Präsident sein schützt nicht vor Kritikern. In einer der vernichtendsten Kritiken, die je hier veröffentlicht wurden, wurde das neue Buch des irischen Präsidenten Michael D Higgins von einem führenden Kritiker verrissen.
Professor Kevin Kiely sagt, das neue Buch des Präsidenten sei „hölzern, abgedroschen und gestelzt“, es sei „fade, ungenau und äußerst unverständlich“, ja so schlecht, daß man ihn „wegen Verbrechens gegen die Literatur anklagen“ könne. / John Spain, Independent 10.2.
Friday February 10 2012
Michael D Higgins: ‚New and Selected Poems‘, Liberties Press
Verständlich, dass ein Heimatort an seinen bekanntesten Sohn erinnert. Am 21. Januar gab es in Untermaßfeld eine Würdigung Walter Werners, der neunzig Jahre alt geworden wäre. Dass Suhl nun mit einer Veranstaltung nachzog, ist nicht nur lobenswert, sondern folgerichtig. Denn der Lyriker Walter Werner weilte oft in der ehemaligen Bezirksstadt. Seiner Dichtung wegen. Und gelegentlich in seiner Funktion als Vorsitzender des Schriftstellerverbandes des Bezirkes. Die alte Stadtbücherei, die nun nicht mehr steht, hat er gut gekannt. Auch wenn er den Abriss der alten, denkmalgeschützten Villa heftig kritisiert hätte, die großzügige neue Bücherei hätte ihm bestimmt gut gefallen. Nicht überall im Osten wuchsen solche modernen Lesetempel. Und nicht überall mehr findet man seine Bücher wie eben in der Suhler Bücherei. In Gera hat man sie entsorgt, wird eine darüber entrüstete Annerose Kirchner berichten, die an diesem Abend mit Autoren am Tisch sitzt, die Walter Werner gekannt haben – Holger Uske (Suhl) und Horst Wiegand (Steinheid). / Lilian Klement, Südthüringer Zeitung
09.02.2012
Alte Schmiede
1010 , Wien
1. Abend: Lebens-Werk KLAUS MERZ Präsentation der WERKAUSGABE (in sieben Bänden; Haymon Verlag, ab 2011) • MARKUS BUNDI (Herausgeber, Zürich) positioniert den Autor und sein Werk • Klaus Merz (Unterkulm, Aargau) liest aus Die Lamellen stehen offen. Frühe Lyrik 1963-1991 (Band 1), In der Dunkelkammer. Frühe Prosa 1971-1982 (Band 2), Fährdienst. Prosa 1983-1995 (Band 3 der Werkausgabe) • Begrüßung: GEORG HASIBEDER (Programmleiter, Haymon Verlag) • in Zusammenarbeit mit dem Haymon Verlag, Innsbruck, mit freundlicher Unterstützung durch PRO HELVETIA, Schweizer Kulturstiftung
Fewer readers imagine they can create their own Stein; many feel she is beyond their capacity to understand. Maybe this is because she has been claimed as the sine qua non of the avant-garde. But she aligned herself with her time. Being part of the “contemporary composition” was central to her work, a point she made in her trenchant essay (originally a lecture) “Composition as Explanation”: “The only thing that is different from one time to another is what is seen and what is seen depends upon how everybody is doing everything.” Here, Stein wielded the novelty and surprise of her prose partly to explain how novelty and surprise surface from generation to generation, and theorized why the new in art and writing may first be thought ugly, then later beautiful or classic. In that same essay, she declared: “No one is ahead of his time.” (Andy Warhol, who like Stein is both adored and mocked, once said, “I’m very much a part of my times, of my culture, as much a part of it as rockets and television.” There are other parallels between Warhol and Stein, including their renown as aphorists. Stein: “Rose is a rose is a rose is a rose.” Warhol: “In the future everyone will be famous for 15 minutes.” But people have called Warhol a jackass, and everything else.) / Lynne Tillman, New York Times 29.1.
IDA
By Gertrude Stein. Edited by Logan Esdale.
Illustrated. 348 pp. Yale University Press. Paper, $18.
STANZAS IN MEDITATION
The Corrected Edition
By Gertrude Stein. Edited by Susannah Hollister and Emily Setina.
Illustrated. 379 pp. Yale University Press. Paper, $22.
Dabei kann Nora Gomringer keinesfalls nachgesagt werden, dass sie sich nur mit Banalitäten befasse. Nein, neben dem Froschkönig in ihr, der sich „immer grüner“ wünscht (Selbstironie: „Ein toller Effekt!“), ist auch die hellwache Zeitzeugin präsent. Die kann präzise beobachten, macht sich Gedanken über Thomas Mann, Lion Feuchtwanger und Ernst Jandl, über Auschwitz und die Gegenwart. Einige witzig gemeinte Possen etwa zu Hundeliebe oder zu „Mutter und Stil“ gehen jedoch über seichtes Illustriertenniveau nicht hinaus, so sprachsicher sie auch formuliert sind. Das ficht die von sich überzeugte Vortragskünstlerin aber nicht an: „Nora Gomringer macht ein Gedicht. Aus!“ / Michael Ernst, Sächsische Zeitung 10.2.
