wieheißtesnochmal

Miedya Mahmod

(Geboren 1996 in Dortmund, lebt im Ruhrgebiet)

sonntag, 19. februar
es gibt das vergessenhaben
und das wieheißtesnochmal
sich nicht erinnern können
wieheißtesnochmal
es gibt deutsche
und das deutschsein
es gibt die brd, ddr, die wiedervereinigung
es gibt das wir und es gibt das
wieheißtesnochmal
Rostock, Hoyerswerda, Mölln, Solingen
noch vor Rostock: Schwerin, Wismar,
jahre, südlicher, wärmer, wärmer, brandanschlag
Duisburg'84, es gibt sie
diese jahre
mal bist du die fackel
mal der gejagte

Aus: Sprache im technischen Zeitalter 251, September 2024, S. 258

3 Comments on “wieheißtesnochmal

  1. Bei Parallelrealitäten ist es aber meist so, dass eine der beiden keine Realität ist, sondern fehlerhafte Wahrnehmung. Im Kommentar von Horst Samson liegt, finde ich, einiges im Argen.

    Zunächst: „Solingen“ wird doch im Gedicht genannt. Meinend allerdings den Brandanschlag in den 1990ern. Überhaupt wäre zu erklären, was an diesem Poem „Machwerk“ ist … Einem Kunstwerk den Kunstcharakter abzusprechen, auch noch qua Vergleich mit Agitprop der DDR-Kulturpolitik; und die Autorperson als vom „Ruhrspottvirus“ befallen, also krank zu bezeichnen, zeigt ja schon ein gerüttelt Maß an Skrupellosigkeit. Es bestätigt, wie sehr die im Gedicht genannte Xenophobie schon in eine Pogromstimmung gekippt ist. 80% der Bevölkerung lassen uns aber nicht von 20% Rohlingen die Ausrichtung dieser Republik diktieren.

    Im Ganzen hat es den Anschein, dass eine non-binäre Person, die in einer renommierten Literaturzeitschrift wie „Sprache im techn. Zeitalter“ ein Gedicht veröffentlichen will, das sich mit Progromenstimmungen gegen Asylsuchende und stattgehabten Pogromen auseinandersetzt, erstmal auf Vollständigkeit achten muss. Moment! Warum? Seit wann sind Gedichte vollständig, und nicht vielmehr v.a. subjektiv? Es ist weiterhin der Eindruck zu gewinnen, dass die genannten Orte „Solingen, Aschaffenburg, München“ im Kommentar etwas insinuieren sollen: Der Terror, der von psychisch kaputten Menschen ausgeht, ist VIEL SCHLIMMER als alles, was in der Vergangenheit an Alltagsrassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit von einigen rechten Hetzblättern und ausgehfeinen Faschos vom Stapel gelassen wurde, alles unter dem Label: „Deutschland, aber normal!“ — Aus diesem Fonds kommen auch der sog. NSU, die Attentäter von Hanau und Halle usw.

    Die im Text von Miedya Mahmod genannten Orte, und der Appell sich an die anderen ungenannten Orte zu erinnern, an denen Ausländer (m/w/d) gejagt, verprügelt und getötet wurden, ist weder provinzielle Satire („Ruhrspottvirus“) noch „Machwerk“. Es macht Angst, Trauer und Wut mit sparsamst eingesetzten Mitteln nachvollziehbar.

    Alles an Horst Samsons Kommentar ist darauf ausgerichtet, eine ihm unliebsame Sprecherposition zu delegitimieren. Das Argumentum ad hominem bedeutet Scheinargumentation. Wer andere aber nur persönlich diffamiert, und dies im Gewand der Sprachkritik, hat seine Autorität verschenkt. So jemand ist meiner Meinung nach weder „Patriot“ noch „besorgter Bürger“, sondern bloß ein Hetzer, der nichts sehnlicher wünscht als Massenabschiebungen und Kulturkampf. Eine Opfergruppe gegen eine andere aufzurechnen, unterstreicht dieses m.E. mangelnde Maß an Zivilisiertheit.

    Wollte man auf Biegen und Brechen vergleichen, dann wäre tatsächlich ´München´ zu nennen, aber als Ort des schlimmsten Bombenanschlags in der Geschichte der BRD. Und der Täter war ein Fascho, kein Islamist oder narzisstischer Macho …

    Hetze, lieber Michael, ist keine Ansichtssache.

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  2. Was ist denn das für ein übles einseitiges, einbeiniges Machwerk. Man glaubt, in der frühen DDR der Fünfzigerjahre zu sein,

    …vergessenhaben
    und das wieheißtesnochmal
    sich nicht erinnern können…

    da fehlen eine ganze Reihe anderer Ortschaften Solingen, Magdeburg, Aschaffenburg, München, davor gab es noch eine ganze Reihe andere, aber da ist ja das Vergessenhaben, dass den Autor scheinbar befallen hat! Ich nenne es jetzt mal „Ruhrspottvirus“!

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