Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 9. März 2026 von lyrikzeitung
161 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Christine Lavant
(* 4. Juli 1915 in Großedling bei St. Stefan im Lavanttal; † 7. Juni 1973 in Wolfsberg)
Gegrüßet seist du, Königin,
ich baue dir ein Haus.
Nur Gott weiß, wann ich fertig bin,
drum zieh du noch nicht aus.
Bleib, bis er winkt, im roten Klee,
mein Haus wird weiß sein so wie Schnee,
bloß vorn mit Feuerbohnen.
Du wirst dort ruhig wohnen,
doch eine Vogelwolke kann
dich grüßen kommen dann und wann
von meiner armen Seele.
Was ich dir noch empfehle,
ist diese Staude, die ich jetzt
mit vieler Müh hab übersetzt
aus meinem dürren Herzen.
Sie trägt nur alle sieben Jahr
die Blume, die mein Labsal war,
ein Kelchstern rot von Schmerzen
und voll von bitterm Tränentau.
Trink nie daraus, o liebe Frau!
Denn es verzaubert deinen Sinn,
und macht auch dich zur Bettlerin.
Aus: Frauen | Lyrik. GEDICHTE IN DEUTSCHER SPRACHE. Im Auftrag der Wüstenrot Stiftung herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Anna Bers. Stuttgart: Reclam, 2020,S. 524f
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: Armut und Mystik, österreichische Lyrik, Christine Lavant, deutschsprachige Lyrik 20. Jahrhundert, Frauenlyrik, Gegrüßet seist du Königin Gedicht, Marienmotiv, religiöse Lyrik
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare