41. Kreuzwort zu viert

KREUZWORT am 14.05. mit GUMZ, HÄFNER, KUHLIGK & ROLOFF

Öffentliche Veranstaltung · Von Kreuzwort Berlin

Montag

20:00

Wir legen noch einen drauf:

ALEXANDER GUMZ

EBERHARD HÄFNER

BJÖRN KUHLIGK

&

MARCUS ROLOFF

lesen Lyrik.

Mehr Informationen hier

Am 14.5.
Im Damensalon
Reuterstraße 39
U7/8 Hermannplatz // U8 Schönleinstraße
M29/194 Pflügerstraße
Einlass: ab 20 Uhr
Damage: 3 €

40. Die Sonne von Greiz

Aus dem vier Meter großen Verschlag, in dem Günter Ullmann sein Leben lang schrieb, ging der Blick in einen Hinterhof, den der Dichter folgendermaßen charakterisierte:

der winter
bleibt klein

die sonne hat
vier ecken

Es war die Sonne von Greiz, die Sonne der vogtländischen Provinz. Einer Provinz, die, wie es der Autor unseres Buches ausdrückt, die „dichteste Dichte dissidentischer Dichter“ in der DDR hervorbrachte.

Aus dem nur zehn Kilometer entfernten Reichenbach stammen Hans Joachim Schädlich, Jürgen Fuchs und Utz Rachowski, in Greiz selbst lebte lange Zeit Reiner Kunze und eben Günter Ullmann, dem Udo Scheer seine Biographie gewidmet hat. Sie ist nicht nur deshalb von Bedeutung, weil sie einen zu Unrecht wenig bekannten Dichter dem Vergessen entreißt, sondern auch, weil sich in seiner Lebensgeschichte mehrere für seine Generation exemplarische Biographien zu vereinen scheinen, die ein sehr komplexes Bild vom Leben in der großen Provinz namens DDR ermöglichen. / Bernd Wagner, DLR

Udo Scheer: Die Sonne hat vier Ecken. Günter Ullmann – Eine Biographie 
Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2012

39. Lorca-Schriften aufgetaucht

In Spanien sind bislang unbekannte Schriften des Dichters Federico García Lorca (1898-1936) entdeckt worden. Dazu gehört auch der möglicherweise letzte Liebesbrief, den der Autor vor seinem Tod geschrieben hatte. Wie die Zeitung «El País» am Samstag berichtete, wurden die Schriften im Nachlass des Kunstsammlers und -kritikers Juan Ramírez de Lucas (1917-2010) gefunden, der als junger Student mit dem Poeten eine Liebesbeziehung unterhalten hatte. …

Der irische Hispanist und Lorca-Biograf Ian Gibson plädierte dafür, die jetzt entdeckten Schriften möglichst bald zu veröffentlichen. Der dreiseitige, handgeschriebene Liebesbrief beginnt nach Angaben der Zeitung mit der Anrede: «Mein geliebter Juanito.» Er endet mit den Worten: «Mit Liebe von dieser Pausbacke, die Dich so sehr mag.» / Spaniens Allgemeine Zeitung

Die Identität des Liebhabers, dem Federico García Lorca in den letzten Jahren seines Lebens leidenschaftliche Gedichte schrieb, war bisher geheim. Jetzt wurde bekannt, daß der Kunstkritiker Juan Ramírez de Lucas in einer Schachtel Zeugnisse ihrer jahrelangen leidenschaftlichen Beziehung aufbewahrte, darunter ein bisher unbekanntes Gedicht und ein Tagebuch. Er gab die Schachtel seiner Schwester kurz vor seinem Tod 2010.

Aus den Dokumenten geht hervor, daß Lorca und der 19jährige Ramírez de Lucas gemeinsam nach Mexiko gehen wollten. Aber die Eltern des Studenten verweigerten die Zustimmung und drohten Lorca mit der Polizei.

Deshalb ging er nach Albacete, um mit ihnen zu reden, und Lorca ging nach Granada, wo einige Tage später Francos Truppen einmarschierten. Im August 1936 wurde er erschossen.

Unter den Dokumenten ist ein Brief Lorcas, in dem er den Freund zu Geduld mahnt und ihn auffordert, nicht mit seiner Familie zu brechen, sondern „politisch“ zu sein. Der Brief ist in der spanischen Zeitung El País abgedruckt.

Das handschriftliche Gedicht beschreibt die hoffnungslose Anziehung zum „blonden jungen Mann aus Albacete“. / Giles Tremlett in Madrid , Guardian 10.5.

