Ein wenig anmaßend erscheint es zwar schon, wenn der selbst ernannte Lyrikwart Gernhardt in seiner privaten Versbau-Werkstatt ausgerechnet an einem Werk des vollendeten Stilisten Durs Grünbein herumbastelt, doch mit viel gutem Willen konnte man dabei noch einen selbstironischen Unterton heraushören. / Dies & andres meint Christoph Schröder in der FR über den Frankfurter Poetikdozenten Robert Gernhardt (31.5.01).
In der „Welt“ schreibt Eckhard Fuhr an Marcel Reich-Ranicki über sein Brecht-Duett so: „Seine herrlichen erotischen Gedichte, fügten Sie hinzu, hätte Brecht nicht schreiben können, wenn seine große Liebe zu den Frauen nicht gewesen wäre.
Geahnt hatte ich diesen Zusammenhang schon. Große Liebe, große Lyrik. Das funktioniert nicht bei jedem. Deshalb können wir den Dichter Brecht nicht genug bewundern. Trotzdem hat mich das, was sie sagten, irgendwie frustriert. Warum habe ich mir eigentlich all die Mühe mit Brecht gemacht? Wenn ich gewusst hätte, dass der Kern des Brechtschen Werkes der Versuch ist, das lyrisch festzuhalten, was er sonst nicht halten konnte – wie Sie das Wort Samenerguss aussprechen, das ist unvergleichlich – hätte ich mir das erspart. Gleichwie: Sie haben mich gut unterhalten. Nur eine Bitte am Schluss: Sprechen Sie nicht mehr von Damen, wenn Sie von Frauen reden. Das ist Herrenzimmer-Krampf.“ / Die Welt 30.5.01
Gino Chiellino begann Chamisso-Poetikdozentur in Dresden
Angefangen habe es 1969, erzählt Gino Chiellino. Da war er, der 1946 in einem kalabrischen Bergdorf geboren wurde, Student der Italianistik und Soziologie in Rom. Er fuhr nach Düsseldorf, um dort zu arbeiten. Die Erfahrung wurde zum Thema seiner Abschlussarbeit: Über das Leben der italienischen Gastarbeiter bei Mannesmann. Er entschied sich, in der Bundesrepublik zu bleiben. Und schließlich auch, seine Essays, literaturwissenschaftlichen Arbeiten und Gedichte in Deutsch zu schreiben.
Heute arbeitet er als Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg. Befasst hat er sich vor allem mit der Ästhetik der Literatur der Migration in Deutschland. 1987 bekam er den Adelbert-von-Chamisso-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der für herausragende Beiträge zur deutschen Literatur von Autoren nichtdeutscher Muttersprache verliehen wird. Seine Erfahrungen als Autor, der in einer Sprache schreibt, die nicht seine Muttersprache ist, bilden das Thema seiner fünf Vorträge zur Chamisso-Poetikdozentur für Migrantenliteratur. Sie wird zum zweiten Mal veranstaltet vom Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft der TU Dresden, der Sächsischen Akademie der Künste und der Stadt Dresden. Den Anfang hatte im vergangenen Jahr der aus der Türkei stammende Autor Yüksel Pazarkaya gemacht. / Dresdner Neueste Nachrichten 30.5.01
Eine „Renaissance der Deutschschweizer Lyrik“ beobachtet Reto Sorg in der NZZ vom 26.5. 2001 in der Gestalt von Christian Uetz , Raphael Urweider und Armin Senser:
1963 im thurgauischen Egnach geboren, ist Christian Uetz Dichter mit Leib und Seele. Wie die alten Rhapsoden kennt der studierte Altphilologe seine Texte par cœur . Wenn er vorträgt, hört und sieht man ihn, doch kein Papier. Die Emphase, die Uetz ins Werk setzt, kommt von Hölderlin und Celan her. Der sprachspielerische Furor erinnert an die Österreicher, an Jandl , an Artmann: «Hölder; schönsterrre Schwahn des Abelnlahn; / Könixkran Cselahn».
Uetz‘ sprachbesessene Aufstände, Urweiders luzide Erzählbilder und Sensers schillernde Lyrik- Ideen markieren avancierte Positionen zeitgenössischer Lyrik. Sie zeigen, was zurzeit im Gedicht möglich ist – und das ist nicht wenig. So bildet ihre Lektüre auch die besten Voraussetzungen zu erkunden, was im Gedicht noch möglich wäre. Die Zukunft gehört den Belesenen.
Das Gedicht hat heute wieder eine Chance. Vielleicht, weil man von ihm lange Zeit nichts mehr gefordert hatte. Jörg Drews spricht gar von der «neuen Unersetzlichkeit der Lyrik ». Tatsächlich leistet weder die erzählende noch die diskursive Prosa, was das Gedicht vermag: Zu affizieren, den Moment zu treffen und einzufangen und zu lösen, was untrennbar scheint: von den Wörtern die Bedeutungen.
