17. Schulfach

Macht man das eigentlich heute noch? Gedichte in der Schule lernen? Ein Fach „Gedichte“ wäre schön.

Das würde die Welt definitiv besser machen.  / Frank Weichhan, Mainpost (mit einem Gedicht von Wilhelm Busch)

16. zur kleinschreibung

zur kleinschreibung

die kleinschreibung ermöglicht den ankauf dieses blattes auch dem leser, welcher der grossbuchstaben noch nicht mächtig ist.

ich bitte den fortgeschrittenen leser um verständnis.


***

Aus: Poesiealbum 267. Konrad Bayer. Berlin: Neues Leben 1989

(Mehr bei Fixpoetry, wo heute beginnend sechs Werktage lang von mir ausgewählte Gedichte zu lesen sind, eine Minireise durch Leseabenteuer – meist der Vergangenheit. Jedenfalls habe ich für die paar Gedichte viele Bücher mal wieder in die Hand genommen, ein Spaß!)

15. Nett

Das Selbstverständnis des heutigen Literaturbetriebs – Löffler redet sich darüber etwas in Rage. Überall säßen Kritiker mit Literaten auf diversen Podien zusammen, man kenne sich und schätze sich, vom Rezensieren eines persönlich bekannten Autors aber ließen sich offenbar nur noch die wenigsten Kritiker abhalten. ‚Das Duzen‘ aber, sagt Löffler, ‚das geht gar nicht.‘

Bewusst oder unbewusst spricht Löffler damit eine Gefahr an, der auch dieses Festival immer mehr ausgesetzt zu sein scheint. Das Prinzip ist dort stets dasselbe: Zunächst lesen die Dichter aus einem auf der Frankfurter Buchmesse demnächst erscheinenden Buch, hernach plaudert der Autor ein halbes Stündchen mit einem Kritiker darüber. Nett sitzt man zusammen unter Bäumen, so nett freilich gelegentlich, dass es schwierig werden kann. /

Olaf Przybilla, Süddeutsche Zeitung 28.8. (über das Erlanger Poetenfest)

14. Emily Dickinson’s a Pisser: Talking to Poet-Translator Paul Legault

Paul Legault is the co-founder of the translation press Telephone Books and the author of three books of poetry: The Madeleine Poems (Omnidawn, 2010), The Other Poems (Fence, 2011), and The Emily Dickinson Reader, an „English-to-English translation“ of her poems that McSweeney’s released last month—and which all summer has been passed around our office by giggling editors, like how teenagers used to share pornography. (Full disclosure: Legault dates a member of our staff.) The book launch is tomorrow evening at powerHouse.

You live in Brooklyn, right?
I live in Crown Heights, moved to Brooklyn three years ago after grad school, started working at the Academy of American Poets when I got here, launched a small Brooklyn press focused on radical translation called Telephone Books. And I like it here.

Why Emily Dickinson?

For any American poet, Emily Dickinson is sort of a monolith. There’s no way around/over/under—you have to go through it. To me, translating Dickinson seemed as inevitable as a contemporary musician covering Bob Dylan. Because her ideas are distinctly modern. And though the hymnal form’s a little dated, Dickinson understood how time works, i.e. #326:

Heaven is so 1861.

Or, as she writes in #379:

I wish I were simpler. I also wish I were more edible.

Mehr

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Die beiden hier „zitierten“ Gedichte von Emily Dickinson:

326

I cannot dance upon my Toes --
No Man instructed me --
But oftentimes, among my mind,
A Glee possesseth me,

That had I Ballet knowledge --
Would put itself abroad
In Pirouette to blanch a Troupe --
Or lay a Prima, mad,

And though I had no Gown of Gauze --
No Ringlet, to my Hair,
Nor hopped to Audiences -- like Birds,
One Claw upon the Air,

Nor tossed my shape in Eider Balls,
Nor rolled on wheels of snow
Till I was out of sight, in sound,
The House encore me so --

Nor any know I know the Art
I mention -- easy -- Here --
Nor any Placard boast me --
It's full as Opera --

379

Rehearsal to Ourselves
Of a Withdrawn Delight --
Affords a Bliss like Murder --
Omnipotent -- Acute --

We will not drop the Dirk --
Because We love the Wound
The Dirk Commemorate -- Itself
Remind Us that we died.

