Eine wilde, absurde Zeit, die Kolbe (Jahrgang 1957) in seinem 1990 bei Suhrkamp erschienenen „Vaterlandkanal“-Fahrtenbuch aufgearbeitet hat. „Ein merkwürdiges Land“, sagt Kolbe heute im Rückblick. Sein Vater, von dem seine Mutter getrennt lebte, war politisch auf der anderen Seite: ein Stasi-Mann, der sogar über seinen Sohn Dossiers angelegt hat. Der hingegen war im Clinch mit dem Staat und fiel aus dem offiziellen Literaturbetrieb der DDR raus, durfte nicht mehr publizieren und hat dann Garcia Lorca übersetzt. Zwischendurch war Kolbe „auch mal kurz berühmt“, weil der „Spiegel“ über ein „brisantes Lyrik-Rätsel“ von ihm berichtete. / Jürgen Scharf, Südkurier
Es gehört verlegerische Kühnheit dazu, eine „Reihe neue Lyrik“ mit dem Gedichtband einer 86jährigen zu starten. Der Poetenladen Leipzig hat diesen Mut aufgebracht, indem er das lyrische Debüt von Anne Dorn „Wetterleuchten“ als Band 1 seiner neuen Editionsreihe vorstellt. Und um es gleich vorweg zu sagen, es ist ein Buch, zu dem man die Herausgeber nur beglückwünschen kann. Freilich ist Anne Dorn keine Debütantin; mit Romanen, Hörspielen, Features und Filmen hat die in Wachau bei Dresden geborene und in Köln ansässige Autorin seit mehr als vier Jahrzehnten von sich Reden gemacht. Doch Lyrik gab es von ihr bisher nur in Anthologien und Zeitschriften. / Thomas Böhme, fixpoetry
Anne Dorn: „Wetterleuchten“, Herausageber: Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt, Ralf Lindner, poetenladen Leipzig 2012. 80 S., 16,80 €
Der Artikel Peter-Paul Zahl ist Gesamtsieger des 16. Wikipedia-Schreibwettbewerbs. Den Publikumspreis erhält der Artikel Nationalsozialistischer Weihnachtskult.
/wikipedia
Einmal auf einer Tagfahrt von Malang nach Surabaya fuhr dem Dichterbus, der eigens mit dem Logo des Festivals lackiert worden war, für die gesamte zweistündige Strecke ein Polizeiwagen mit Blaulicht und Sirene voraus.
Immer wenn er in Berlin eine Polizeisirene höre, schrieb Chirikure Chirikure, müsse er nun an Dichtung denken – und wirklich: wir fühlten uns seltsam, so wichtig und Teil einer etwas surrealen Blase, eine zusammengewürfelte, aber doch durch die Reise und die Arbeit verbundene temporäre Community. Der Weg des Busses zwischen den Spuren, die laute Sirene voran, machte, so erging es zumindest mir, etwas fühlbar und sichtbar von dem seltsamen Status „Dichterin“ in dieser Welt. …
Unsere Gedichte waren im Vorfeld in Bahasa Indonesia, die Nationalsprache Indonesiens, übersetzt worden. Wir sollten die Originale lesen, die Übersetzungen wurden projiziert. Doch je länger wir fuhren, umso eher trug jeder auch wenigstens eines seiner Gedichte auf Englisch vor – damit die anderen Dichter es verstünden. Die Konvergenz der zahlreichen Sprachen ins Englische machte schlagartig etwas deutlich, das im Umgang mit Einzelübersetzungen oder Übersetzungen von mehreren Autoren aus nur einer Sprache versteckt bleibt: in den englischen Übersetzungen funktionierten tatsächlich eben jene Gedichte am besten, die der angloamerikanischen Gedichttradition nicht zu fern blieben. Also z.b. ein (gern raffiniertes, fragmentarisches) narratives Element enthielten.Jeder Dichter weiß, welch intrikates (ja: intricate) „Geschäft“ das Übersetzen und Übersetztwerden ist. Hier aber zeigte sich darüber hinaus: weder harmlos noch „neutral“ ist die zunehmende Notwendigkeit, übersetzt zu werden – und im englischen Gewand zu erscheinen.