Zum 70. Geburtstag des Dichters Manfred Peter Hein bringt die FAZ einen Artikel von Wulf Segebrecht. Über das Gedicht „Himmelsbleiche“ (aus dem Band „Hier ist gegangen wer“, soeben bei Ammann erschienen) heißt es da: Ein illusions-, aber doch nicht trostloses Resümee zu Beginn des neuen Jahrtausends. Manfred Peter Hein bezieht sich dabei („der Eisheiligen Kind / Mai einunddreißig“) auf seinen eigenen Geburtstag: Heute vor siebzig Jahren wurde er geboren. Höchste Zeit, ihm zu sagen: Wir zählen auf ihn.
Auch die Neue Zürcher gratuliert: „Einmal hat dieser Dichter, der dem unseligen «Ostlandtraum» eine so produktive Wendung gegeben hat, indem er sich den poetischen Osten und Norden angeeignet und den deutschsprachigen Lesern zum Geschenk gemacht hat, einmal hat Manfred Peter Hein Ostpreussen besucht. Das Gedicht «Memorial» erzählt davon. «Liebe totgebettet lang schon vor Abend / Heimat kein Land mehr ringsverstreute Glieder / Disiectae Membra Patriae Heimwehland», heisst es darin. Von den Orten der Kindheit sind nur Fetzen geblieben, See, Strom, Bruch, Haff, Meer; ihre Beschwörung im Wort ruft keine Erinnerung hervor, nur die unabweisbare Erkenntnis: Das alles ist verloren, die Vergangenheit mit der Gegenwart. Ein anderes Gedicht, ein «Psalm», wird von zwei Imperativen unterbrochen. Der erste lautet «Sprich», der zweite «Schweig». Die Kunst Manfred Peter Heins liegt darin, beiden Anordnungen Folge zu leisten: Seine Texte sprechen schweigend, und sie schweigen in seiner Sprache.“ / Martin Ebel, NZZ 25.5.01
Manfred Peter Hein: Hier ist gegangen wer. Gedichte 1993-2000. Mit einem Nachwort von Andreas F. Kelletat. Ammann-Verlag, Zürich 2001. 112 S., Fr. 32.-. 25. Mai 2001
Bei der FAZ scheint die Lyrik ausgebrochen. Nach Dylan auch noch dies (und auch im Netz)! Beginnt und endet (hier nebst einigen Splittern aus der Mitte dokumentiert) selber poetisch:
Worte tanzen nackt: Pfingstwunder beim Bremer Lyrikfestival
Es sei gut zu wissen, so später der Bremer Autor Michael Augustin in einem pointensicheren Gedicht, „daß alle zwölf Sekunden / irgendwo auf der Welt / ein Gedicht geschrieben / aber nur alle einhundertdreißig Minuten / eines gelesen wird“. (…)
… der Koreaner Ko Un: „Zuletzt, verstummend, stirbt der Dichter, / um wiedergeboren zu werden als Gedicht. / Ist er für immer am Nachthimmel ein verläßlicher Stern.“ Ko Un, vom früheren südkoreanischen Regime gefangengenommen und gefoltert, heute Vorsitzender des südkoreanischen Schriftstellerverbandes, bot schon durch die furiose Art seines Vortragens einen Höhepunkt des Festivals. (…)
Der neunundsechzigjährige Autor Adrian Mitchell berät poetologisch Paul McCartney , tönte und bewegte sich stellenweise wie ein Blues-Sänger und sprach: „Lauter nackte Wörter und Leute tanzen zusammen. / Das gibt bestimmt Ärger. / Da kommt schon die Poesie-Polizei! / Einfach weitertanzen.“ Daß er schon 1965 in der Royal Albert Hall siebentausend Zuhörer begeisterte, konnte der Hörer sich auch im Bremer Schauspielhaus ausmalen.
Es handelte sich in Bremen um einen kairos des deutschen Literaturbetriebes. Und schließlich fällt auch der Rezensent erschöpft aus seinen prosaischen Schuhen und resümiert: Und mächtiger strömet die Weser / umgarnen sie Dichter und Leser.
/MARTIN THOEMMES, Frankfurter Allgemeine Zeitung , 23.05.2001
„Aus Anlaß von Bob Dylans Geburtstag haben wir vier deutschsprachige Autoren aus allen Generationen, die Dylan erreicht und geprägt hat, gebeten, sich auf das schwierige Geschäft dennoch einzulassen und einige von seinen berühmtesten Liedern ins Deutsche zu übertragen – vom neunzehnjährigen Benjamin Lebert bis zum zweiundsiebzig Jahre alten Hans Magnus Enzensberger .“ (schreibt die FAZ – die anderen sind Raoul Schrott und Wolf Wondratschek.) FAZ ist heute spendabel und veröffentlicht auf der Homepage drei davon – mit den Originalen. Highway 61 revisited heißt bei Enzensberger: Bei Memphis an der Autobahn / FAZ 23.5.01 – In einer vollständigeren Fassung – nun mit Dichter Lebert – steht der Artikel auch in einem umfangreichen FAZ- Dossier .