13. American Life in Poetry: Column 389

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Perhaps by the time this column appears, our economy will have improved and people who want to work can find good work. Minnie Bruce Pratt, who lives in Syracuse, N.Y., has a new book, mentioned below, in which there are a number of poems about the difficulties of finding work and holding on to it. Here’s an example:

Temporary Job 

Leaving again. If I didn’t care, I wouldn’t be
grieving. The particulars of place lodged in me,
like this room I lived in for eleven days,
how I learned the way the sun laid its palm
over the side window in the morning, heavy
light, how I’ll never be held in that hand again.

 

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2011 by Minnie Bruce Pratt from her most recent book of poems,Inside the Money Machine, Carolina Wren Press, 2011. Reprinted by permission of Minnie Bruce Pratt and the publisher. Introduction copyright © 2012 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

12. Gerhard Rühm | CD-Presentation & Reading

Sunday 9th September

Presentation of the new CD ‚Verlautbarungen‘ (Tochnit Aleph TA107) by Gerhard Rühm.

The artist will be present and performing some pieces from the CD.

Open 18:00 / Performance 19:00

(Please note we will ask for a 3 Euro donation)

http://www.tochnit-aleph.com/ruehm

Gerhard Rühm
VERLAUTBARUNGEN
Litaneien
Lautgedichte
Sprechduette
1952-2010
CD, Tochnit Aleph TA107, August 2012
37 solo text-pieces, phonetic poems and poetry duets (with Monika Lichtenfeld) written and composed between 1952 and 2010. Recorded 2011 at Piethopraxis Tonstudio, Cologne by Marcus Schmickler. Comes with 24 page booklet with liner notes by Gerhard Rühm in english & german.

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Next week 13th – 16th September Rumpsti Pumsti (Musik) will be part of the abc (Art Berlin Contemporary) at Station Berlin.

http://www.artberlincontemporary.com/

therefore the shop is closed Wednesday to Friday again, but open Saturday as usual from 13-18:00

________________________________

Rumpsti Pumsti (Musik)
Weserstr. 165 – Berlin 12045 (Neukölln)
Mi Do Fr 15-20 Uhr & Sa 13-18 Uhr
Phone +49 (0)30 28860615
http://www.Rumpsti-Pumsti.com

11. floppy-Jubiläum

floppy myriapoda trauert nicht um gewesene Zustände, sondern zielt auf das Poetisch-Neue und gegen das jetzt Herrschende! Unsere Poesie kennt kein Gesetz; ohne Auftrag begleitet sie uns – dorthin, wo sie gebraucht wird.

Jubiläumslesung mit Ann Cotten, Florian Günther, Andreas Hansen, Alexander Krohn, Bert Papenfuß, Kai Pohl, Julia Sohn- Nekrasov, HEL Toussaint, Joachim Wendel, Karsten Wildanger.

Donnerstag, 6. September 2012, 20 Uhr, BAIZ

BAIZ, Christinenstr. 1, zwischen U2 Rosa-Luxemburg-Platz und U8 Rosenthaler Platz

10. Zwitterwesen

Ich gebe zu, ich bin kein lyrischer Reinheitsapostel und habe zuweilen meine Freude an derartigen Zwitterwesen. Und ich habe zuweilen Freude an einer fast cowboyhaften Intellektualität, die sich nicht zu schade ist, auch mal schnell und aus der Hüfte zu schießen. / Jan Kuhlbrodt, fixpoetry, über

Manfred Hans Gruhler: Das Grün der Geier.  € 19,90 ISBN 978-3-86351-031-2 Klöpfer und Meyer Tübingen 2012

9. Gedichte im Gehen

Einen Roman im Sitzen schrieb Gottfried Benn. Andererseits: Über den Zusammenhang von Gehen, Denken, Schreiben haben sich viele geäußert. Hier bespricht Sieglinde Geisel einen Roman über das Gehen von Tomas Espedal. Schreiben wie gehen hieß eine Aktion von Angelika Janz 1978 in Essen – heute um 17 Uhr wird sie rollend Gedichte vortragen – am Eingangsbereich des Hauptbahnhofs in Berlin, gegenüber Busbahnhof, Europaplatz, eine der mittleren Rolltreppen (corporate identity: die Bahn erlaubt* das Vortragen von Gedichten auf der Rolltreppe – „Allerdings darf die Aktion nicht durch das Festival- Plakat kenntlich gemacht werden, da dieses als Fremdkörper im Bahnhofsbereich digital erkannt und sofort mit einer hohen Ordnungsstrafe belegt wird, so der Servicechef. Man wird mich schon erkennen, rote Haare, schwarze Klamotten, kleines Megaphon (genehmigt). Danach geht es dann zur Eröffnung nach Wilmersdorf.“) Festivalzeit.

Am Sonnabend beim Tag der Poesie in Basel zieht eine andere Frau lesend durch die Straßen:

Sandra Löwe (Sprachhaus M): ‚Lyrik unterwegs‘. Eine Frau zieht Lyrik sprechend durch die Strassen von Basel.

Der Tag der Poesie 2012 findet am Samstag, 8. September statt. In einem Zelt auf dem Theaterplatz und mit weiteren Aktionen soll Lyrik im öffentlichen Raum und für die Bevölkerung sichtbar gemacht werden. Der Tag der Poesie findet künftig  jährlich jeweils am 2. Samstag im September statt.

Der Tag der Poesie wurde von Matthyas Jenny ins Leben gerufen. Nach einer mehr als zehnjährigen Unterbrechung wurde er von Alisha Stöcklin und Felix Werner neu lanciert. Verantwortlich für die Durchführung ist der Verein Poesietag.

Programm

*) Wem gehört eigentlich die deutsche Bahn? Klingt für mich feudal: ein Lehnsherr (derzeit eine Herrin) belehnt seine Leute und die entscheiden. (In den 90er Jahren haben sie entschieden, daß die legendäre Heinebuchhandlung am Bahnhof Zoo weg muß – bis dahin, die paar Jahre nach Maueröffnung, war sie für mich ein fester Anlaufpunkt bei jedem Berlinbesuch.) Bezahlen müssen wieder andere, alles wie gehabt.

8. Pussy, Punk und Volksmund

Die „Punkband“ Pussy Riot wurde allerorts als neue Sensation des musikalischen Undergrounds Russlands gefeiert wird. Aber was hat sie eigentlich mit Musik, mit Punk im Besonderen, zu tun?

Erst einmal sehr wenig. Denn die Auftritte von Pussy Riot fanden nie in Clubs oder Konzerthallen statt, sondern im öffentlichen Raum, wo sie beim Zuschauer für Überraschung, bei Sicherheitskräften für Verärgerung sorgen mussten. Diese Guerillataktik setzt Schnelligkeit voraus, die der musikalischen Performance Einschränkungen auferlegt. (…)

In ihrem ersten Song „Befreie den Pflasterstein“, den die Band im November 2011 in der Moskauer U-Bahn spielte, wurde der Text über ein achttaktiges Sample aus dem Oi-Punk-Klassiker „Police Oppression“ der britischen Band Angelic Upstarts geschrien. Damit wiederholte Pussy Riot, was die US-Riot-Grrl-Bewegung bereits in den 90ern getan hatte: Sie eigneten sich die Musik proletarischer, männlich dominierter Subkulturen an. Und stießen damit, wegen der virilen Ausstellung weiblicher Rachegelüste (etwa in ihrem Albumtitel „Ubei sexista“ – „Töte den Sexisten“), in feministischen Kreisen auf viel Kritik.

Andererseits aber – und insofern könnte man Pussy Riot schon eher als Punkband betrachten – war Punk immer schon Entgrenzung von Musik. Der initiale Befreiungsakt von Punk war und wird immer bleiben, dass Leute zu Instrumenten greifen, die sie nicht spielen können. Malcom McLaren etwa, der die Unterschichtenkids der legendären Punkband Sex Pistols zusammencastete, war zuvor Kunststudent und Mitglied der situationistischen Künstlergruppe King Mob.

