Die aus Eisenach stammende und mit ihrer Familie in Kranichfeld (Weimarer Land) lebende Autorin Daniela Danz erhält in diesem Jahr das Thüringer Literaturstipendium „Harald Gerlach“. Der mit 12.000 Euro dotierte Preis wurde auf Initiative des Thüringer Literaturpreisträgers Ingo Schulze und der Literarischen Gesellschaft 2009 ins Leben gerufen. Die zum vierten Mal vergebene Förderung eröffnet der Stipendiatin die Möglichkeit, ein Jahr lang intensiv an ihrem dritten Gedichtband zu arbeiten. Stipendiaten waren bisher Lutz Seiler,Jan Volker Röhnert und Christian Rosenau. / Thüringer Allgemeine
Die botswanische Lyrikerin Berry Heart (24) überraschte das Publikum eines Lyrikfestivals in Maun (Nordbotswana), als sie in knappem Bikini ihr Gedicht “I have a Crush on Ian Khama” vortrug, eine Liebeserklärung an den Staatspräsidenten Ian Khama (59).
Während ein Bild des Präsidenten an die Wand projiziert wurde, schüttelte die aus der Hauptstadt Gaborone stammende Autorin ihr fülliges Hinterteil [„ample behind“] in bestrickenden Tanzbewegungen und beschrieb „sensually“ [sinnlich / sensualistisch], wie sie in den Präsidenten verliebt ist, seit sie 5 war. Sie wünschte, Botswanas begehrtester Junggeselle möge sie von der Folter unerwiderter Liebe befreien. Zitat aus dem Gedicht: „Mein geliebter Ian, ich träume davon, wie du meine erogensten Zonen streichelst und meinen Knochen elektrische Impulse schickst, wenn dein Schnurrbart gegen meinen Nacken [„the nape of my neck“] reibt“. / Daniel Chida, The Voice 1.6.
Einige Medien heizten die Debatte an, indem sie behaupteten, sie sei „topless“ aufgetreten.
Google zeigt eine anscheinend gefährliche Seite, obwohl das Zitat ernsthaft klingt:
Poetavango ends the year in style
http://www.weekendpost.co.bw/index.php?…1044%3… – Diese Seite übersetzen
Diese Website kann Ihren Computer beschädigen.
According to Berry Heart, Poetry for Thought aims to positively change the lives of gender-based violence victims; to mentor, educate and entertain through the …
Hier der Text des Gedichts
Als in der DDR die Reihe »Poesiealbum« erschien und einen europäischen Ruhm begründete (Poesie, als wäre sie eine Zeitung!, und dazu noch für 90 Pfennig Ost!), da war 1977 Alain Lance der Dichter der 114. Ausgabe. Ihm folgte, Geistesbruder zu Geistesbruder, die Nummer 115 – Volker Braun. Darin ein Gedicht über Austern, gewidmet dem französischen Freund, der die Speise-Tierchen aus Paris mitbrachte – für den deutschen Essenstisch, an dem, so erzählt das Gedicht, auch Christa und Gerhard Wolf Platz nehmen. Austern* schlürfen: »das/ Leben zwischen Gier und Abscheu/ Zergehen lassen auf der Zunge, ja.« / Hans-Dieter Schütt, ND 5.6.
Alain Lance: Deutschland, ein Leben lang. Mit einem Nachwort von Volker Braun. Verlag Matthes & Seitz Berlin. 160 S., 17,90 €.
* „diese kleinen / Fotzen der See“ (Die Austern, in: Volker Braun: Gegen die symmetrische Welt, Halle (Saale) 1974, S. 11)
Große Dinge bereiten sich vor, wenn die Zeitschrift „Das Gedicht“ ihren 20. Geburtstag feiert:
Am Dienstag, den 20. November 2012 findet in der Donaumetropole unter dem Titel »Endlich Realpoesie! – zwei Jahrzehnte ohne Angst vor Lyrik« ein Lesungsabend mit Podiumsdiskussion statt, der gemeinsam von der Alten Schmiede Kunstverein Wien und der Hauptbücherei Wien veranstaltet wird.