Zwei Fragen begleiten mich seither. Ich kann sie nicht beantworten, nur stellen:
Welche Rolle spielt es für das eigene Schreiben, dass wir (wenn wir) poetologische Diskurse auf Englisch führen? Der befruchtende und das Gehirn durchmischende Austausch mit anderen Dichtern von Vielfachher findet ja nicht in einer neutralen Sprache statt, sondern in einer aus der angloamerikanischen Poesie heraus entwickelten poetologischen Sprache mitsamt ihren Wertungen und Kriterien. Da ist narrative nicht gleich „Erzählung“, character nicht Charakter, sondern Figur oder Buchstabe, rhyme nicht Reim, nicht in dieser Bedeutung. Stark unterscheiden sich auch die Möglichkeiten von Sprachspiel, Sprachspieltradition; die Empfindlichkeiten der Sprachen (welche Verstöße genießen sie, welche „gehen gar nicht“). / Ulrike Draesner, fixpoetry
Auch Selbstverlags-Plattformen schießen weiter aus dem Boden, als wäre der Menschheit damit gedient, dass noch mehr nichtlektorierte Bücher das Licht der Welt erblickten. Leben kann davon ohnehin niemand; der amerikanische Durchschnittsautor erzielt im Jahr derzeit sechstausend Dollar, in England sieht es genau so mau aus.
„Die aktuelle Idee, Bücher hinter eine Glasscheibe zu stecken“, so George Lossius von der Firma Publishing Technology, „wird in fünf bis sieben Jahren nicht mehr funktionieren.“ Der technologische Wandel werde sich weiter beschleunigen, die Verleger hätten auf ihn bisher viel zu ängstlich reagiert. Sie starrten auf Amazon wie auf einen Todesstern. / faz.net
Er ist nicht zu verstehen ohne seine erste Profession. Zvonko Makovic, 1947 in Osijek geboren, hat an der Universität Zagreb einen Lehrstuhl für moderne Kunst und visuelle Kommunikation inne. So gibt es auch in seinem dichterischen Werk zahlreiche Bezüge zur bildenden Kunst. Die Betrachtung von Bildern, die seiner Meinung nach weniger lügen als Worte, hat einen direkten Einfluss auf seine Poetologie. Makovic ist ein skeptischer Phänomenologe. Er schaut die Dinge an, die ihn umgeben, er spricht ihre Namen aus – aber er zweifelt daran, dass damit viel gesagt ist.
Man kann Makovics Schreibverfahren mit den Techniken moderner Maler vergleichen, die ihre Gegenstände bis auf die Grundformen zurückführen wollen. / Volker Sielaff, Tagesspiegel
Zvonko Makovic: Lügen, warum nicht? Gedichte. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2012. 100 S., 18 €.
Literaturempfehlungen aus Asien, Afrika und Lateinamerika
1. Ngugi wa Thiong’o: Herr der Krähen (Kenia/USA)
Aus dem Englischen von Thomas Brückner. A1 Verlag
2. Liao Yiwu: Für ein Lied und hundert Lieder (China)
Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen. Aus dem Chinesischen von Hans Peter Hoffmann. S. Fischer Verlag Dreissig Männer in einer Zelle, Hitze bis 40 Grad, Hunger, Madennester in verwahrlosten Mündern – das ist der Alltag für einen politischen Häftling wie Liao Yiwu in Chinas Gefängnissen. Der Dichter beantwortet das unfassbare Grauen mit der Klarheit seines Berichts, mit Komik, vor allem aber mit der Poesie seiner Gedichte. Ein Lebenswerk und ein Buch, das man nicht vergisst. (Cornelia Zetzsche)
3. Chirikure Chirikure: Aussicht auf eigene Schatten (Simbabwe)
Dreisprachige Ausgabe. Aus dem Englischen von Sylvia Geist. Verlag Das Wunderhorn
Einer der wenigen Dichter, die in einer afrikanischen Sprache schreiben und trotzdem international wahrgenommen werden. Ein mehrsprachiger Band (Shona, Englisch und Deutsch) voller rhythmischer Gedichte, deren Thematik von Mythen bis hin zu Maschinengewehren reicht; eine Stimme, die eigen und anders ist. (Ilija Trojanow)
Die Jury: Ilija Trojanow (Vorsitz), Katharina Borchardt, Anita Djafari, Andreas Fanizadeh, Karl-Markus Gauss, Kristina Pfoser, Arno Widmann, Thomas Wörtche und Cornelia Zetzsche.