Dylan auch bei allen anderen Zeitungen heute: Die Zeit (Thomas Groß) / Süddeutsche (Karl Bruckmaier – wäre gern Dylans Frisör) / noch mal Süddeutsche (Lutz Hagestedt: Seit ein Gedicht wir sind und hören voneinander. Bald sind wir aber Gesang: Bob Dylan als Lyriker und Held der Literaturgeschichte) / NZZ (Manfred Papst) / taz (5 S., taz-Dossier) – Vielleicht kommt ja morgen, am eigentlichen Festtag, noch mehr? –
Hier noch die informative Zugabe der NZZ: Neuerscheinungen von und zu Bob Dylan: Live 1961-2000 (Sony, Japan-Import). Clinton Heylin: Behind The Shades, als Take Two (biographische Gesamtdarstellung, Harper Collins). Günter Amendt: Dylan: Back To The Sixties (gesammelte Rezensionen, Konkret-Literatur-Verlag). Christian Williams: Bob Dylan – in eigenen Worten (Palmyra). Willi Winkler: Bob Dylan. Ein Leben (Alexander-Fest-Verlag). Internet: www.expectingrain.com (mit täglich aktualisierten Setlists und Konzertbesprechungen), www.bobdylan.com .
Robert Gernhardt spricht mit der „Weltwoche“ über die Lage der Lyrik. Statt alte oder neue Ordnungssysteme zu nutzen, produziere der „Mainstream“ ein „aufgeladenes Rauschen“. Für Anführer solchen Mainstreams erklärt er Thomas Kling sowie die diesjährige Büchnerpreisträgerin:
„Für einen komischen Autor ist es nahe liegend, die bewährten Techniken zu benutzen. Zudem: Keiner von ihnen käme mit diesem aufgeladenen Rauschen durch. Er will verstanden werden, und darauf kommt es beim Mainstream heutiger Lyrik überhaupt nicht an. Ich habe von der diesjährigen Büchnerpreisträgerin Friederike Mayröcker noch nie eine Zeile gelesen, die mich berührt, belehrt oder belustigt hätte. Aber ich kenne viele kluge Geister, die sich in diese Texte rein- und sogar wieder rauslesen können.“ / „Weltwoche“ Nr. 21/01, 23.5.2001
Am Anfang des zweiten Bremer Festivals „Poetry on the Road“ stand das definierende Wort: „Ein Gedicht ist eine Summe der Menschen und eine Kombination aus Wörtern“, hieß es in dem „Poema“, mit dem der mexikanische Autor und derzeitige Präsident der Schriftstellervereinigung PEN-International Homero Aridjis das Festival eröffnete: „Mit den Wörtern ergreifen wir die Geschichte. Mit dem Gedicht fassen wir das Leben.“
Diese Bestimmung sollte nicht die einzige bleiben. „What is poetry?“ fragte auch der britische Lyriker Adrian Mitchell in einem Gedicht. Seine dionysische Antwort: „Naked words, dancing together“, nackte Wörter, die miteinander tanzen. / Thorsten Jantschek, Die Welt 21.5.01
Ich habe dem Bob Dylan dieses und jenes und auch Hölderlins
(Wolf Biermann über Bob Dylan und wie man seine Songs übersetzt)
Außerdem gibt’s ein langes Gedicht von Wolf Biermann, hier eine kurze Leseprobe:
Hier liefer ich also mein Statement, Sir:
Ich heiß Robert Zimmerman, alias Dylan
Kaue mit falschem Gebiß, schlucke Pillen
Die Lieder sonder ich ab wie Schleim
Wenn es mich packt, laufe ich nackt
Hobby: Ich horte Propellerleim
„Nu mach schon, Bobby, unsre Leser wolln schließlich
über `nen Star, der grade steigt
völlige Klarheit …“
/ Die Welt 19.5.01
Thomas Kling macht sich stark für die poetische Avantgarde
Er verabscheut die sichere Distanz nicht weniger als das gesponserte Experiment. Modische Posen für den risikolosen Erfolg sind ihm ebenso verhasst wie verklemmte Volksbildner. Wenn Thomas Kling vom allseits beliebten „Abqualifizieren der ästhetischen Avantgarden“ spricht, erfasst ihn, der von sich behauptet, gar kein „Avantgarde-Fetischist“ zu sein, heiliger Zorn. Denn die einst von der Gruppe 47 gesetzten literarischen Maßstäbe geisterten, so Kling in seinem Essayband „Botenstoffe“, immer noch durch Kritikerköpfe und seien dafür verantwortlich, dass die deutschsprachige Lyrik mindestens 15 Jahre auf der Stelle getreten sei.