04.06.2012, 12:10 | Autor: idw |
„Sprache ist überall“, behauptet der in Köln lebende Luxemburger Lyriker, Romancier, Dramatiker, Hörspielautor und Fernsehmoderator Guy Helminger, der vom 18. bis 21. Juni als poet in residence an der Unversität Duisburg- Essen (UDE) lehren wird. In seinen Poetikvorlesungen und dem Schreibseminar öffnet er die Tür zu diesem Anatomieraum etwas mehr als nur einen Spalt breit. Aber bitte beachten: „Laut wird es dabei, weil Sprache immer laut ist.“
„Braucht man sich ’einfach‘ nur zu bücken und kann mit einem Gedicht aufwarten?“ Das ist die Ausgangsfrage für die Sprachanatomien, die Helminger in und mit seinen Texten praktiziert. In seinen UDE-Vorlesungen werden sie reflektiert und am lebenden Objekt der Literatur vorgeführt. „Ich selbst“, so Helminger, „bringe meine Funde immer in meinen Anatomieraum. Dort steht eine Tastatur, mit der ich Skalpelle von unterschiedlicher Größe bediene, daneben liegen Nadel, Nähfaden und Verband. Die Körperteile, Sehnen, Synapsen, die sich zeigen, sind von eigentümlicher Schönheit, manchmal kleben an ihnen Pläne, Fotografien, manchmal sind da dunkle Flecken, die sich nicht aufhellen lassen. Und manchmal schneide ich mich selbst, weil ich nicht zwischen Fremdkörper und eigenem Leib unterscheiden will.“
Der in Esch-sur-Alzette (Luxemburg) geborene Helminger studierte Germanistik und Philosophie in Luxemburg, Heidelberg und Köln, war Barkeeper in einer legendären Kölner Punk-Kneipe (wovon der Roman „Die Schlammkröte“ erzählt), Schauspieler, Regieassistent und 3D-Grafiker. Sein literarisches Schreiben begann zunächst mit Lyrik, Hörspielen und Theaterstücken, bevor ab ca. 2001 auch vermehrt erzählende Texte und Romane wie „Morgen war schon“ (2007) und „Neubrasilien“ (2010) hinzukamen. Seit 2010 moderiert Helminger die Fernsehsendung „Kultur“ bei RTL-Luxemburg. 2002 erhielt Helminger den Prix Servais, 2004 den 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und 2006 den „Prix du mérite culturel de la ville d´Esch“.
Termine:
Öffentliche Poetik-Vorlesungen: (Campus Essen. Bibliothekssaal, Gebäude R11)
Weitere Informationen:
• http://www.uni-due.de/poet_in_residence/ausblick.shtml
An ihren allerersten Auftritt bei einem Poetry-Slam erinnert sich Mieze Medusa, eigentlich Doris Mitterbacher, nicht gerne. Es war vor langer, langer Zeit in Innsbruck, ihr Text ein typischer „ein Mädchen möchte Lyrik machen“-Vortrag. „Es war nicht gut. Ich glaube, es gibt irgendwo ein Video davon, darum muss ich mich einmal kümmern“, erzählt die heute 36-jährige Oberösterreicherin. Inzwischen sind mehr als zehn Jahre vergangen. Mieze Medusa ist nicht nur erfolgreiche Hip-Hop-Künstlerin, sondern schreibt auch Romane und gilt als die „Mama“ der österreichischen Poetry-Slam-Szene. / die Standard
Verleihung der Heimrad-Bäcker-Preise 2012
im Adalbert-Stifter-Haus, Linz
Montag, 25. Juni 2012
19.30 Uhr
Nach Entscheidung der Jury (Franz Josef Czernin, Thomas Eder und der letztjährige Preisträger Ulf Stolterfoht) werden die diesjährigen Preise verliehen an:
Begründung der Jury:
In Urs Allemanns Poesie wird etwas Allgemeines deutlich: Dass Konstruktion und Dekonstruktion, ebenso wie Tradition und Innovation, zwei Seiten einer Medaille sind. Denn etwas Neues herzustellen heißt, Vorgegebenes in seine Bestandteile zu zerlegen und gerade dadurch das Vorgegebene zu re-konstruieren. So bewahrt Allemann etwa die Traditionen des Sonetts und der Ode, indem er sie in ihre Bestandteile zerlegt und dabei neu und auf unvorhergesehene Weise zusammensetzt. In diesem Sinne dialektisch erlaubt uns Allemanns Poesie, an dem erkennend teilzunehmen, das wir Geschichte nennen.