38. Wert eines Gedichts

Das Gedicht war nur zum privaten Gebrauch kostenlos zur Verfügung gestellt worden, wurde aber ohne Erlaubnis monatelang auf einer kommerziellen Webseite verwendet. Deshalb stehe der Dichterin Schadensersatz zu und zwar in der Höhe, die sie normalerweise für ihr Gedicht berechnet hätte. Es bestehe deshalb ein Anspruch in Höhe von 600,- €.

Amtsgericht Düsseldorf, Aktz. 57 C 14084/10 vom 30.03.2011

Quelle: Telespiegel.de

37. Kauder kümmert sich

Alles wird gut:

Jeder Musiktitel, jedes Gedicht, jeder Film ist ein Werk, dem Respekt entgegenzubringen ist. (Kauder hilft den Künstlern)

Der Staat wird sich also um jedes Gedicht kümmern. Wenn das nicht schöne neue Zeiten sind. Mehr Respekt, meine Herren! Ihre Abmahnanwälte.

Auch schön:

Die Politik muss die Grundlagen erhalten, dass Künstler von ihrer Arbeit leben können

Mehr zum Thema:

Autorenförderung? Hungert sie aus! / FAZ

36. Edward Lear 200

„Der kuriose Herr, der die Nonsense-Literatur, das Limerick-Gedicht erfunden hat“ wurde am 12.5. vor 200 Jahren geboren:

„Es war einst ein Alter aus Wick,
der sagte: „Ticktick ticketick“,
tschickabuh tschickabix –
und sonst sagte er nix, der lakonische Alte aus Wick.“

Eine der scharfsinnigsten Analysen dieser Limerick-Gedichte hat Klaus Reichert gegeben. Das psychisch Derangierte, das in den Gedichten zum Ausdruck komme, werde lakonisch auf sich selbst zurückverwiesen.

„Daher kommt es, dass die Gestalten Lears die verzweifelte Stumpfheit von Irren haben; nicht mehr ansprechbar sind; in ihren Tick sich hüllen wie in einen Königsmantel; aber es ist der Mantel eines vertriebenen Königs, und er haust dort, wo es gleich ist, ob einer lacht oder weint.“ / Christian Linder, DLR

Vom Irren kommen wir auf den Iren: Lesen Sie in der NZZ, daß der Autor

für sein humoristisches Talent einen irischen Ururururururgrossvater verantwortlich machte

There are two Lears in English Literature: King and Edward. One veered off into madness. The other — Edward, born 200 years ago Saturday — veered off into “nonsense, pure and absolute,” as he put it. / Verlyn Klinkenborg, New York Times

Vogelstudien Edward Lears

35. Jakob van Hoddis

„Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, / In allen Lüften hallt es wie Geschrei, / Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei / Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.“

Zeitgenossen feierten die düsteren Reime emphatisch als „Marseillaise des Expressionismus“. Kurt Pinthus leitete damit 1920 seine berühmte Anthologie „Menschheitsdämmerung“ ein. Johannes R. Becher, selbst Lyriker und früher DDR-Kulturfunktionär, erinnerte sich 1957 rückblickend an die Wirkung des Poems: „Diese zwei Strophen, o diese acht Zeilen schienen uns in andere Menschen verwandelt zu haben, uns emporgehoben zu haben aus einer Welt stumpfer Bürgerlichkeit. Wir fühlten uns wie neue Menschen, wie Menschen am ersten geschichtlichen Schöpfungstag, eine Welt sollte mit uns beginnen, und eine Unruhe, schworen wir uns, zu stiften, dass den Bürgern Hören und Sehen vergehen sollte.“ …

1926 befand er sich in so desaströsem Zustand, dass seine Mutter ihn entmündigen ließ. Ein Jahr später lieferte man ihn nach einem eskalierten Streit mit Nachbarn in die geschlossene Abteilung der Tübinger Universitätsklinik ein.

Dort kam er unter die Obhut des berüchtigten rassistischen Chefarztes Robert Gaupp, der über die vermeintliche „Frühverblödung“ des Dichters Hölderlin vor 1843 äußerte, der Tod hätte ihn „von einem wertlos gewordenen Leben befreit“. Dieser Zynismus gewann Gestalt in den Massenmorden an „Minderwertigen“, die Hitler legitimierte. Auch van Hoddis fiel diesem Wahn zum Opfer. Im April 1942 deportierten ihn die Nationalsozialisten in das polnische Vernichtungslager Sobibor, wo er vermutlich im Mai oder Juni vergast wurde. / Ulf Heise, Märkische Allgemeine

34. Oktosyllabischer Roman

Die französische Lyrik nach 1945 verdankt Georges Perros ihre Alltagstauglichkeit. Nun liegt sein großer Gedichtroman endlich auf Deutsch vor. …

