedichte den Phänomenen der Natur, von denen sich das Ich eine metaphysische Erlösung erhofft: „Das Sehnen und Sagen, es wehte durch/ die Fluren, ich suchte und wieder jene / Schneebeere als Gewissheit, die Schlehe / und den Holunder, in der Weite, in dem / Schwellen, Atmen, dem Heben wie von Armen, vollen, weichen, als wäre noch / und getragen so der Himmel, …..“ Ein vom Geflüster der Natur ergriffenes Ich wäre noch vor einem Jahrzehnt als schwerer Systemfehler der Dichtung moniert worden. In Michael Donhausers Dichtung erhält dieses naturempfindsame Ich wieder ein poetisches Existenzrecht
    MICHAEL  BRAUN

    [Dieser Text – hier im Auszug – wurde für die Basler Zeitung geschrieben, aber bisher offenbar (noch) nicht gedruckt. Ich danke dem Autor für die Überlassung.] 17.5.

    76. Paul Jandls Fazit zu Meran

    Mit sehr viel Wohlwollen hat die Jury aus Michael Donhausers Lyrik auch «die Härten der Geschichte» herausgelesen. Wer wie Ulla Hahn ein «Laubtreiben über einen Abstellplatz / mit Kabelrollen, mit Brettern und / Paletten von Ziegeln» gleich für eine Chiffre der Deportation halten will, kann tatsächlich auch bei Donhauser fündig werden. /  NZZ 17.5.

    21. Was sind Sie eigentlich, Herr Zahl?

    Auf den ersten Blick ist diese Geschichte reichlich skurril: Ein Schriftsteller führt einen Kampf gegen die Bürokratie, weil er ohne sein Wissen ausgebürgert wurde. Die Geschichte weist auch rührende Züge auf, denn der Schriftsteller hat Freunde, die sich um ihn kümmern. Allerdings sieht sich der Schriftsteller inzwischen existenziell etwas bedroht. Und vielleicht hat er auch deshalb Schwierigkeiten mit der Bürokratie, weil er nicht nur APO-Aktivist war, sondern nach einem Schusswechsel mit der Polizei im Jahr 1972 wegen versuchten Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde.

    Die Geschichte also beginnt damit, dass der seit 1985 wechselweise in Jamaika und Deutschland lebende Schriftsteller Peter Paul Zahl im September 2002 bei einem Besuch in der deutschen Botschaft in Kingston erfuhr, dass er schon seit 1995 kein deutscher Staatsbürger mehr sei und er seinen deutschen Pass abzugeben habe. Der Grund: Nachdem er 1995 auf Anraten der jamaikanischen Behörden einen jamaikanischen Pass beantragt und auch bekommen hatte, hätte er es versäumt, so das Auswärtige Amt in einem Schreiben an Zahl vom Dezember 2002, eine so genannte Beibehaltungsgenehmigung zu beantragen, die gewährleiste, dass er weiter deutscher Staatsangehöriger bleibe. / Gerritt Bartels, taz 6.5.

     

    Vgl. auch Spiegel online

     

    70. Poesie-Unternehmer

    Eine kleine Stiftung gibt seit vielen Jahrzehnten eine kleine bedeutende Zeitschrift heraus. Über die Jahrzehnte veröffentlichte sie viele später große Dichter zum ersten Mal – so 1915 einen 23jährigen Studenten namens T.S. Eliot. Immer krebste sie am Rande der Existenz, bis ihr vor ein paar Jahren eine reiche Dame (deren Gedichte die Zeitschrift dankend ablehnte) eine große Summe überwies: $ 200 Millionen. Zeitschrift und Stiftung heißen schlicht funktional Poetry. Jetzt hat die Stiftung einen neuen Vorsitzenden – John W. Barr, nicht nur Dichter, sondern auch ein ehemaliger Investmentbanker. Er sagt:

    In both of these fields you use creativity to find order in a chaotic experience… Business does that in the external world. Poetry does it internally by way of articulation. / NYT *) 19.4.04

    69. Ruzickas Celan

    Im Frühjahr 1970 hatte Peter Ruzicka sein ¸¸Parsifal-Erlebnis“, das für ihn bald existenzielle Dimensionen annahm. Der junge Komponist begegnete da in Paris dem Dichter Paul Celan, einem 49-jährigen, im Innern zerstörten Menschen, der sich wenige Monate später von einer Seine-Brücke in den Tod stürzte. ¸¸Weißt du, was du sahst?“ mochte sich Ruzicka mit Richard Wagner angesichts des wortkargen, durch psychiatrische Therapien ¸¸zerheilten“ Dichters gefragt haben. Da schon ahnte er, dass Celans Leiden an Deutschland und den Deutschen, die seine Eltern töteten und ihn als Bündel von Schuldkomplexen hinterließen – dass dieses in geheimnisvollen Versen kodifizierte Schicksal auch für die Nachgeborenen nicht ausgestanden war. / Zur Aufführung in Köln, SZ 24.4.04

    68. Bi-. ja Multi-

    Was für ein Land – zweisprachig, also bikultural, aber viele Nationen (multikultural), amerikanisch mit einem Schuß Europa. Eine ganze Kanada-Literaturbeilage in der NZZ vom 24.4.04, darunter

    • George Bowering, ein experimentierender, oppositioneller, nicht repräsentativer Dichter als poet laureate (haben sie deshalb die Königin von England abserviert?). Er sagt:

    Das Beste an Kanada ist, dass es nicht dieses oder jenes ist. Es ist dieses und jenes.