Was passiert eigentlich, wenn 28 europäische Dichter an einem gemeinsamen Gedicht schreiben? Wenn sie alle die Krise poetisch ausloten und ein jeder die letzten Zeilen des anderen aufgreift? Heraus kommt ein Renshi – ein in der Tradition moderner japanischer Dichtung stehendes Kettengedicht, eine poetisch-politische Diagnose der Patientin Europa.
Der griechische Dichter Yannis Stiggas eröffnete den lyrischen Reigen. Wenn er in seinen Zeilen davon spricht, dass Europa seine Zeit aus Greenwich importiert, so verweist er auf die Einebnung der Unterschiede, die Europas Vielfalt ausmachen.
„Wir importieren viel zu leicht Sachen und dazu gehört auch die Zeit. Die Zeit aber ist für mich etwas Sakrales, etwas Heiliges, ein poetisches Bild. Wir importieren also etwas, was uns eigentlich nicht gehört. Deswegen spreche ich in meinem Gedicht über das Hier und Jetzt, über unsere Zeit.“ / Mirko Schwanitz, DLF
Auch das Publikum – Leute um die 30, die stets an den richtigen Stellen kichern – ist eher nicht von hier, sondern extra angereist. Insofern hat die Lesung nichts mehr mit der Idee der Poet’s Corner zu tun, wie sich das die Literaturwerkstatt im Rahmen des Berliner Poesiefestivals überlegt hat: dass die Gedichte raussollen, in die Kieze, unter Leute, die sonst nichts mit Lyrik am Hut haben.
Macht aber nichts. Denn die Stimmung im Körnerpark ist gut: Das liegt am schönen Licht in der Orangerie, es liegt am Blick auf die erwähnten Kastanien und die Palmen in Kübeln, es liegt aber vor allem an der expressiven Lyrik der Lesenden – allen voran die Werke der Berliner Dichterin Jinn Pogy, Redakteurin und Mitherausgeberin der Berliner Zeitschrift für Lyrik und Prosa Lauter Niemand. Schöne Sätze wie der vom „Recht auf ein Versteck, das von Körperwärme beheizt wird“, sausen durch den Raum. Man müsste viel öfter Gedichte lesen, idealerweise eins am Tag, denkt man noch, aber da geht es schon weiter. …
Dann betritt ein großer, dürrer Mann Mitte 30 die Bühne. Er trägt himmelblaues Hemd, schwarzen Anzug und Krawatte, Kapitän-Ahab-Bart, einen Pferdeschwanz und wirkt überhaupt wie einer dieser exzentrischen Leichenbestatter aus der TV-Serie „Six Feet Under“.
Der Mann heißt Tom Bresemann und liest, als sei er Mitglied der weltbesten Lesebühne: Mit charmantem Berliner Akzent, sehr präsent und pointiert. Seine Gedichte, die er zuletzt unter dem Titel „Berliner Fenster“ im Berlin Verlag veröffentlicht hat, beinhalten witzige Wortspiele mit neudeutschen Unworten, zum Beispiel „Contents aller Länder, vereinigt euch“. Recht schnell muss er sich leider schon wieder um seinen Hund kümmern, der plötzlich anfängt zu jaulen, vor allem aber um sein Baby, das es nicht mehr aushält im Kinderwagen – all das macht ihn nicht weniger sympathisch.