»Der Mensch«, so hatte Platon definiert,« ist ein zweibeiniges Lebewesen ohne Federn.« Die Definition trug ihm Anerkennung ein, Diogenes aber rupfte einen Hahn, brachte ihn in Platons Hörsaal und sagte: »Das ist also Platons Mensch!« Aus diesem Grunde wurde die Definition noch um den Begriff »mit flachen Nägeln« erweitert.
Das Leben des Diogenes von Sinope, erzählt von Diogenes Laertios. Hg. Kurt Steinmann. Zürich 1999 (detebe 23127, zuerst ca. 250)
Aus einer wunderbaren Fundgrube:
Enzyklopädie der Erfahrungen
Dieser Neue Physiologus
(nicht der erste, aber der neueste)
erklärt Mensch und Welt
sowie deren Beziehungen endlich (vorläufig) richtig.
Was in anderen Enzyklopädien
oft fehlt, ungenügend oder gar falsch bestimmt ist –
Sie finden es auf diesen Seiten
anschaulich erklärt, ausführlich beschrieben und sinnreich geordnet – vollkommen unparteiisch:
Kein Zweig der Wissenschaft,
auch kein verschwundener
(wie Astrologie, Geisterkunde, Morologie, Magie, Mythos, Nasenwissenschaft, Physiognomik,Poesie, Traumdeutung …)
wird übergangen
zumal altes Wissen wieder Poesie werden kann – und Poesie zu Wissen, siehe Poes „Heureka“,
aller Versuche, die Welt zu verstehen, –
wird mit dem gleichen Respekt gedacht.
In der Tradition des ehrwürdigen Pierre Bayle werden
mehrfache Verstehensversuche („Definitionen“) neben-/nacheinander notiert,
anders als bei Bayle aber kommentarlos;
der Anschein, hier solle der Skepsis Vorschub geleistet werden,
soll vermieden werden.
Wissen ist vorläufig, Enzyklopädien also auch,
mit Korrekturen ist also jederzeit zu rechnen.
Die Definitionen sind weitgehend an Erfahrung orientiert
(Goethe: „eine gewisse zarte Empirie…“)
Das klassische, auch im deutschsprachigen Raum traditionsstiftende Modell für diese Anverwandlung der geschichtslosen und gleichwohl (oder gerade darum unwiderstehlich) bildmächtigen Figur hatte Paul Verlaines Gedicht «Gaspard Hauser chante» von 1873 geschaffen. Er schrieb das Gedicht, als er nach dem misslungenen Mordanschlag auf seinen Geliebten Rimbaud im Brüsseler Gefängnis eine zweijährige Haftstrafe verbüsste. «Je» am Anfang und «Gaspard» am Ende des Gedichts bilden eine bedeutungsvolle Klammer, die überdies das Ich mit der Kaspar-Figur in eins setzt. «Je suis venu, calme orphelin, / [. . .] / Vers les hommes des grandes villes: / Ils ne m’ont pas trouvé malin.» Sprachlos und verwaist, zurückgewiesen und verstossen von den Frauen, ja selbst vom Tod («La mort n’a pas voulu de moi»), hat sich dieses Ich ganz dem angeblichen Schicksal Kaspar Hausers anverwandelt: «Priez pour le pauvre Gaspard!», so endet Verlaines Gedicht.
1913, im Jahr vor seinem Tod, schrieb Georg Trakl sein Gedicht «Kaspar Hauser Lied», das sich nun einerseits eng an Verlaine anlehnt und doch anderseits Hausers Geschichte weniger egozentrisch und näher an der Überlieferung lyrisch nacherzählt. / Roman Bucheli, NZZ 28.4.
