21. Stipendiaten in der Villa Concordia

Unter den zwölf Stipendiatinnen und Stipendiaten, die seit Mitte April im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia Bamberg ihren Aufenthalt haben, sind auch je eine Autorin und ein Autor aus Island mit Lyrik im eigenen Werk:

Sigurbjörg Þrastardóttir wurde am 27. August 1973 in Akranes, Island, geboren. Die Lyrikerin und Dramatikerin arbeitet neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit als Journalistin bei der Tageszeitung Morgunblaðið. Ihr Roman Sólar sögu (deutsch etwa: Die Geschichte von Sól) wurde 2002 mit dem Tómas Guðmundsson Literaturpreis ausgezeichnet.

Einar Kárason wurde am 24. November 1955 in Reykjavik, Island, geboren. Er hat Lyrik, aber vor allem Prosa veröffentlicht und ist in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. Auf dem deutschen Markt ist jüngst „Versöhnung und Groll“ bei btb erschienen. Kárason gilt als einer der bedeutendsten isländischen Autoren der Gegenwart. Seit 1985 ist er auch Vorstandsmitglied des Reykjaviker Literatur Festivals.

20. Gedichte? Erst recht

Nachdem sein Sohn ein Opfer des Drogenkriegs wurde, hat sich der Poet Javier Sicilia geschworen, keine Gedichte mehr zu schreiben. „El mundo ya no es digno de la palabra“, heißt es in seinem erklärtermaßen letzten Gedicht: „Die Welt ist des Wortes nicht mehr würdig.“

Diese nachvollziehbare Konsequenz bleibt zum Glück die Entscheidung eines Einzelnen. Die junge Literaturszene in Mexiko Stadt gibt sich alle Mühe, auch unter diesen Umständen weiterzuarbeiten. Das zeigt sich vor allem in den Büchern der Independent-Verlage Textofilia und Sur+. Der Dichterin und Verlegerin Gabriela Jauregui von Sur+ ist die Situation des Landes ein Grund, sich erst recht zu engagieren. …

Jetzt organisiert und ediert sie eine Anthologie von Dichtern aus Ciudad Juárez, jener Stadt an der Grenze zu den USA, die derzeit die höchste Mordrate der Welt verzeichnen soll.

In dem Band befinden sich auch Arbeiten des jungen Dichters Rubén Macías Esparza, der bereits eine Antwort auf Sicilias Absage an die Poesie verfasst hat: „Javier Sicilia / Vergiss nicht, dass die Poesie / die Buchstaben des Namens deines Sohnes weiterträgt“, heißt es da. „Mach deine Tinte klarer / unter diesem Pulver, das uns erdrückt / Javier / Sing uns heute deine Gedichte und entgehe / den Kugeln, die deinen Sohn ermordet haben und folg /damit nicht / der Schmerz zu existieren uns alle zersetzt.“  / Johannes Thumfart, Die Zeit

19. 20. Sächsischer Literaturfrühling

„Der entfesselte Pegasus – Literatur trotz(t) Markt“ vom 4. Mai – 1. Juni 2011

Aus dem Programm:

Sa. 7. Mai ab 20.00 Uhr
Völkerschlachtdenkmal, 04299 Leipzig, Straße des 18. Oktober 100,
während der Nacht der Museen
Lyrik und Sax
20.00 Uhr Roland Erb (li.) mit Versen vom Hiersein und Reisen
21.00 Uhr Andreas Reimann (Mi.) mit dem neuen Gedichtband „Gräber und drüber“
22.00 Uhr Bertram Reinecke (re.) Meditationen über Tod und Form
Das Saxophon spielt Michael Breitenbach.

Mi. 11. Mai 20.00 Uhr
Buchhandlung LeseZeichen, 01099 Dresden, Prießnitzstraße 58
Lied aus reinem Nichts. Deutschsprachige Lyrik des 21. Jahrhunderts
Sie wollen sich „tief über die lyrischen Grasbüschel beugen“, nämlich Michael Braun, Mitherausgeber der Sammlung neuester Lyrik, und der Poet und Aktivist des Literaturforums Dresden, e.V., Patrick Beck. „Gute Dichtung“, meinen sie, „beginnt mit dem Totalverlust aller Gewissheiten.“

Fr. 13. Mai 20.00 Uhr
Leipziger Literaturverlag,
04229 Leipzig, Brockhausstr. 56
„Beide Sommer“ von Utz Rachowski und
„Nichtstun als Handlungsmaxime“ von Victor Kalinke
Gleich zwei BUCHPREMIEREN an einem Abend! Dazu spielt der Gitarrist Matthias Huth sanften Blues.

