Himmel oder Hölle?

Die soeben erschienene Ausgabe 3/2025 der Zeitschrift Sinn und Form bringt „Nachdichtungen hebräischer Gedichte“ von Jan Wagner (erst in den Anmerkungen am Schluss der Ausgabe erfährt man genauer, dass die Gedichte aus dem Englischen des zweisprachigen Penguin Book of Hebrew Verse nachgedichtet sind).

Daraus eins von zwei Gedichten des Dichters Immanuel von Rom (um 1261-um 1335). Der italienische Dichter schrieb Hebräisch und Italienisch und wurde stark von Dante beeinflusst.

Immanuel ben Schlomo ha-Romi, italienisch Manouello Romano oder Manoello Giudeo (geboren um 1261 in Rom; gestorben um 1335), war ein italienischer Schriftsteller. Er gilt als der bekannteste Dichter in hebräischer Sprache aus Italien.

https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_ha-Romi
PARADIES UND HÖLLE

Mein Herz hat sich entschieden: Keinen Hektar
Vom Paradies und alle meine Gunst
Der Hölle: Dort tropft Honig, dort sind Nektar
Und zarte Ricken, Damen in der Brunst.

Was gibt's im Paradies? Wohl kaum Affären,
Nur Frauen, schwärzer noch als Pech und Ruß,
Nur Greisinnen, von denen Flechten zehren.
Dem Geist bleibt, so umringt, nichts als Verdruß.

Was, Paradies, du bietest? Ein Habtacht
Von Stummelweibern, Gaunern, Hungerleidern.
Bedenk ich's recht, so scheinst du nichts zu taugen.

Nichts übertrifft denn, Hölle, deine Pracht,
Dein sind die Mädchen in den Seidenkleidern.
Nur du führst alle Wonnen uns vor Auge

Aus dem Englischen von Jan Wagner, aus: Sinn und Form 3/2025, S. 387.

(Die hebräische Fassung liefere ich im Lauf des Tages nach).

Aus: The Penguin Book of Hebrew Verse. Edited and translated by T. Carmi. Harmondsworth: Penguin, 1981, S. 421f

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