Das ist zwar konkrete Poesie, hats aber doch in sich. Aus gegebenem Anlaß fiel mir ein Anagrammgedicht von Kurt Mautz wieder ein. „germanisten nisten mager“… (Mag auch über alternde Literaten Auskunft geben.)
Was es nicht ist: Es ist kein Lautgedicht. Es ist nicht assoziations- noch referenzfrei. Auch nicht abstrakt. Es ist konkret ein Anagramm auf das Wort im Titel. Es ist für jeden verständlich. Außer vielleicht für verbildete Germanisten.
Germanisten
germanisten
nistenmager
manistgerne
nistgermane
sagterminne
meintersang
sternmagien
stangenreim
rastimengen
arminsegnet
amensingter
geistermann
samegerinnt
imargennest
nagermisten
greinenmast
grastmeinen
magernstein
- Kurt Mautz, aus: Andreas Thalmayr: Das Wasserzeichen der Poesie oder Die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen. Nördlingen 1985 (Die Andere Bibliothek 9)
Die Roboter üben noch. Die Zeitungen werden sie vielleicht zuerst übernehmen. Natürlich werden die sich dabei verändern, wir gewöhnen uns langsam daran. Hat ja auch sein Gutes.
Beim Standard erhält man zB meist gleich das passende Wetter zum Preis. Bienekpreis für Elisabeth Borchers? Das Wetter in München.
Peter Demetz erhält Georg-Dehio-Buchpreis: Das Wetter in Prag.
Romanautoren gehen bei Pulitzer-Preis leer aus: New York.
Tranströmer-Preis für Durs Grünbein: Stockholm.
Dichter Christian Lehnert erhält Hölty-Preis 2012: Gar kein Wetter. [denkt mit!]
Sorbe und Serbe teilen sich Preisgeld: Wetter in Deutschland.
Preis der Literaturhäuser für Feridun Zaimoglu: Wetter in Graz. [aha, die haben auch eins!]
Tuvia Rübner bekommt in Weimar den Adenauer-Literaturpreis: Wetter in Berlin!
Ringelnatz-Preis für Nora Gomringer: Wetter in Polen.
Von Franzobel
Ich gestehe, ich hatte Bedenken gegen diese Laudatio, zu der ich mich breitschlagen ließ, ohne auch nur eine Zeile von Nora Gomringer gelesen zu haben. Ich hatte auch Bammel vor der Lektüre dieser jungen Lyrikerin, weil die alten Herren des Literaturbetriebs in ihrer Gier nach Frische oftmals junge Lyrikerinnen auf den Parnass stemmen, um sie, berauscht vom jungen Blut und den davon aufgewirbelten Fantasien, abzufeiern.
Auch hatte ich Skrupel, eine Laudatio auf eine Lyrikerin zu halten, da ich der Lyrik zusehends skeptischer gegenüberstehe. …
Auch die Lyrik hat sich mit der klassischen Moderne selbst einen Fuß abgeschnitten und sichergestellt, dass er nicht mehr angenäht werden kann. Seit sie Metrik, Versmaß und Strophenform aufgegeben hat, hatscht sie dahin und kommt kaum noch zu ihrem Publikum. Und dem nicht genug, kam in den 1950er-Jahren auch noch die Konkrete Poesie, deren Hauptvertreter justament der Vater der heute Auszulobenden ist, um mit der Beseitigung des lyrischen Ichs auch noch das verbliebene Standbein abzuhacken. Auch wenn sich daran längst nicht alle Gedichteschreiber halten, ist es, als würde die Lyrik in einem Rollstuhl sitzen und nur noch von ein paar Unentwegten angeschoben werden. Damit das aber keiner sieht, baut der Literaturbetrieb eine hohe Hermeneutikmauer, hinter der dann Ginster, Hortensien, Levkojen und wie das bei Literaturbetriebsdichtern so beliebte Zeug heißt, ungehindert, nämlich ohne durch breittretende Blicke der Masse gestört zu werden, sprießen können. / Mehr in der Art im Standard
Wo? Natürlich in der „Welt„.