Der „wahre Punk“ war schon früh vom Fake kaum zu unterscheiden. (…)

Die eigentliche Erklärung des Phänomens Pussy Riot liegt in der Geschichte der radikalen russischen Aktionskunst seit Anfang der 90er Jahre. Eine frühes Beispiel dafür ist eine Aktion der Gruppe „Enteignung des Territoriums der Kunst“: Der Künstler Anatoli Osmolowski, seine Mitstreiter und einige in einem Park aufgelesene Punks legten 1991 mit ihren Körpern auf dem Pflaster des Roten Platzes die drei Buchstaben des schlimmsten russischen Schimpfworts.

Zwar konnte man von der Aktion in der Zeitung lesen, es wurde auch wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“ ermittelt, aber der Vorgang war schnell wieder vergessen. Während der Jelzin-Ära erzielten solche Kunstaktionen keine anhaltende gesellschaftliche Resonanz – und so richteten sie sich im Grunde an den Kunstbetrieb. Das änderte sich bei Putins Machtübernahme Ende der 90er: Seitdem ist der repressive politische Gegendruck da, und damit auch die (mediale) Öffentlichkeit. / Matthias Meindl, taz 17.8.

Und so sehen es die anderen:

Bei aller berechtigten Kritik an Wladimir Putins Unrechtsstaat bleibt eines zu bedenken: Das sogenannte Punk-Gebet von „Pussy Riot“ in der Moskauer Erlöserkathedrale war mehr als eine Geschmacklosigkeit.

Es war eine Straftat, und zwar nicht nur nach den oft dehnbaren russischen Gesetzen. / Focus.de

Aufruhr der Vulven in Moskau … Ob diese Fotzen aufrührerisch sind, sei dahin gestellt – oder ob sie auf Honorarbasis arbeiten. / kommunisten-online

Menschenrechts-Imperialismus gab es ja schon immer. Aber dass jetzt der Pussy-Imperialismus dazukommt – alte Kalte Krieger schicken blutjunge Gören in Kirchen und geilen sich hinterher am Urteil auf -, ist dann doch etwas Neues. Vermute, das kommt jetzt öfter. Allgemeiner gesagt: Die Mischung zwischen Antikriegs- und Anti-US-Protesten mit (vermeintlich) sexueller Revolution, die 1968ff. kennzeichnete, hat sich aufgelöst. Jetzt treten die Kriegstreiber als (vermeintliche) sexuelle Befreier der Pussies auf.  Parole: Make Love AND War. Jeder Staat, der der Pornographisierung des Alltags und seiner Heiligen Städten einen Riegel vorschiebt, wird als autoritär, weil lustfreindlich gebrandmarkt. In einigen Kommentaren sieht man Russland schon auf dem Weg, ein “Gottesstaat” wie Iran zu werden…  / Jürgen Elsässer

das urteil war genau richtig! die schlampen würden bei mir auch 3 monate zuchthaus bekommen! / Dagobert

Entscheidend ist, dass man hier junge dumme Gören gefunden (und bezahlt?) hat, die Russland destabilisieren sollen. Weiß hier jemand, warum diese Pussies vorbestraft sind? Das wird ja gar nicht den Medien erwähnt. / Toringo

MDM eben: Macht der Muschi – so lange jedenfalls, wie man ihr Aufmerksamkeit schenkt / Dagobert

Putin interessiert sich einen Scheißdreck für diese Pussies. Das Problem ist, dass sie es in einer Orthodoxenkirche “getrieben” haben. / Milo

Haben die denn schon alle vergessen, daß in der “brd” und in vielen anderen Ländern das bloße Aussprechen einer Vielzahl von historischen Thesen und Forschungsergebnissen ausreicht, nominell 5 Jahre, in Wirklichkeit aber bis zu 13 Jahren ins Gefängnis zu kommen?? / Dr. Gunther Kümel

Der Name “Pussy Riot” klingt nicht besonders russisch und ist offenbar (von wem?) für ein internationales Publikum konzipiert worden / Freigeist

Die geifernden Pressetunten verloren kein Wort darüber als vor einigen Jahren der Sänger der Band “Landser” zu dreieinhalb Jahren verurteilt wurde. Auftrittsverbote und Indizierungen gabs auch zuhauf. Irgend jemand sagt “Feuer frei” und dann schießen die Mietfedern der westlichen Wertegemeinschaft aus allen Rohren gegen Ukraine, Rußland, etc / Anonym

Bei “Landser” handelt es sivh um eine lupenreine Nazi-Band. Einfach nur dreist, die mit der Punk-Band Pussy Riots auf eine Stufe zu stellen. / Sixty

Daß Ihnen eine Pussy-Band lieber ist als eine heimattreue, das ist eine in der “brd” mehrheitsfähige Vorliebe.