Um dem von ihm konstatierten „Avantgarde-Bashing“ entgegenzutreten, entwickelt Kling auf mehr als 200 Seiten ein polyphones, sprach- und poesiegeschichtliches Netzwerk. Provokant und selbstbewusst schlägt er den Bogen vom Barock-Gedicht des 17. Jahrhunderts bis zur spoken poetry dieser Tage. Dabei spart er nicht mit Lob und Tadel. In teils kritisch-essayistischen, teils assoziativ-polemischen Betrachtungen und Notaten legt er seine poetischen Wurzeln frei, offenbart Affinitäten und Parallelen zu Vorbildern und Kollegen und demontiert Autoren bis zur Kenntlichkeit. / Thomas Kraft, Potsdamer Neueste Nachrichten 19.5.01
The connection between Dickinson’s moods and her poems has long been a subject of interest but has never before been quantified. In the new research, John F. McDermott, professor emeritus of psychiatry at the University of Hawaii School of Medicine in Honolulu, examined whether there was a seasonal pattern to when Dickinson (1830-1886) wrote her poems.
The analysis suggest that Dickinson’s „creative genius was ignited“ in 1862, in the middle of an eight-year period when she wrote most of her work, McDermott said. Generally, during this period, Dickinson was much more prolific during the spring and summer and much less productive in the winter, he found.
„One can speculate she had winter blues or depression, but at the same time, in the spring and summer, she had a flash of creative energy,“ McDermott said in a telephone interview. „There was an overriding of that winter lapse. She wrote all day long — she wrote a poem a day. If she saw the chestnut tree in bloom, she would say the sky was in bloom. She had more intensity and enthusiasm about life. She had a change in mood, a cognitive change.“ / Washington Post 14.5.01
Er war einer der großen deutschsprachigen Lyriker des 20. Jahrhunderts. Eine Gedenklesung findet am 8.5.statt.
Wien (APA) – … mit seinen Liebesgedichten, deren Auflagen für Lyrik seltene Bestsellerhöhen erreichten, erzielte er nachhaltige Wirkung. Der österreichisch-britische Doppelstaatsbürger wurde in Wien geboren und hatte ab 1938 bis zu seinem Tod 1988 seinen ständigen Wohnsitz in London. Am kommenden Sonntag (6. Mai) jährt sich sein Geburtstag zum achtzigsten Mal.
Aus diesem Anlass findet am 8.Mai (20 Uhr) im Wiener Literaturhaus eine prominent besetzte Gedenklesung statt, zu der die AutorInnen Elfriede Gerstl, Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker, Andreas Okopenko, Robert Schindel und Rolf Schwendter erwartet werden. Am Berliner Ensemble wird bereits am 1. Mai Erich Frieds gedacht: Sein früherer Verleger Klaus Wagenbach gestaltet einen Abend mit dem Titel „Erich Fried erzählt Angela Merkel wie es wirklich war“. / Tirol Online 29.4.01
Zum Thema auch Die Welt (3.5.01).
Ernst Jandl war der Überzeugung, dass die Schöpfung misslungen sei, ganz sicher aber sein eigenes Leben. Sein in den letzten drei Jahrzehnten stetig gewachsener Ruhm, die Anerkennung als einer der großen Lyriker der deutschen Sprache der Gegenwart bedeuteten ihm zwar viel, doch manchmal hatte man das Gefühl, dass ihn das ganz tief innen gar nicht erreichte, und in den Phasen tiefster Depression, die ja gar nicht so selten waren in den letzten Jahren, scheint bisweilen auch noch jener Rest an Zuversicht verschwunden gewesen zu sein, der für die künstlerische Produktion wohl unabdingbar ist. Dann verfluchte er sich noch mehr als sonst: Noch nicht einmal seinen letzten und einzigen Daseinszweck konnte er noch erfüllen. / JÖRG DREWS, Süddeutsche Zeitung 21.4.01
ERNST JANDL: Letzte Gedichte. Herausgegeben von Klaus Siblewski. Luchterhand Literaturverlag, München 2001. Sammlung Luchterhand 2001, 124Seiten, 18,50Mark.
FRIEDERIKE MAYRÖCKER: Requiem für Ernst Jandl. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2001. 46 Seiten, 24 Mark.
Theobul Kosegarten: der Mann, der Caspar David Friedrich auf Rügens Kreidefelsen aufmerksam machte – eine Entdeckung
Das Schreiben muss ihm rasch von der Hand gegangen sein. Romane und Gedichte entstehen in erschreckend großer Zahl.