Do. 26. Mai 18.00 Uhr
Buchhandlung Hugendubel, 04109 Leipzig, Peterstr. 12-14
Verse und andere Verbrechen
Clemens Meyer nennt Andreas Reimann „einen unserer besten Dichter“, und -ky lobt an Steffen Mohr, dass er dem Krimi „zu literarischem Ansehen“ verholfen hat. In einer ungewöhnlichen Paarung erlebt man die beiden Kultautoren ihres Genres. Während Reimann Lyrik aus seinem Band „Bewohnbare Stadt“ liest, trägt Mohr erstmals die Mordsstory „Ziehvater“ über Leipzigs Jugend-Drogenszene vor.

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18. Jack Hirschman auf Lesereise

Jack Hirschman, der 1933 als Sohn russischer Juden aus der zweiten Einwanderergeneration in der Bronx geboren wurde, ist ein Linker, ein kompromissloser Dichter, der einen Großteil seines Lebens buchstäblich auf der Straße verbracht und im Verlauf seines Lebens mehr als 100 Gedichtbände (z.B. »Endless Treshold«, »All That’s Left«, »Front Lines«) entweder selbst geschrieben und veröffentlicht oder als Arbeiten anderer Dichter aus dem Russischen, dem Italienischen, dem Albanischen und sechs weiteren Sprachen übersetzt und dadurch in den Vereinigten Staaten bekannt gemacht hat, darunter etwa einen Auszug aus Rilkes »Duineser Elegien« oder Anthologien von Pier Paolo Pasolini und Antonin Artaud. Er ist zudem Mitherausgeber des Werkes »Open Gate: An Anthology Of Haitian Creole Poetry«. …

Vor kurzem ist mit »Wer trägt Sorge / Who Cares« in der kleinen österreichischen Edition BAES von Hirschman ein zweisprachiger Gedichtband (Übersetzung: Jürgen Schneider) erschienen, aus dem er im Mai in Österreich und Deutschland lesen wird:

5. Mai in Innsbruck: Buchhandlung Thalia, Museumsstraße 4 (19 Uhr)
6. Mai in München: Lothringer Straße 13 (19 Uhr)
7. Mai in Berlin: Rumbalotte Continua, Metzer Straße 9 (21 Uhr)

/ ostblog.de 

Hier eine Seite von Odile Endres mit zwei Übersetzungen von Hirschman-Gedichten

17. Schlachtfeld der Seele

Texte von Bundeswehrsoldaten über ihre Erfahrungen bei Auslandseinsätzen, die in Lyrik übertragen sowie anschließend von Leipziger Komponisten vertont wurden und vom Leipziger Gewandhauschor vorgetragen werden: Die Ergebnisse dieses außergewöhnlichen Projekts sind am Samstag im Leipziger Gewandhaus zu erleben. Mit „Schlachtfeld der Seele“ ist überschrieben, was aus der gemeinsamen Arbeit von Soldaten und Künstlern entstanden ist. / Freie Presse 4.5.

16. Die schönsten Wörter

Die schönsten Wörter in Daniela Seels neuem Gedichtband „ich kann diese stelle nicht wiederfinden“ sind „kondomverpackungsschnitzel“, „schmauchspurtattoo“ und – wenn man gleich zwei zusammen nimmt – „klinkenkunde für klinkenkunden“, allesamt klein geschrieben, wohlgemerkt.