Der „octosyllabe“ ist ein kurzes Versmaß, das nicht den lockeren Atem des in der Renaissance beliebten Zehnsilbers oder die dramatische Fülle des klassischen Alexandriners bietet. Perros ist ein existentieller Purist, er beschränkt sich, ringt um Luft, um Worte, so, wie er seinen Lebenskreis auf die Elementarlandschaft des bretonischen Douarnenez reduziert – in dieser Begrenzung findet er Freiheit, und Weber hat das begriffen. / Niklas Bender, FAZ

Georges Perros: „Luftschnappen war sein Beruf“. Gedichtroman. Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Anne Weber. Matthes & Seitz, Berlin 2012. 162 S., geb., 22,90 €.

33. Mayröckers Lieblingsgedichte

„Ein Gedicht ist für mich, wenn alles stimmt, wenn man das liest und sagt ja, wenn es also die Wahrheit der Sprache enthält.“ „Die Wahrheit“ ist für die Schriftstellerin Friederike Mayröcker keine Frage von richtig oder falsch. Die „Wahrheit der Sprache“, die sie meint, steht über diesen Kategorien, und: Man findet sie, so Mayröcker, am eindringlichsten und am gültigsten bei Friedrich Hölderlin.

Die Gedichte des deutschen Lyrikers befinden sich inmitten einer unüberschaubaren Zettellandschaft in Friederike Mayröckers Wohnung in Wien Margareten. Stets griffbereit liegt dort ein vielbenutztes Bändchen mit den gesammelten lyrischen Werken Hölderlins – oder jedenfalls fast griffbereit.

„Hälfte des Lebens“ heißt Hölderlins Anfang des 19. Jahrhunderts verfasstes berühmtes Gedicht. Friederike Mayröcker hat es unter ihre „25 Lieblingsgedichte“ gereiht und im gleichnamigen Lyrik-Band veröffentlicht, der vom Styria Verlag als Auftakt für eine umfangreiche Reihe in Kooperation mit Ö1 vorgestellt wurde. / Ö1

32. 5 auf 150 Millionen

Nigeria hat über 150 Millionen Einwohner, einen Literaturnobelpreisträger, geschätzte fünf Buchhandlungen und ungefähr ebenso viele potenzielle Literaturnobelpreisträger. Zu denen gehört Chimamanda Ngozi Adichie, von der nun zwölf Erzählungen unter dem Titel Heimsuchungen erschienen sind. / Walter van Rossum, Die Zeit

31. „Entweder man liest Gedichte, oder man lässt es sein“

Die Welt ist überschaubar: Entweder man liest Gedichte, oder man lässt es sein. Deshalb brauche ich mich, als Verleger, nicht mehr zu kümmern um die, die nicht. Ich weiss, dass «die, die» sich unweigerlich einfinden, wenn es gute Gedichte zu lesen gibt.

Gedichte? Ja, wir sind wenige. Nein, wir leiden nicht darunter. Wir haben so viel: «Sic!», «kolik», «Krachkultur» und «Der Poet», die Editio­nen Rugerup, Qwertzuiopü und Schock Edition Fünf mal zwölf Gedichte, Engstler, Keicher und Klever, Kookbooks, Luxbooks und Roughbooks, «Lyrikwelt», «Planet Lyrik» und «Fixpoetry», die «Karawa.net», «Lyrikkritik» und «Lyrikline», das System «Brüterich» und die «Lyrikzeitung & Poetry News». Wir haben das Lyrik-Kabinett, die Literaturwerkstatt, das Kreuzwort und die Liedertafel der Sing-Akademie zu Berlin.

Gedichte? Ja, wir haben Sappho, die Dickin­son, H. D., Mayröcker, Erb, Köhler, Rinck und Wolf, das Wessobrunner Gebet, die Merseburger Zaubersprüche und den Lorscher Bienensegen, den von Kürenberg, die von Magdeburg und den von der Vogelweide, Hoffmann von Hoffmannswaldau, von Haller und von Droste-Hülshoff, Günther, Klopstock, Claudius, Goethe, Hölderlin und Eichendorff, Mörike, Rilke, Rimbaud, Baudelaire und George, Kästner, Benn und Brecht, Celan, Artmann, Pastior und Rosen­löcher, Stolterfoht, Donhauser und Waterhouse.

Gedichte? Ja, wir haben Gegenwart. Wir haben Kerstin Preiwuss, Johanna Schwedes, Daniela Seel, wir haben Christian Filips, Bertram Reinecke, Michael Fiedler und Konstantin Ames.