Fünfzehn idyllische Jahre bleiben Kosegarten in dem Pfarramt auf Rügen. Dann zieht der Krieg übers Land, von 1806 an. Napoleons Truppen räumen mit dem alten Europa auf. Der Roman- und Hymnendichter, wendig aus Not, wittert eine neue Chance. Kaum sind die Schweden besiegt, wechselt er auf die Seite der Franzosen, der neuen Herren des Landes, und wird von ihnen alsbald auf den Greifswalder Lehrstuhl für Geschichte und griechische Literatur gehoben. Als Dank hält Kosegarten Napoleon eine schöne Geburtstagsrede. / Michael Zeller, Süddeutsche Zeitung 21.4.01
Eine repräsentative Auswahl aus dem Gesamtwerk des norwegischen Dichters Sigbjørn Obstfelder
„Da ist ein Mann, der die Schneeglöckchen hat läuten hören“, schreibt Rainer Maria Rilke 1904. Gemeint ist der norwegische Schriftsteller Sigbjørn Obstfelder (1866?1900): Rilkes Verleger Axel Juncker war im Besitz der deutschsprachigen Rechte an einer Auswahl mit nachgelassenen Arbeiten Obstfelders, von der 1905 unter dem Titel Pilgerfahrten ein erster Band herauskam (der angekündigte zweite ist nicht erschienen). Auf der Grundlage dieser Texte hatte Rilke über ihn in der Wiener Zeitung Die Zeit einen Aufsatz veröffentlicht. / Süddeutsche 21.4.01
vom 21.4. stellt Michael Krüger das Gedicht „Der Mond kniet auf“ von Christine Lavant vor. – Michael Krüger auch in der Rubrik „Das neue Gedicht“ der Welt von heute – als Autor.
Das 2. Al-Mutanabbi-Festival der Poesie in Zürich (20.-22.4.)
Irgendwo am Letzigraben 49 muss Aladins Wunderlampe versteckt sein: Aussenstehenden jedenfalls dürfte dies als ein geringeres Wunder erscheinen denn die Tatsache, dass es dem Leiter des dort beheimateten Schweizerisch-Arabischen Kulturzentrums, dem Schriftsteller und Journalisten Ali al-Shalah, zum zweiten Mal gelungen ist, aus eigener Initiative ein dreitägiges Lyrikfestival mit internationaler Beteiligung zu organisieren. Mit zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Nahen Osten und dem Maghreb ist am Festival al-Mutanabbi – stimmigerweise, da es nach einem grossen arabischen Dichter des 10. Jahrhunderts benannt ist – die orientalische Dichtung stärker vertreten als die europäische; als besonders bedeutende Gäste werden István Eörsi aus Ungarn und der syrische Dichter Adonis erwartet, der seit längerer Zeit als Kandidat für den Literaturnobelpreis gilt. / NZZ 20.4.01
hat sich der Gedichte von Eugène Guillevic angenommen.
gmn. «Pas la peine / De pavoiser. / Le soleil / Va se lever.» So lautet eines der meist knappen, lakonischen, Aphorismen nahe kommenden Gedichte des 1907 im bretonischen Carnac geborenen Lyrikers Eugène Guillevic, die den Genfer Pianisten Jacques Demierre zu seinem neuen Soloalbum «Avec» (Plainisphare) inspiriert haben. Dabei handelt es sich nicht um eine eigentliche Vertonung des geschriebenen Wortes, sondern eher um spontane Variationen darüber. Entstanden sind diese spröde anmutenden Klangskizzen im Mai 1997. Nach der musikalischen Umsetzung der Worte durch Demierre erhielten die Zuhörer die entsprechenden Texte zugesteckt, so dass sie einen unmittelbaren Einblick in den laufenden Transformationsprozess gewinnen konnten. Diese Möglichkeit bietet sich nun auch durch die CD, in deren Booklet die Verse von Guillevic abgedruckt sind. Eine etwas andere Art, in das Werk eines hierzulande nicht sehr bekannten Poeten einzutauchen. / Der Bund 20.4.01
was er schrieb, als er seiner Frau am 23. Oktober 1962, wie immer in der großbürgerlich-französischen Sie-Form, das grandiose Pauschalkompliment machte: „Sie sind, und das wissen Sie genau, die Frau eines Poète maudit… Danke, Gisèle de Lestrange, dass Sie dies alles auf sich nehmen“?
PAUL CELAN – GISELE CELAN-LESTRANGE: Briefwechsel. Aus dem Französischen von Eugen Helmlé, hrsg. und kommentiert von Bertrand Badiou, in Verbindung mit Eric Celan. Suhrkamp Verlag, Frankfurt /M 2001. Zwei Bände, zusammen 1207 Seiten, 168 Mark.