Und die schönsten Wörter wären keine, wenn es sich bei ihnen nur um Blendwerk handeln würde, wenn sie nicht eingebettet wären in die Tragfähigkeit der einzelnen Gedichte. Daniela Seel hat ihren Band in fünf Gedichtreihen unterteilt, die in sich eher assoziativ oder auch thematisch komponiert sind. Das Wort „schmauchspurtattoo“ stammt aus der Reihe „fuchsia“. Um ein Gefühl für das Spiel der Autorin mit ihren Begriffen zu bekommen, bietet ihre Vorstellung von dem Wort „fuchsia“ einen guten Anfang:

„Am Wort ‚Fuchsia‘ hat mich genau dieses Hybride gereizt, dass es erstmal natürlich eine Pflanze ist und dann aber auch schon im allgemeinen Sprachgebrauch eine Farbe bezeichnet, und dass es aber auch so nahe am Fuchs dran ist, dass es ganz leicht zum Tier wird und durch das A und durch die Klanggestalt auch ein Kosewort ist, und so wie ich es in dem konkreten Gedicht verwende, ist es ja eigentlich eine Koseansprechform für eine Person. Und genau eben dieses Aufplatzende der Bedeutung und dass es plötzlich in viele Dimensionen ausgreift, das hat mich an dem Begriff fasziniert, und dann natürlich auch wieder die Klanggestalt, es ist einfach ein wahnsinnig schönes Wort, was man ganz toll sagen kann – fuchsia.“

/ Volkmar Mühleis, DLR

Daniela Seel: „ich kann diese stelle nicht wiederfinden“
Gedichte. KOOKbooks Verlag, 64 Seiten kosten 17,90 Euro 

15. „Es sind kleine Finale, kleine Stolpersteine“

Manch anderer würde so ein Wort einfach hinschreiben und stolz auf sich sein: „Löschpapierhimmel“.

Doch bei Johanna Schwedes stehen solche Worte nicht einfach da, liegen herum wie bunte Glasperlen. Ihre Bilder entwickeln sich immer wieder weiter. Und die neuen Assoziationen sind für den Leser nachvollziehbar. Er erlebt mit, wie sich aus einem scheinbar so hingetupften Wort eine neue Situation, eine neue Szenerie entwickelt. Das zeichnet alle Gedichte in diesem Bändchen aus: Die Gedichte entfalten ihr Leben und ihre Stimmung vor den Augen des Lesers. Sie nehmen ihn mit. Manchmal tauchen sie ihn auch ein in diese besondere Stimmung, in der man nur noch ganz schrecklich, schrecklich traurig sein möchte und schwermütig auf einer sich leerenden Wiese mitten im Johannapark. Oder an ähnlichen Orten.

Jenseits der aufgesetzten Euphorie kann Leipzig auch ganz schwermütig, traurig und manchmal auch wesentlich sein. Und der „Löschpapierhimmel“?

„unterm Löschpapierhimmel / läuft die Straße davon / der Horizont / hat entzündete Lider“

So fließt das. So nimmt jedes Gedicht seine Leser mit sich fort. Von einem Augen-Blick zum nächsten. Das Ende dieses Gedichts („Abend im Park“) wird natürlich nicht verraten. Die Enden von Johanna Schwedes Gedichten haben es alle in sich. Es sind kleine Finale, kleine Stolpersteine. Aus manchen Gedichten geht man nicht ruhig wieder hinaus. / Ralf Julke, Leipziger Internet-Zeitung

Johanna Schwedes „Den Mond unterm Arm“, Verlag Reinecke & Voß, Leipzig 2010, 8 Euro
www.reinecke-voss.de

14. weißt du wieviel

Sterne

„weißt du wieviel

das alte kinderlied
die kuchenform der mutter
als sie
für festtage
figuren schnitt
aus mürbeteig
herzen männchen tiere
und sterne
vor allem sterne
viele
(…)
Die süßen plätzchen
verbrannten
in den öfen

weißt du wieviel “

Hans Keilson, 1967 (Keilson, 2005, Werkausgabe Bd. 1, S. 41-43).

In diesem 1967 verfassten, mit Sterne betitelten Gedicht erinnert sich der große niederländische Schriftsteller und Psychoanalytiker Hans Keilson als alter Mann des Kinderliedes Weißt Du, wieviel Sternlein stehen? Er denkt voller Wärme an die Plätzchen, die seine Mutter als Weihnachtssterne gebacken hat: Ihr Leben endete in Auschwitz, gemeinsam mit dem seines Vaters.