Das scheint auch der grinsende Björn Kuhligk in seinem Lehnsessel am Rande so zu sehen, der nun Tom Bresemann das Baby in den Arm drückt und die Bühne betritt. Kuhligk ist einer der einflussreichsten jüngeren Lyriker Berlins. … Seine Gedichte sind kompliziert, wimmeln aber auch vor tollen Reimen, die hängen bleiben. Zum Beispiel: „Die Liebe ist ein Milchmädchen. Spricht sie, ich liebe dich, ist sie drei Liter tief.“ / Susanne Messmer, taz
„wie verrückt arbeiten alle an romanen und / wie verrückt an neuen theaterstücken und wie / verrückt an neuen gedichten“: So beginnt Ernst Jandls Gedicht wie verrückt aus dem Jahr 1983. Darin bringt der im Jahr 2000 verstorbene Dichter einiges von dem zur Sprache, was die derzeitige Diskussion um kreative Arbeit, geistiges Eigentum, Urheberrecht und ökonomische Verwertung beherrscht. Denn wie verrechnet eine global und medial vernetzte Gesellschaft Produkte, die keinen bestimmten Nutzwert haben, sehr wohl aber von einer Vielzahl an Nutzern konsumiert werden? Diese Frage stürzt nicht zuletzt die künstlerisch Schaffenden und Arbeitenden in ein Dilemma: Dem Verlangen nach einer möglichst weiten Verbreitung der eigenen Erzeugnisse steht die Notwendigkeit entgegen, die existenziellen Grundbedürfnisse finanziell abzusichern.
Jandls Gedicht wischt diesen Verwertungszusammenhang in der radikalen Sprache der Poesie zunächst beiseite. „und die maler malen wie verrückt an ihren neuen bildern und / die bildhauer hämmern wie verrückt auf ihren stein“, heißt es im Gedicht. / HELMUT NEUNDLINGER, Der Standard 2.6.
Mo 4.6. 20:00 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg, Studiofoyer, Eintritt € 8 / 5
Mit Al-Saddiq Al-Raddi Dichter, Herausgeber von Al-Sudani newspaper, Sudan Euphrase Kezilahabi Dichter, Philosoph, Tansania Ngwatilo Mawiyoo Dichterin, Schauspielerin, Musikerin, Kenia Fatima Naoot Dichterin, Übersetzerin, Ägypten, Hama Tuma Dichter, Äthiopien / Frankreich Moderation Laura López Castro Musikerin, Berlin
»Klangkörper Nil« stellt den Farbreichtum der poetischen Landschaften am Nil vor – in Klang, Form und Format, von klassischer Lesung bis Spoken Word-Performance. Sechs Dichter stellen in den Sprachen Amharisch, Englisch, Arabisch und Swahili ihre eigene klangvolle Rebellion gegen Unterdrückung, Gewalt und Terror vor.
Al-Saddiq Al-Raddi stellt dem schonungslosen Alltag im Sudan, den beengten Horizonten und der grausamen Armut die reiche Spiritualität seiner mystischen und fantastischen Werke entgegen. Euphrase Kezilahabi erneuert in seinen Gedichten die Swahili-Sprache, bereichert sie mit neuen, flexibleren Ausdrucksformen und Themen, die sich nicht an den Traditionen orientieren, sondern an den alltäglichen Überlebenskampf anknüpfen. Drei äthiopische Regierungen verwiesen Hama Tuma des Landes. Mit Satire und geschärfter Feder führt er den Kampf gegen die Kriege in seinem Land von Frankreich aus fort. Die Performance-Dichterinnen Ngwatilo Mawiyoo und Fatima Naoot reißen das Publikum mit in die Tiefen einer Revolution, die gelebt wurde und wird. Die Spoken Word Dichterin Ngwatilo Mawiyoo, auch bezeichnet als »priest of the art of performed poetry«, thematisiert das Leben und den Alltag diverser kenianischer Communities in ihren Texten und stellt sie melodisch vor. Fatima Naoot verfolgt in ihren Gedichten Tag für Tag neugierig die Veränderungen in ihrem Land, führt den Leser dabei an der Hand und blickt mit offenen Augen und feinen Worten auf Themen wie religiösen Fundamentalismus, die Entwicklungen der Gesellschaft sowie die Poesie des Nil.