A L’IMAGE DU TEMPS – Nach dem Bilde der Zeit. Gisèle Celan-Lestrange und Paul Celan. Katalog zur Ausstellung im Tübinger Hölderlinturm (bei der Edition Isele), 165 Seiten, 38 Mark. / KURT OESTERLE, Süddeutsche 20.4.01 / Auch besprochen in der FAZ, 21.4.01
u.a.: Roos, Martin: „Stefan Georges Rhetorik der Selbstinszenierung.“ Grupello Verlag, Düsseldorf 2000, ISBN 3933749395 Broschiert, 226 Seiten, 48,00 DM –
Hund: 1. das Gedicht „Hund und Mann“ des Japaners Kazuko Shiraishi, 2. das Kinderbuch „ottos mops“ vo Ernst Jandl und Norman Junge
ist ein «Andenken» an die Orte einer Beziehung und der Geographie. Grado oder Meran, der Attersee. Momentaufnahmen des Erlebten, «es geht wie ein Film ununterbrochen durch meinen Kopf». Und immer wieder liess man sich in gemeinsamen Sommerferien photographieren. Friederike Mayröcker und Ernst Jandl auf Holzbalkonen und in ungemähten Wiesen, zufrieden mit dem schlichten Anspruch des Landlebens. Immer für Wochen ziehen beide im Sommer aufs Land. «Ernst Jandl hat auf diesen Urlauben immer geschrieben, ich nie.» In Puchberg am niederösterreichischen Schneeberg entstehen die rustikalen «Stanzen», Gedichte von brachialer Vitalität.
Friederike Mayröcker: Requiem für Ernst Jandl. Suhrkamp- Verlag, Frankfurt an Main 2001. 48 S., Fr. 22.-. / Paul Jandl, NZZ 18.4.01 – In der taz vom gleichen Tag bespricht Elke Schmitter ebenfalls das Requiem-Buch , außerdem u.a. Ted Hughes: „Wie Dichtung entsteht“.
ist Jandls vermutlich allerletztes Gedicht («rot sei gott») gewidmet – auch dies ein verkapptes Selbstbildnis aus Fluchtiraden und Horrormetaphern, «ein sich in sich speiendes sei gott / . . . / ein im eigenen hirn steckengebliebenes / zeugungsglied». / Felix Philipp Ingold, NZZ 18.4.01
kommen in dem Band mit nachgelassenen Gedichten von Ernst Jandl erst später. Auf den ersten Seiten begegnet dem Leser ein Autor, der um seinen nahen Tod weiß und seine Verzweiflung nicht verbirgt. „ich beginne den mißglückten tag“, schreibt er und setzt fort: „mit der bitte um geistige umnachtung./ suche unsterbliche seele;/zahle höchstpreis“. Im Juni letzten Jahres war der beliebte österreichische Lyriker und Sprachexperimentierer gestorben. In der Sammlung Luchterhand wird jetzt ein Band mit seinen letzten Gedichten vorgelegt.
Ernst Jandl, Letzte Gedichte, Luchterhand Literaturverlag (Sammlung Luchterhand), München,123 Seiten, 18,50 Mark. / dpa. Hamburger Abendblatt 18.4.01
4bändige Brecht-Ausgabe in der Pleiade-Bibliothek
Zu diesen Außenseitern zählte der Theatermann Terzieff, der auch heute noch begeisternd Brechts Werke aufführt, vor allem auch seine Gedichte auf die Bühne bringt. Mit der Revue »Bertolt Brecht, der Dichter« ist er derzeit in Frankreich auf Tournee. »Brecht ist einer der größten Lyriker des Jahrhunderts. Seine Gedichte handeln von der Innerlichkeit des Menschen, die in seinem Theater nicht existiert«, meint Terzieff, »er hatte das Sichtbare und Unsichtbare im Blick, und zu ihrer Umsetzung in Poesie musste er eine neue Sprache erarbeiten. Er ist im Umgang mit den klassischen Versmaßen ebenso geschickt wie mit den freien Versen«.
Den »großen Poeten der Verfremdung« nennt die französische Presse den deutschen Dichter und begrüßt seine Aufnahme in den Kreis der französischen Klassiker einstimmig. »Endlich ist Brecht in das Pantheon der großen Erzieher des neuen Europas eingetreten«, hieß es dazu etwa. dpa, Reutlinger General-Anzeiger 18.4.01
bringt Dichtung aus ganz Mitteleuropa auf den Markt: Franz Hammer-bachers „Edition Korrespondenzen“.