Nun, 44 Jahre später, ist Hans Keilson 101 Jahre alt geworden und wird weltweit, insbesondere in den USA, geradezu hymnisch gefeiert. Die New York Times ernannte ihn zum „genius“, seine Romane zu „masterpieces“ – eine tröstende Erfahrung für diesen bescheidenen, trotz seiner verstörenden Erfahrungen lebensbejahenden Autor. Sehr lange war Hans Keilson nur Fachkreisen ein Begriff. Zuflucht suchte und fand der Exilant insbesondere beim P.E.N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland dessen Präsident er von 1985 – 1988 war; seit 2006 ist er Ehrenmitglied des Exil-P.E.Ns. / Roland Kaufhold, haGalil

13. Protein-Gedicht

A C G T – Das sind die vier Buchstaben, in denen der Code des Lebens verfasst ist. Heutzutage können Wissenschaftler den Code zwar entschlüsseln, trotzdem kennen sie nur einen Bruchteil seiner Bedeutung. Experimental-Lyriker drehen den Spieß jetzt sozusagen um. Sie verwenden den DNA-Code so, dass sie damit Gedichte schreiben können, die nicht nur einen Sinn ergeben, sondern auch den Bauplan für ein neues Lebewesen – oder einen Teil davon.

Der kanadische Lyriker Christian Bök hat bei einem Lyriker Workshop im englischen Bury jetzt ein solches Gedicht vorgestellt. Es soll neben einem poetischen Werk gleichzeitig ein biologisches Protein sein. Der verschlüsselte Text enthält den Bauplan für ein Protein in Form eines biologischen Codes und soll in ein Bakterium eingeschleust werden. Mit Hilfe dieses Codes soll das Bakterium dann genau dieses Protein produzieren. / Michael Lange, dradio.de

12. Konsonantenspiel

Für ungewollte Lacher sorgten Verschreiber bei den Namen Obama und Osama. So vertippte sich auch Regierungssprecher Steffen Seibert am Morgen beim schnellen Twittern. Auf einmal stand da im Netz: „#Kanzlerin: Obama verantwortlich für Tod tausender Unschuldiger, hat Grundwerte des Islam und aller Religionen verhöhnt“. / Die Welt

11. Neues Leipziger Liederbuch in München

Uraufführung:

Johannes X. Schachtner: NEUES LEIPZIGER LIEDERBUCH (2007-2001) für Sopran, Bariton, Violine und Violoncello nach Texten von Mara Genschel, Norbert Lange, Bertram Reinecke und Johanna Schwedes

|| Maria Pitsch, Sopran | Peter Neff, Bariton
Helena Madoka Berg, Violine | Cäcilia Altenberger, Violoncello ||

am Mittwoch, den 4. Mai um 20.00 Uhr im Kulturzentrum Messestadt (Erika-Cremer-Straße 8, D-81829 München)

10. Meine Anthologie: Knabenmuse

Straton 12, 8

Εἶδον ἐγώ τινα παῖδα ἐπανθοπλοκοῦντα κόρυμβον
 ἄρτι παρερχόμενος τὰ στεφανηπλόκια·
οὐδ‘ ἄτρωτα παρῆλθον· ἐπιστὰς δ‘ ἥσυχος αὐτῷ
 φημί· “Πόσου πωλεῖς τὸν σὸν ἐμοὶ στέφανον;”
μᾶλλον τῶν καλύκων δ‘ ἐρυθαίνετο καὶ κατακύψας
 φησί· “Μακρὰν χώρει, μή σε πατὴρ ἐσίδῃ.”
ὠνοῦμαι προφάσει στεφάνους καὶ οἴκαδ‘ ἀπελθὼν 
 ἐστεφάνωσα θεοὺς κεῖνον ἐπευξάμενος. 

Einen Knaben sah ich, der legte Blumen und Ranken zusammen,
ich kam gerade an der Kranzflechterei vorbei.
Das traf mich, ich ging nicht einfach vorüber, blieb stehen und sagte mit leiser Stimme zu ihm:
„Für wieviel verkaufst du mir deinen Kranz?“

Er wurde rot, röter als die kleinen Rosen sind, senkte den Blick und
sagte: „Geh weiter, dass nicht der Vater dich sieht!“
Pro forma kaufte ich ein paar Kränze, zuhause
bekränzte ich damit die Götter und betete dabei um ihn.