Ich bin ja ein Verfechter des Prinzips “Von den Juden lernen, heißt siegen lernen”. Also malen wir uns aus, wie diese Pussies reüssiert hätten, hätten sie in Israel in Synagogen und einschlägigen historischen Museen ihre Schweinereien praktiziert. / Dr. Gunther Kümel

Hier in Schland, nebenbei, wäre den Weiber im schlimmsten Falle gleiches widerfahren: §167 StGB – bis zu drei Jahre; §123 StGB – bis zu ein Jahr; ggf. §185 StGB – bis zu ein Jahr.

Also, echauffiert euch nicht über diese Sorros-Weiber, die im Auftrage fremder Herren ihre Pussies in die Öffentlichkeit trugen.
Es geht, wie so häufig, um Destabilisierung, “Propaganda”, Meinungsmache, Ablenkung – zum Zwecke des Kadavergehorsam im Äußeren (Westen) und zum Zwecke der Destabilisierung im Inneren (Russlands). / Misanthropica

Unsere Zeit, schnellebig, wie sie ist, dürfte am Schicksal der revoltierenden Muschies bald schon das Interesse verloren haben. / Avicenna1968

Dagobert, Toringo, Milo, Dr. Gunther Kümel, Freigeist, Anonym und alle anderen sind Leser und Kommentierer von Elsässerrs Kommentar, allesamt ebenfalls hier zu lesen

7. Das besondere Buch

Die Göhrener Straße 2 im Prenzlauer Berg ist der Sitz des Dittrich Verlags. Dort, wo Verleger Volker Dittrich bislang sein Büro hatte, werden ab 22. September Kunden nach Büchern stöbern können: „Das Ladenlokal mit Tür und Schaufenster werden wir jetzt erstmals richtig nutzen“, sagt Geschäftsführer Gerrit Schoof, der den Buchladen mit Dittrich-Pressefrau Rebecca Ellsäßer betreiben wird und derzeit noch am Einrichten ist.
Der Name („Das besondere Buch“) ist dabei Programm: Der an allen Werktagen geöffnete Buchladen (30 Quadratmeter) offeriert nur Bücher unabhängiger Verlage. 50 von ihnen sind in der Kurt Wolff Stiftung vertreten, weitere 20 aus Österreich und der Schweiz runden das Angebot ab. „Wir sind offen, jeder Independent-Verlag kann zehn Lieblingsbücher vorstellen, ohne Novitätenzwang“, so Schoof. „Leser sollen sich hier überraschen lassen.“
(…) „Wir wenden uns auch explizit an entdeckungsfreudige Buchhändler, die sich über besondere Bücher informieren wollen.“ / boersenblatt.de

6. Denkmal für Isaac Rosenberg

Fast 100 Jahre sind seit dem Ende des 1. Weltkrieges vergangen, aber noch immer existiert keine Statue, um an einen der größten Kriegsdichter zu erinnern, der Zeugnis über die Schrecken der Zeit ablegte. Erst jetzt gibt es Pläne für eine Statue zum Gedenken an Isaac Rosenberg, der sein Leben opferte in einem Krieg, den er verachtete.

Rosenberg starb im Alter von 27 Jahren am 1. April 1918 unter ungeklärten Umständen. Seine „Poems from the Trenches“ (Gedichte aus den Schützengräben) gehören zu den bedeutendsten Kriegsgedichten neben denen von Wilfred Owen, Siegfried Sassoon und Rupert Brooke.