Auf der Leipziger Buchmesse im März konnte Franz Hammerbacher seine neue „Edition Korrespondenzen“ der ganzen Branche vorstellen. Am Donnerstag, dem 19. April, präsentiert er sein erstes Programm in Wien – in der Buchhandlung Leporello (IX., Liechtensteinstraße 17, 19.30 Uhr). Die Altmeisterin Ilse Aichinger wird dort vorlesen. Eine noble Patin der so ambitionierten wie risikoreichen Neugründung! Im Herbst darf der 33jährige Neo-Verleger einen Titel von der Aichinger herausbringen. Auch der slowakischen Lyrikerin Mila Haugová, dem Österreicher Franz Weinzettl („Das Glück zwischendurch“ heißt sein Buch) sowie Christa Rothmeier, Übersetzerin von Gedichten des Tschechen Petr Borkovec, ist am Premierenabend zu begegnen. Franz Hammerbachers verlegerische Ziele sind schon aus seinen ersten sechs Titeln ablesbar: Poesie, Prosa wie auch Gedichte, in vielen Zungen, vorrangig aus den östlichen Nachbarländern, Übersetzungen mit dem Originaltext auf der jeweils linken Buchseite, die Bücher auf erstklassigem Papier gedruckt und fadengeheftet. Die deutsche Literatur ist vorerst durch den Bachmann-Preisträger Kurt Drawert vertreten. / Die Presse 17.4.01
one of the best examples. His Charles Eliot Norton Lectures, Other Traditions, were published last year, and contains six sweetly playful pieces on five „minor“ poets and Raymond Roussel. Why is David Schubert more important to Ashbery than Eliot or Pound? What is a minor poet? How did William Carlos Williams and Ashbery end up writing exactly the same line? Will Ashbery explain what the hell he was really talking about in Flow Chart? I advise you to go find out. / The New Republic 17.4.01
Das Bemühen um deutliche Abgrenzung ist erkennbar, mit dem der Lyriker und Germanist Dirk von Petersdorff seinen Feldzug gegen die vermeintlichen Altlasten der literarischen Moderne unternimmt. Ihn nerven die „Metadiskurse der Bartträger „, die Verlogenheit der machtbewussten „Priesterliteraten“ und jene ordnungsliebenden Staatskünstler, die die Kunst politisch funktionalisieren wollen. Petersdorff spricht in seinem Essayband „Verlorene Kämpfe“ vom „Zustand einer erschöpften Moderne“, die nur noch betrieblich intakt sei und Inhalte und Werte vermissen lasse. / Hannoversche Allgemeine 17.4.01 (Vielleicht ist er auch nur neidisch? fragt ein – machtloser – Bartträger).
Der Siebzehnjährige meldete, nachdem sein erster Gedichtband in zweiter Auflage erschienen war, seinen Tod – um aufzufallen. Und das blieb sein Programm: Der fleissige Dandy arbeitete, als Dramatiker wie als Patriot, als Weltmann wie als Einsiedler, als Sammler wie als Herzensbrecher, als Lyriker wie als Kämpfer zu Land, zu Wasser und in der Luft, an seiner Auffälligkeit; und aus Zeugnissen einer – wie man allerdings sagen muss – genialen Auffälligkeit besteht die ihm gewidmete Ausstellung. / NZZ 17.4.01
„zuerst die grossen zeitgenössischen lateinamerikanischen Erzähler, dann Cervantes, dann García Lorca und mit ihm eine Zeit der Lyrik-Lektüre“… sagt der Zapatistenführer Subcomandante Marcosim Gespräch mit dem kolumbianischen Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez über Dichtung und Politik / Tages Anzeiger 17.4.01
Jim Morrison quoted him, Daniel Boorstin made him into cover art. William Blake is everywhere… (sagt Arts & Letters Daily ) Mehr in der Village Voice .
Lyriker Stephen Dunn erhielt den mit 7500 Dollar (rund 17.000 Mark) dotierten Pulitzer-Preis für seine Gedichtsammlung „Different Hours“.
with his hellraising exploits, was actually a psychopath, according to new research by a leading psychiatrist. / Telegraph 15.4.01
und mit internationalem Erfolg – trotzdem droht der Internet-Plattform Lyrikline.org das Aus
Seit November 1999 läuft in der Literaturwerkstatt Berlin das Internet-Projekt Lyrikline.org. In einer audiovisuellen Bibliothek können online derzeit etwa 450 Gedichte von 45 Dichtern in 12 Sprachen abgerufen werden von H.C. Artmann bis Leo Tuor. Das Projekt, das für seine Internationalität von Uno und Unesco ausgezeichnet wurde, war mit einem Etat von 400 000 Mark gestartet und sollte jährlich mit 200 000 Mark gefördert werden. Doch Projektleiter Heiko Strunk hat seit drei Monaten kein Gehalt mehr bekommen. Das Weiterbestehen dieser einmaligen Internet-Plattform ist gefährdet. Mit Thomas Wohlfahrt, dem Leiter der Literaturwerkstatt Berlin, sprach Antje Schmelcher./ Die Welt 16.4.01
1977 konnte der vierzigjährige Dichter die Sowjetunion verlassen. Er emigrierte in die USA, wo er seit 1980 an der Yale University Slawistik lehrt.
Venclova ist ein Grenzgänger der Kulturen: Seine geistige Heimat liegt nicht nur in Litauen, sondern in gleichem Mass auch in Polen und Russland. Die Denotationen dieser Staatsnamen verflüchtigen sich in der komplizierten Geschichte dieser Region ohnehin – Litauen war lange polnisch oder russisch beherrscht und kannte vor 1991 nur in der Zwischenkriegszeit eine kurze Periode der Unabhängigkeit. Deshalb ersteht Osteuropa in Venclovas Lyrik als einheitlicher Kulturraum, der die politischen Grenzen überwindet. Das heisst jedoch nicht, dass sich die Literatur um die Politik foutieren könnte. Im Gegenteil: Gerade die geschichtlichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts haben den osteuropäischen Dichtern in aller Deutlichkeit ihre ethische Verantwortung ins Gewissen gerufen.