Deutsch von Dirk Uwe Hansen

Eine mehrbändige Ausgabe der Anthologia Graeca wird im Stuttgarter Verlag ANTON HIERSEMANN KG vorbereitet. Die Übersetzungen stammen von Dirk Uwe Hansen (Greifswald), Jens Gerlach (Hamburg), Peter von Moellendorff (Gießen), Kyriakos Savvidis (Bochum) und Christoph Kugelmeier (Saarbrücken).

Eine metrische Übersetzung von Dietrich Ebener in Dietrich Ebener (Hg.): Die Griechische Anthologie. 3. Band. Berlin u. Weimar: Aufbau Verlag 1981, S. 118

Eine Übersetzung von Joachim Campe hier (Blumenladen)

Das Gedicht stammt aus Band 12 der Anthologia Graeca, die unter dem Tiel „Die Knabenmuse“ 258 Epigramme verschiedener Autoren umfaßt. Nummer 8 ist von Straton aus Sardes.

Wikipedia über den Autor:

Straton war ein aus Sardes stammender griechischer Dichter des 2. Jahrhunderts n. Chr.

Straton kann wegen der Nennung des Arztes Artemidorus Capito unter Kaiser Hadrian datiert werden. Er wird am Beginn des 3. Jahrhunderts von Diogenes Laertios erwähnt. Ansonsten ist kaum etwas zu seinem Leben bekannt.

Von Straton sind 100 Epigramme überliefert, von denen 94 in seiner Anthologie Μουσα Παιδικη (Musa Puerilis) enthalten sind. In ihrer überlieferten, unvollständigen Form umfasst die Μουσα Παιδικη insgesamt 258 Epigramme verschiedener Autoren. Die Anthologie ist im 12. Buch der Griechischen Anthologie erhalten, einige wenige Epigramme im 11. Buch. Das fast einzige Thema dieser Epigramme ist die Päderastie. Die Gedichte zeichnen sich durch ihre formale Gewandtheit aus.

Wegen des tabuisierten Themas sind seine Gedichte bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts oftmals nicht übersetzt worden. Die erste komplette englische Übersetzung erschien sogar erst im Jahr 2001 (von Daryl Hine), während es deutsche schon um 1900 gab (von Elisar von Kupffer).

Eine englische Version von George Economou:

Earlier in the day, he happened to pass
the store where they make garlands and saw a boy
weaving flowers with berries, and found himself moved.
He approached and asked about their quality,
and then, somewhat more quietly, for how much
would the boy sell him his garland. The boy blushed
redder than his roses, and bending his head,
told him to leave fast, lest his father see him.
As a pretence he bought a wreath and went home,
crowned his gods, and begged them to answer his prayer.

George Economou, Acts of Love: Ancient Greek Poetry from Aphrodite’s Garden, 2006

Von dem griechischen Dichter Konstantin Kavafis (1863-1933) gibt es eine moderne Bearbeitung:

Ρωτούσε για την ποιότητα

Aπ’ το γραφείον όπου είχε προσληφθεί
σε θέσι ασήμαντη και φθηνοπληρωμένη
(ώς οκτώ λίρες το μηνιάτικό του: με τα τυχερά)
βγήκε σαν τέλεψεν η έρημη δουλειά
που όλο το απόγευμα ήταν σκυμένος:
βγήκεν η ώρα επτά, και περπατούσε αργά
και χάζευε στον δρόμο.― Έμορφος·
κ’ ενδιαφέρων: έτσι που έδειχνε φθασμένος
στην πλήρη του αισθησιακήν απόδοσι.
Τα είκοσι εννιά, τον περασμένο μήνα τα είχε κλείσει.

Εχάζευε στον δρόμο, και στες πτωχικές
παρόδους που οδηγούσαν προς την κατοικία του.

Περνώντας εμπρός σ’ ένα μαγαζί μικρό
όπου πουλιούνταν κάτι πράγματα
ψεύτικα και φθηνά για εργατικούς,
είδ’ εκεί μέσα ένα πρόσωπο, είδε μια μορφή
όπου τον έσπρωξαν και εισήλθε, και ζητούσε
τάχα να δει χρωματιστά μαντήλια.

Pωτούσε για την ποιότητα των μαντηλιών
και τι κοστίζουν με φωνή πνιγμένη,
σχεδόν σβυσμένη απ’ την επιθυμία.
Κι ανάλογα ήλθαν η απαντήσεις,
αφηρημένες, με φωνή χαμηλωμένη,
με υπολανθάνουσα συναίνεσι.

