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Veröffentlicht am 14. März 2026 von lyrikzeitung
118 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Jetzt, wo er langsam geht, noch einmal über den Winter.
Horst Samson
Sich einrichten in der Zeit
Es ist spät. Wir schaufeln den Schnee
Aus den Augen. Der Winter ist der Fachmann
Fürs Altern. Die Tage sind kürzer
Als ein Bleistift. Es wird schon
Früh dunkel. In den Köpfen
Hausieren die Vergänglichkeit und die Angst
Vor dem Schlaf. Wach liegst du
Neben mir auf einem Leintuch so weiß
Wie ein Stück Papier. Im Dunkeln
Schlägt die Haut Funken. Es knistert,
Dann wird es still. In der Sprache
Brennt noch Licht. Und ich höre dich atmen
In meinem Gedicht über das Unsichtbare
Und das Sichtbare darin.
Aus der soeben erschienenen Nummer 2/2026 der Zeitschrift Sinn und Form (S. 236)
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Alter, deutschsprachige Lyrik, Gegenwartslyrik, Horst Samson, Sich einrichten in der Zeit, Sinn und Form, Vergänglichkeit, Wintermotiv
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