Wenige Nationen ignorieren ihre großen Kriegsdichter so wie es Großbritannien mit seinen Dichtern des Krieges von 1914-1918 tut. Nur für Rupert Brooke existieren Statuen in Rugby und in in Grantchester bei Cambridge. / Dalya Alberge, Independent

Eins seiner Kriegsgedichte (erschienen in der Zeitschrift Poetry, Dezember 1916):

Break of Day in the Trenches

The darkness crumbles away –
It is the same old Druid Time as ever.
Only a live thing leaps my hand –
A queer sardonic rat –
As I pull the parapet’s poppy
To stick behind my ear.
Droll rat, they would shoot you if they knew
Your cosmopolitan sympathies.
(And God knows what antipathies).
Now you have touched this English hand
You will do the same to a German –
Soon, no doubt, if it be your pleasure
To cross the sleeping green between.
It seems you inwardly grin as you pass:
Strong eyes, fine limbs, haughty athletes,
Less chanced than you for life;
Bonds to the whims of murder,
Sprawled in the bowels of the earth,
The torn fields of France.
What do you see in our eyes
At the boom, the hiss, the swiftness,
The irrevocable earth buffet
A shell’s haphazard fury.
What rootless poppies dropping?  ……….
But mine in my ear is safe—
Just a little white with the dust.

(Hier das Gedicht in einer „Hypermedia Edition“ mit Fassungen und Material)

5. Uhren zogen mich auf

Die Gedichte sind ein Durchstreifen der Lebenswege an den Bruchlinien von Sinnfragen, die immer wieder ironisch und selbstironisch reflektiert werden und sich mit lakonischen Alltagsbetrachtungen der Peripherie abwechseln, die Alltäglichkeiten eine gesteigerte Beachtung schenken und sie scheinbar in einen Kontext setzen, in dem wir uns mit viel zu großer Selbstverständlichkeit bewegen – einer Selbstverständlichkeit, die zu Nostalgisieren und Romantisieren neigt. Genau hier setzt Ulrich Koch die Schere an – und manchmal auch das Beil. Jemand sagte kürzlich, er habe Kochs neuen Band noch nicht gelesen, aber bei Koch könne man immer bedenkenlos zugreifen. So ist es, auch hier wieder. / gw, cineastentreff

Ulrich Koch: Uhren zogen mich auf (Poetenladen Verlag, Leipzig 2012)

4. Berlin liest – noch können Sie mitlesen!

Berlin liest am 04. September 2012

Mit Ihrer Lesung läuten Sie das Literaturfestival ein. Dabei befinden Sie sich in bester Gesellschaft: Neben Dagmar Reim, Intendantin des rbb, Jan Stöß, Landesvorsitzender der Berliner SPD, werden auch Elvira Bach, Norbert Kron und viele andere ihre Lieblingtexte zum Besten geben.

Liebe Freunde und Freundinnen der Literatur,

am 4. September 2012 eröffnet das 12. internationale literaturfestival berlin mit einer Rede des chinesischen Exil-Autors Liao Yiwu. eine Stunde vorher, um 17.00 Uhr, können Sie mit ihrer Lesung den Auftakt bilden zu einem Programm, das zwei Wochen lang die Vielfalt der Weltliteratur vorgestellt.

Die Teilnahme ist so einfach wie herausfordernd: Nehmen Sie sich einen Roman, ein Gedicht, einen Sachtext oder einen Essay und suchen Sie sich den Ort in Berlin, an dem dieser Text unbedingt einmal vorgelesen werden sollte. Egal ob U-Bahnhof, Park, Platz, ihre eigene Haustür, eine Sehenswürdigkeit oder ein literarischer Ort.

Um 17.00 Uhr beginnt die Lesung und dauert maximal eine Viertelstunde. Mit Ihnen lesen AutorInnen, SchauspielerInnen, BuchhändlerInnen, BibliothekarInnen, LehrerInnen und viele andere FreundInnen des Festivals an zahlreichen Orten in Berlin.

Als Dank dafür, dass Sie Ihre Stimme der Literatur leihen, sich der Herausforderung stellen, in der Öffentlichkeit zu lesen und damit den zahlreichen internationalen AutorInnen des ilb einen vielstimmigen, berlinweiten Willkommensgruß entrichten, laden wir Sie zum Festival ein und schenken Ihnen eine Tageskarte für einen Festivaltag ihrer Wahl.