    • wie sich anglophone und frankophone Strömungen gegenseitig bereichern und wie aus dem konservativen Quebec ein Ort de Avantgarde wurde
    • wie der Ungar George Faludy kanadischer Autor wurde

    67. Langweilig?

    Die taz vom 24.4.04 findet diese beiden Bücher nicht so schlimm, aber langweilig:

    Albert Ostermaier: „Solarplexus“. 140 Seiten mit CD, 20,80 Euro;

    Silke Scheuermann: „Der zärtlichste Punkt im All“. 72 Seiten, 16,90 Euro.

    Beide bei Suhrkamp, Frankfurt/M. 2004

    66. Timbuktu/ Mali – Hort des Wissens

    … Some scholars believe there are up to one million manuscripts in Mali, about 100,000 of which are in the Timbuktu region. These texts — possibly the most ancient to survive in sub-Saharan Africa — offer a window into the ways black Muslim scholars thought and imagined the world around them over centuries. Sean O’Fahey, a professor of Islamic African history at the University of Bergen, in Norway, who has worked extensively with European aid agencies across Africa, said that part of the problem in Mali, unlike such other African countries as the Sudan, is that most of the people who own these manuscripts cannot read them because they do not know Arabic. „So what you’ve got in Mali,“ he explained, „is a kind of break in the intellectual heritage.“ / NYT*) 24.4.04

    65. Petrarca mit falschem Kopf

    Kurz vor dem Beginn der Feierlichkeiten zum 700. Geburtstag des Dichters Francesco Petrarca (1304-1374) haben italienische Forscher eine kurios-makabre Entdeckung gemacht: Der Schädel, der bei der Exhumierung Ende vergangenen Jahres im Grab des Humanisten gefunden wurde, stammt von einer Frau. Der Körper sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der von Petrarca.

    Petrarca, kopflos Glosse von Tilman Krause Berliner Morgenpost 24.4.04
    Die Nachricht auf ORF
    Mitteldeutsche Zeitung 19.11.2003 über die Exhumierung

    64. Tatsächlich: Generation Lecker

    Nachtrag zu –> 18, 04/04

    Das war 2004 Prüfungsthema in Baden-Württemberg

    Die Analyse des Textes Generation Lecker. Total lecker – keine Doppelhaushälfte ohne Milchschaumdüse“ von Wolfgang Abel (aus: Badische Zeitung, 19. Oktober 2002)

    Google beschert mir außerdem u.a. ein Interview mit einem gewissen Daniel Küblböck:

    Hast du eigentlich einen persönlichen Favoriten unter deinen Parfüms? Schwer zu sagen! Aber wenn ich mich jetzt spontan für eins entscheiden muß, dann wähle ich Romantic! Der Duft ist zuerst ganz fruchtig mit Ananas und Zitrone, dann kommt eine würzige Note aus Schokolade und Zimt. Lecker, oder? Ich hätte Koch werden sollen…

    63. War doch nur ein Gedicht (Indecent proposal poem)

    Wie gefährlich die Poesie ist, offenbart sich gegenwärtig wieder einmal – vor einem Londoner Gericht:

    A millionaire businessman admitted yesterday that he had become „much too close“ to a school teacher he is alleged to have offered to buy for $1m in a love poem, entitled „Knocking on Heaven’s Door“.

    But Brian Maccaba, 45, who is suing a senior rabbi who allegedly called him a „sexual predator“ for slander, told the High Court in London that his relationship with Nathalie Attar had never been sexual and was more akin to that of a brother and sister.

    The entrepreneur, an Irish Catholic who converted to Judaism in 1990, said he and Mrs Attar had grown close between June 1998 and August 1999 through a mutual interest in poetry while both were experiencing marriage difficulties.

    His voice at times breaking with emotion, Mr Maccaba told the jury that he realised by May 1999 their relationship had become emotionally „much too close“ and that he decided to bring it to an end. The court heard he wrote two poems for Mrs Attar’s birthday, the themes of which were in part „let’s be brother and sister“.

    Mr Maccaba said: „Poetry is particularly dangerous because it is a personal thing and it led perhaps to greater closeness.“ / Independent 23.4.04