Tipp: Nora Gomringer, Mein Gedicht fragt nicht lange. Verlag Voland & Quist, 332 Seiten, 24,90 Euro (Buch + CD)
Sie jammern immer, die Deutschen Autoren schrieben nur für einen so kleinen Kreis, ja oft nur für sich selbst untereinander. Das ist recht gut. Dadurch wird die Deutsche Litteratur immer mehr Geist und Charakter bekommen. Und unterdessen kann vielleicht ein Publikum entstehen.
Friedrich Schlegel: Athenäums-Fragmente. Ersten Bandes Zweytes Stück, 1798, S. 75 (hier als Pdf)
With such thought provoking lines as “Whether you like it or not, your genes have a political past, your skin, a political cast, your eyes, a political slant,” Szymborska inspired and entertained an entire generation and had her place sealed in the highest echelons of poetry. Polish President Bronislaw Komorowski called her a ‘guardian spirit‘, “In her poems, we could find brilliant advice that made the world easier to understand,” he said. Having survived Nazi- occupied Europe during World War II and the Communist purges in Poland after the war, Szymborska’s observations are at once subtle and witty. ‘Blind‘ is an attribute usually associated to the emotion of hatred. But in a poem on the subject, Wislawa describes hatred as ‘having a sniper’s keen sight‘. By combining details with insight, Szymborska subtly pushes her readers to reinterpret the understanding of human conditions. / DIVYA TRIVEDI, The Hindu
Bei fixpoetry ein Gedicht von Emmy Ball-Hennings mit einer Einleitung von Stefanie Golisch:
An Ninon Hesse, die zweite Frau Hermann Hesses, mit dem sie bis an ihr Lebensende in regem brieflichen und persönlichen Kontakt stand, schrieb sie einmal:
Publizieren Sie nach meinem Tode nur nicht aus Versehen diesen Brief, damit man nicht denkt, dass ich Trinkerin bin, dass ich nur Cognac getrunken habe. Nein, das nicht. Ich habe auch Cherry getrunken, und das Leben in vollen Zügen, ein sehr guter Wein selbst gekeltert. Grausam gut.
Hilda Doolittle ist eine der wichtigsten Autorinnen der angloamerikanischen Moderne, ihr Debütband erschien 1916 – und liegt nun endlich in deutscher Übersetzung vor. Sie war 30 Jahre alt, als dieser Gedichtzyklus erschien und lebte seit fünf Jahren in Europa (wo sie 1961 auch starb). Amerika hatte sie nicht zuletzt verlassen, weil sie ihrem damaligen Verlobten Ezra Pound folgte. Das Liebesbündnis zerbrach bald, die literarische Beziehung und Wertschätzung blieb bestehen.
Dass sie in die Literaturgeschichte nur mit ihren Initialen H.D. einging, verdankt Hilda Doolittle auch Pound, der in der schönen Dichterin all das verkörpert sah, was die literarische Avantgarde Anfang des 20. Jahrhunderts – die Imagisten – sich auf die Fahnen geschrieben hatte. Er lobte ihre Lyrik in den höchsten Tönen, an der sei „nichts Schwammiges … – kein überflüssiges Adjektiv, keine Metaphern, die nicht der Prüfung standhalten“. Es ging den „Imagists“ um den Bruch mit den literarischen Konventionen, mit dem lyrischen Regelwerk der viktorianischen Zeit. Nicht mehr festgelegte Reime und vorgegebene Rhythmen sollten die Gedichte beherrschen, sondern der freie Vers.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann Richard Aldington und Ezra Pound hat H.D. die poetologischen Grundsätze des Imaginismus formuliert, in denen es unter anderem heißt: „Sequenzen sind nach der musikalischen Rhythmik zu gestalten, nicht nach der des Metronoms“ und „Unter keinen Umständen werden Worte verwendet, die nicht zur Darstellung beitragen“.
Was und wie H.D. sich an diese Grundsätze nicht nur hält, sondern wie sie mit ihnen sprachgestaltend und bildformend umgeht, davon kann man sich in ihrem ersten Gedichtband überzeugen. Er ist eine große Hommage aufs Meer. Sie benutzt anstelle der traditionellen Verse eine klare Sprache, den freien Reim. Der Band wurde zu einem der Kerntexte der amerikanischen Moderne. Dass er jetzt erst ins Deutsche übersetzt wurde, ist höchst verwunderlich, hat aber sicher auch damit zu tun, dass – anders als Pound – die Literaturwissenschaft H.D. erst sehr spät die Bedeutung zuwies, die ihr zusteht. / Manuela Reichart, DLR
H.D.: MeeresGarten
Übersetzt von Annette Kühn, mit Illustrationen von Martina Hoffmann
luxbooks, Wiesbaden 2012
132 Seiten, 19,80 Euro
(Türkische Früchte 2)
Orhan Veli Kanık (1914-1950)
Vatan İçin
Neler yapmadık şu vatan için!