Die sagt:
Der Büchnerpreisträger vertritt einen konservativen Katholizismus, setzt sich für die Rückkehr zur tridentinischen Liturgie ein und sieht die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils skeptisch. Er meint: Dass ausgerechnet der Osten Deutschlands, die Heimat der Reformation, immer gottloser werde, „hat seine Logik“.
Aber über den Einfluß der DDR auf das Zweite Vatikanische Konzil sagt er dann nichts weiter. Ja, er entlastet die DDR sogar auf seine Weise. Eigentlich war weniger der Saarländer Honecker als der Mitteldeutsche Luther die Wurzel des Übels. Denn:
Der Sozialismus war zwar sehr eifrig in der strammen atheistischen Erziehung, aber das war er auch in anderen Ländern, in Russland, Polen oder Rumänien. Dort ist die Kirche wieder erstarkt, als der Sozialismus gestürzt war. Moskau hat heute Hunderte von Kirchen. Zur bolschewistischen Zeit gab es dort nur drei Kirchen, in denen noch die Liturgie gefeiert wurde.
Warum ist das in Ostdeutschland anders?
Weil es das Erbe Preußens hat. Es gab in Preußen seit dem 18. Jahrhundert einen die Kirche aushöhlenden Prozess. Friedrich II., dessen religiöse Toleranz in diesem Jahr so gefeiert wurde, war ja nur deswegen so tolerant, weil er die Religion verachtete, sich geradezu vor ihr ekelte.
Aber man muß weiter zurückblicken. Zu Luther natürlich, aber auch das reicht nicht. Denn hinter Luther steht Herrmann der Cherusker, der ein rechter barbarischer gottloser kommunistischer Bazi war:
Deutschland war immer ein geteiltes Land. Schon als es in die Geschichte eintrat, bestand es aus einem römisch beherrschten Teil und einem barbarisch gebliebenen Teil. Tatsächlich laufen unsere heutigen religiösen Grenzen teilweise an den alten römischen Militärgrenzen entlang. Im Osten gab es schon vor der Reformation einen antirömischen Affekt, den Luther dann verstärkte.
So erschließt sich dem wahrhaft Gläubigen auch das Armutsgefälle in Deutschland:
Gegenwärtig ist Religion dort stabiler, wo der wirtschaftliche Erfolg ist, wo es ein etabliertes Bürgertum gibt. Die Erfolgreichen, die mit der modernen Welt Zurechtkommenden sind heute eher auch die Gläubigen. In Ostdeutschland leben immer mehr Atheisten – und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die neuen Bundesländer nicht gerade Horte der Innovation, des Produzierens und der Vitalität sind.
So könnte man gleich die Probleme des Ruhrgebiets mit lösen. Statt das katholische Geld in den Osten zu pumpen könnte man 25 Millionen Bibeln abwerfen. Da kämen auf jeden Erwachsenen 2 bis 3, und billiger wärs trotzdem noch. Mal bei den Salafisten nachfragen.
Überhaupt ist das mit dem Islam gar nicht so schlimm, wie uns die gottlos-kommunistisch infiltrierten Geheimdienste glauben machen wollen, denn siehe:
Die Sorge vor dem Islam in Deutschland ist weniger eine Sorge von Christen als von Leuten, die sich von der Kirche schon sehr weit entfernt haben. Die empfinden Religion an sich als gefährlich, und im Islam sehen sie eine Rückkehr der Religion.
Ist Ihnen aus christlicher Sicht ein Muslim lieber als ein Atheist?
Was heißt lieber. Er ist mir auf jeden Fall näher. Selbstverständlich.
(Man müßte auch mal die Religiosität des Innenministers prüfen!) Oder die von Bundespräsidenten:
Aber der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ ist eine verantwortungslose und demagogische Äußerung. Was hat der Islam zu unserer politischen und gesellschaftlichen Kultur bisher beigetragen?