Tomas Venclova: Vor der Tür das Ende der Welt. Gedichte. In der Übertragung von Rolf Fieguth. Interlinearübersetzung von Claudia Sinnig-Lucas. Mit einem Essay von Joseph Brodsky. Rospo-Verlag, Hamburg 2000 / NZZ 14.4.01 – In der FAZ vom 18.4. bespricht Ralph Dutli das Buch.
dass das 20. Jahrhundert der lang währenden, nicht immer friedlichen, aber immerhin gelebten Kulturvielfalt ein blutiges Ende gesetzt hat. Zwei verheerende Weltkriege und ihre totalitären Ideologien haben aus den einst blühenden Städten bestenfalls ethnisch einheitliche Zentren mit sorgfältig restauriertem Architekturerbe, schlimmstenfalls aber gesichtslose Anhäufungen von Plattenbauten gemacht. Angesichts der postsowjetischen Tristesse stellt sich die Frage nach den verlorenen Traditionen in aller Dringlichkeit. Im Oktober 2000 trafen sich die Nobelpreisträger Günter Grass, Czeslaw Milosz und Wislawa Szymborska sowie der litauische Dichter Tomas Venclova in Vilnius, um den Kalamitäten der ostmitteleuropäischen Geschichte nachzuspüren.
Günter Grass, Czeslaw Milosz, Wislawa Szymborska, Tomas Venclova: Die Zukunft der Erinnerung. Herausgegeben von Martin Wälde. Steidl-Verlag, Göttingen 2001. 96 S., Fr. 26.20. / Neue Zürcher Zeitung, 14. April 2001
schreibt JOAN HOULIHAN in der Online-Zeitschrift Web del Sol aus Boston: The Argument for Silence: Defining the Poet Peter Principle. How Contemporary American Poets are Denaturing the Poem, Part III
(Ankündigung der Redaktion: Now legendary hard-hitter, Joan Houlihan, finds silence to be a suitable antidote. This new Boston Comment is going to create howls of relief and indignation. Stir ‚em up, Ms. Joan!)
Außerdem in Web del Sol (bzw. Diagram) : Das Gedicht Mandelstam in Limbo, über das sein Autor Andrew Davis sagt, es sei „obviously, a recasting of the beginning of Dante’s Inferno, with myself, or the „I“ in the poem, as Dante and Mandelstam as Virgil. Virgil was Dante’s supreme intercessor in matters of morality and inspiration; Mandelstam is mine.“ (und mehr!)
Die besten Gedichte des Bandes scheuen die lärmenden Zentren – und sie meiden die gleißenden Jahreszeiten. Stattdessen suchen sie die Perioden mit raschen Lichtwechseln und klammen Temperaturen, wo Regen, Wind und Nebel als bewegte, verschleiernde Genossen die Zeiten beherrschen. Und so ahnt man beim Anblick eines Fisches, in einer Hütte vor herbstlicher Küste auf eine Zeitung gebettet, – „das licht entzieht sich leise, das papier / nimmt tropfenweise meere in sich auf“ -, in ein Zwischenreich geführt zu werden. Während eines Besuchs im kretischen Kloster Arkadi, bei Regenwetter, – „die geschundenen schädel der märtyrer in der vitrine / deren glas beschlägt vom atem der lebenden“ -, beginnt man Stimmen zu vernehmen, von denen eine sagt: Dieser junge Lyriker versteht es, die Sprache auf Kundschaft auszuschicken.
Jan Wagner: Probebohrung im Himmel. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin 2001, 80 S., 24 Mark. / Berliner Zeitung 14.4.01
zu Lesungen, zwei- bis dreimal die Woche, in deutschsprachigen Ländern, kürzlich sogar in Ägypten. Außerdem arbeitet er an Projekten: Pop, Hip Hop, Theatermusik. Der hagere Dichter erzählt langsam, überlegt, mit leisem Witz, trägt Gedichte aus seinem Buch „Lichter in Menlo Park“ vor.
Zu seinen Versen, über Erfinder und über Kleinbauern, spielt er Klavier. Dass dabei einzelne Worte untergehen, nehme er in Kauf, sagt er, denn: „Was bleibt von einem Text? Doch nur eine Stimmung.“/ Darmstädter Echo 14.4.01
einen Roman schreibt, Kurzprosa oder Lyrik, er zielt immer auf dasselbe Zentrum hin, das er beharrlich umkreist, ertastet und attackiert. Er sucht darin das «spurlos Vorhandene», wie er es in seinem neuen Gedichtband «Die Uhr» nennt. Das, was ohne Anwesenheit existiert, was nicht mehr ist oder gar nie geworden ist. Es zu fassen bedeutet «Die Umrisse / einer ausbleibenden Reaktion / nachzeichnen», «Eine längst annullierte Sache / an Land ziehen» / Der Bund 14.4.01
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