Όλο και κάτι έλεγαν για την πραγμάτεια ― αλλά
μόνος σκοπός: τα χέρια των ν’ αγγίζουν
επάνω απ’ τα μαντήλια· να πλησιάζουν
τα πρόσωπα, τα χείλη σαν τυχαίως·
μια στιγμιαία στα μέλη επαφή.

Γρήγορα και κρυφά, για να μη νοιώσει
ο καταστηματάρχης που στο βάθος κάθονταν.

Deutsch: Er fragte, wie gut sie sind – In: Konstantinos Kavafis: Um zu bleiben. Liebesgedichte. Übersetzung Michael Schroeder. Mit 13 Radierungen von David Hockney. Bibliothek Suhrkamp 1020, 1989, S. 95f. – Er fragte nach der Qualität. (1930). In: Konstantinos Kavafis: Das Gesamtwerk. Übersetzung Robert Elsie. Zürich: Ammann 1997, S. 261 (Die Ausgabe auch als Fischer Taschenbuch 1999)

Englisch von Edmund Keeley/Philip Sherrard hier http://www.cavafy.com/poems/content.asp?id=125&cat=1

9. Ira Cohen (76) gestorben

Ira Cohen schuf phantasmagorische Filme, die Kultstatus erlangten. Er entwickelte eine Technik, Fotos in psychedelischen Farben zu machen, darunter ein berühmtes von Jimi Hendrix. Er veröffentlichte Bücher von William Burroughs oder Gregory Corso. Er schrieb selbst tausende Gedichte. Er schrieb „Das Haschisch-Kochbuch“ unter dem Namen Panama Rose. Er nannte sich „das Gewissen des Planeten Erde“.

Aber sein erstaunlichstes Kunstwerk war er selber. / DOUGLAS MARTIN, New York Times 2.5.

Wikipedia

In L&Poe

8. American Life in Poetry: Column 319

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Here’s a poem in which eight-year-old Ava Schicke, who lives in Omaha, Nebraska, tells us just who she is and what she thinks.

I am 

I am a daughter and a sister.
I wonder when I will die.
I hear the warm weather coming.
I see stars in the day.
I want to learn my whole ballet dance.
I am a daughter and a sister.

I pretend to be a teacher at home.
I feel like I am a teacher.
I touch hands that are growing.
I worry that I will never change.
I cry when something or someone dies.
I am a daughter and a sister.

I understand that teachers work hard for students.
I say that I don’t like bullies.
I dream about me not moving while trying really hard to run.
I try to become a good friend.
I hope that there is no more dying or killing.
I am a daughter and a sister.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2011 by Ava Schicke. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

7. Oder bleibt nichts?

Erich Fried war einer, der mit seinen Texten ständig unterwegs war, der sich engagierte und diskutierte, der unbedingt wollte, daß die Welt nicht so bleibt, wie sie ist. Sondern wärmer wird, bewohnbarer. In diesem Begehr folgen ihm noch heute viele Junge und Alte, lesen berührt seine Bücher, gerade auch seine umfängliche Lyrik: „Wer von einem Gedicht keine Rettung erwartet, der sollte lieber lernen Gedichte zu lesen!“

Erich Fried ist immer wieder neu zu entdecken. Gerade die Veranstaltungen rund um Frieds 90. Geburtstag bieten Gelegenheit dazu. Da zieht seine Frau Catherine mit ihrem Erinnerungsbuch “Über kurz oder lang” (Wagenbach) lesend durch Norddeutschland, anderswo erinnern Freunde, Schauspieler und Filmemacher in Salons und Clubs an den Dichter und in Wien ist in diesem Monat seitens der Fried-Gesellschaft eine prominent besetzte „Gedenklesung“ und im Herbst ein opulentes „Fried-Symposion“ vorgesehen. Ansonsten sind da immer noch Frieds Bücher. Und eben das Hörfunk-Feature, das ich für den ORF geschrieben habe: “Was bleibt? Oder bleibt nichts?” Just listen! (heute, 21.00 Uhr, OE1, Live, Webradio) / Detlef Berentzen, GoodNewz