Gedichte? Ja, wir haben Zukunft. / Urs Engeler, Wochenzeitung

30. Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft

Die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft kündigt an:

Am 2. Juni, dem fünften Todestag Wolfgang Hilbigs, 11.30 Uhr in Meuselwitz: Wanderung an Orte aus Leben und Werk des Dichters. Der Literaturhistoriker Volker Hanisch, selbst gebürtiger Meuselwitzer, führt Sie an Orte, die sowohl das Leben Wolfgang Hilbigs als auch seine Literatur prägten. – Treffpunkt: Freifläche des ehemaligen Geburtshauses Rudolf-Breitscheid-Straße 19 b – Kosten: 2 Euro /  ermäßigt 1 Euro / Mitglieder frei

Am 31. August  (Ort und Zeit noch offen) in Leipzig:
Thomas Böhme, Jayne-Ann Igel, Thomas Kunst und Clemens Meyer lesen Texte von und über Wolfgang Hilbig – die Schriftstellerkollegen präsentieren ihre Sicht auf Mensch und Poetik.

29. Lyrik im Schloß

Gut 40 Lyrik-Interessierte hatten sich im Deutschordensschloss eingefunden, etliche später eingetroffene stockten das Publikum auf fast 50 Personen auf – und die erlebten einen höchst spannenden Literaturabend, auch wenn die Lyrikerin Sabine Scho kurzfristig ihre Teilnahme absagen musste. …

„Aufbrüche“ ist der Titel des 2004 erschienenen ersten Gedichtbandes der 1980 geborenen Lyrikerin Katharina Schultens aus Rheinland-Pfalz. In Hildesheim studierte sie kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, ab 2001 verlegte sie die Studienorte zunächst in die Vereinigten Staaten. Aus diversen Fachsprachen gestaltet sie eine ureigene Weltsicht, die sie, gespickt mit irritierenden und höchst anregenden „Wahrnehmungswechseln und -störungen, Dreh- und Kippmomenten“ – besser als in der Rüdenauer-Rezension (Zeit Online, Juli 2011) lässt sich das schwer fassen – zu Papier bringt. Das Publikum hängt ihr und Beyer während der Lesungselemente – beide präsentierten überwiegend Unveröffentlichtes – ebenso wie während des Gesprächs mit Insa Wilke an den Lippen.

Während er, so Marcel Beyers Selbsteinschätzung, im Roman versuche, etwas herauszufinden, seien seine Gedichte, die übrigens immer länger würden, „vielleicht eher Vorschläge“. Auch Katharina Schultens mag „auserzählte Gedichte“ nicht, auch nicht die, die zielgerichtet auf die Pointe zulaufen. / Inge Braune, Südwestpresse

28. Das deutsche Dichterabzeichen

Natürlich ist der deutsche Lyrik-Betrieb völlig gaga. Es gibt mehr Lyrikerpreise im Land als Dichter. Dafür haben etliche Lyriker mehr Preise abgeräumt als Gedichte geschrieben. Man kennt sich. Man trifft sich. Man posiert. Und eigentlich darf man da gar nicht mit Steinen schmeißen. Macht Ulf Stolterfoht aber trotzdem. Mit Stil natürlich. …

Stolterfoht hat sichtlich seinen Spaß daran, die Werdung eines deutschen Norm-Dichters ganz ähnlich schildern zu lassen wie die Zucht eines ordentlichen Rennpferdes. Ein so fern liegender Gedanke ist es nicht. Denn der größere Teil des deutschen Lyrikbetriebes, der für den normalsterblichen Leser gar nicht sichtbar wird, spielt sich ungefähr so ab: Es ist ein Jagen nach Preisen und Würdigungen, ein Schaulaufen vor Jurys, die wieder mit gewordenen Dichtern oder schöngeistigen Theoretikern besetzt sind. / Ralf Julke, Leipziger Internet-Zeitung

Das deutsche Dichterabzeichen
Ulf Stolterfoht, Reinecke & Voß Verlag 2012, 8,00 Euro

27. Fontane-Lyrik-Projekt

Prominente Schauspieler interpretieren Fontane-Gedichte – das ist das Fontane-Lyrik-Projekt, ein fester Bestandteil der Fontane-Festspiele Neuruppin. Am Freitag, 25. Mai, erwarten um 20 Uhr Gösta Knothe, Klaus Dieter Klebsch, Anna Thalbach, Katy Karrenbauer und Manuel Cortez Freunde der Fontane-Lyrik und solche, die es werden wollen, in der Pfarrkirche Neuruppin. / Märkische Allgemeine