Kimimiz öldük;
Kimimiz nutuk söyledik.
Für das Vaterland
Was taten wir nicht für das Vaterland!
Manch einer von uns ist gestorben.
Manch einer hat Reden gehalten.
Annemarie Schimmel: Aus dem goldenen Becher. Türkische Gedichte aus sieben Jahrhunderten. Köln: Önel-Verlag. 2. überarb. Aufl. 2002, S. 226.
‚Hast du jemals davon geträumt, dass die einfachen Leute auf die Straße gehen und „nein“ sagen könnten?‘ Der aus dem Irak Saddam Husseins geflohene, heute in Deutschland lebende Schriftsteller und Lyriker Abbas Khider – Verfasser des Romans ‚Der falsche Inder‘ (Edition Nautilus) – stellte diese Frage seiner ägyptischen Kollegin Mansura Eseddin bei den Arabischen Literaturtagen an diesem Wochenende in Frankfurt. …
Auffällig an diesen Literaturtagen war, in welchem Maße schreibende Frauen diskursbestimmend waren. Man ahnt im Gegenzug die Krise der patriarchalischen arabisch-männlichen Identitäten. Vielleicht sind ja die Frauen das Subjekt einer arabischen Kulturrevolution, die bereits im Gange ist und auch keines Voltaire mehr bedarf, dessen Fehlen Boualem Sansal beklagte. Wenn das kein ‚arabischer Traum‘ ist, wie jener, von dem Abbas Khider in Frankfurt als ‚von einer neuen Art Liebe‘ sprach. Das wäre dann auch Politik und erst recht Literatur. / VOLKER BREIDECKER, Süddeutsche Zeitung 23.1.
Lustig, grad hab ich beschlossen, unter diesem Titel eine Serie türkischer Lesefrüchte zu beginnen, Früchte reisevorbereitender und -begleitender Lektüre, da beschert mir fixpoetry in der Reihe Gedicht des Tages eins von Reisen in die Teikür, damit fang ich also an:
Elke Erb
ADIEU
War im Traum in der Keitür, Reise, zu mehreren,
bin da noch, räudiges Stadt-Auf-und-Ab, was im Traum
zur Ansicht kommt (den schlafenden Augen!),
bunt, grell, aber wie
warmfarbig & -formig,warm-formig,
was da ist, aber es leitet nicht, nämlich –
& auf dem Gipfel:
wie zurück? Zurück nämlich wie?
Haarig, behaart – oder sieh
eine Kiste mit faulem Obst. Greifen in sie.
Bei uns, wo es leitet, gewußt wie
– auch: der Griff in. In ihr Zeug. In den Tod.
Bei denen: behaart. Bei uns: Todestauschseligkeit.
Nachdem es getätigt war – schnell vergessen.
Muh, muh, weil ich die Sprache nicht spreche –
wo ich bin, auf Reisen.
24.12.07
Aus: Elke Erb, Meins. Gedichte. roughbooks 2010, S.101
Xuan Tam, der letzte Vertreter der vietnamesischen Tho Moi- (Neue Lyrik)-Bewegung, starb in Hanoi im Alter von 97 Jahren. Die Tho Moi-Bewegung wurde im frühen 20. Jahrhundert durch westlich beeinflußte junge Intellektuelle begründet. Zu seinen Gefährten gehörten die Dichter Te Hanh, Xuan Dieu, The Lu und Luu Trong Lu, die die Sprache erneuerten und mit der feudalen Vergangenheit brachen.
Im August 1945 schloß er sich der Cach Mang (Revolution) an. Er arbeitete in verschiedenen Funktionen in der Verwaltung und der Staatlichen Plankommission. / Viet Nam News
Vater und Sohn Duvalier („Baby Doc“ und „Papa Doc“) regierten das Land mit brutalem Terror. Der Schriftsteller Michel Séonnet widmet einem der Opfer der Duvalier-Herrschaft, dem haitianischen Dichter Jacques-Stephen Alexis, eine Hommage: er stellte sein ihm gewidmetes Werk ins Netz, „Jacques-Stephen Alexis, ou Le voyage vers la lune de la belle amour humaine“ (Jacques-Stephen Alexis oder Die Reise zum Mond der schönen Menschenliebe), das 1983 erschienen war.
Auf seiner Website schreibt er: „Zu schwarz, Alexis? Zu kommunistisch? Dem politischen Mord folgte eine Art literarisches Vergessen.“ / ActuaLitté
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