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Veröffentlicht am 4. Januar 2026 von lyrikzeitung
Meret Oppenheim
(* 6. Oktober 1913 in Charlottenburg, heute Berlin; † 15. November 1985 in Basel)
Der Hund meiner Freundin
Ich liebe den Hund meiner
Freundin. Er kann so schön
»ja« sagen. Er sagt »ja«, wenn
man ihn vergißt. Er verdammt
keinen, der sich mit ihm vergleicht.
Wo er hinkommt, da kehrt der
Frühling ein. Weint er, verliert
die Natur ihre Federn. Ist er
hingegen wohlgelaunt, schiebt
er mit viel Geschick die Hand zum
Mund, um ihm seine tiefsten
Geheimnisse abzulauschen.
Wie jeder brave Mann hat er
zwei Seelen in jeder Brust,
fünfundzwanzig an Händen und Füßen.
Aus: Meret Oppenheim: Husch, husch, der schönste Vokal entleert sich. Gedichte, Prosa. Hrsg. Christiane Meyer-Thoss. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2002, S. 63
Kategorie: Deutsch, Deutschland, SchweizSchlagworte: Der Hund meiner Freundin, deutschsprachige Moderne, Gedicht des Tages, Gedicht Meret Oppenheim, Husch husch der schönste Vokal entleert sich, Lyrikzeitung, Meret Oppenheim, Prosa-Lyrik, Suhrkamp, Surrealismus, surrealistische Literatur, Tiermetapher
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