1970 erschien in einer kleinen Bukarester Zeitschrift ein Gedicht von Immanuel Weißglas, einem Jugendfreund von Celan, das im selben Jahr entstanden sein soll. Mit der Zeile: „Das Grab in Wolken wird nicht eng gerichtet“ und dem Bild vom „Tod, er ist ein deutscher Meister“.
Möglicherweise befürchtete Celan einen erneuten Plagiatsvorwurf. Vielleicht war das der letzte Auslöser für seinen Sprung in die Seine. Jedenfalls liest man mit diesen Hinweisen die „Todesfuge“ heute anders als vor 60 oder selbst noch vor 10 Jahren. Was aber bleibt auch nach dem Vergleich mit Weißglas und anderen Bildanleihen? Die „Todesfuge“ ist moderner, offener, gewagter als all die anderen Gedichte aus der Zeit.
Es ist eines der schönsten deutschen Gedichte überhaupt. Und eines der schrecklichsten. Denn es handelt von Auschwitz. Die Schönheit verdankt es weniger den Bildern als dem Rhythmus. / Ruthard Stäblein, DLR
Paul Celan: Mohn und Gedächtnis
Deutsche Verlags-Anstalt, München 2012
104 Seiten, 19,99 Euro
Verödet. Ich bin ein verwirrtes Wesen, seit sie nicht mehr da ist. Ein verirrtes? Ein Buchstabe weniger, den hätte sie sicher eingespart. Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Zum 80. Geburtstag: für meine verstorbene beste Freundin Elfriede Gerstl. / Elfriede Jelinek, Die Presse 2.6.
Der fleißige Mann, Peter Hacks, hatte schon im Stall von Bethlehem himmelschreiende Zustände ausgemacht: „Herumtreiber, Ochsen, Esel, Clowns. / Das ist ein wahrer Ort des Grauns. / Was auf der Welt die Ordnung scheut und gammelt, / Find ich in diesem Loch versammelt“, läßt er Herodes in Maries Baby klagen, einem Krippenspiel aus der Honecker-Ära. („Er ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht“, rühmt hingegen Brecht den Müßiggang in „Lob der Faulheit“ von 1931: „Er ist gut für dich, erkundige dich nach ihm.“) / Wenzel Storch
Der Wiener Digitalpoet Jörg Piringer hingegen sieht innerhalb der Medienkunstszene eine enorme Erwartungshaltung in Bezug auf die Weiterentwicklung mobiler Geräte. In seiner Alphabet-Arbeit ‚abcdefghijklmnopqrstuvwxyz‘ erweckt er Buchstaben auf der Leinwand zum Leben, belegt sie in Live-Performances mit dem Klang seiner Stimme und lässt sie computergesteuert sowohl seh- als auch hörbar agieren und interagieren. Über 5000 Mal hat sich seine so entstandene Smartphone-Applikation schon verkauft.
Öffentlichkeitswirksamkeit hin oder her, es zeichnen sich neue Rezeptionswege für Medienkunst und digitale Poesie ab. Der Künstler Johannes Auer jedenfalls experimentiert unbeeindruckt von dem geringen Echo weiter auf dem Feld der digitalen Poesie. Im Januar 2011 hat er mit der Uraufführung der SearchSonata 181 in Stuttgart seine Such-Trilogie vollendet. Dabei werden Sucheinträge aus Google und Co in Lautpoesie transformiert und von einer Sprecherin vorgetragen. Auer hat dem Computer die Regeln vorgegeben, nach denen Worte in Laute umgewandelt werden. Dazu verwendet er einen Textgenerator. Dieser ist eigentlich dazu da, sprechbare Passwörter zu erzeugen.
Für den Künstler sind Passwörter die ‚Sehnsuchtsworte der Maschinen‘ – vergleichbar mit den Suchmaschinen-Einträgen als ‚Sehnsuchtsworten der Menschen‘. Auer sieht sich in der Tradition des Stuttgarter Kreises um Max Bense, Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Technischen Hochschule Stuttgart. Hier liegen in den 1950er und frühen 1960er Jahren die Anfänge sprachkünstlerischer Arbeit mit dem Computer im Umfeld experimenteller Poesie. / Cara Wuchold, Süddeutsche Zeitung 24.5.
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