Wenn Sie teilnehmen möchten, tragen Sie sich bitte in unser Onlineformular ein, mailen Sie uns an berlinliest@literaturfestival.com oder schreiben Sie uns per Post an: internationales literaturfestival berlin, Chausseestr. 5, 10115 Berlin.

Bitte nennen Sie uns, damit wir Sie in den Stadtplan mit allen Lesungen eintragen können:

  • Ihren Namen,
  • den Titel des von Ihnen ausgesuchten Werkes und der Autorin / des Autors
  • den Ort, an dem Sie lesen möchten
  • die Sprache, in welcher Sie lesen möchten

Das Projekt „Berlin liest“ steht unter der Schirmherrschaft von Dagmar Reim, der Intendantin des rbb.

Liste der Gedenkorte verstorbener Autoren

Liste der angemeldeten Teilnehmer

Karte der angemeldeten Teilnehmer

3. „Um die Lyrik steht es schlimm“

Yehuda Vizan verließ die Universität Tel Aviv kurz vorm Bachelorabschluß. „An dem Tag als sie uns Shakespeare als postkolonialen Autor nahebrachten, ging ich raus und kehrte nie zurück. Mir fehlte nur ein Semester zum B.A., aber ich will das nicht. Für mich ist diese akademische Welt eine Schande. Shakespeare ist nicht postkoloniale Literatur, so kann man das nicht lesen.“

Vizan, 27, ist Lyriker und Übersetzer und Gründer der Literaturzeitschrift Dehak. Er veröffentlichte zwei Gedichtbände in Hebräisch, „Shirei Yehuda“ („Gedichte Yehudas“, Ah’shav publishing ) und „Mavo Le’estetika Kala“ („Einführung in die einfache Ästhetik“, Plonit ).

Seine Zeitschrift enthält Texte von James Joyce, Eugène Ionesco, Martin Heidegger, Immanuel Kant und Robespierre, Hebräische Gedichte von Efrat Mishori, Shalom Ratzabi, Tzipi Shatashvili, Yotam Reuveny, Harold Schimmel und Eran Hadas sowie Übersetzungen von Homer, Louis Zukofsky, Wallace Stevens, Edward Lear und Dorothy Parker.

„Um die Lyrik steht es schlimm. Die große Mehrheit der Dichter sind herzlich schlecht, und das kommt von der gleichen Sorte Ignoranz und Mangel an Nachdenken über ’nusah‘ – ein Ausdruck, den Bialik*  für einen allgemein akzeptierten literarischen und kulturellen Stil prägte – (…)

Das größte Kompliment, das ich je erhielt, war als jemand das Inhaltsverzeichnis durchsah und sagte, kein einziger Dummkopf dabei. Und wirklich, das ist mein Filter. Es mag snobistisch aussehen, elitär. Ich nenne es Konservatismus, weil ich das Wort mit einer etwas anderen Bedeutung aufladen möchte. Konservatismus ist für mich, an unerläßliche Elemente zu glauben. Zum Beispiel wenn ich sage, es gibt kein Schreiben ohne Lesen. Die meisten Dichter haben heute keine Ahnung von „nusah“, es ist ihnen fremd. Ich betone oft in Dehak, daß der poetische Kampf der Zeitschrift dem „Zach“-Stil gilt, der seit 50 Jahren regiert. Eine spracharme, musikarme Dichtung, die sich um ein jammerndes psychologisches Ich dreht. Ich und ich und ich.“

/ Maya Sela, Haaretz 31.8.

* ) Chaim Nachman Bialik (hebräisch ‏חיים נחמן ביאליק‎,  vereinzelt auch: Chaim Nachum Bialik; * 9. Januar 1873 im Dorf Radi, in der Nähe von Schitomir in Wolhynien, heute in der Ukraine; † 4. Juli 1934 in Wien) war ein jüdischer Dichter, Autor und Journalist, der auf Hebräisch und Jiddisch schrieb. Er ist einer der einflussreichsten hebräischen Dichter und wird in Israel als Nationaldichter angesehen. Wikipedia