(Was sagt Gauck dazu – auch so ein Cherusker). Meinem gottlosen Sinn fällt jedenfalls Goethe ein, und daß der deutsche Kaiser Friedrich II. [bei dem Namen wundert einen garnix], an dessen Hof in Sizilien das Sonett erfunden wurde, Arabisch verstand, und daß die Muslims in Andalusien Wörter wie Alchemie, Algebra oder Alkohol zurückließen. Auch las ich von Untersuchungen zur Rolle der Muselmanen bei der Rezeption der aristotelischen Poetik und im Reim- und Gedankenbau der Comedia Dantes.
Aber auch mit Goethe kennt der Turbokatholik (Perlentaucher) sich aus.
In Goethes „Buch des Parsen“ kam der Zeitgeist zum Ausdruck: „Schwerer Dienste tägliche Bewahrung, sonst bedarf es keiner Offenbarung.“ Das war ein Protestantismus, der die Verbindung zu Sakralität und lebendiger Christus-Beziehung weitgehend verlassen hat.
Ogott – womit hab ich mich da bloß wiedervereinigt?
Aber nun ist mal Schluß mit lustig. Morgen heb ich meinen Anteil am Westosttransfer ab und nehm mir einen Anwalt, der gegen Mosebachs Welt wegen Diskriminierung und Verletzung meiner Menschenwürde Klage einreicht. Noch einmal Mosebach:
Diejenigen, die religiös unmusikalisch sind – wie man das heute so flott formuliert -, sind in ihrer Vollausbildung als Menschen beeinträchtigt.
Herr, wirf Hirn vom Himmel! Aber bitte in Steinguttöpfen und diesen Stammtischkatholen auf den Brägen!
(Fortsetzung: Mosebach erklärt die Lyrik, demnächst hier, inschallah.)
Ein leiser, zäher, mutiger, aufsässiger Mann, den viele, wenn sie ihn sahen, wie er ihnen kahlköpfig und in anspruchsloser Kleidung begegnete, für einen biederen Handwerker halten konnten. Als Poet ein Vertreter der schwäbischen Romantik, geliebt vom Publikum wegen seiner volksliedhaften Verse und populären Balladen, erfolgreicher als Goethe, Schiller oder Börne, geschätzt noch in Paris, achtungsvoll, ja überschwänglich gewürdigt von den Kollegen. Für Hebbel war er der »erste Dichter der Gegenwart« und der einzige, »von dem ich ganz gewiß weiß, daß er auf die Nachwelt kommt«, Heine verlieh ihm 1833 den »Eichenkranz der Bürgertugend«, Chamisso zögerte nicht mit dem Bekenntnis, »daß mich nach Goethe kein Dichter so angeregt hat«, Fouqué hatte ihn »unaussprechlich lieb«, und Varnhagen von Ense bekannte, die »herrlichen, naturkräftigen Lieder« hätten ihm in ungarischer Einsamkeit die Lebensfreude wiedergegeben. Nichts bezeugt das Ansehen dieses Poeten so sehr wie die 47. Auflage seiner Gedichte gleich nach Uhlands Tod 1862. / Klaus Bellin, ND 26.4.
Den Dramaturg, Autor, Literaturwissenschaftler und ehemaligen Rektor der Schauspielschule Ernst Busch Klaus Völker als Rezitator in der Lettrétage zu hören, ist ein Ereignis, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten! Anlass seines Besuchs ist ein Abend der Johannes-Bobrowski-Gesellschaft zu Ehren ihres namensgebenden Autors. Die Gesellschaft, deren Vorsitz Klaus Völker nebenbei innehat, pflegt das Andenken des politisch unkorrumpierten und, was in den 1950er und 1960er Jahren höchst selten war, in Ost wie West gleichermaßen hochgeschätzten Lyrikers und Erzählers.
Auch der Autor Michael Augustin stellt sein Wirken diesmal in den Dienst von Johannes Bobrowski und führt O-Töne des Autors und seiner Zeitgenossen vor.
Auf einen vielseitigen Bobrowski-Abend freut sich und herzlich grüßt Sie, im Namen des Lettrétage-Teams
Ihr Moritz Malsch
Lettrétage / Methfesselstr. 23-25 /10965 Berlin / Tel. 030 – 692 45 38
www.lettretage.de
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